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  • MANK ★★★½

    MANK ★★★½

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    Während sich Filme aus Hollywood seit über 100 Jahren in aller Welt großer Beliebtheit erfreuen, ist in Tinseltown unter der kalifornischen Sonne vor allem eines besonders gern gesehen: Filme über sich selbst. Glücklicherweise bot das Zentrum der US-Filmindustrie dafür abseits der Leinwand immer schon genügen Stoff. So war die Metropole jüngst in Once Upon A Time In Hollywood von Quentin Tarantino oder La La Land von Damien Chazelle die Hauptdarstellerin. Neben zahlreichen weiteren Filmen setzte sich auch Billy Wilders Boulevard der Dämmerung mit den Dynamiken der Traumfabrik auseinander. Nun verfilmte Regisseur David Fincher mit Mank ein Drehbuch seines Vaters Jack Fincher über den Drehbuchautor Herman J. Mankiewicz (1897-1953). Er erlangte in den 1940er Jahren nicht zuletzt deshalb Bekanntheit, weil er das Drehbuch für Citizen Kane von Orson Welles verfasste. Dem Film liegt ein Drehbuchstreit zugrunde. Lange galt als ungeklärt, wie groß der jeweilige Anteil von Mankiewicz und Welles gewesen ist. Es war eine Zeit, in der Film nicht als Gemeinschaftsprojekt verstanden wurde, sondern der Regisseur als zentraler kreativer Urheber galt.

    Darum geht es

    Das junge aufstrebende Talent Orson Welles (Tom Burke) beauftragt Herman J. „Mank“ Mankiewicz (Gary Oldman) das Drehbuch für seinen nächsten Film zu schreiben. Dafür stellt er Mank, der durch einen Autounfall ans Bett gefesselt ist, ein Haus in der Mojave Wüste zur Verfügung. Dort soll er ungestört, weil dem Alkohol nicht abgeneigt, seiner Sekretärin Rita Alexander (Lily Collins) diktieren. Es ist das Jahr 1940 und die Handlung springt folglich immer wieder in die 1930 Jahre zurück.

    Dabei sehen wir vor allem Episoden, die Mank letzten Endes dazu gebracht haben, das Drehbuch zu Citizen Kane zu verfassen. Kanes reales Vorbild ist der Geschäftsmann und Herausgeber William Randolph Hearst (Charles Dance). Ihn lernt Mank über die Schauspielerin Marion Davies (Amanda Seyfried) kennen.

    In weiterer Folge kommt es zu mehrere Begegnungen zwischen Hearst und Mank. In Rückblenden wird die Studiolandschaft, vor allem mit MGM und Louis B. Mayer (Arliss Howard), genauso thematisiert, wie die Propaganda während des Wahlkampfs um den kalifornischen Gouverneur im Jahr 1934.

    Manks Alkoholsucht macht ihm immer mehr zu schaffen. Trotzdem vollendet er das Drehbuch binnen weniger Wochen. Obwohl es von Seiten des Produzenten bedenken gibt, da sowohl Hearst als auch Davies offensichtlich erkennbar sind, möchte Welles ihm sämtliche Rechte am Buch abkaufen. Mank verlangt jedoch, als Autor genannt zu werden. Es sollte die herausragendste Arbeit seiner Karriere sein.

    Mank und die folgenschwere Begegnung mit Marion Davies auf einem Filmset.

    Kommentar

    David Fincher gilt als Perfektionist, um nicht zu sagen als Pedant. Im Falle von Mank lässt es sich bereits im Trailer erahnen und schon beim Netflix Schriftzug zu Beginn ist es klar, er meint es ernst. In strahlendem, digital perfektem, Schwarzweiß präsentiert sich seine Hommage an das alte Hollywood. Der Ton ist leicht hallig, wie man es aus alten Filmen kennt. Bildfehler wurden nachträglich hinzugefügt. Genauso wie die Markierungen in der rechte oberen Ecke, die als Hinweis für Filmvorführer gedacht waren, damit sie wussten, wann sie während der Projektion die Filmrolle wechseln mussten. Vieles erinnert hier stilistisch an jene Zeit, in der die Handlung spielt. Einzige das Filmformat Cinemascope fällt buchstäblich aus dem Rahmen. Es wurde erst Anfang der 1950er Jahre eingeführt.

    Der Aufbau der Geschichte mit Rückblenden erinnert genauso an Citizen Kane, wie die Kamera von Erik Messerschmidt. Große Tiefenschärfe und extreme Blickwinkel von oben und unten erinnern stark an die Arbeit von Gregg Toland, dem damaligen Kameramann. Gedreht wurde Großteils im Studio. Dort sind auch die charakteristischen Autofahrten vor Leinwandprojektionen entstanden, wie man sie aus alten Filmen kennt.

    Auftritt Josef von Sternberg, David O. Selznick, Louis B. Mayer, Irving Thalberg, Charles Lederer und natürlich Orson Welles (wenn auch nur in kurzen Szenen). Es sind schon eine ganze Reihe an Hollywood-Legenden, die Manks Weg kreuzen. Die Geschichte funktioniert ohne großes Vorwissen. Freilich sind diese Namen einem breiteren Publikum heute nicht mehr bekannt. Ebensowenig die Studiolandschaft der damaligen Zeit von RKO bis MGM und die politischen Positionen. Wozu also der ganze Aufwand?

    Gary Oldman, nicht gerade bekannt für seine zurückhaltende Darstellungen, ist zurecht der Star des Films. Er hält alles zusammen. Sonst würde die Geschichte wegen der unzähligen oft nur kurzen Auftritte anderer Charaktere auseinanderfallen. Die gesamte DarstellerInnenrige ist durch die Bank gut besetzt. Seyfrieds Davies ist mehr als ein kleines Starlet. Die Dialoge sind eine regelrechte Freude. Freude, strahlen die Protagonisten jedoch nicht aus. Es sind keine glänzenden Hollywoodstars. Mank taugt daher auch nicht als Liebeserklärung an Hollywood.

    Die Passagen über den Wahlkampf um das Gouverneursamt sind unschwer als Verweis auf die Gegenwart zu verstehen, die Parallelen verblüffend. Die Manipulation gipfelt im Heraufbeschwören eines vermeintlich drohenden Kommunismus. Fincher gelingt es die Brücke zu schlagen und die Thematik mit der Haupthandlung zu verweben.

    Der Geschichte liegt ein Essay der Filmkritikerin Pauline Kael zugrunde. Sie hatte 1971 erstmals Welles‘ Anteil an der Urheberschaft am Drehbuch in Frage gestellt. Citizen Kane galt viele Jahrzehnte lang als bedeutendster Film aller Zeiten. Mank gelingt es das zu würdigen, obwohl bis zum Ende der Handlung noch keine Szene von Kane im Kasten sein wird. Ob die Geschichte auch nicht Filmfans fesseln kann, sei dahingestellt. Vermutlich wird es Mank selbst bei Cineasten schwer haben. Bei Netflix bleibt man jedenfalls der Linie treu, immer wieder Geschichten zu produzieren, die sonst wohl kaum mehr Chancen auf eine Umsetzung hätten. Gut möglich, dass damit neuerlich ein Prestigeprojekt geglückt ist. Das Publikum lässt man diesmal aber eher ratlos zurück.

    Die technische Perfektion und Detailverliebtheit ist jedenfalls beeindruckend. Wenn es Gründe braucht, die Kinos wieder aufzusperren: Mank ist einer davon.

    DAVID FINCHER | MANK | USA 2020 | 131 MIN. | [usr 3,5]

    Orson Welles bei Netflix

    Sie werden mich lieben, wenn ich tot bin (Dokumentation, 2018)


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  • HILLBILLY ELEGY ★★★

    HILLBILLY ELEGY ★★★

    Der neueste Film von Regisseur Ron Howard basiert auf dem autobiographischen Roman Hillbilly Elegy: A Memoir of a Family and Culture in Crisis von J. D. Vance aus dem Jahr 2016. Es war das Jahr, in dem Donald Trump überraschenderweise die Präsidentschaftswahl für sich entscheiden konnte. Der Roman wurde zum Beststeller und retrospektiv dazu herangezogen, besser verstehen zu können, was da genau passiert war. Hillbilly Elegy ist eine Familiengeschichte aus dem Rust Belt, der ehemals ältesten und größten Industrieregion der USA, die vom Strukturwandel der letzten Jahrzehnte besonders betroffen war und dem Lager der Trump Unterstützer zuzurechnen ist. Die abfällig auch Hilbillys genannten Bewohner der Apalachen, jenem Gebirgszug, der sich von Norden nach Süden durch den ganzen Osten der USA erstreckt, interessieren sich sich herzlich wenig für die Themen der Weltpolitik. Es geht vielmehr um das tägliche Überleben. Im Falle von J.D. Vance ist es geprägt von schwierigen familiären Verhältnissen und dem Wunsch, dem Teufelskreis immer wiederkehrender Gewaltausbrüchen zwischen den Generationen zu entkommen. Eine Filmkritik, keine Literaturkritik.

    Darum geht es

    Zu Beginn, es ist das Jahr 1997, ist J. D. Vance (gespielt von Owen Asztalos als Jugendlicher und 13 Jahre später von Gabriel Basso) mit seiner Familie im Sommer auf Verwandtschaftsbesuch in Kentucky. Schon vor vielen Jahren ist die Familie Richtung Norden nach Ohio gezogen. Der Arbeit wegen. Doch jetzt liegt alles danieder. Die Arbeitslosigkeit ist hoch. Geschlossene Läden prägen das Straßenbild und spiegeln die wirtschaftlich triste Lage wider. J. D.s Mutter Bev (Amy Adams) hat die Arbeit als Krankenschwester drogenkrank gemacht. Der Junge sucht Zuflucht bei der Oma Bonnie (Glenn Close), die ihrerseits Anteil daran hat, dass ihre Tochter mit dem Leben nicht fertig wird.

    Die Handlung springt zwischen zwei Zeitebenen hin und her: 13 Jahre später studiert J. D. auf der Yale University. Als Kriegsveteran tat sich ihm diese Möglichkeit auf. Er führt mit seiner Freundin Usha (Frida Pinto) ein Leben fernab seiner Vergangenheit. Um sein Studium zu finanzieren, hat er gleich mehrere Jobs. Dann ereilt ihm just in der Woche wichtiger Vorstellungsgespräche ein Anruf seiner Schwester Lindsay (Haley Bennett). Die Mutter ist rückfällig geworden. Er begibt sich auf eine zehnstündige Autofahrt zurück in seine alte Heimat.

    J D. (Owen Asztalos) sucht Zuflucht bei der Oma (Glenn Close).

    Kommentar

    Man hatte hohe Erwartungen an die Verfilmung von Hillbilly Elegy. Während sie beim Publikum recht gut angekommen ist, wurde das Familiendrama von der Kritik regelrecht in der Luft zerrissen: Das Potential der Buchvorlage wurde nicht ausgenutzt und überhaupt hatte man das alles schon einmal woanders gesehen und würden nur Klischees bedient. Das mag stimmen. Die Perspektive ist aber neu. Nicht von außen, sondern von mitten drinnen stammt dieser Bericht über die Widrigkeiten der von Arbeitslosigkeit gebeutelten Menschen im Rust Belt. Armut macht krank. Arbeitslosigkeit macht krank. Niemand wird hier verurteilt und es ist auch kein Blick von oben herab. Hillbilly Elegy begegnet seinen Figuren auf Augenhöhe.

    Trotz der tragischen Geschichte ist Hillbilly Elegy keine schwere Kost, allerdings gleichzeitig ziemlich humorlos. Das Drehbuch stammt von Vanessa Taylor, die für The Shape of Water mit einem Oscar nominiert wurde. Der Film springt geschickt zwischen den zwei Zeitebenen hin und her. Man behält den Überblick.

    Ohne Zweifel sind Glenn Close und Amy Adams die Stars von Hillbilly Elegy. Dick aufgetragen ist an manchen Stellen aber nicht nur das Make-up. Jedoch zeigt der Nachspann, welch gute Arbeit beim Casting gemacht wurde. Sämtliche Darsteller sind den realen Vorbildern sehr ähnlich.

    Inszeniert ist das ganze recht konventionell. Eine eigene Handschrift von Ron Howard ist schwer auszumachen. Der Regisseur war in der Vergangenheit im Action Genre genauso erfolgreich wie im kleinen dramatischen, fast kammerspielartigen Fach. Das mag für manche zu beliebig sein. Ecken und Kanten sucht man hier vergebens. Politische Statements fehlen ebenso. Kurzweilig ist Hillbilly Elegy trotzdem und am Ende kann man zumindest erahnen, wie die Menschen in dieser Region ticken.

    Streamingplattform

    Netflix


    HILLBILLY ELEGY | RON HOWARD | USA 2020 | 116 MIN. | [usr 3]


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  • ONWARD: Keine halben Sachen ★★★★

    ONWARD: Keine halben Sachen ★★★★

    Wenige Tage nach dem Filmstart von Onward im März mussten die Kinos schließen. Die Filmplakate hingen noch für Monate in der Stadt. Das hatte einen gewissen apokalyptischen Touch. Als wäre damals die Welt still gestanden und irgendwie war das auch so. Seit kurzem ist die Pixar Produktion beim hauseigenen Streamingdienst Disney+ verfügbar. Eine gute Gelegenheit die Geschichte über zwei Elfenbrüder, die ihren verstorbenen Vater mit einem Zauber für einen Tag zurückholen möchten, nachzuholen.

    Darum geht es

    In der Fabelwelt der Elfenbrüder Ian und Barley Lightfoot geht mit der fortschreitenden Technisierung die Magie immer mehr verloren. Doch auf einmal steht Ian vor der Möglichkeit, ihren früh verstorbenen Vater mittels magischem Zauber für einen Tag zurück ins Leben zu holen. Bei dem Versuch geht aber etwas gehörig schief. Die Materialisierung gelingt nur von den Schuhen bis zum Hosenbund. Die beiden Brüder begeben sich mit dem halben Vater auf eine „Quest“, eine Reise, um ein magisches Artefakt zu finden. Damit soll es ihnen gelingen, den Zauber zu beenden. Es beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, denn der Vater wird beim nächsten Sonnenuntergang wieder vollkommen verschwunden sein. Ihnen dicht auf den Fersen sind die besorgte Mutter und deren neuer Lebenspartner, ein Polizei-Zentaur.

    Ian hört auf Kassette die Stimme seines Vaters.

    Kommentar

    Es ist immer wieder erstaunlich, was man sich bei Pixar alles einfallen lässt. Die Grundthemen sind in den Filmen immer wieder zu finden: Familie, Freundschaft, Erwachsenwerden und große Abenteuer. Kombiniert mit einer State of the Art Animationstechnik, ist die Tochter Firma von Disney ganz klar Marktführer. So wie es Disney über Jahrzehnte selbst gewesen ist. Onward ist nur die logische Fortführung dieser sich nur marginal verändernden Konzepte. Dabei werden hier erkennbar animierte Elemente mit einer Teils hyperrealen Welt verschmolzen.

    Besonders erwähnenswert ist, wie die Geschichte am Ende aufgelöst wird. Man würde meinen, dass es Ian selbstverständlich gelingt, den Vater rechtzeitig zurückzuholen, um noch einmal Zeit mit ihm verbringen zu können. Ganz so einfach macht man es sich damit aber nicht. Der Fokus der Vater-Sohn-Geschichte verschiebt sich im Laufe der Handlung auf die Beziehung der zwei Brüder. Es ist ein herzzerreißendes Finale, soviel sei verraten.

    Für die älteren Zuseher ermöglicht Onward ein heiteres Zitateraten. Regisseur und Drehbuch Autor Dan Scanlon (Die Monster Uni) hat unzählige Verweise an die Filmgeschichte eingebaut. Der Ideenreichtum bei Pixar scheint grenzenlos zu sein. Obwohl der Film nicht in deren oberster Liga des Studios mitspielt, kann man mit ihm trotzdem eine gute Zeit verbringen. Da ist für jeden etwas dabei.

    Streamingdienst

    Disney+


    DAN SCANLON | OT: ONWARD | USA 2020 | 105 MIN. | [usr 4]


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  • DU HAST DAS LEBEN NOCH VOR DIR ★★★½

    DU HAST DAS LEBEN NOCH VOR DIR ★★★½

    Über ein Jahrzehnt nach ihrer letzten Filmrolle hat Sophia Loren in Du hast das Leben noch vor dir noch einmal einen großen Auftritt. Eine andere legendäre Schauspielerin der 20. Jahrhunderts zog sich bereits Ende der 1970er Jahre vollständig aus der Öffentlichkeit zurück. Marlene Dietrich wollte sich als glamouröser Filmstar im kollektiven Gedächtnis erhalten. Sie starb 1992 in völliger Einsamkeit. Loren hält es damit ganz anders. Mit 86 Jahren spielt sie nun unter der Regie ihres Sohnes Edordro Ponti eine fast 100-jährige Holocaust-Überlebende und darf sich, geht es nach KritikerInnen in den USA, Chancen auf einen dritten Oscar ausrechnen.

    Darum geht es

    Die ehemalige Prostituierte Madame Rosa (Sophia Loren) hat sich in ihrer kleinen Wohnung in Bari schon vieler kleiner Kinder ihrer Kolleginnen angenommen. Eines Tages nimmt sie etwas widerwillig Momò (in seiner ersten Rolle: Ibrahima Gueye) aus dem Senegal bei sich auf. Gerade noch hatte der Junge sie auf der Straße ausgeraubt. Während sie ein anderes Kind mit dem jüdischen Glauben vertraut macht, bringt sie den muslimischen Ladenbesitzer Hamil (gespielt von Regisseur Asghar Farhadi) dazu, Momò seine Kultur näher bringen kann. Doch der Junge verdingt sich weiterhin seinen Lebensunterhalt als Drogendealer und das äußerst erfolgreich.

    Das Verhältnis zwischen Momò und Rosa ist nicht das beste. Immer wieder zieht sich Rosa in ihren Keller zurück, den sie notdürftig eingerichtet hat. Das Verhalten und die Ängste, die sie plagen, sind für Momò unverständlich. Als sich Rosas Gesundheitszustand verschlechtert, kommen kommen sich die beiden doch näher.

    Ibrahima Gueye und Sophia Loren

    Kommentar

    Gedreht wurde diesen Sommer, also mitten in der Pandemie. Zumindest vor der Kamera ist davon nichts zu bemerken. Unter solch erschwerten Bedingungen eine Produktion auf die Beine zu stellen, ist schon alleine eine starke Leistung.

    Ein Flüchtlingskind im Süden Italiens und eine Holocaust-Überlebende: diese Konstellation hat das Potential zum großen Drama. Romain Gary, dem Autor des dem Film zugrundeliegenden gleichnamigen Romans aus dem Jahr 1975, interessierte aber viel mehr die Beziehung seiner zwei Protagonisten und weniger die Details ihrer Biografien. Der junge Gueye meistert sein Debüt bravourös aber wir sind nur wegen einer hier: der Loren. Trotz jahrelanger Leinwandabstinenz füllt die italienische Schauspiellegende mit ihrer Aura immer noch jede Szene aus. Jeder Auftritt von ihr, auch jenseits der Kamera, ist eine große Inszenierung. In Du hast das Leben noch vor dir übt sie sich allerdings in Zurückhaltung und zeigt ihrem Publikum eine alte Frau in all ihrem Leid und ihrem Glanz und resolut wie man sie aus ihren Filmen kennt.

    Du hast das Leben noch vor dir ist ein kein Film, der sich lange mit den Themen Migration und Vergangenheitsbewältigung aufhält. Der Film plätschert so dahin und gegen Ende wird dann doch noch auf die Tränendrüse gedrückt. Es ist ein kleiner aber feiner Film, der ganz auf seine Hauptdarstellerin zugeschnitten ist und sie alleine ist es Wert, sich ihn anzusehen.

    Streamingdienst

    Netflix


    EDOARDO PONTI | OT: LA VITA DAVANTI A SÉ | IT 2020 | 94 MIN. | [usr 3.5]


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  • REBECCA ★★★

    REBECCA ★★★

    Den titelgebenden Klassiker hat die britische Schriftstellerin Daphne du Maurier im Jahr 1938 mit nur 21 Jahren verfasst. Bereits zwei Jahre später gelang Alfred Hitchcock eine sehr erfolgreiche Verfilmung des Romans. Es folgte eine Opernfassung in den 1980er Jahren und ein Musical von Silvester Levay und Michael Kunze in Wien im Jahr 2006. Spät aber doch gibt es nun eine Neuverfilmung von Rebecca. Regisseur Ben Wheatley hat den romantischen Thriller für die Generation Netflix auf Hochglanz poliert und für die Streamingplattform inszeniert.

    Darum geht es

    Monte Carlo in den 1930er Jahren. Eine namentlich nicht genannte junge Frau (Lily James) reist als Begleiterin einer schrulligen alten Dame durch Europa. Im gleichen Hotel abstiegen ist Maxim de Winter (Armee Hammer), ein in der besseren Gesellschaft bekannter wohlhabender junger Mann aus England. Maxim leidet offenbar unter dem Tod seiner jüngst verstorbenen Frau Rebecca. Trotzdem kommen sich die Beiden unter den neugierigen Blicken der anderen Gäste näher. Einladungen zu Ausflügen, auf kleine Zettelchen geschrieben, verkünden das Interesse des Witwers. Ein Heiratsantrag folgt prompt und das Paar reist auf das feudale Anwesen Manderlay in England. Dort erwartet sie die Haushälterin Mrs. Danvers (großartig finster: Kirstin Scott Thomas). Bald stellt sich heraus, dass der Tod Rebeccas wie ein dunkler Schatten über dem Anwesen liegt. Die neue Mrs. de Winter ist mit Wutausbrüchen ihres Mannes konfrontiert, immer dann wenn er sich an seine verstorbene Frau erinnert fühlt. Mrs. Danvers‘ Verehrung für Rebecca zeigt manische Züge. Rebeccas Zimmer scheinen einem Museum gleich unberührt geblieben zu sein. Die junge Frau gerät immer mehr in Bedrängnis. Die Verzweiflung wächst und eines Nachts steht Mrs. de Winter am offenen Fenster, Mrs. Danvers im Rücken, ihr ins Gewissen redend, dass sie keine Chance gegen die immer noch bestehende Liebe zwischen Maxim und Rebecca haben kann. Doch der Landsitz Manderlay verbirgt ein düsteres Geheimnis.

    Lily James als Mrs. de Winter und Armie Hammer als Maxim de Winter. (C) KERRY BROWN/NETFLIX

    Kommentar

    Der Stoff ist großartig, dass muss man sagen und die Verfilmung glamourös. Sie vereint den klassischen Roman mit zeitgemäßem Chic à la Der große Gatsby (2013) von Buz Luhrmann. Die aktuelle Version hält sich näher an der Vorlage als Hitchcock das konnte, was auch den damaligen gesellschaftlichen Konventionen geschuldet ist. Nach 80 Jahren muss man einen Film aber nicht zwangsläufig mit seinem Vorgänger vergleichen. Die Wenigsten, die die neue Verfilmung erreichen wird, würden sich wohl an den Oscar prämierten Klassiker in schwarzweiss mit Joan Fontaine und Laurence Olivier in den Hauptrollen heranwagen.

    Hier haben wir es mit einer Interpretation zu tun, die für das Zielpublikum geradezu maßgeschneidert ist. Opulente Sets und Garderoben und zwei junge Leinwandstars, die es verstehen, mit der Kamera zu flirten. Dass die Geschichte dabei kaum Identifikationsmöglichkeiten bietet, liegt am Ausgangsmaterial. Regisseur Wheatley (High Rise) gelingt es in diesem Mystery-Thriller mittels Traumsequenzen nur zeitweise eine bedrohliche Atmosphäre zu schaffen (hervorzuheben ist eine schöne Ballsequenz). Dafür sind die Farben von Rebecca dann doch zu kräftig und die Darsteller abseits von Kirstin Scott Thomas doch zu leichtgewichtig. Spätestens, wenn die Geschichte von Manderlay in einen dörflichen Gerichtssaal wechselt, kann die Grundstimmung nicht gehalten werden. Rebecca wird seinen Zweck erfüllen und ein junges Publikum ansprechen. Ein großer Wurf ist aber nicht gelungen.

    Streamingplattform

    Netflix


    REBECCA | BEN WHEATLEY | GB 2020 | 122 MIN. | [usr 3]


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  • THE TRIAL OF THE CHICAGO 7 ★★★★ ½

    THE TRIAL OF THE CHICAGO 7 ★★★★ ½

    Das Jahr 1968 wurde in den USA von Gewalt und Unruhen überschattet. Laufende Proteste gegen den Vietnamkrieg und die Ermordung von Robert F. Kennedy und Martin Luther King heizten die Stimmung an. Ende August fand in Chicago der Parteitag der Demokraten statt, bei dem ein Nachfolger von Präsident Lyndon B Johnson für die anstehenden Wahlen gefunden werden sollte. Proteste von Kriegsgegnern führten zu Zusammenstößen mit der Polizei und die Lage eskalierte. Die Suche nach Schuldigen mündete in einen der größten Justizskandale in der Geschichte der USA. Regisseur und Drehbuchauto Aaron Sorkin hat sich in The Trial of the Chicago 7 dem Prozess angenommen und ihn für Netflix mit einem All-Star Cast verfilmt.

    Darum geht es

    Die Protagonisten verschiedener linker pazifistischer Gruppierungen versuchten im Vorfeld des Parteitages Genehmigungen für Kundgebungen und ein Musikfestival zu erhalten: Abbie Hoffman (Sacha Baron Cohen) und Jerry Rubin (Jeremy Strong) von der Youth International Party (Yippies), Tom Hayden (Eddie Redmayne) vom National Mobilization Committee to End the War in Vietnam, Bobby Seale (Yahya Abdul-Mateen II), Mitbegründer der Black Panther Party, Rennie Davis (Alex Sharp) von der American anti-Vietnam War Bewegung und die Aktivisten David Dellinger (John Carroll Lynch), Lee Weiner (Noah Robbins) und John Froines (Daniel Flaherty). Die Genehmigungen wurde ihnen verwehrt.

    Die Nixon Administration bezichtigte sie, geplanterweise Staatsgrenzen überschritten zu haben, um in Chicago Unruhen auszulösen. Die Angeklagten wurden von William Kunstler (Mark Rylance) vertreten und der Staat Illinois von Richard Schultz (Joseph Gordon-Levitt). Die Verhandlung unter dem Vorsitz von Richter Julius Hoffman (Frank Langella) wurde nicht zuletzt wegen seiner unqualifizierten Äußerungen und der skandalöser Führung zur Farce.

    Kommentar

    Die historischen, nun 50 Jahre zurückliegenden, Begebenheiten sind hierzulande kaum bekannt. Das wird sich nun ändern. Obwohl es mehr als 10 Jahren dauerte, bis das Drehbuch von Aaron Sorkin (The Social Network, Molly’s Game), das er ursprünglich für Stephen Spielberg geschrieben hatte, unter seiner Regie nun doch noch verfilmt werden sollte, kommt The Trial of the Chicago 7 gerade zur rechten Zeit. Das Klima in den USA ist dem von Ende der 1960er nicht unähnlich. Wieder stehen sich linke und rechte Lager gegenüber, befeuert durch den US-Präsidenten selbst und liefern sich Straßenschlachten. Das Land scheint wieder an der Kippe zu stehen. Die Gräben sind tief und die Zukunft ungewiss.

    Der humorvolle Unterton dieses Gerichtssaaldramas täuscht nicht über die Atmosphäre des Hasses hinweg, die hier in der Luft liegt. Das Ziel ist klar: Man möchte den bunten und unliebsamen Haufen von der Straße weg und hinter Gitter bringen. Außerhalb des Gerichtssaales wurden die Angeklagten von ihren Gefolgsleuten bald als Helden hochstilisiert. Sorkin, bekannt für seine rasanten und geschliffenen Dialoge, verkürzt den Monate dauernden Prozess auf knappe zwei Stunden Länge. Das gelingt im grandios. Die Zeitsprünge in der Handlung stören den Fluss dabei nicht. Man behält den Überblick obwohl die Verhandlung aus juristischer Sicht hoch komplex ist.

    Solide in Szene gesetzt von Kameramann Phedon Papamichael liegen die Stärken von Chicago 7 in der bis in die Nebenrollen exzellenten Besetzung und dem Drehbuch von Sorkin. Glaubt man den Branchenblättern, kann sich Sorkin große Chancen auf einen Oscar ausrechnen. Aber was weiß man in diesem Jahr schon. The Trial of the Chicago 7 ist jedenfalls der Beweis, dass sich dieses Kinojahr, auch was den US-Film betrifft, keineswegs verstecken muss.

    Streamingdienst

    Netflix


    THE TRIAL OF THE CHICAGO 7 | AARON SORKIN | USA 2020 | 130 MIN. | [usr 4.5]



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  • I’M THINKING OF ENDING THINGS ★★★½

    I’M THINKING OF ENDING THINGS ★★★½

    Das wird jetzt kompliziert. Dabei unterhalten sich hier doch nur zwei Endzwanziger in einem Auto! Es wäre nicht Charlie Kaufman, der vielleicht gefragteste Drehbuchautor unserer Tage (Being John Malkovich, Eternal sunshine of the spotless mind), wenn er in seiner neuen Regiearbeit reinen Tisch machen würde. Denn irgendwas ist hier höchst mysteriös. Die Zeitabläufe geraten hier gehörig durcheinander. Was ist Traum und was Wirklichkeit? Was wie ein Ende einer Romanze beginnt, artet bald in eine lyncheske Fantasie aus. Aber nur fast. Das wird jetzt anstrengend.

    Darum geht es

    Eine junge Frau (Jessie Buckley) sinniert darüber, ihren Freund Jake (Jesse Plemons), der gerade neben ihr im Auto sitzt, zu verlassen. Sie befinden sich auf einer Autofahrt zu Jakes Eltern. Es ist für sie einer dieser großen Schritte im Laufe einer Beziehung. Ihre Gespräche sind von einer Trostlosigkeit durchzogen, genauso wie die verlassene winterliche Landschaft, durch die sie fahren. Die Eltern (Toni Collette und David Thewlis) verhalten sich während des Abendessens höchst seltsam. Die Situation ist genauso komisch wie unheimlich. Unterbrochen wird die Handlung immer wieder durch Szenen mit einem älteren Schulwart. Der Rückweg führt die beiden Mitten in der Nacht durch ein Schneegestöber zuerst zu einem Fast-Food-Restaurant und dann zu Jakes ehemaliger Highschool. Über den finalen Akt sei nicht zuviel verraten. Es passiert allerhand Seltsames und Unerwartetes.

    Was für eine Nacht!

    Kommentar

    Das erste, was hier ins Auge sticht, ist die Ausstattung. Die Blumenmuster der Tapeten suchen ihres Gleichen. Kameramann Łukasz Żal (Ida, Cold War) setzt die sich über weite Strecken des Films ziehende Autofahrt bravurös im 4:3 Format um. Die verlassene Landschaft, oftmals nur im Hintergrund zu spüren, trägt ihres zur Grundstimmung bei. Die Kamera verläßt das Auto aber nie. Es gibt keine Einstellungen, in denen man das Auto von außen durch die Landschaft fahren sieht. Die rythmische Bewegung der Scheibenwischer durchzieht wie ein Metronom den ganzen Film. I’m thinking of ending things ist bis ins kleinste Detail durchkomponiert, ohne dass dies je störend wirken würde. Der visuellen Umsetzung steht eine Erzählung gegenüber, die das Publikum wohl zum Großteil ratlos zurücklassen wird. Der Film verlangt dechiffriert zu werden, lässt das aber nur bedingt zu.

    Die Romanvorlage stammt vom kanadischen Schriftsteller Iain Reid. Der Film bleibt aber im Gegensatz zum Roman in seinen Andeutungen, die dem leichteren Verständnis dienen, vage. Als gleich zu Beginn der titelgebende Satz in den Gedanken der jungen Frau fällt, scheint es fast so, als hätte ihn Jake gehört. Bald passiere Dinge, die sich nicht leicht erklären lassen. Wenn man genau hinhört, läßt sich vielleicht das größte Rätsel entschlüsseln, das dem Film zugrunde liegt. Es sind Hinweise, wie ein kleines Foto, die wechselnden Namen und Fähigkeiten der jungen Frau, die eine Fährte legen. I’m thinking of ending things muss aus einer literarischen Erzählweise heraus betrachtet werden. Nicht erst im letzten Drittel brechen dann alle erzählerischen Mauern ein. Man kann sich nur zurücklehnen und die wunderbar choreographierten Szenen genießen (Tanzeinlagen!). Folgen kann man der Erzählung hier schon längst nicht mehr. Wenn man bis hierhin durchgehalten hat, die endlosen Dialoge gehen nämlich auf die Substanz, bleibt uns Charlie Kaufman bei einer Laufzeit von über 2 Stunden einiges an Erklärungen schuldig. Oder wer erinnert sich noch genau an Dialogzeilen aus A beautiful mind aus dem Jahr 2001? Schade, denn etwas weniger Rätselhaftigkeit hätte dem Film gut getan. Es ist nicht zuletzt den wunderbaren Darstellern zu verdanken, das man den Figuren bis zuletzt folgen möchte.

    Streamingdienst

    Netflix


    I’AM THINKING OF ENDING THINGS | CHARLIE KAUFMAN | USA 2020 | 134 MIN. | [usr 3,5]


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  • STATELESS (Miniserie) ★★★½

    STATELESS (Miniserie) ★★★½

    Selbst wenn sich wohl kein Land der Welt bezüglich seiner Flüchtlingspolitik in den Spiegel schauen kann, so ist der Umgang Australiens mit Menschen auf der Flucht gelinde gesagt berüchtigt. So mancher Politiker hierzulande liebäugelt mit den dortigen Methoden. Aktuell werden Flüchtlinge in Lagern auf Inseln untergebracht. Anwälte und Menschenrechtsorganisationen haben erschwerten Zugang. Stateless handelt von einem Lager in der Wüste im Süden des Landes, in dem die Insassen die Zeit ihres Visaverfahrens absitzen müssen. Darunter befindet sich eine deutsche Staatsbürgerin mit einer permanenten Aufenthaltserlaubnis für Australien. Unglaublich aber es handelt sich um eine wahre Geschichte. Die Miniserie prangert die unmenschlichen Methoden der australischen Behörden an und ist eine Herzensangelegenheit von Produzentin Cate Blanchett.

    Darum geht es

    Die Flugbegleiterin Sofie Werner (Yvonne Strahovski) flüchtet vor der Bevormundung ihrer Familie in die Arme einer Sekte. Auch dort wird der geistig verwirrten Frau bald alles zu viel und auf der Flucht wird sie von der Einwanderungsbehörde aufgegriffen. Da sie sich nicht ausweisen kann, kommt sie in ein Lager.

    Im Internierungslager laufen die Handlungsstränge von drei weiteren ProtagonistInnen zusammen. Der afghanische Flüchtling Ameer (Fayssal Bazzi) wartet mit seiner Tochter auf einen Aufenthaltstitel. Die Behörden sind bemüht, in seiner Fluchtgeschichte Ungereimtheiten zu finden, um ihnen die Aufnahme verweigern zu können. Cam (Jai Courtney) hat gerade einen Job als Aufseher angenommen und ist hin und her gerissen zwischen seinen Pflichten und seinem Gewissen. Seine Schwester ist eine jener AktivistInnen, die gegen das Lager protestieren. Da sich die Probleme mehren, wird die Regierungsbeamtin Clare (Asher Keddie) von der Regierung eingesetzt, um Ordnung zu schaffen. Die Lage spitzt sich zu, denn die Vorgaben der Behörde lassen sich mit humanitären Standards nicht vereinbaren.

    Kommentar

    Bereits seit der Öffnung des Baxter Internierungslagers (das als Vorlage für die Netflix Miniserie dient) im Jahr 2002, kam es immer wieder zu Protesten und Revolten. Mehrere Menschenrechtsverletzungen führten zu anhaltenden Protesten vor dem Lager und zu dessen Schliessung im Jahr 2007. In den Jahren 2004/2005 wurde die deutschstämmige Flugbegleiterin Cornelia Rau für etwa zehn Monate versehentlich interniert. Rau verschwand im März 2004 aus einem Krankenhaus für psychische Erkrankungen in Sydney. Sie gab ihre wahre Identität nicht Preis und wurde daher von der australischen Einwanderungsbehörde als illegale Einwandererin eingestuft. Die Figur Sofie Werner beruht auf Cornelia Rau.

    Stateless zeigt die unmenschlichen Methoden des australischen Asylsystems, zu einer Zeit bevor Flüchtlinge auf Inseln untergebracht wurden. Die Schicksale der Charaktere werden geschickt miteinander verwoben. Man bekommt einen bedrückenden Einblick über den Alltag in einem Lager. Existenzielle Verzweiflung steht inneren Gewissenskonflikten und der kalten Bürokratie gegenüber. Der Staat legt die Rechtslage zum eigenen Vorteil aus. Während Menschenrechte im Lager nichts Wert sind, verhindert der Datenschutz, Informationen über die Insassen zu erlagen.

    Streamingdienst

    Netflix


    STATELESS | AUSTRALIEN 2020 | 6 EPISODEN | [usr 3,5]



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  • MULAN ★★★

    MULAN ★★★

    Während sich zwischen den USA und China ein brisanter Wirtschaftskrieg anbahnt, schickt Disney die legendäre chinesische Kriegerin aus dem 5. Jahrhundert los, um weltweit die Bildschirme zu erobern. Mulan ist den Kinderschuhen entwachsen. Zusätzlich zum Disney+ Abo möchte das Filmstudio 22€ (bzw. 30$), bevor das Leinwandabenteuer im Dezember für alle NutzerInnen verfügbar sein wird. Ein 200-Millionen-Dollar Spektakel für die Couch. Kommende Woche dann im Kino, allerdings nur China.

    Darum geht es

    Der Kaiser von China erlässt eine Verordnung und das schon vor eineinhalbtausend Jahren recht unmissverständlich: Um den Feind an der Seidenstraße zu besiegen, muss jede Familie einen Krieger für die kaiserliche Armee stellen. Hua Zhou (Tzi Ma), Kriegsheld, hat zwei Töchter und sieht es als eine Pflicht an, darum neuerlich selbst in den Kampf zu ziehen. Seine Tochter Hua Mulan (Liu Yifei) kommt ihm zuvor und macht sich mit der Uniform und dem Schwert des Vaters aus dem Staub. Höflichkeit, Etikette und Eleganz gehören nicht zu deren stärken. Schon als kleines Mädchen fällt sie durch ihren Wagemut und ihrer Geschicklichkeit auf. Vor allem die Mutter und später die Heiratsvermittlerin sind entsetzt. Der Vater ist sich der Problematik bewusst, kann seinen Stolz aber doch nicht ganz verbergen.

    Als Mann verkleidet ordnet sich Mulan den männlichen Soldaten unter. Die merken bald, das sie ihnen überlegen ist. Wie lange wird sie ihr Geheimnis bewahren können?

    Hua Mulan ist den Kriegern in der kaiserlichen Armee überlegen.

    Kommentar

    Unaufhaltsam – also fast unaufhaltsam – kommen nach und nach reale Neuverfilmungen der Disney Animationsfilme (alles Klassiker!) in die Kinos. Auch bei Mulan gilt, wie bei den Vorgängern, dass hier eigentlich nicht viel real ist. Das tut dem Film nicht unbedingt gut und man fragt sich, was der Film gekostet hätte, wäre er ohne die deutlich kostengünstigeren computergenerierten Bilder ausgekommen. Der Film ist bildgewaltig (Kamerafrau: Mandy Walker) und zeigt sich in einer intensiven Farbenpracht. Der Mythos wurde auf Hochglanz poliert. Soll so ein, immerhin sind wir hier bei Disney. Seine volle Wirkung kann der Film aber wohl nur auf der Leinwand entfalten.

    Diesmal ist es keine 1:1 Neuauflage des Originals. Die Altersfreigabe ab 12 Jahren lässt es erahnen. Hier wird scharf geschossen. Ob das so mit dem Familienfernsehabend was wird? Jedenfalls wurde der Stoff weiterentwickelt. Am Anfang steht der Vater von Mulan im Mittelpunkt und ganz allgemein ist Mulan erwachsener geworden. Die dümmlichen Sidekicks fehlen zur Gänze. Wir haben es mehr mit einem Heldenepos zu tun. Ständig ist von Ehre die Rede. Manchmal etwas zu viel. Eine eingebettete Lovestory bleibt uns erspart, obwohl Disney Mulan wie seine Prinzessinnen vermarktet. Sie ist mehr eine Seelenverwandte von Viana.

    Die Hauptdarstellerin Liu Yifei füllt die Rolle mit ihrem Charisma aus. Emanzipation steht im Vordergrund und ihr Counterpart Xian Lang (Gong Li) ist ebenfalls eine Frau. Die Geschichte in diese Richtung zu trimmen ist sicherlich ein kluger Schachzug und durchaus gelungen. Alle Charaktere werden von asiatischen SchauspielerInnen verkörpert. Nur bei der Regie hat das nicht geklappt. Regisseurin Niki Caro (Whale Rider) setzt jedoch die richtigen Akzente und ist für den Film auf jeden Fall ein Gewinn.

    Weil sich jetzt Unmut über die Kosten von Disneys Vermarktungsstrategie breit macht: Es war nie der Deal, dass auf Disney+ aktuelle Kinofilme laufen werden. Ausserdem erlaubt der Abodienst sechs Profile, wovon vier gleichzeitig schauen können. Also. Viel spannender ist die Frage, was es für Folgen hat, wenn dies nun ein Erfolg werden sollte. Auch wenn es erstmal ein Einzelfall bleiben soll, so ist es doch nicht ganz auszuschließen, dass es dann ganz anders kommen wird. Nicht auszudenken, wenn die Zugpferde aus den Kinos verschwinden.


    MULAN | NIKI CARO | USA 2020 | 115 MIN | [usr 3]


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  • EUROVISION SONG CONTEST: THE STORY OF FIRE SAGA ★★★½

    EUROVISION SONG CONTEST: THE STORY OF FIRE SAGA ★★★½

    Der erste offizielle Film über den Eurovision Song Contest stammt also aus den USA. Die Idee dazu hatte Will Ferrell, inspiriert von einen in Schweden hautnah erlebten Sieg, schon mehrere Jahre in der Schublade liegen. Im Vorfeld des letzten Song Contest in Lissabon 2019 fanden dann die Dreharbeiten statt. Nicht nur Fans des ESC sind hier richtig. Für sie ist wohl ein Sing-A-Long mit zahlreichen ehemaligen TeilnehmerInnen und GewinnerInnen, darunter Conchita Wurst, der Höhepunkt dieser Liebeskomödie. Darüber hinaus muss man noch mit dem eigenwilligen Humor von Ferrell klarkommen.

    Darum geht es

    Wenn man in Island solange nach Norden fährt, bis man ins Wasser fällt, ist man im Fischerdorf Húsavík angekommen. Hier träumt der Sänger Lars Erickson (Will Ferrell) davon, eines Tages den Eurovision Song Contest zu gewinnen. Mit seiner Kindheitsfreundin Sigrit Ericksdottir (Rachel McAdams) formiert er zu diesem Zweck gemeinsam die Band Fire Saga. Zu mehr als wöchentlichen Auftritten in der Dorfkneipe reicht es jedoch nicht. Bis das isländische Fernsehen aus Formalgründen einen 12. Teilnehmer für die Vorentscheidung für den ESC in Edinburgh benötigt und per Zufall Fire Saga als Kandidaten auswählt. Obwohl der Sieg einer anderen Kandidatin so gut wie sicher ist – soviel sei hier verraten – fahren Lars und Sigirt nach Edinburgh. Dort tauchen sie ein in die Welt des ESC und die Dinge nehmen ihren Lauf, bis im Halbfinale einiges aus dem Ruder gerät und sich die Wege der Beiden vorerst trennen.

    Will Ferrell und Rachel McAdams sind Fire Saga.

    Kommentar

    ESC:TSOFS hat eine Menge komischer Momente. Allein das aus dem Trailer bekannte fiktive Musikvideo Volcano Man zu Beginn ist großartig. Bei allen Albernheiten aus der Feder von Will Ferrell haben wir es hier mit einer Liebeserklärung an den ESC zu tun. Lars und Sigrit brennen für die Musik. Trotz Skurrilität so mancher Musikbeiträge, geht es hier nicht darum den Bewerb lächerlich zu machen. Kein Wunder, handelt es sich um eine offizielle Koproduktion der Europäischen Rundfunkunion (EBU), die den Bewerb alljährlich ausrichtet und deren nationale Mitglieder die Beiträge auswählen. Die Buntheit des Bewerbs spürt man in jeder Szene. Die kräftigen Farben geben ordentlich was her. Bei der Laufzeit ist man leider deutlich über das Ziel hinausgeschossen. Mehr als 2 Stunden sind für eine Komödie gewagt. Dabei ist die Story nicht gerade komplex. ESC:TSOFS kann das Niveau nicht über die volle Länge halten. Es besteht der Verdacht, dass die EBU bei diesem Lizenzprodukt die Finger im Spiel hatte und darum gar viel Zeit mit Qualifikation und Bewerb aufgewendet wurde um vielleicht im Song Contest freien Jahr die Fans etwas zu entschädigen. Die Story um Lars und Sigrit verknüpft mit dem Monstrum ESC ist zuviel. Das zeichnet sich bereits im Titel ab. So bekommt man auch hier die Überlänge zu spüren, für die der Bewerb schon lange berüchtigt ist. Ein unterhaltsamer Filmabend ist allemal garantiert.

    Streaminganbieter

    Netflix


    DAVID DOBKIN | USA 2020 | 123 MIN. | [usr 3.5]


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