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  • OSCARS 2026 – Das Filmjahr 2025

    OSCARS 2026 – Das Filmjahr 2025

    Am Ende hat sich doch ONE BATTLE AFTER ANOTHER gegen SINNERS durchgesetzt. Es war ein launiger Abend mit ein paar Neuerungen und einer der längsten der jüngsten Zeit. In mancherlei Hinsicht betreibt Hollywood Realitätsverweigerung, wenn auch es ein politischer Abend wie schon lang nicht mehr war. Im Gartenbaukino darf man aus lizenzrechtlichen nicht mehr Oscars sagen.

    Neu war, dass die AMPAS-Mitglieder fortan alle nominierten Filme in jeder Kategorie ansehen müssen, um sich an der finalen Abstimmung über die Oscar-Gewinner zu beteiligen. Ob das einen Einfluss auf das Ergebnis hat, werden wir wohl nie erfahren. Auf jeden Fall war über die Jahre immer Thema, ob die Mitglieder die Filme überhaupt gesehen hatten oder sich eher durch Favoritenrollen und Kampagnen beeinflussen ließen.

    Sinners von Ryan Coogler

    Darüber hinaus wurde eine neue Preiskategorie für das Beste Casting („Achievement in Casting“) eingeführt. Es wurde Cassandra Kulukundis für SINNERS ausgezeichnet.

    Übersicht Oscars 2026
    Quelle: Wikipedia

    KI wird offiziell anerkannt, nachdem es im vergangenen Jahr noch für Aufsehen gesorgt hat, dass KI Modelle EMILIA PÉREZ und THE BRUTALIST zu Einsatz gekommen sind. Ein Plädoyer für mehr Sensibilität und Wertschätzung für die Kunst kam von Chris Appelhans, der für KPOP DEMON HUNTERS ausgezeichnet wurde.

    Michael B. Jordan war spät in die Favoritenrolle gerutscht und konnte sich für seine Doppelrolle in SINNERS verdient über den Preis freuen. Es tut der Qualität der einzelnen Filme wie immer keinen Abbruch aber damit hat er den Vampir-Horrorfilm von Ryan Coogler im Ranking vor einem Totalabsturz bewahrt. Von der Rekordzahl an 16 Nominierungen konnten nur vier als Sieg verbucht werden. Darunter erstmals in der beinahe 100 jährigen Geschichte der Academy Awards der Preis für eine Kamerafrau an Autumn Durald Arkapaw.

    Der große Verlierer war MARTY SUPREME, der leer ausging, obwohl Timothée Chalamet mit seiner bereits dritten Nominierung lange als aussichtsreicher Kandidat gegolten hatte.

    Sean Penn gehört nun zu den wenigen Schauspielern, die drei Oscars ihr eigen nennen dürfen. Es dürfte ihm reichlich egal sein. Jesse Buckley fuhr einen Start-Ziel-Sieg ein und wurde als Beste Hauptdarstellerin für HAMNET ausgezeichnet.

    Die Politshow

    Ein paar Seitenhiebe auf die aktuelle politische Situation in den USA kamen von Moderator Conan O’Brien, ebenso von Jimmy Kimmel. Darüber hinaus brachte Javier Bardem seinen Unmut gegen den Iran Krieg zum Ausdruck, ebenso wie einen „Free Palastine“ Appell. David Borenstein, als Koregisseur ausgezeichnet für den Dokumentarfilm MR. NOBODY AGAINST PUTIN, mahnte zur Vorsicht, wenn Staaten in kleinen kaum merkbaren Schritten in den Totalitarismus abgleiten. Die USA sind mitgemeint.

    Frankenstein
    Frankenstein von Guillermo del Toro erzielte einen Achtungserfolg.

    Im Memoriam

    In diesem Jahr gelang endlich ein lange überfälliges würdevolles Gedenken an in diesem Jahr verstorbene Branchenkolleg*innen. Das war in den vergangenen Jahren immer wieder desaströs missglückt. Mehr Zeit und persönliche Erinnerungen vor allem an Robert Redford, Diane Keaton, Rob Reiner und Michele Singer durch Wegbegleiterinnen wie Barbara Streisand. Auf Brigitte Bardot hatte man allerdings vergessen.

    Sentimental Value von Joachim Trier

    Der Triumph

    Bevor es zum großen Finale kam, wurde Joachim Trier für SENTIMENTAL VALUE ausgezeichnet und das wie immer in einer Kategorie mit starker Konkurrenz.

    Der große Gewinner des Abends war Paul Thomas Anderson, der für ONE BATTLE AFTER ANOTHER drei Statuetten mit nach Hause nehmen durfte.

    Es war ein spannender und kurzweiliger Abend, auch wenn alles wie ein großes Durcheinander wirkte und jegliche Struktur vermissen lies. Was bei einer solchen Produktion doch immer wieder aufs Neue erstaunlich ist.

    Angesichts dessen, dass vieles in Hollywood im Umbruch ist, da es nicht nur zu gröberen Machtverschiebungen kommen wird, sondern Los Angeles als Ort für Filmproduktionen immer mehr billigere Konkurrenz in Übersee bekommt, wird man dem Synonym Traumfabrik mehr als gerecht. Trotz eines Gewinners mir klarer politischer Botschaft.


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    NEUESTE BEITRÄGE VON THE REEL THERAPIST


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  • DIE BESTEN FILME 2022 (Oscars 2023)

    DIE BESTEN FILME 2022 (Oscars 2023)

    Ein Traum in Pastell und weiß. Am Hollywood Boulevard ist die Welt bei der 95. Verleihung der Oscars noch in Ordnung und das ist gut so. Ablenkung haben wir uns alle verdient. Für die einen – uns – dauert sie dreieinhalb Stunden und für andere ein ganzes Leben. Am 12. März sind die Oscars auch heuer wieder absurd spät vergeben worden und schließen somit das Filmjahr und die Awardseason erst Mitte März 2022 ab. Rückblickend war nicht nur an diesem Abend die Qualität der Filme erfreulich hoch.

    Etwas ausgedünnt aber mit einigen bemerkenswerten Produktionen bleibt das Filmjahr 2021 gut in Erinnerung. Der damalige Oscar-Gewinner Coda (Apple TV+) war allerdings nicht einmal unter meinen Top-20 Filmen vertreten (hier nachzulesen). Das ist in diesem Jahr anders. die 10 in der Kategorie Bester Film nominierten Filme waren durchwegs sehenswert.

    2022 hat Tom Cruise dem Kino das Leben gerettet. Monatelang hatte er jeglicher Versuchung den Film an einen Streamingplattform zu verkaufen widerstanden. Top Gun: Maverick kam im Juni in die Kinos, nutzte sein Momentum und wurde zum Überraschungshit. Dass er dabei weltweit soviel eingespielt hat, wie Avatar: The Way of Water von James Cameron alleine in den USA, geschenkt. Dann war da noch ein Film, der im März in nur wenigen Kinos gestartet war. Wer konnte ahnen, dass dies den Beginn der unglaublichen Erfolgsgeschichte von Everything Everywhere All at Once von Daniel Kwan und Daniel Scheinert begründete.

    Titelbild: The Banshees Of Inisherin (R: Martin McDonagh, IRL/USA/UK 2022)

    Die Oscars

    Stolze 7 Oscars also für Everything Everywhere All at Once. Das ist ziemlich beachtlich. Warum? In den vergangenen 25 Jahren (Post-Titanic-Ära) hatten nur Slumdog Millionäre (2009) mit 8 Oscars und Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs (2004) mit 11 Oscars mehr Auszeichnungen abräumen können. Gravity im Jahr 2014 ebenfalls 7. In den übrigen Jahren waren die Statuetten immer sehr verteilt vergeben worden. Blickt man in den jeweiligen Jahren auf die eher schwache Konkurrenz von HdR oder Slumdog Millionäre, dann verwundert es nicht. Umso erstaunlicher, dass sich in diesem Jahr ein Film derart durchsetzen konnte. Zumal es mittlerweile zehn Filme in der Kategorie Bester Film gibt. Es waren auch schon nur fünf. Originalität und Umsetzung der Story von EEAAO ist jedenfalls beachtenswert, gerade in Zeiten der endlosen Wiederverwertungen.

    Everything Everywhere All At Once (R: Daniel Kwan, Daniel Scheiner, USA 2022)
    Quelle: Wikipedia

    Es war diesmal ein spannender Abend. In nahezu allen Schauspielkategorien waren die Prognosen knapp. Im Westen nichts Neues schnitt deutlich besser ab als erwartet. Eine große Auszeichung für die Filmlandschaft in Deutschland. Egal was man von dem Film hält, man sieht, was mit ausreichend Budget auch in Europa möglich ist. Abgezeichnet hatte sich bereits, dass The Banshees of Inisherin leer aus gehen würde (dieses Schicksal teilten am Ende auch noch Elvis, Tár und Die Fabelmans). Obwohl der Film im Herbst noch als Favorit gelten konnte. Die Kehrseite, wenn es einen großen Gewinner gibt.

    In der Regiesparte wurden Frauen neuerlich ignoriert. Die neuen und umstrittenen Vielfälltigkeits-Kriterien werden das ab 2024 auch nicht ändern. Sie betreffen nur die Kategorie Bester Film. Dafür wurden in diesem Jahr wieder alle Preise live in der Show vergeben. Unter anderem die Oscars für Schnitt und Ton wurden im vergangenen Jahr bereits im Vorfeld überreicht. Die Show war damals trotzdem nicht kürzer, sogar länger als in den Jahren davor (das forderte nicht nur die ZuseherInnen zu Hause, sondern vor allem das Publikum im Saal, das angehalten ist, die Plätze nicht zu verlassen). In diesem Jahr war dafür für Einlagen abseits der Verleihungen keine Zeit. Das ist kein Nachteil, weil die Academy hier in den vergangenen Jahren kein glückliches Händchen hatte. Dem Eklat aus dem letzten Jahr wollte man heuer mit Humor begegnen. Will Smiths Ausraster zu ignorieren war keine Option.

    Zu den Höhepunkten zählte ein sichtlich gerührter John Travolta, der mit den Worten „Hopelessly Devoted To You“ Olivia Newton John gedachte und Lenny Kravitz, der in Folge zu „In Memoriam“ am Klavier spielte.

    Im vergangen Jahr rang man damit, wie mit dem Ukraine-Krieg umzugehen sei. In diesem Jahr hat man es gleich sein lassen. Es blieb an Yulia Nawalnaya hängen, sich dazu zu äußern, als sie und das Team von Nawalny den Oscar für den Besten Dokumentarfilm entgegennahmen.

    So verlief der Abend relativ trocken. Die Präsentation der Songs war fast schon traditionell ein Tiefpunkt. All das wurde jedoch durch die hohe Qualität der Filme wettgemacht. Im Grunde war das Publikum am Ende zufrieden, da Everything Everywhere All at Once ohnehin der Gewinner der Herzen gewesen ist (Das Gartenbaukino in Wien war in diesem Jahr wieder voll).

    She Said, Aftersun, Armageddon Time, waren Filme, um nur ein paar zu nennen, die an diesem Abend schmerzlich vermisst wurden.

    Das Filmjahr

    Everything Everywhere All at Once ist nur ein Beispiel dafür, wie Filme im Laufe des Jahres wahrgenommen werden. Da folgt ein Re-release dem nächsten. Noch deutlicher wird das bei Streamingproduktionen, die erst nach und nach einem breiteren Publikum bekannt werden. Erfreulicherweise waren so gut wie alle Filme aus der diesjährigen THE REEL THERAPIST-Bestenliste zumindest kurzzeitig im Kino zu sehen. Hinzu kommt, das der Anteil an Produktionen von Streamingplattformen deutlich geringer war, trotz des großen Erfolges von Netflix bei den Oscars. Interessant daran ist, das Netflix gegenüber der Konkurrenz hier deutlich die Nase vorne hat. Gleichzeitig gerät die Plattform immer mehr in die Kritik, weil sie Masse an Eigenproduktionen nicht einmal als durchschnittlich bewertet werden kann und immer mehr NutzerInnen verärgert.

    She Said (R: Maria Schrader, USA 2022)

    Die Industrie tut den Filmen nach wie vor nichts Gutes, wenn zwischen Premieren und regionalen Kinostarts Wochen und Monate vergehen (Von den bisher 24 in diesem Jahr gesehenen aktuellen Filmen hatte kein einziger seine Premiere 2023!). Allein Blockbuster erscheinen nahezu zeitgleich. Nur hier ist man sich des finanziellen Risikos bewußt, der mit einem verzögerten Start einher geht. Bei Filmen wie Marcel The Shell With Shoes On oder The Banshees Of Inisherin spielt das leider kaum eine Rolle. Marcel war nur für einzelne Vorstellungen im Programm. Immerhin. The Quiet Girl oder After Yang sucht man vergebens auf dem Spielplan. Sie sind selbst VOD nur über Umwege verfügbar.

    Filmstill aus The Quiet Girl.
    The Quiet Girl (R: Colm Bairéad, IRL 2022)

    Rückblickend hatte die Viennale 2022 eine sehr starke Filmauswahl. So gut wie alle relevanten Filme, die damals bereits auf dem Markt waren, konnte man im Herbst in Wien sehen. Da hadere ich aber etwas mit der Unübersichtlichkeit des Programmes.

    Die Bestenliste 2022 ist wieder etwas länger als im vergangenen Jahr. Wie immer gilt bei THE REEL THERAPIST alles ab einer 4 ★ Bewertung als Empfehlung. Anschließend sind diesmal sämtliche Filme aus dem Produktionsjahr 2022 aufgelistet, die ich in dieser Saison gesehen habe. Es sind 82 Filme. Oft stellt sich mir bei Bestenlisten die Frage, aus welchem Grund der ein oder andere Film nicht vertreten ist. So läßt sich die Auswahl besser einordnen.

    Die besten Filme 2022

    ★★★★★

    All the Beauty and the Bloodshed

    Aftersun

    The Banshees of Inisherin

    Guillermo del Toro’s Pinocchio (Netflix)

    Marcel The Shell With Shoes On

    Tár

    ★★★★ ½

    Armageddon Time

    After Yang

    Der Beste Film Aller Zeiten

    The Fabelmans

    The Fire Within: A Requiem für Katia and Maurice Krafft

    Nawalny

    RRR (Netflix)

    Saint Omer

    She Said

    The Quiet Girl

    Turning Red (Disney+)

    ★★★★

    Argentinien, 1985 (Amazon Prime)

    Avec Amour Et Acharnement (Both Sides Of The Blade)

    Bardo (Netflix)

    Bros

    Decision To Leave

    Eismayer

    Die Elefantenflüsterer

    Emergency

    Emily The Criminal

    Enola Holmes 2

    Everything Everywhere All At Once

    Glass Onion: A Knives Out Mystery (Netflix)

    The House (Netflix)

    Im Westen Nichts Neues (Netflix)

    Meine Nacht Mit Leo Grande

    The Northman

    Rubikon

    Sonne

    Top Gun: Maverick

    Tori Et Lokita

    Threestousand Years Of Longing

    Vera

    Women Talking

    X

    Komplette Liste der gesehenen Filme mit Premiere im Jahr 2022

    8 rue de l’humanite | Aftersun | After Yang | All the Beauty and the Bloodshed | Ambulance | Apollo 10 1/2 | Argentinien, 1985 | Armageddon Time | Athena | Avatar: The Way Of Water | Babylon | The Banshees Of Inisherin | Bardo | The Batman | Der Beste Film Aller Zeiten | Being The Ricardos | Blond | Bones and All | Avec Amour Et Acharnement (Both Sides Of The Blade) | Broker | Bros | Crimes Of The Future | Decision to Leave | Don’t Worry Darling | Emergency | Eismayer | Die Elefantenflüsterer | Everything Everywhere All At Once | Elvis | Emily the Criminal | Enola Holmes 2 | The Fire Within: A Requiem For Katia And Maurice Krafft | Glass Onion: A Knives Out Mystery | Guillermo del Toro’s Pinocchio | A Hero – Die verlorene Ehre des Herrn Soltani | The House | Hustle | Im Westen Nichts Neues | Incredible but true | Die Fabelmans | Jackass Forever | Last Film Show | Lightyear | Marcel The Shell With Shoes On | Märzengrund | Massive Talent | Meine Nacht mit Leo Grande | The Menu | Mutzenbacher | Nawalny | The Novelist‘s Film | The Northman | Nope | Pacifiction | Pearl | Pleasure | Puss in Boots: The Last Wish | The Quiet Girl | Rimini | RRR | Rubikon | Sachertorte | Saint | The Sea Beast | She Said | Sonne | Strange World | Tár | Theatre Of Thought | This much i know to be true | Three Thousand Years of Longing | Top Gun: Maverick | Tori et Lokita | Triangle Of Sadness | Turning Red | Vera | Wendell & Wild | Werner Herzog: Radical Dreamer | The Whale | White Noise | Wo in Paris Die Sonne Aufgeht | Women Talking | X


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  • DIE BESTEN FILME 2021 (Oscars 2022)

    DIE BESTEN FILME 2021 (Oscars 2022)

    Am 27. März 2022 fand in Hollywood mit der Verleihung der Oscars eine schwache Filmsaison zu einem unrühmlichen Ende. Die Academy of Motion Picture Art and Sciences machte in diesem Jahr ihrem Namen keine Ehre. Neuerliche Versuche, verloren gegangenes Publikum wieder vor die Fernsehgeräte zu locken, endeten in einem Desaster, das wohl auf seine Art und Weise in die Geschichte eingehen wird. Aber der Reihe nach.

    2020 war ein großes Filmjahr. Einen Überblick gibt es hier zum Nachlesen. Retrospektiv war es ein richtiggehend glänzendes Filmjahr, alleine schon, wenn man sich die Kandidaten in der Kategorie Bester Film vor Augen führt. Aber auch Abseits der Oscars braucht sich das Jahr nicht zu verstecken. Nun bekamen wir aber die Auswirkungen der Pandemie voll zu spüren. Sean Bakers (The Florida Project) wunderbares Red Rocket wiederum (der Regisseur reiste eigens an, um seinen neuen Film bei der Viennale vorzustellen), ist dem Umstand geschuldet, dass Baker ein geplantes größeres Projekt unter den derzeitigen Produktionsbedingungen nicht verwirklichen konnte und sich mit einem kleinen Team seiner Wurzeln besinnte. Ein Glücksfall.

    (Titelbild: Flee von Jonas Poher Rasmussen, DK/F/N/S 2021)

    Die Oscars

    Und eine Ausnahme. Gleich 10 Filme waren in diesem Jahr in der Kategorie bester Film nominiert. Wovon meiner Meinung nach bestenfalls drei auch hier ihre Berechtigung hatten. Neben Steven Spielbergs Meisterwerk West Side Story gehören dazu die schwer zugänglichen The Power of the Dog von Jane Campion und Drive my Car von Ryūsuke Hamaguchi. Es gibt immer glückliche Mitläufer, die es irgendwie unter die Nominierten schaffen. In diesem Jahr waren sie in der Überzahl.

    © 2021 American Broadcasting Companies

    Kurz bevor die Verleihung am Sonntag Abend im Dolby Theatre über die Bühne ging, könnte man über Twitter bereits von 8 Gewinnern lesen. Die Preise (unter anderen Schnitt und Ton) wurden kurz vor der Gala vergeben, um Zeit einzusparen, was im Vorfeld neuerlich für große Empörung sorgte, nur um sie nachträglich bruchstückhaft und ungeschickt erst wieder in die Show einzufügen. Die geplante Sendezeit übertraf man aber letzten Endes um knappe 45 Minuten. Der Abend was sogar länger als im vergangenen Jahr. Abgesehen davon, dass es wieder live Darbietungen aller in der Kategorie Bester Song nominierten Liedern gab, fand sich sogar Zeit für einen zusätzlichen Song aus Encanto, der nicht einmal nominiert gewesen ist. Oder Zeit für eine Hommage auf 60 Jahre James Bond, ohne auch nur einen mit dem Franchise verbundenen Gast einzuladen.

    Weiters nicht nominiert waren Joel Coens optisches Meisterwerk The Tragedy of Macbeth, Maggie Gyllenhaals Frau im Dunkeln oder Pig von Michael Sarnoski, Spencer von Pablo Larraín oder Lin Manuel Mirandas In the Heights, der mit seinem Migrations-Musicaldrama die West Side Story quasi ins 21. Jahrhundert geholt hat. In diesem Jahr ist die Liste auffällig lang. Die der Nominierten so beliebig wie noch nie.

    Es gab buchstäblich zwei Elefanten im Raum. Zum einen war man sich im Vorfeld unklar darüber, wie man mit den Krieg in der Ukraine umgehen sollte. Selbst eine Live Schaltung zu Wolodymyr Selenskyj war angedacht. Man entschied sich dazu zwei holprig formulierte Texttafeln einzublenden und für eine Schweigeminute in einer Werbepause. Einzig der 82 jährige Francis Ford Coppola fand im Rahmen der Der Pate Hommage flankiert von Al Pacino und Robert de Niro Worte zur Ukraine. Sonst herrschte Funkstille. Die Oscars waren aber auch noch nie eine politische Veranstaltung.

    Macbeth (R. Joel Coen, 2021, AppleTV+)

    Dann war da noch der Moment, von dem noch lange alle sprechen sollten. Als Chris Rock einen Witz über Jada Pinkett Smiths krankheitsbedingt kahlen Kopf machte, schmunzelte Will Smith zuerst und als er bemerkte, dass seine Frau das gar nicht lustig fand, ging er kurzerhand auf die Bühne und schlug Rock ins Gesicht. Nicht nur Chris Rock verfiel in eine sekundenlange Schockstarre, auch dem Publikum, vor Ort und zu Hause, schien es ähnlich gegangen zu sein. War das ein weiterer misslungener Scherz, derer es an diesem Abend zahlreiche gab?

    Quelle: Wikipedia

    Nachdem Will Smith aber anschließend von seinem Platz aus noch nachschob, Rock solle den Namen seiner Frau nie wieder in seinen verdammten Mund nehmen, inklusive gleich zwei Mal dem im US-Fernsehen verpönten F-Wort, war klar, das dies nicht Teil der Show war (Das US-Fernsehpublikum erfuhr übriges erst später von den Details, da der Ton bei der Übertragung stumm geschalten wurde). Im Nachhinein erfuhr man, dass Denzel Washington und Tyler Perry (oder wars Bradley Cooper?) in der folgenden Werbeunterbrechung Smith für ein Gespräch zur Seite holten. Sonst tat man so, als wäre nichts geschehen. Als Will Smith dann den Oscar für sein Rolle in King Richard als Vater der Williams Schwestern erhielt, sprach er davon, wie Richard Williams immer seine schützende Hand über die Familie gehalten hatte und dieses Gefühl, das tun zu müssen, hatte er selbst eben auch gehabt. Er entschuldigte sich bei der Academy. Ein absurder Moment.

    Es stand folglich alles im Schatten dieses Eklats. Die In Memoriam Sequenz fiel zwar großzügiger aus (im vergangenen Jahr konnte man aufgrund des Tempos, in dem die Verstorbenen aufschienen, nicht einmal die Namen richtig lesen), allerdings mit eigenwilliger Musik. Selbst dass Bill Murray bewegende Worte zu Ivan Reitman fand, konnte den Moment nicht retten. Dass Jamie Lee Curtis zum Gedenken an Betty White mit einem Welpen auf er Bühne stand, wunderte zu diesem Zeitpunkt vermutlich kaum noch jemanden.

    Bereits früher am Abend hielt Troy Kotsur eine bewegende Rede, als er seinen Oscar für seine Rolle als Bester Nebendarsteller in Coda entgegen nahm. Es war auch der Moment, in dem klar war, welcher Film am Ende als Sieger hervorgehen würde. In Gebärdensprache machte er deutlich, wie wichtig der Film für alle Taubstummen und deren Familie sei. Coda entpuppte sich erst kurz vor der Verleihung als Favorit. Der Film konnte alle seine drei Nominierungen in goldenen Statuen verwandeln. Ganz im Gegensatz zum 12-fach nominierten The Power of the Dog, für den einzig Jane Campion als Beste Regisseurin (nach Chloé Zhao die zweite Frau in Folge) ausgezeichnet wurde. Allgemein waren die Statuetten in diesem Jahr weniger gleichmäßig verteilt als im vergangen Jahr. Dune erhielt ganze 6 Oscars, allerdings in den technischen Kategorien. So sticht auch in diesem Jahr kein großer Gewinner hervor.

    Instagram, 28. März 2022

    Die Kategorie Bester Animationsfilm wird offenbar immer noch als inoffizieller Bester (Disney) Kinderfilm geführt. Andernfalls hätte in diesem Jahr, in der wie immer stark aufgestellten Kategorie, der Dokumentarfilm Flee von Jonas Poher Rasmussen gewinnen müssen.

    Hinter den Kulissen lag der Abend in den Händen von jenen, denen sowohl die Filme als auch die Preise völlig egal sind. Die Übertragung war eine Lehre für alle TV-Programmmacher, die sich einem möglichst breiten Publikum anbiedern möchten. In einem Jahr, in dem die Oscars so divers wie noch nie waren eine Enttäuschung für alle, die das Kino und Filme lieben. Mit Coda als Gewinner, der in anderen Zeiten wohl sein Publikum gefunden hätte, nun aber auf der kleinen Streamingplattform AppleTV+ sein Dasein fristet und wo man sich vehement weigert, den Film auf der großen Leinwand zu zeigen. Ein fatales Zeichen. So gesehen war die Gala eine Tiefpunkt gerade zu einer Zeit, die für das Kino ohnehin so schwierig ist. Dem nicht genug, rief die Academy via Twitter zur Wahl des Fan Favorite Movie auf. Es gewann überraschend Army of the Dead von Zack Snyder (Netflix). Dafür gab zwar keinen Statuette aber immerhin erwähnt wurde es in der Übertragung.

    Erstaunlicherweise entstand in den Tagen danach keineswegs ein Konsens darüber, dass Smiths Kontrollverlust zu verurteilen sei. Am Montag nach der Verleihung entschuldigte sich Smith via Instagram. Der Text entstammt wohl eher einer Anwaltskanzlei. Es ist, wenn auch gemessen an der momentanen allgemeinen Situation völlig unbedeutend, ein für die Oscars sicherlich beispielloses Vorkommnis. Von diesem Abend wird sich die Academy so schnell nicht mehr erholen. Es wäre jedenfalls dringend notwendig, wieder ausschließlich Filme mit Kinostart zu nominieren.

    Filmbesprechungen auf THE REEL THERAPIST zu den mit Oscars nominierten Filmen gibt es hier (Don’t Look up), hier (Dune), hier (Nightmare Alley), hier (Keine Zeit zu Sterben), hier (Licorice Pizza) und hier (Cruella). Links zu weiteren Filmen sind unten in der Bestenliste angeführt.

    Das Filmjahr

    Trotzdem, es gab sie, die feinen Höhepunkte des vergangenen Filmjahres. Wenn auch von der Academy größtenteils nahezu vollkommen ignoriert, sind heute viele via Streaming verfügbar. Hervorgestochen sind zahlreiche sehenswerte Musikdokus. Nachzulesen hier. Ansonsten wurden zahlreiche Blockbuster neuerlich um ein Jahr verschoben. Was die Filmverleihe leider wieder nicht davon abgebracht hat, kleinere Film über Monate verzögert in die Kinos zu bringen. Nicht selten ein bis eineinhalb Jahre nach den Premieren. Immerhin gibt es Kinostarts noch. In der folgenden Auflistung wurden manche Filme mit einer sehr kurzen Spielzeit bedacht oder sie wurden direkt über Streamingplattformen vermarktet.

    Kurioserweise war West Side Story erst vor wenigen Wochen in aller Munde, als der Film bei Disney+ veröffentlicht wurde. Zum Kinostart um Weihnachten hat sich noch kaum jemand für die Neuauflage des Klassikers interessiert. Als Coda im vergangenen August bei AppleTV+ veröffentlicht wurde, hat von dem zukünftigen Oscargewinner auch kaum jemand Notiz genommen. Es ändern sich gerade die Vermarktungsstrategien in vielerlei Hinsicht. Die Entscheidung, welche Filme ins Kino kommen oder nicht, ist nicht mehr nachvollziehbar (Siehe Pixar: Das Animationsstudio von Disney hat seine letzten Filme nur mehr auf der eigenen Streamingplattform veröffentlicht). Darüber hinaus werden einzelne Filme nicht einmal mehr beworben, selbst unter Abonnenten nicht. Das hat zur Folge, dass sehenswerte Filme auf den immer noch nicht kuratierten Streamingplattformen in der Fülle des Angebots untergehen. Es ist ein Ziel, dass ich mit der Seite THE REEL THERAPIST verfolge, zumindest einen kleinen Überblick zu geben und auf den ein oder anderen Film aufmerksam zu machen.

    In den jeweiligen Filmbesprechungen befinden sich die Links zu den Filmen, sollten sie gerade online verfügbar sein. In den meisten Fällen sind sie in den Streamingabos inkludiert. Es ist eine vorläufige Übersicht. Der ein oder andere Film kann sich in den kommenden Wochen noch dazugesellen.

    ★★★★★

    Flee (nur via VPN verfügbar)

    Frau im Dunkeln (Netflix)

    Petite Maman – Als wir Kinder waren (Mubi)

    Pig (Amazon Prime)

    ★★★★ ½

    Beyond The Infinite Two Minutes (2020, Amazon Prime)

    The Card Counter (Amazon Prime)

    Drive my Car

    In the Heights (Amazon Prime)

    The Mitchells gegen die Maschinen (Netflix)

    Parallele Mütter

    The Power of the Dog (Netflix)

    Spencer (Amazon Prime)

    Macbeth (Apple TV+)

    West Side Story (Disney+)

    ★★★★

    Abteil Nr. 6

    Helden der Wahrscheinlichkeit (AppleTV+, €)

    Red Rocket

    Spacedogs (Amazon €)

    The Suicide Squad

    tick, tick … BOOM! (Netflix)

    Titane (Amazon, AppleTV+ €)

    Der schlimmste Mensch der Welt


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  • DIE BESTEN FILME 2020

    DIE BESTEN FILME 2020

    Das Zentrum der Filmwelt feiert sich traditionell am Ende der Saison am Hollywood Boulevard selbst. Vor dem Dolby Theatre im Hollywood & Highland Einkaufszentrum (zumindest hier ist die Academy mit der Zeit gegangen) wird dann der rote Teppich ausgerollt. Millionen sitzen vor den Fernsehgeräten und die Fotos der Stars füllen am nächsten Morgen die Zeitungen in aller Welt, wenn wieder einmal die Oscars vergeben werden. Dabei sind die Roben ebenso wichtig, wie die Filme, die präsentiert werden.

    (c) AMPAS

    In diesem Jahr ist natürlich alles anders. Stephen Soderbergh versprach, als Teil des diesjährigen Produzententrios, eine Show wie ein Film, in dem zufällig Preise verliehen werden, mit einer Besetzung, die sich sehen lassen kann. Der Opener, in dem Regina King in die Union Station schritt, währenddessen die Namen aller TeilnehmerInnen in großen Buchstaben eingeblendet wurden, geht vielleicht noch als Einstieg durch. Und dann? Das wars. Bereits davor wurde die einzige Live Perfomance gezeigt. Voraufgezeichnet auf dem Dach des Academy Museums of Motion Pictures, präsentierte H.E.R. ihren Song Fight for You, für den sie später den Oscar erhalten sollte. Die Zuspielung In Memoriam, sicher ein emotionaler Höhepunkt einer jeden Verleihung, in der die Verstorbenen des vergangenen Jahres noch einmal gewürdigt werden, wurde so schnell abgespielt, dass man die Namen zum Teil nicht lesen konnte (vermutlich war die Liste auch noch nie so lange). Das Ganze gipfelte darin, dass Anthony Hopkins als Bester Darsteller ausgezeichnet wurde. So überraschend, dass er selbst zu Hause in Wales bereits zu Bett gegangen war, die Regie rasch wegblendete und die Gala gar abrupt endete. Wenn das mit der Pandemie doch auch so einfach wäre! Eine dramaturgische Meisterleistung.

    Quelle: Wikipedia

    Fair war die Verteilung der Statuetten. Gleich sechs Filme erhielten zwei Oscars. Alleine Nomadland einen mehr. The Trial of the Chicago 7 ging sogar leer aus. Mank konnte seiner aufgrund von zehn Nominierungen angedichteten Favoritenrolle erwartungsgemäß nicht gerecht werden. Viele Überraschungen haben gezeigt, dass es verfrüht ist, die Oscars schon im Vorfeld als langweilig, weil vorhersehbar, abzustempeln. Keine der beiden Favoritinnen in der Kategorie Beste Hauptdarstellerin machte das Rennen, sondern eine ebenso überraschte, wie ein wenig genervte Frances McDormand. Selbst Entscheidungen in kleineren Kategorien, wie Bester Dokumentarfilm sorgten für Kopfschütteln (Oscar für Mein Lehrer, der Krake). Der Oscar für Another Round von Thomas Vinterberg, in einer der normalerweise stärksten Kategorien, viel da gar nicht mehr weiter auf.

    Erstmals waren zwei Frauen für den Regieoscar nominiert. Chloé Zhao gewann. Wie wäre diese Kategorie wohl aufgestellt gewesen, wären die Filme der männlichen Regiestars nicht zurückgehalten worden? Man kann es sich denken. Aber wie war nun das Filmjahr an sich aufgestellt? Es gab auffällig viele Debüts, von denen es nicht wenige in die Liste der Besten Filme geschafft haben. Das Sundance Filmfestival entpuppte sich als das bedeutendste Festival des Jahres: The Father, Minari, Never Rarely Sometimes Always, Palm Springs, Mein 40-jähriges Ich, Kajillionaire und Promising Young Woman feierten in Park City Premiere.

    Mehrere Filme basierten auf Theaterstücken. Regisseur Florian Zeller bekam für sein vom eigenen Stück adaptierten Drehbuch den Oscar für The Father.

    Nur ein Bruchteil der folgenden Filme lief 2020 im Kino. Die meisten davon waren nur bei der Viennale zu sehen. Der weitaus größere Anteil fällt auf die Streamingdienste. Sie waren auch bei den Oscars so stark wie noch nie vertreten. Eine Regeländerung machte dies möglich, da in diesem Jahr kein Kinostart nötig war, um Berücksichtigung zu finden. Zugelassen waren alle Filme bis inklusive 28. Februar 2021. Von den erfolgreichsten Filmen war Judas and the Black Messiah der einzige, der davon profitieren konnte (Sundance Filmfestival 2021).

    In den jeweiligen Filmbesprechungen befinden sich die Links zu den Filmen, sollten sie gerade verfügbar sein.

    ★★★★★

    David Byrne’s American Utopia

    Epicentro

    Hamilton

    Wolfwalkers

    ★★★★ ½

    The Assistant

    Aufzeichnungen aus der Unterwelt

    The Father

    First Cow

    Homemade (Serien-Anthologie)

    I’m no longer here

    Lovers Rock (Small Axe-Anthologie)

    Mangrove (Small Axe-Anthologie)

    Never Rarely Sometimes Always

    Nomadland

    One Night in Miami

    Palm Springs

    Promising Young Woman

    Der schwarze Diamant

    Sommer der Krüppelbewegung

    Soul

    Sound of Metal

    A Sun

    The Trial of the Chicago 7

    Vergiftete Wahrheit

    ★★★★

    3.30 PM

    Boys State

    The Climb

    Druk

    His House

    If Anything Happens I Love You (Animationskurzfilm)

    Kajillionaire

    Ma Rainey’s Black Bottom

    Mein 40-Jähriges Ich

    On the Rocks

    Onward – Keine halben Sachen

    The Outpost – Überleben ist alles

    Pieces of a Woman

    Quo Vadis, Aida?

    Über die Unendlichkeit

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    Was wir wollten

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  • OSCARS 2021

    OSCARS 2021

    Das Jahr war wie kein anderes zuvor und die diesjährige Oscars Gala in der Nacht von Sonntag auf Montag wird sich uns so präsentieren, wie wir es noch nie gesehen haben. Das Produzentinnentrio Stephen Soderbergh, Stacey Sher und Jesse Collins lässt keinen Stein auf dem anderen: Das Dolby Theatre ist nicht mehr der Hauptaustragungsort, sondern die Los Angeles Union Station und deren Umgebung. Es wird Live-Schaltungen nach London und Paris geben. Soderbergh verspricht einen Film, in dem zufällig die Oscars vergeben werden. Netflix, vor wenigen Jahren noch Schreckgespenst, ist mit gleich 35 Nominierungen vertreten.

    In der Kategorie Bester Film sind diesmal nur acht Filme vertreten. Wobei es eines der seltenen Jahre ist, in denen die Entscheidung so gut wie fix zu sein scheint. Das Gleiche gilt für die Beste Regie. Hier sind erstmalig zwei Frauen nominiert. Eine davon wird wohl mit mehr als nur einem Oscar nach Hause gehen. Die Academy gibt sich in diesem Jahr so divers wie noch nie. Das betrifft vor allem sämtliche Schauspielkategorien. Spannend bleibt vor allem die Kategorie Beste Hauptdarstellerin.

    Sound Editing und Sound Mixing wurden zur Kategorie Sound verschmolzen, obwohl beides etwas komplett anderes ist, was aber kaum jemand je verstanden hat. Das Pandemiejahr hinterlässt am ehesten noch seine Spuren in der Kategorie Visual Effects. Hier sind für gewöhnlich die Blockbuster vertreten. Bekanntlich gab es 2020 mit Christopher Nolans Tenet nur einen.

    Die Darbietungen der fünf nominierten Songs werden uns auch heuer garantiert nicht erspart bleiben. Sie wurden nämlich bereits auf dem Dach des noch immer nicht eröffneten Academy Museum of Motion Pictures voraufgezeichnet.

    David Finchers Mank führt mit 10 Nominierungen das Feld an und wird am Ende wohl zu den großen Verlierern gehören. Was vermutlich nicht viele stören wird. Immerhin wurde der Film von der Academy berücksichtigt. Filme wie First Cow haben unverständlicherweise erst gar keine Anerkennung erfahren.

    Da uns in diesem Jahr nichts anderes übrig bleibt, als die Verleihung daheim vom Sofa aus mitzuverfolgen, sind Tipps zum Wachbleiben heiß begehrt. Ganz klar bevorteilt sind jene, die sich die Bügelwäsche der letzten Wochen oder Monate (es ist nicht zu erwarten, dass die Oscars heuer viel kürzer ausfallen wird) aufgespart haben.


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  • BESTENLISTE 2018

    BESTENLISTE 2018

    „The voting lines are now closed!“ So oder so ähnlich heißt es doch beim European Song Contest. Bei der alljährlichen Liste der Besten Filme des vorangegangenen Jahres ist das etwas schwieriger. Noch immer kommen Filme aus dem Jahr 2018 zu uns ins Kino und auch darüber hinaus reicht die Zeit nicht aus, um alle interessanten Produktionen zu sichten.

    Auffällig ist, dass der überwiegende Teil in der Bestenliste US-amerikanische Produktionen sind. Das sagt einiges über das Seeverhalten aus. Aber nicht nur. Abseits von Festivalbeiträgen und prämierten Filmen wird es zusehends eng. Blockbuster laufen längst nicht nur mehr im Sommer an, sondern jedes Monat. Sie blockieren das gesamte Programm. Viele Filme schaffen es nicht mehr außerhalb des Produktionslandes Verleihe zu finden.

    Leider ist sich Joy von Sudabeth Mortezai nicht ausgegangen. So ist das, wenn man die Viennale Vorstellung sausen läßt. Daher nicht auf der Liste. Aber vermutlich eine sichere Bank.

    Bunt ist die Auswahl trotzdem geworden. Hier sind Filme, die man in diesem Jahr gesehen haben sollte. Mit Border ist ein Film dabei, der noch in diesem Monat bei uns zu sehen sein wird.

    Blackkklansman

    Black Panther

    Cold War

    The Death of Stalin

    The Rider

    Eighth Grade

    Green Book

    Leave no Trace

    Mission: Impossible – Fallout

    Murer – Anatomie eines Mörders

    Roma

    Spider Man – A New Universe

    Styx

    Transit

    A Star is Born

    Vice

    Erwähnungen:

    Annihilation | Die Auslösung (Netflix)

    A Beautiful Day

    Blue my Mind

    Border

    Burning

    Free Solo

    Hereditary

    Mary Magdalene

    Shoplifters

    Wind River

    Yuli








  • OSCARS 2019: Quo vadis? oder: Ich glaub, mich tritt ein Pferd.

    OSCARS 2019: Quo vadis? oder: Ich glaub, mich tritt ein Pferd.

    Man kann über sie lästern, sich ärgern oder sie einfach ignorieren. Fakt ist, die Oscars sind die wichtigsten Preise der Filmwelt. Vielleicht müsste man heute das Wort „noch“ hinzufügen. Auch wenn ernsthaft keine Gefahr besteht, dass sie in der Bedeutungslosigkeit versinken könnten, befindet sich die Academy of Motion Pictures, Art and Science (AMPAS) gerade auf einem Scheideweg, hin und her gerissen zwischen moralischen Ansprüchen, politischen Auseinandersetzungen, veränderten Sehgewohnheiten, immer mächtiger werdenden Konzernen und einer Branche, die sich generell gerade im Umbruch befindet. Hinzu kommen in Ungnade gefallene Moderatoren, Schauspieler und Regisseure.

    Die Academy ist ein großer Tanker mit tausenden Mitgliedern, der sich Jahrzehnte lang nicht mehr bewegt hat und jetzt versucht zu manövrieren und dabei ständig wo dagegen donnert: eine neue Kategorie „Bester Populärer Film“ sollte eingeführt werden. Daraus wurde jetzt doch nichts. Vermutlich auch, weil sich die Auswahlkriterien nur schwer bestimmen lassen. Aus welcher Richtung dieser vorerst gescheiterte Vorstoß kam ist nicht schwer zu erraten. Die Gala verlor zusehends an Publikum, wobei im Kino gleichzeitig von Jahr zu Jahr neue Rekorde aufgestellt werden. Allerdings wird das Boxoffice eher selten von Oscar Kandidaten angeführt. Gleichzeitig wurde beschlossen, die Verleihung von vier Oscars in die Werbepausen zu verlegen und sie anschließend dem Publikum in verkürzter Form nachzureichen. 

    Das hat große Unruhe ausgelöst. In diesem Jahr viel die Wahl auf Beste Kamera, Bester Schnitt, Makeup and Hairstyling und Bester Kurzfilm. Nun ist schon seit Jahren keine Live Sendung wirklich mehr live, sondern zeitversetzt, damit kein „fu€k!“ mehr zu hören ist oder TV-Shows zu Russ Meyer-Gedenkveranstaltungen verkommen. Somit auch vorgeschnitten, bzw. zensuriert. Die Frage ist, wie viel von den Preisvergaben nach den Werbepausen zu sehen sein wird. Angeblich soll man es an den Bildschirmen zu Hause kaum merken. Wie so eine Stunde Sendezeit eingespart werden soll, ist eine andere Sache.

    Es ist paradox, Preisvergaben gerade in die Werbepausen zu verlegen. Just die Pausen sind es, die die Oscars alljährlich zu einer Geduldprobe für Filmfans machen und endlos in die Länge ziehen. Die Kunst ist vor dem Kommerz in die Knie gegangen. Deutlicher kann man es nicht zeigen. Milliardenkonzerne betreiben an diesem Abend Profitmaximierung. Nun werden gerade jene Kategorien in die Werbepausen verlegt werden, in denen keine Disney/ABC Produktionen nominiert sind. Die Walt Disney Company ist Marktführer. ABC ist der Broadcaster und gehört dem Disney Konzern.

    Eines hat sich hier gezeigt. Mit Solidarität ist es nicht weit her im Filmbiz. Der Empörung für Kamera und vielleicht noch Schnitt war groß. Wer aber hat für Makeup and Hairstyling die Stimme erhoben? Mit großen Wellen ist der Tanker derweilen nicht konfrontiert. Im 21. Jahrhundert schreibt man zwar keine Briefe mehr aber dafür unterzeichnet man um so gerne Petitionen. Das mag im ersten Moment ein edles Unterfangen sein. Es ist allerdings auch ein ziemlich zahnloses. Man darf gespannt sein, ob es bei einem Jammern bleiben wird. Darüber, worum es eigentlich geht, die Filme nämlich, redet im Moment kaum jemand.

    Dabei betritt die Academy auch hier Neuland. Mit Roma ist ein fremdsprachiger Film 10-fach nominiert. Cold War hat nochmal drei bekommen. An beiden Filmen führt in diesem Jahr kein Weg vorbei. So gesehen eine gerechtfertigte Entscheidung.  Roma ist noch dazu eine Netflix-Produktion. Paweł Pawlikowski und Alfonso Cuarón sind freilich keine unbekannten in Hollywood und wurden beide bereits mit einem Oscar prämiert. Die Academy gibt sich weltoffen. Allerdings gibt es in den USA heuer gleich drei Regisseurinnen, die mit ihrem Arbeiten aufgefallen sind: Debra Granik mit Leave no Trace, Chloé Zhao mit The Rider und Lynne Ramsay mit A Beautiful Day. Alle drei wurden von der Academy übergangen. Das ist der eigentliche Skandal dieses Jahres.

    [UPDATE 16/2/2019: Die Academy nimmt nach einem Protest ihre Entscheidung zurück, vier Preise in der Werbepause zu vergeben.]

    ➤ Filme auf dem OSCAR RADAR

    © Foto: AMPAS

  • OSCARS 2018: Stand up for your rights!

    OSCARS 2018: Stand up for your rights!

    Zum bereits 10. Mal wurde die Oscar-Verleihung im Gartenbaukino in Wien übertragen. Der Andrang war in diesem Jahr nicht so groß wie in manchen der vergangenen Jahre. Am Programm hat es sicher nicht gelegen. Mit „The Florida Project“ und „I, Tonya“ gab es direkt vor der Gala zwei Premieren. Ein Grund dürfte gewesen sein, dass die Oscars in diesem Jahr ohne österreichische Beteiligung von statten gingen. Mit der Einreichung von Michael Hanekes „Happy End“ für den Besten Fremdsprachigen Film wollte man auf Nummer sicher gehen. Die Koproduktion schaffte es aber nicht unter die Nominierten. Der Regieerstling „Die Beste aller Welten“ von Adrian Goiginger wäre für viele der logischere Kandidat gewesen.

    Sei es drum, die Oscars 2018 sind Geschichte. Anlässlich des 90. Jubiläums der Gala wurde in zahlreichen Ausschnitten an Höhepunkte vergangener Zeiten erinnert. Zwei Änderungen gab es im Regelement: In der Kategorie „Bester Animationsfilm“ durfen erstmalig alle Mitglieder der Academy abstimmen. Bisher war das einem kleinen Kreis vorbehalten. Dokumentationen dürfen nun nicht mehr aus mehreren Teilen bestehen. Eine Reaktion auf den Vorjahresgewinner „O.J.: Made in America“ mit einer Spielzeit von 467 Minuten.

    „The Shape of Water“ konnte sich in den Hauptkategorien durchsetzen. Guillermo del Toro kontrollierte das Kuvert für den Besten Film auf der Bühne nochmals höchstpersönlich. Mit lediglich vier von dreizehn möglichen Preisen blieb ein überragender Sieger in diesem Jahr aber aus. Die beiden Drehbuchpreise gingen an „Call me by your name“ und „Get out“. Eine Seltenheit, dass der Film des Jahres in dieser Kategorie leer ausgeht. „Dunkirk“ dominierte verdient die technischen Kategorien. Für „Blade Runner 2049“ konnte Kameramann Roger A. Deakins seine dreizehnte Nominierung nun endlich in Gold verwandeln.

    Auf „#metoo“ wurde erwartungsgemäß immer wieder verwiesen. Bereits zu Beginn ersuchte der Präsentator  Jimmy Kimmel jedoch, die Dankesreden kurz zu halten. Traditionell hat die Gala Probleme mit der Überlänge. So nahm sich erst Frances McDormand, Preisträgerin für ihre Rolle in „Three Billboards Outisde Ebbing, Missouri„, gegen Ende die Zeit auf die Problematik hinzuweisen. Sie bat alle weiblichen Gäste aufzustehen und die überwiegend männlichen Produzenten im Raum mit ihnen nicht anschließend auf den Parties über zukünftige Projekte zu sprechen, sondern die Tage danach in den jeweiligen Büros. Damit unterstrich McDormand, dass es auch für Frauen um ein ernstzunehmendes Geschäft geht und der Umgang miteinander auf Augenhöhe essenziell ist. Ein starkes Statement abseits von Aktionismus.

    Alle Gewinner im Überblick:

    The Shape of Water

    Best Picture – Guillermo del Toro and J. Miles Dale, Producers
    Directing – Guillermo del Toro
    Music (Original Score) – Alexandre Desplat
    Production Design –  Production Design: Paul Denham Austerberry; Set Decoration: Shane Vieau and Jeffrey A. Melvin

    A fantastic Woman

    Foreign Language Film Chile

    Coco

    Animated Feature Film

    Music (Original Song) – Remember me Music and Lyric by Kristen Anderson-Lopez and Robert Lopez

    Darkest Hour

    Actor in a Leading Role – Gary Oldman
    Makeup and Hairstyling – Kazuhiro Tsuji, David Malinowski and Lucy Sibbick

    Three Billboards outside Ebbing, Missouri

    Actor in a Supporting Role –  Sam Rockwell
    Actress in a Leading Role – Frances McDormand

    I, Tonya

     Actress in a Supporting Role – Allison Janney

     Call Me by Your Name

     

     Writing (Adapted Screenplay) – Screenplay by James Ivory

    Get Out

    Writing (Original Screenplay) – Written by Jordan Peele

    Icarus

    Documantary (Feature) – Bryan Fogel and Dan Cogan

    Dunkirk

    Film Editing – Lee Smith
    Sound Editing – Richard King and Alex Gibson
    Sound Mixing – Gregg Landaker, Gary A. Rizzo and Mark Weingarten

    Blade Runner 2049

    Cinematography – Roger A. Deakins
    Visual Effects – John Nelson, Gerd Nefzer, Paul Lambert and Richard R. Hoover

    Phantom Thread

    Costume Design – Mark Bridges

    Heaven Is a Traffic Jam on the 405

    Documentary (Short Subject) – Frank Stiefel

    Dear Basketball

    Short Film (Animated) – Glen Keane and Kobe Bryant

    The Silent Child

    Short Film (Live Action) – Chris Overton and Rachel Shenton

    Quelle: www.oscars.org
    © Foto: AMPAS

  • OSCARS 2018: Warum in diesem Jahr kein Kriegsfilm gewinnt.

    OSCARS 2018: Warum in diesem Jahr kein Kriegsfilm gewinnt.

    In einer Woche ist es wieder soweit. Am 4. März werden im Dolby Theatre in Los Angeles zum 90. Mal die Oscars vergeben. Jetzt könnten wir natürlich ganz entspannt bis nächsten Montag warten und in der Früh das Radio einschalten. Nun gibt es aber genug Filmbegeisterte, die nicht nur eine Nacht durchmachen, um die Verleihung live zu erleben. Spekulationen im Vorfeld über mögliche Gewinner gehören genauso dazu. Wettquoten spielen dabei eine große Rolle. Es ist so gut wie auf jedem Wettportal möglich, auf den eigenen Favoriten zu setzen. Die Mitglieder der Academy müssen ihre Stimmen aber bereits bis spätestens heute Abend abgegeben haben. Kurioserweise kann man also auf etwas wetten, dessen Ergebnis bereits feststeht. Alles streng geheim natürlich. Dafür sorgen die Notare von PricewaterhausCoopers. Sie haben in diesem Jahr während der Gala übrigens Handyverbot, damit sie sich besser auf die Kuverts konzentrieren können.

    Ob der wichtigste Preis der Filmwelt tatsächlich die Höhepunkte des Jahres vereint, sorgt jedes Jahr für Diskussionen. Lobbyingarbeit spielt bis zuletzt eine große Rolle. Manche haben einen fixen Startplatz, wie Meryl Streep (21. Nominierung), der Fels in der Brandung der Schauspielkunst oder Steven Spielberg, der immer nominiert ist, wenn er sich einem ernsten Thema widmet. In diesem Jahr kommt hinzu, dass durch den Fall Weinstein und die darauffolgende #metoo Debatte sozialer Aktionismus groß geschrieben ist. Die Traumfabrik wurde von der Wirklichkeit eingeholt. Ob der neue Hashtag von größerem Erfolg gekrönt ist als #OscarsSoWhite, wird sich zeigen. Einfluss genommen hat #metoo jedenfalls schon bei der Auswahl der Nominierungen. James Franco wurde für „The Disaster Artist“ erst gar nicht nominiert. Casey Affleck verzichtet als Vorjahressieger auf die traditionelle Preisübergabe im Folgejahr. Dafür gilt Gary Oldman heuer als aussichtsreichster Kandidat obwohl ihm auch Gewalttätigkeiten vorgeworfen werden.

    Damit nicht genug. Die ambivalente Rolle von Sam Rockwell, aussichtsreicher Kandidat für einen Oscar als Nebendarsteller, als rassistischer Polizist in „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ ist für manche zu positiv angelegt, als ob es darum ginge, das Publikum zu belehren. Political Correctness als Totschlagargument. Dabei wurde das Drehbuch von Martin McDonagh bereits bei den Filmfestspielen in Venedig ausgezeichnet.

    Ob das Rockwell die Statuette noch abspenstig machen kann, ist eher unwahrscheinlich. Es lässt sich aber sagen, dass es selten so viele Diskussionen rund um die Oscars gegeben hat, die letzten Endes nichts mit der Qualität der Filme zu tun hatten. Produktionen mit sozialkritischem Hintergrund sind stark vertreten, auch in der Kategorie Bester Fremdsprachiger Film. Die Abrechnung mit dem linksintellektuellen Bildungbürgertums in „The Square“ zählt ebenso dazu, wie „Nelyubov“ von Andrey Zvyagintsev oder „Una mujer fantástica“. „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“, der große Gewinner der Golden Globes, passt in dieses Muster.

    Für Regisseur Guillermo del Toro und sein Wassermärchen „The Shape of Water“ wird es wohl ein Start-Ziel-Sieg werden. Die Preisverleihungen der letzten Monate geben zwar Trends vor. Den großen Gewinner wird es bei den Oscars, die eigentlich Academy Awards heißen, in diesem Jahr aber nicht geben. Trotz der 13 Nominierungen für „The Shape of Water“.

    In einem anderen Jahr wäre Christopher Nolan mit „Dunkirk“, seiner Ode an das Blockbusterkino, eine sichere Bank gewesen. In diesem Kontext hat es ein Antikriegsfilm jedenfalls schwer, sei er technisch auch noch so ausgereift. Da „Dunkirk“ auch ein Hörerlebnis ist, kann davon ausgegangen werden, dass der Film zumindest diesbezüglich honoriert wird.

    Bis sich der Saal im Dolby Theatre füllt, bleibt genügend Zeit, um sich über die (weltweit) teils skandalösen Umstände in der Branche zu empören. Eine Empörung als Profilierung von Wichtigtuern, ohne die Ursachen zu bekämpfen. Hollywood war schon immer gut darin, die Wirklichkeit zu überspielen. Die nächste Party wartet schon.

    © Foto: AMPAS

  • „Bitte nicht rennen!!!“ – Ein Rückblick auf die Viennale 2017.

    „Bitte nicht rennen!!!“ – Ein Rückblick auf die Viennale 2017.

    26 Grad zeigt der Thermometer im Foyer des Gartenbaukinos kurz vor dem Einlass. Dicht gedrängt, fast vorne an der noch verschlossenen Glastür mit dem Hinweis „Bitte nicht rennen!!!“ Je nach Witterung mit Pullover und Jacke. Kein Platz um sich auszuziehen. Leider vorhin darauf vergessen. An Laufen ist nicht zu denken. Umfallen im Falle eines Kreislaufkollaps nicht möglich.

    Die Viennale 2017 gehört der Vergangenheit an. Nach 20 Jahren ohne Hans Hurch. Trotzdem war er in jeder Vorstellung allgegenwärtig. Durch Worte der Erinnerung oder schon alleine durch die von ihm getroffene Filmauswahl.

    Die Filmauswahl ist für das Publikum Jahr für Jahr die größte Herausforderung. Schaut man einen Film, verpasst man zur selben Zeit vier andere. Das gleiche gilt, wenn man vor Mitternacht ins Bett möchte oder an geregelte Mahlzeiten denkt. Drageekekse gelten nicht als Mahlzeit, leisten aber guten Ersatz. Aus dem Bruchteil an Gesehenem hier ein paar Höhepunkte:

    In THREE BILLBOARDS OUTSIDE EBBING, MISSOURI von Martin McDonagh fordert eine Frau Gerechtigkeit für ihre ermordete Tochter. Sie legt sich mit der örtlichen Polizei an und hat bald das ganze Dorf gegen sich. Berührende Momente und derbe Komik wechseln einander stakkatoartig ab. Mit Frances McDormand, Woody Harrelson und Sam Rockwell. Wird man sich merken müssen. Startet bei uns Ende Jänner.

    THE NILE HILTON INCIDENT von Tarik Saleh spielt in den Tagen vor der arabischen Revolution in Kairo. Ein Mordfall, dessen Spuren in höhere Kreise führen, stellt einen Polizisten auf die Probe. Bleibt er weiterhin Teil des System Mubarak oder geht er gegen Korruption und polizeiliche Willkür vor und stellt sein Leben aufs Spiel. Zu verlieren hat er scheinbar nichts mehr. Leider im Moment wieder ohne regulären Starttermin.

    In der schweizerisch-österreichisch-polnischen Koproduktion TIERE von Greg Zglinski fahren Birgit Minichmayr und Philipp Hochmair in eine Almhütte in der Schweiz. Auf dem Weg dorthin kommt es zu einem Autounfall mit einem Schaf. Seltsame und unheimliche Ereignisse lassen das Publikum fortan darüber im Unklaren, wo nun die Grenze zwischen Realität und Einbildung ist. Das Ganze ist im wahrsten Sinne des Wortes unheimlich komisch. Ab Mitte November im Kino.

    Der Eröffnungsfilm LUCKY von John Carroll Lynch ist eine fiktive Geschichte mit einem realen Charakter. Ein Film mit und über Harry Dean Stanton – Kettenraucher, Konservativer, Grantler. Eine humorvolle Abhandlung über das Alter mit einer herausragenden Besetzung. Kommt im März 2018.

    Einer der Höhepunkte des Festivals und des Filmjahres überhaupt ist Valeska Grisebachs WESTERN. Die Männer eines deutschen Bautrupps stoßen in Bulgarien in einer Art Außenposten am Rande Europas zwangsläufig auf die lokale Dorfbevölkerung. Arbeitsmigration andersrum. Läuft diese Woche im Kino an. Eine ausführliche Kritik folgt morgen.

    GRAVE (Raw) von Julia Ducournau ist bereits auf Blu-Ray/DVD erhältlich und läuft auf Amazon Prime. Darin steigt Justine in die Fußstapfen ihrer Familie und beginnt ein Studium der Veterinärmedizin. Bei einem Initiationsritual kommen bei der strengen Vegetarierin plötzlich fleischliche Gelüste auf, die das normale Maß bei weitem übersteigen. Ein coming-of-age Horrorfilm mit Eckelgarantie. Kein Schocker aber explizit in der visuellen Umsetzung. Nichts für schwache Nerven und durchaus gelungen.

    Es liefen natürlich noch einige interessante Filme mehr. Sollten sie ins Kino kommen, wird hier auf THE REEL THERAPIST davon berichtet werden.

    Im Jänner bekommt die Viennale eine neue, wenn es nach Präsident Eric Pleskow geht weibliche, Festivalleitung. Eine große Herausforderung, auch in Anbetracht der verkürzten Vorbereitungszeit, ein so erfolgreiches Festival zu übernehmen.