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  • „O AGENTE SECRETO“ Filmkritik: Wagner Moura als verfolgter Wissenschafter im Brasilien der 1970er Jahre.

    „O AGENTE SECRETO“ Filmkritik: Wagner Moura als verfolgter Wissenschafter im Brasilien der 1970er Jahre.

    ★★★★ ½

    Mit Wagner Moura Regie Kleber Mendonça Filho
    Ab 16 Länge 158 Min.

    Es beginnt mit einer Leiche an einer Tankstelle. Die Polizei scheint sich nicht sonderlich für sie zu interessieren. Dafür vielmehr für einen sehr verunsicherten Armando (Wagner Moura) und seinen gelben VW Käfer, der gerade einen Tankstop eingelegt hat. Bereits nach wenigen Minuten wird klar, dass die Polizei im Brasilien von 1977 nicht dein Freund und Helfer ist. In Kleber Mendonça Filho in Cannes ausgezeichneten O AGENTE SECRETO ist Armando auf dem Weg nach Recife zu seinem Sohn. Die Situation ist angespannt.

    O Agente Secreto, Kleber Mendonça Filho, 2025

    Kurzkritik

    Angst vor Verfolgung, Korruption und Gewalt bestimmen das Leben von Menschen wie Armando, die dem Regime nicht genehm sind. Auch wenn man auf seine Forschungen als Wissenschafter nicht verzichten möchte.

    Armando begibt sich auf den langen Weg von Sao Paolo nach Recife um zu seinem Sohn zu gelangen und dann das Land zu verlassen. Noch wenige Tage trennen sie von gefälschten Pässen, die ihnen die Ausreise ermöglichen sollen. Doch der ehemalige Präsident eines des staatlichen Energiekonzerns hat zwei Auftragskiller auf Armando angesetzt, die ihm dicht auf den Fersen sind.

    Wagner Moura, den wir viel zu selten zu sehen bekommen, ist ein Glücksfall für das Kino. Er erweckt stellvertretend für viele Verfolgte eine (fiktives) Einzelschicksal zum Leben und hält uns für mehr als zweieinhalb Stunden im Bann. Einen kurzen Auftritt hat der wunderbare Udo Kier in einer seiner letzten Rollen.

    Kamerafrau Evgina Alexandrova erzeugt mit anamorphen Kameralinsen einen speziellen farbintensiven Grindhouse-Look, der O AGENTE SECRETO einen besonderen Charakter verleiht. In Kombination mit bemerkenswerten Kostümen entstand ein schön anzusehendes Period Piece in erdigen sommerlichen Farbtönen. Sie stehen im Kontrast zur Brutalität der dramatischen Handlung. Trotzdem schlägt O AGENTE SECRETO auch satirische Untertöne an.

    Mit Walter Salles‘ I’M STILL HERE aus dem vergangenen Jahr verbindet ihn nicht nur das historische Setting, sondern auch der zutiefst humanistische Zugang eines Polit-Thrillers und die Bezugnahme beider Regisseure zur aktuellen politischen Situation in Brasilien.

    O Agente Secreto (A Secret Agent), BRA/FR/NL/D 2025
    Ab 16 Länge 158 Min.
    Regie Kleber Mendonça Filho Drehbuch Kleber Mendonça Filho Kamera Evgenia Alexandrova Schnitt Matheus Farias, Eduardo Serrano
    Musik Mateus Alves, Tomaz Alves Souza Mit Wagner Moura, Maria Fernanda Cândido, Gabriel Leone, Carlos Francisco, Alice Carvalho, Udo Kier

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  • „THE MASTERMIND“ Filmkritik: 1970 – als es auch schon einfach war, ein Museum auszurauben.

    „THE MASTERMIND“ Filmkritik: 1970 – als es auch schon einfach war, ein Museum auszurauben.

    ★★★★
    Mit Josh O’Connor, Alana Haim Regie Kelly Reichardt
    Ab 14 Länge 110 Minuten

    Ein Familienvater organisiert im Massachussets des Jahres 1970 einen Museumsraub. Die Filmgeschichte hat uns gelehrt, dass man dabei mitunter nicht alles unter Kontrolle halten kann und so ist es auch in Kelly Reichardts THE MASTERMIND. So leicht die Tat von der Hand gehen mag, danach ist nichts mehr so wie es war.  Josh O‘Connor spielt an der Seite von Alana Haim in diesem in Brauntönen gehaltenen, von Freejazz untermalten und Vintage-Liebhaber*innen verzückenden Heist-Movie.

    Josh O’Connor in THE MASTERMIND

    Kurzkritik

    Im Live Gespräch nach einem Screening im Stadtkino Wien erzählt Regisseurin Kelly Reichardt davon, wie sie mit dem Umstand zu kämpfen hatte, dass jedes noch so lächerliche Outfit, dass sie für die Hauptrolle mit der Kostümdesignerin ausgesucht hatte, an Josh O‘Connor einfach super stylish aussah. Davon kann man sich jetzt im Kino und in Zukunft auf der Streamingplattform Mubi überzeugen.

    In tristen Brauntönen erzählt THE MASTERMIND davon, wie ein Mann das gemeinsame Leben seiner Mittelklassefamilie aufs Spiel setzt, indem er mit Komplizen Bilder von Arthur Dove, dem ersten abstrakten Maler der USA, entwendet. Der Filmtitel ist hier ironisch gemeint, denn so gut überlegt hat sich J.B. Mooney sein Vorhaben nicht. Reichardt spricht vom „personal freedom“ den Mooney anstrebt, der aber immer auf Kosten von anderen geht – in diesem Fall seiner Familie. Die 1970er wählte sie für ihre Geschichte, da es damals noch ziemlich einfach war, aus einem Museum Kunstgegenstände zu rauben und auch, weil sich die USA Ende der 1960er im Umbruch befand. Das wiederum passte gut, um den Charakter von J.B. Mooney eine Form zu geben.

    Die Industriestädte Massechussetts‘ schaffen eine stimmige Kulisse. Das gemächliche Tempo unterstreicht die missliche Lage, in der sich Mooney befindet, ebenso wie der für die Regisseurin ungewöhnliche Einsatz von Filmmusik, hier in Gestalt der leidenden Freejazz Trompete von Rob Mazurek.

    Kelly Reichardt, die nicht probt und ihren Darstellerinnen großes Vertrauen schenkt, kam der spektakuläre Raub im Louvre just zum Kinostart sicherlich nicht ungelegen. THE MASTERMIND hat sich zusätzliche Publicity verdient.

    THE MASTERMIND,, USA 2025
    Krimi Ab 14 Länge 110 Minuten
    Regie/Drehbuch/Schnitt Kelly Reichardt Kamera Christopher Blauvelt
    Musik Rob Mazurek Mit Josh O’Connor, Alana Haim

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  • „ONE BATTLE AFTER ANOTHER“ Filmkritik: „Viva la revolutión!“ – Die USA auf dem Scheideweg.

    „ONE BATTLE AFTER ANOTHER“ Filmkritik: „Viva la revolutión!“ – Die USA auf dem Scheideweg.

    ★★★★
    Mit Leonardo DiCaprio, Teyana Taylor, Benicio del Toro, Chase Infiniti, Sean Penn Regie Paul Thomas Anderson
    Ab Länge 162 Min.

    Es ist eine nur immer ersten Moment schräg anmutende Geschichte, die Paul Thomas Anderson nach einem Roman von Thomas Pynchon in das Drehbuch zu ONE BATTLE AFTER ANOTHER gepackt hat. Etwa 16 Jahre zurück befreit eine Widerstandsgruppe in den USA Migranten aus einem Internierungslager nahe der mexikanischen Grenze aus der Polizeigewalt von US-Marshals unter dem Kommando von Colonel Steven J. Lockjaw (Sean Penn). Der Colonel trifft dabei auf die Aktivistin Perfidia Beverly Hills (Teyana Taylor) und fühlt sich von ihr sexuell angezogen. Eigentlich lebt Perfidia mit dem Sprengstoffexperten Bob Ferguson (Leonards DiCaprio) zusammen, doch sie macht sich die Hörigkeit des Colonels zu nutze, um mit ihrer Gruppe weiterhin Aktionen durchführen zu können.

    In der Gegenwart lebt der versoffene und verwahrloste und nun ehemalige Revoluzzer Bob Ferguson mit seiner Tochter Willa zurückgezogen im Wald. Perfidia ist in der Zwischenzeit untergetaucht und Bob lebt unter der ständigen Angst, doch noch von Colonel Lockjaw ausgeforscht zu werden. Als Lockjaw dem „Christmas Adventurers Club“, eine Gruppe weißer rassistischer Katholiken, beitreten möchte, muss er davor sicher stellen, nicht der Vater eines Mischlingskindes zu sein und macht sich auf die Suche nach Willa. Bobs Alptraum wird war und er muss seine alten Kontakte aus dem Widerstand wieder aufnehmen, um seine Tochter zu retten, was ihm einiges an Schwierigkeiten bereitet, da er sich zu lange seiner Leidenschaft nach Alkohol und Drogen hingegeben hat und sich an die Codewörter zur Kontaktaufnahme nicht mehr erinnern kann …

    Colonel Steven J. Lockjaw (Sean Penn) als Paradeexemplar der Alt-Right Bewegung in den USA.

    Kurzkritik

    Eines war bereits vor dem Kinostart klar: Paul Thomas Anderson konnte sich der Vorschusslorbeeren nicht entziehen. Sowohl Kritiker*innen als auch Regiekollegen waren sich einig, dass sein neuester Film nicht nur an seine großen Erfolge anschließt, sondern gar ein moderner Klassiker werden würde. Ein Film der tief in die Seele eines ideologisch geteilten Landes blicken lässt. Ein Land, in dem Polizeigewalt vorherrscht und klerikale Extremisten ihre rassistischen Pläne umzusetzen versuchen. In diesem Jahr wurde ONE BATTLE AFTER ANOTHER noch dazu von der Realität eingeholt. Die USA bewegen sich in großen Schritten Richtung Autokratie, die im Hintergrund von fundamentalen faschistischen und religiösen Ideen geprägt ist.

    Die politische Aktualität ist es jedoch nicht alleine. Leonardo DiCaprio spielt wieder einmal die beste Rolle seines Lebens (vielleicht kann man endlich einmal akzeptieren, dass DiCaprio einfach ein guter Schauspieler ist). Sean Penn ist als stocksteifer, stolzer, weißer Colonel mit dem Haarschnitt eines Paradiesvogels eine Witzfigur aber brandgefährlich zugleich (die Chancen auf einen dritter Oscar stehen nicht all zu schlecht) und Chase Infiniti kann sich in ihrer ersten Filmrolle gegenüber der starken Leinwandpräsenz ihrer Kollegen überzeugend behaupten. Interessant sind zudem die Identitätsfragen, die Fragen ihr Charakter im Kontext des Films aufwirft. Was macht eine typische US-Amerikanerin heute aus?

    ONE BATTLE AFTER ANOTHER macht eine Genrezuschreibung schwierig. Sie reicht von Action-Komödie und Thriller bis Screwball-Comedy. Es dauert etwas, bis die Geschichte in die Gänge kommt. Ab dem Zeitsprung wird es aber sehr unterhaltsam. Das macht die lange Laufzeit vergessen. Die Geschichte gipfelt in einer spektakulär inszenierten und viel gelobten Verfolgungsjagd auf einem hügeligen Highway, bei der die Autos immer wieder aus dem Blickfeld verschwinden und durch die Langsamkeit der Sequenz Spannung erzeugt wird.

    Paul Thomas Anderson ist eine absurde Komödie mit einem starken Ensemble gelungen. Es ist nur fraglich, ob sein bisher teuerster Film sein Publikum in einem Ausmaß finden wird, dass er auch ein kommerzieller Erfolg werden wird. Zumindest in den USA wird sich die Spaltung des Landes auch am Boxoffice bemerkbar machen. Man merkt es bereits an den Kommentare, wenn es heißt, wie Hollywood gerade jetzt eine linksradikale Gruppierung auf die Leinwand bringen kann. Freilich von Leuten, die den Film nie gesehen haben. Aber Nichtwissen und Urteilen ist längst auch abseits der Sozialen Medien salonfähig geworden. Was die Einnahmen betrifft, wird es wohl PTAs erfolgreichster Film bisher werden.

    Vom Blockbuster Mainstream ist die Satire weit entfernt. Stephen Spielberg fühlt sich an DR.. STRANGELOVE OR: HOW I LEARNED TO STOP WORRYING AND LOVE THE BOMB erinnert. Dieser Vergleicht trifft auch ziemlich gut zu. Ähnlich wie Alex Garland‘s CIVIL WAR zeigt ONE BATTLE AFTER ANOTHER ein Land, das zwischen die Fronten geraten ist. Wenn auch auf humorvolle Weise aber trotzdem mit dem Bewusstsein, das die kruden Ideen extrem rechter Ideologen längst Realität geworden sind. Bei CIVIL WAR war es noch eine Zukunftsvision und das ist erst wenige Monate her.

    –

    TITEL: ONE BATTLE AFTER ANOTHER, USA 2025
    Action,, Komödie, Thriller Ab Länge 162 Min.
    Regie Paul Thomas Anderson Drehbuch Paul Thomas Anderson Kamera Michael Bauman Schnitt Andy Jurgensen
    Musik Jonny Greenwood Mit Leonardo DiCaprio, Teyana Taylor, Benicio del Toro, Chase Infiniti, Sean Penn


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  • „CAUGHT STEALING“ Filmkritik: Schwarzer Humor, Thrills, Twists und eine Katze

    „CAUGHT STEALING“ Filmkritik: Schwarzer Humor, Thrills, Twists und eine Katze

    ★★★★
    Mit Austin Butler, Matt Smith, Regina King, Zoë Kravitz, Liev Schreiber, Vincent D’Onofrio Regie Darren Aronofsky
    Ab 16 Länge 107 Minuten

    Im New York der späten 90er lebt Hank Thompson (Austin Butler), ein ehemaliger Baseball-Liebling mit gebrochenen Träumen. Jetzt arbeitet er als Barkeeper, trinkt zu viel und hofft auf ein wenig Normalität – bis ihn sein Punk-Nachbar Russ (Matt Smith) um Hilfe bittet: Hank soll nur wenige Tage auf dessen Katze aufpassen. Was als Gefallen beginnt, entwickelt sich rasch zu einem Albtraum: Russische Gangster, korrupte Polizist:innen, orthodoxe Gangster – alle wollen eine bestimmte Sache, die Russ versteckt hat. Hank gerät in einen Strudel aus Gewalt, Druck und gefährlichen Geheimnissen. 

    Matt Smith und Austin Butler in CAUGHT STEALING von Darren Aronofsky.

    Kurzkritik

    Der Trailer zu CAUGHT STEALING lässt nicht ganz eindeutig erkennen, was uns im jüngsten Film von Darren Aronofksy erwartet. Neugierig macht er aber dann doch und unsere Neugier wird belohnt werden. Die größten kunstlerischen Erfolge von Darren Aronofsky liegen schon etwas zurück. Und wer eine innovative Inszenierung und Metaebenen wie bei BLACK SWAN oder THE WRESTLER erwartet, wird womöglich enttäuscht werden. CAUGHT STEALING wartet allerdings mit einer gelungenen Kombination aus schwarzem Humor, Thrills und Plottwists auf, verpackt in eine spannende Geschichte, die uns kaum Zeit zum Durchatmen lässt.

    Das New York der ausgehenden 1990er unter dem Regime von Bürgermeister Rudolph Giuliani scheint von Banden und der Mafia regiert zu werden, zumindest jenes Milieu, in dem sich der Protagonist bewegt. 

    Wir sehen eine heruntergekommene grindige Stadt, in der hinter jeder Ecke Gefahr lauern kann und schon mal eine Hochzeitsfeier mit automatischen Waffen gestürmt werden kann. Dieses dystopisch anmutende Moloch ermöglicht aber wunderbare Setpieces, seien es die Wohnungen der Charaktere oder die Straßenszenen in einer anonymen Großstadt, in der man niemandem über den Weg trauen kann. Zeigt uns CAUGHT STEALING am Ende gar einen Blick in die Zukunft? Manche Szenerien erinnern an Science-Fiction-Filme der 1990er, die die damals eine dunkle urbane Zukunft zeigten. Aronofsky lässt in all dem Schmerz dieser Gewaltspirale, die Hank durchlebt, jedoch einen Funken der Hoffnung durchblitzen. 

    Die Mischung aus Gangstertum und schwarzer Komödie (Liev Schreiber und Vincent D‘Onofrio sind super gefährlich, zu allem entschlossen und dabei ur komisch) ist auf allen Ebenen gelungen. Als Running Gag dient eine Katze, der zu Dialogzeilen wie „Get the cat into the car!“ inmitten eines Schusswechsels führt.

    Austin Butler muss, als mit seiner Vergangenheit hadernder Ex-Baseball-Spieler, einiges an Qualen durchleben. Matt Smith als Nachbar und Auslöser der Geschichte, konnte man nicht gegensätzlicher als zu seiner Rolle als Prinz Philipp in der TV-Serie THE CROWN besetzen. Dem Musikgeschmack seines Charakter haben wir jedenfalls den großartige Soundtrack der Idles zu verdanken.

    CAUGHT STEALING ist ein rasantes und witziges Kinoerlebnis, dass über die volle Länge gut unterhält. Eine Empfehlung, bevor in den kommenden Wochen die Kinohochsaison startet.

    TITEL Caught Stealing, USA 2025
    Thriller Ab 16 Länge 107 Minuten
    Regie Darren Aronofsky Drehbuch Charlie Huston Kamera Matthew Libatique Schnitt Andrew Weisblum
    Musik Idles Mit Austin Butler, Matt Smith, Regina King, Zoë Kravitz, Liev Schreiber, Vincent D’Onofrio


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