Schlagwort: Streaming

  • COVID-19-STREAMING II

    COVID-19-STREAMING II

    Bereits wenige Monate nach dem Kinostart ist die Dokumentation Miles Davis: The Birth Of The Cool online verfügbar. Interessant für alle, die das Musikgenie lieben (Privat war er leider weniger eines) und jene, die Davis näher kennen lernen möchten. Der Musiker erzählt selbst aus seinem Leben und viele seiner Wegbegleiter kommen zu Wort. [Netflix]

    Arrival von Denis Villeneuve und mit Amy Adams in der Hauptrolle ist ein grandioses Science-Fiction Abenteuer, in dem zwar kein Virus aber dafür Aliens die Erde auf Trab halten. Isolationsfeeling – Schutzkleidung! – inklusive. [Amazon Prime Video]

    Jessica Chastain in „Molly’s Game“

    Molly’s Game ist eine unglaubliche Geschichte, die das Publikum in Atem hält. Eine ehemalige Skirennläuferin steigt ins Pokerbusiness ein und organisiert die exklusivsten Spiele mit Hollywoodstars und kommt mit der Russenmafia in Konflikt. Tatsächlich so passiert. Mit Jessica Chastain und Iris Elba. [Netflix]

    Eine Serie, die mir in den letzten Wochen ans Herz gewachsen ist, ist Shameless. Genauer gesagt die US-Version mit William M. Macy. 9 Staffeln sind zur Zeit bei Amazon Prime Video verfügbar. Und zumindest in den ersten 4 Staffeln kommt man aus dem Staunen nicht heraus, wenn man den Alkoholiker Frank Gallagher und seine sechs Kinder dabei beobachtet, mit welchen unverschämten Gaunereien sie versuchen über die Runden zu kommen. Eine – unterhaltsame – Krise der anderen Art.


    Weiters:

    Die Diagonale [Flimmit]

    Siebzehn [ORF-TVthek – noch bis 31.3.2020]

    Jumanji [Amazon Prime Video]

    Mr. Link [Netflix]

  • COVID-19-STREAMING I

    COVID-19-STREAMING I

    Es soll Menschen geben, die in diesen Wochen vermehrt Zeit vor dem Fernseher verbringen und im dichten Dschungel an Angeboten nach sehenswerten Inhalten suchen. Auch wenn die 1,3 Milliarden Menschen in Indien und eigentlich alle mit Schulkindern wohl eher nicht dazu gehören, kommen hier in unregelmäßigen Abständen Streaming-Tipps, um die Zeit daheim erträglicher zu machen.

    Noch bis 31. März ist der sehr empfehlenswerte österreichische Spielfilm Siebzehn (Foto oben) in der ORF-TVthek abrufbar. Regisseurin Monja Art beweist, dass das niederösterreichische Lanzendorf eine tolle Filmkulisse abgeben kann. Außerdem verspricht der Film Sommergefühle! Zum Film gehts HIER entlang.

    Jumanji (1995)

    Erstaunlich gut unterhält auch heute noch Jumanji aus dem Jahr 1995. Wer erinnert sich an die Stampede durch eine US-Kleinstadt? Gut, an den Effekten nagt der Zahn der Zeit aber es gibt ein Wiedersehen mit dem wunderbaren Robin Williams. Die Geschichte rund um das mysteriöse Würfelspiel hat in den letzten Jahren eine Neuauflage erfahren. Mit dem Original hat die recht wenig zu tun. Ein neuer Film, der sich mehr am Ausgangsmaterial orientiert, ist aber in Planung. In Jumanji schlummert noch einiges an Potential. [AmazonPrimeVideo]

    Die Diagonale, das Festival des Österreichischen Films, findet in diesem Jahr ausschließlich auf dem Bildschirm statt. Bei FM4, auf der Plattform Flimmit und im Kino VOD Club gibt es in den nächsten Tagen Auszüge aus dem Programm zu sehen. Darunter sind Filme wie Die Dohnal Frauenministerin / Feministin / Visionärin, Nobadi, Glück gehabt oder Dieser Film ist ein Geschenk.

    Mr. Link – Ein fellig verrücktes Abenteuer (2019)

    Der für den Oscar nominierte Stop-Motion-Trickfilm Mister Link (2019) kann ebenso bereits gestreamt werden. Darin begibt sich ein Forscher auf die Suche nach Bigfoot. Ein liebevolles, witziges und atemberaubend gut animiertes Abenteuer für die ganze Familie. [Netflix]

  • AMERICAN FACTORY ★★★★½

    AMERICAN FACTORY ★★★★½

    Dieser Netflix Dokumentarfilm, produziert von Michelle und Barack Obama, zeigt, wie die Arbeiterschaft in Zeiten von Automatisierungsprozessen und Globalisierung unter die Räder gerät. Erst schließt General Motors ein Werk in Ohio und tausende Menschen verlieren ihren Job. Dann übernimmt ein chinesischer Konzern die Fabrik und gründet eine Niederlassung in den USA. Was sich erst als Rettung in der Not darstellt, entpuppt sich in American Factory bald als Sackgasse. Der neue Investor hat so ganz andere Vorstellung vom Umgang mit den Rechten der ArbeiterInnen..

    Der Druck ist vom ersten Tag groß. Maßstab für die Produktionsleistung und Qualität der Windschutzscheiben, die hier bei Fuyao Glas America produziert werden, ist der Mutterkonzern in China. Das Leben wird dort durch die Arbeit bestimmt. Das eigene Ich tritt in den Hintergrund. Urlaub gibt es so gut wie keinen. Genauso wenig wie irgendwelche Sicherheitsvorkehrungen und sonstige Arbeiterrechte.

    American Factory handelt von einem Clash of Cultures, der manchmal witzig sein kann und gleichzeitig schockierend ist. Arbeiter aus China werden extra dafür abgestellt, die amerikanischen Kollegen einzuweisen und zu beaufsichtigen. Es entstehen Freundschaften die oft mit einer gewissen Skepsis einhergehen. Zumindest entsteht der Eindruck, die Chinesen hielten die Amis alle für Vollhoschis.

    So amüsant manche Begegnung auch sein mag, so ernst ist der Hintergrund. Eines macht der Investor von Anfang an klar: Kommt die Gewerkschaft, sperrt er zu. Ein interner Kampf beginnt und am Ende wird nicht jeder seinen Job behalten können. Da ist die Konzernführung skrupellos.

    Hinzu kommt eine ständige Steigerung der Produktivität, die nur durch Automatisierung erreicht werden kann. Roboter ersetzen Arbeiter. Ein Problem das in nächster Zeit weltweit hunderte Millionen ArbeiterInnen betreffen wird. American Factory zeigt das auf. Ein Film, über ein Problem, für das es bis jetzt keine Lösung gibt. Eine Tragikomödie, die man gesehen haben sollte.

    AMERICAN FACTORY | STEVEN BOGNAR, JULIA REICHERT | USA 2019 | 110 MIN. | [usr 4.5]

    Netflix hat ein 10 minütiges Gespräch zwischen Barack und Michelle Obama und dem Regieduo auf die Plattform gestellt. LINK [$]


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  • THE REPORT ★★★½

    THE REPORT ★★★½

    „Papier macht nur Ärger.“ Als der Senatsmitarbeiter Daniel Jones (Adam Driver) seinen neuen Arbeitsplatz in einer geheimen CIA Aussenstelle betritt, fällt ihm sofort auf, dass es hier weder Drucker noch Papier gibt. Es ist ein neonbeleuchteter fensterloser Raum mit schwerer Eisentür, in dem sich nur Schreibtische mit Lampen und Computern befinden. Nichts soll diesen Raum verlassen, so ein CIA Mitarbeiter. Im Auftrag der Senatorin Dianne Feinstein (Annette Bening) soll Jones hier den, von der Bush Administration im Rahmen des Krieges gegen den Terror bewilligten und durchgeführten, „enhanced interrogation techniques“ auf den Grund gehen. Gemeint sind die in den geheimen CIA Foltergefängnissen vollzogenen Verhöre von Terrorverdächtigen. The Report ist eine wahre Geschichte über einen Beamten, der am Ende einen 7.000-seitigen Bericht erstellte und damit eine Diskussion über die humanitären Werte der US-amerikanischen Gesellschaft in Gang brachte und die Frage aufwarf, wodurch sie sich von ihrem eigentlichen Feind unterscheidet.

    Aber der Reihe nach. 2007 berichtet die New York Times davon, dass die CIA Verhörprotokolle von mutmaßlichen Al-Quaida Mitgliedern vernichtet haben soll. Die kalifornische Senatorin Feinstein beauftragt ihren Mitarbeiter Jones eine Untersuchung durchzuführen und dabei Millionen Seiten an Verhörprotokollen zu studieren. Um ihr Anliegen durchzusetzen, soll sein Team je zur Hälfte aus Demokraten und Republikanern bestehen. In jahrelanger zermürbender Arbeit, die immer wieder von Außen zu boykottieren versucht wird, arbeiten sie sich durch die Dokumente. Nach und nach verliert Jones seine Mitarbeiter und steht am Ende alleine da. 2014 wird eine 500-seitige Zusammenfassung des Berichts veröffentlicht. Der gesamte Bericht ist bis heute unter Verschluss.

    Im Kern befasst sich der Bericht damit, ob diese Methoden, die unter anderem durch das Waterboarding und die Fotos aus Abu Ghuraib zu unrühmlicher Bekanntheit gelangten, tatsächlich zu neuen Erkenntnissen zur Verhinderung von weiteren Terrorattacken führten. Die CIA beruft sich auf pseudowissenschaftliche Untersuchungen von zwei Air Force Psychologen, die dies bestätigen sollen. Denn nur dann sind derartige Methoden verfassungskonform. Dabei ist schon seit den 1970er Jahren bekannt, dass Geständnisse unter solch unmenschlichen Bedingungen anzuzweifeln sind.

    In einer Szene läuft Kathrin Bigelows Zero Dark Thirty im Fernsehen. The Report ist auch als mahnende Weiterführung des Themas zu verstehen. Bigelow erlaubte sich in ihrem Film gewisse Freiheiten und hielt sich nicht ganz an die Realität. Vor allem wenn es darum ging, ob es nun relevante Erkenntnisse durch Folter gab oder eben nicht. Ein entscheidendes – wenn auch nur juristisch relevantes – Detail. Bigelow wurde für die explizite Darstellung der Folterszenen kritisiert. Was 2012 schon fragwürdig war, ist es 2019 erst recht. The Report spart seinerseits ebenso nicht mit ausführlichen Folterszenen (vor allem denen des ersten Folteropfers Abu Zubaydah (Zuhdi Boueri)) und da stellt sich die Frage, ob dies notwenig ist. Es gibt sehr wohl andere und effizientere Gestaltungsmöglichkeiten, um die Brutalität von Folter anzuprangern, als sie in vollem Grauen zu zeigen. Hier ist Kritik am Drehbuch von Regisseur Scott Z. Burns angebracht.

    Darüber hinaus ist The Report ein solider und spannender Politthriller, der das Beamtentum hochhält. Menschen wie Daniel Jones und Dianne Feinstein stehen exemplarisch dafür, was eine Demokratie ausmacht. Selbst wenn ganz oben oder an Schlüsselstellen eines Staates grobe Fehler passieren, gibt es eine Kontrollinstanz. Auch wenn Missstände nur rückwirkend und sehr schleppend aufgedeckt werde, so entfachen sie doch eine Diskussion darüber, was geht und wo die Grenzen sind.

    Adam Driver spielt sich gerade im Charakterfach ganz nach oben. Es ist auch hier gerade seine ungelenke Art und sein alles andere als filmstarmäßiges Auftreten, das seiner Rolle die notwendige Ernsthaftigkeit und Authentizität verleiht. Ein einfacher Beamter. Im ersten Moment blass aber dann trotzdem bestimmt und energisch.

    Die immerwährende Frage, ob man aus der Geschichte etwas gelernt hat, darf auch in diesem Fall bezweifelt werden. Neben den beiden Air Force Psychologen war auch die CIA Mitarbeiterin Gina Haspel bei den Folterungen anwesend. Haspel ist seit 2018 als erste Frau Direktorin des zentralen Nachrichtendienstes CIA.

    Verfügbar bei Amazon Prime.

    THE REPORT | SCOTT Z. BURNS | USA 2019 | 120 Min. | [usr 3,5]


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  • ATLANTIQUE ★★★★

    ATLANTIQUE ★★★★

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    [icon name=“exclamation-triangle“] Kann Spoiler enthalten

    In Dakar, der Hauptstadt des Senegal, fordert eine Gruppe von Bauarbeitern ihren Lohn ein. Oft ist es das einzige Familieneinkommen und somit die Existenzgrundlage. Der Baustellenleiter kann ihnen jedoch kein Geld aushändigen. Die Männer treffen eine folgenschwere Entscheidung. Atlantique ist das Spielfilmdebüt der Regisseurin Mati Diop. Ein Name, den man sich merken sollte.

    Zu Beginn treffen sich Ada (Name Binet Sane) und Suleiman (Traore) in einem Rohbau am Meer. Das Liebespaar befinden sich in einer verzweifelten Lage. Die Familie von Ada hat sie einem Mann versprochen. So möchte es die Tradition. Einen Fremden zu heiraten ist für Ada ein Alptraum. Suleiman schaut immer wieder aufs Meer hinaus und scheint abwesend. Der Blick in den Horizont hat für jeden eine andere Bedeutung, wie sich bald herausstellen wird.

    Geschichten über Migration werden meist aus Sicht der Menschen auf der Flucht erzählt und spielen jedenfalls fast immer auf europäischem Boden. Hier findet Diop jedoch einen völlig neuen Zugang. Was ist mit den Frauen die zurückbleiben, wenn sich die Männer in ein kleines Boot setzen und in den Atlantik hinaus steuern?

    Suleiman und die anderen verschwinden in der folgenden Nacht. Kurz darauf wird Ada verheiratet und da beginnen auch die merkwürdigen Ereignisse. Das Ehebett geht in Flammen auf. Angeblich hat jemand Suleiman gesehen. Regisseurin Diop schlägt einen Weg ein, der das breite Publikum im ersten Moment durchaus verschrecken könnte. Seltsames passiert mit den Frauen. In die harte Realität mischen sich in Atlantique übernatürliche Elemente von lokaler Spiritualität. Am Ende macht dieser Kunstgriff durchaus Sinn.

    Das Debüt der französischen Regisseurin Mati Diop, gedreht in der Sprache Wolof, wurde in Cannes 2019 mit dem Großen Preis der Jury ausgezeichnet. Darüber hinaus steht der Film auf der Short List für den Auslandsoscar 2020. Netflix hat sich die weltweiten Rechte gesichert, bewirbt den Film aber leider nicht. So verkommt er irgendwo in den Weiten des Streamingdienstes. Völlig zu unrecht. Neben überzeugenden Darstellern, die teils zum ersten Mal vor der Kamera stehen, ist der Soundtrack von Fatima Al Qadiri erwähnenswert. Atlantique findet einen mythisch-poetischen Weg, um sich mit dem Thema transkontinentaler Migration auseinanderzusetzen und ist dabei höchst erfolgreich.

    MATI DIOP | ATLANTIQUE (engl. Atlantics) | F/SEN/BEL 2019 | 104 Min. | [usr 4]



    NEUESRTE BEITRÄGE VON THE REEL THERAPIST


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  • DIE ZWEI PÄPSTE ★★★★½

    DIE ZWEI PÄPSTE ★★★★½

    Im Vatikan gibt es immer genügend Fanta auf Vorrat. Es ist das Lieblingsgetränk des emeritierten Papstes Benedikt XVI. Mit seinem Rücktritt hat der Papst im Jahr 2013 die ganze Welt überrascht. Der letzte Papst davor trat vor rund 500 Jahren zurück. Meist passierte das auf Druck von außen und nicht alters- oder gesundheitsbedingt. Benedikt XVI ist der zweite Papst, der freiwillig zurückgetreten ist, in der immerhin 2000 Jahre andauernden Geschichte des Pontifikats. So begibt es sich nun, dass im Vatikan zwei Päpste miteinander Fanta trinken können. Wieviel Leidenschaft bei seinem Nachfolger Franziskus dahinter steckt, ist nicht überliefert. So der so bietet diese außergewöhnliche Situation die Grundlage für Fernando Meirelles neuen Film Die zwei Päpste.

    Die Handlung fokussiert sich auf das Jahr 2012, als Kardinal Jorge Bergoglio von Argentinien nach Rom reist, um dem Papst seinen Rücktritt anzubieten. Gesundheitlich angeschlagen, ist dies nicht unüblich, um einer möglichen Wahl zum Papst zuvorzukommen. Beim der letzten Konklave im Jahr 2005 erhielt Bergoglio laut Insiderinformationen (das Wahlergebnis ist geheim) 40 der 115 Stimmen. An sich galt seine Wahl als eher unwahrscheinlich, auch wegen des hohen Alters (Zur Zeit seiner Wahl war Bergoglio 76 Jahre alt und somit nur 10 Jahre jünger als Benedikt XVI). Außerdem wusste auch Bergoglio noch nichts von Papst Benedikts großen Plänen.

    Benedikt hält seinen Besucher hin und möchte das Ansuchen partout nicht unterschreiben. Aus dem kurzen Besuch wird eine längere Begegnung, bei der sich die Beiden über Tage austauschen und ihre Positionen in Glaubensfragen diskutieren. In Die zwei Päpste vermischen sich dabei Realität und Fiktion. Allerdings wird der Film nur selten unglaubwürdig und stützt sich auf bekannte Positionen, Aussagen und Insiderwissen. Grundlage ist der Roman Die zwei Päpste: Franziskus und Benedikt und die Entscheidung, die alles veränderte von Antony McCarten, der auch das Drehbuch zum Film verfasst hat.

    Der Film thematisiert, wenn auch teilweise nur kurz, die großen Probleme der katholischen Kirche der letzen Jahre, wie den Kindesmissbrauch oder den Skandal um die Vatikanbank. Der Jesuit Bergoglio ist ein großer Zweifler seiner selbst und in Rückblenden sieht man woher diese kommen. Nicht restlos geklärte Verstrickungen mit der Junta während der Militärdiktatur in Argentinien lasten auf seinen Schultern.

    Getragen wird der Film aber von seinen formidablen Hauptdarstellern. Anthony Hopkins als Benedikt und Jonathan Pryce als Bergoglio geben ein traumhaftes Duo ab. Beide gehen ganz in ihren Rollen auf. Pryce hat nie die Anerkennung erfahren, die ihm zusteht und ist hier in der Rolle seines Lebens zu sehen. Hopkins knüpft an seine großen Erfolge an, die bereits lange zurück liegen. Es ist eine Freude, den beiden bei ihrem pointierten Schlagabtausch zuzuhören.

    In der Originalversion sprechen die beiden Englisch miteinander. Auch sonst legte Regisseur Meirelles Wert darauf, das Sprachengemisch, in dem wir leben, möglichst realistisch darzustellen. So gibt es Passagen auf Deutsch, Latein, Spanisch und Latein. Selbst in der deutschen Fassung ist der Film daher nicht vollständig synchronisiert. Das und eingeschobenes Archivmaterial verleihen dem Film eine große Authentizität.

    Die zwei Päpste ist unterhaltsam und auf eine gewisse Weise spannend zugleich. Auch wenn die Ereignisse und Positionen rund um dem Rücktritt selbst weniger Interessierten bekannt sein dürften, gibt der Film einen Einblick in ein Amt, das keiner inne haben möchte und versucht den Menschen hinter den dicken Mauern des Vatikans näher zu kommen. Netflix ist in diesem Jahr zum wiederholten Mal ein Glücksgriff gelungen, wobei man schon davon sprechen muss, dass System dahinter steckt, hochqualitative Unterhaltung zu produzieren.

    Die zwei Päpste (OT: The two Popes) | Fernando Meirelles | UK/USA/IT/ARG | 126 Min. | [usr 4.5]


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    ▶︎ MARRIAGE STORY

  • ICH HABE MEINEN KÖRPER VERLOREN ★★★★

    ICH HABE MEINEN KÖRPER VERLOREN ★★★★

    Ein amputierte Hand auf der Suche nach einem Körper. Obwohl der Aufwand zum Netflixen ungemein kleiner ist als ein Kinobesuch, schnappt man sich bei so einem Intro wohl trotzdem nicht gleich die Fernbedienung. Aber aufgepasst! Es könnte sich hierbei um den kommenden Oscar-Preisträger handeln. Wiedereinmal versteckts sich ein Filmjuwel auf einer Streaming Platform. Der wunderbare Animationsfilm I Lost My Body von Jérémy Clapin zeigt, welche visuelle Kraft eine gute Geschichte entwicklen kann – egal wie absurd sie im ersten Moment erscheinen mag.

    Naoufel, ein schusseliger Pariser Pizzabote, verliebt sich über eine Gegensprechanlage in die Stimme von Gabrielle. Er versucht schließlich ihr über Umwege näher zu kommen. Erinnerungen an einen Unfall in seiner Kindheit sind dabei allgegenwärtig. Und dann wäre da noch diese Hand, die sich auf eine abenteuerliche Reise begibt. Die Geschichte überschreitet die Grenzen von Romanze und fantastischem Film und irgendwie ergibt das am Ende alles einen Sinn.

    Ausgezeichnet mit dem Critics‘ Week Grand Prize in Cannes 2019.

    JÉRÉMY CLAPIN | OT: J’AI PERDU MON CORPS, engl.: I LOST MY BODY | F 2019 | 81 Min. | [usr 4]


    Neueste Beiträge von THE REEL THERAPIST

  • MARRIAGE STORY ★★★★½

    MARRIAGE STORY ★★★★½

    In Noah Baumbachs Marriage Story ist die Scheidung eine Zeit des emotionalen Ausnahmezustands. Ein Verlust ohne Tod. Es dauert, bis beide Seiten realisieren, dass nichts mehr so ist, wie es einmal war und die Erinnerungen von der Realität verdrängt werden. Baumbach führt uns nicht nur vor Augen, wozu Menschen fähig sind, wenn die Liebe zwischen ihnen verschwunden ist, sondern konfrontiert uns selbst mit Fragen, die wir eigentlich nicht gestellt bekommen möchten. Wie weit würden wir gehen, um unsere eigenen Interessen im Zuge einer Scheidung durchzusetzen? So weit, bis wir uns selbst nicht mehr Wiedererkennen?

    Dabei beginnt alles sehr unterhaltsam. Nicole (Scarlett Johansson) und Charlie (Adam Driver) lesen Beschreibungen über den jeweils anderen vor. Es sind liebevolle Beobachtungen über Stärken und kleine Macken. Man wähnt sich in einer romantischen Komödie. Das täuscht natürlich. Marriage Story beginnt mit dem Ende. Dann, wenn nichts mehr zu retten ist. Die aus dem Off vorgetragenen Charakterisierungen waren die Idee des Paartherapeuten. Diese Einführung ermöglicht es uns aber, die beiden Protagonisten kennenzulernen und gleich in die Geschichte einzutauchen. Umso erschütternder ist das was kommt, sind uns die beiden in wenigen Minuten doch so sympathisch geworden.

    Nicole und Charlie leben in New York. Sie ist Schauspielerin und er Theaterregisseur. Als Nicole ein Angebot zum Vorsprechen in Los Angeles bekommt, nimmt sie ihren Sohn Henry mit. Eines Tages übergibt sie Charlie dort die Scheidungspapiere. Der Zuseher weiß nicht gleich, was das bedeutet. Doch bald stellt sich heraus, dass es entscheidend ist, in welchem Bundesstaat die Dokumente übergeben werden. Nicole möchte nach Los Angeles ziehen – für immer. Ohne Charlie aber mit ihrem Sohn. Hinter dieser Strategie steckt Nora (Laura Dern), eine mit allen Wassern gewaschene Scheidungsanwältin. Ihr gegenüber: der schmierige Scheidungsprofi Jay (Ray Liotta). Obwohl vereinbart war, keine Anwälte ins Spiel zu bringen, ziehen Nicole und Charlie voll bewaffnet vor Gericht. In Marriage Story kann man beobachten, wie sich eine Scheidung Menschen verändert und sie Dinge tun, die sie eigentlich gar nicht tun möchten aber tun müssen, um ihre Interessen durchzusetzen. Eine Spirale der Eskalation. Eine von außen durch die Scheidungsindustrie verordnete Eskalation.

    Die Darsteller übertreffen sich gegenseitig, die Musik von Randy Newman bleibt in Erinnerung. Mal ist das ganze komisch und dann wieder niederschmetternd und am Ende, wenn Charlie genau den Text vom Beginn des Films nochmals vorliest, rührt uns das Schicksal der beiden zu Tränen. Es wäre leicht, in dieser Geschichte die Positionen klar zu verteilen und uns Stellung beziehen zu lassen. Doch genau das tut Baumbach nicht. Man ist hin und her gerissen, wenn es darum geht, Sympathien für die beiden Hauptdarsteller zu verteilen oder sich gar auf eine Seite zu schlagen. Das möchte einfach nicht gelingen und hinterläßt das Publikum mit einer tristen Ratlosigkeit. So tief geht der Film in der Charakterzeichnung. Marriage Story ist eine Drama der Entfremdung und hat das Zeug ein echter Klassiker zu werden.

    Derzeit im Kino. Ab 6.12.2019 bei Netflix.

    MARRIAGE STORY | NOAH BAUMBACH | USA 2019 | 136 Min. | [usr 4.5]


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  • THE IRISHMAN ★★★★½

    THE IRISHMAN ★★★★½

    Manche Filme stehen im Schatten von Diskussionen, die eigentlich mit ihnen selbst nichts zu tun haben. Und sie wiederholen sich. So ist es auch bei The Irishman der Fall. Der Film kommt nun nach 12 Jahren der Entwicklung für kurze Zeit in die Kinos. Kein klassisches Hollywoodstudio wollte den Film produzieren. Daher kaufte die Streaming Plattform Netflix die Rechte und ließ Martin Scorsese freie Hand. Es wurde nicht nur sein längster Film, sondern auch sein teuerster und einer seiner bedeutendsten, in seiner 50 Jahre umfassenden Karriere. Lange Entstehungsprozesse verheißen meist nichts Gutes. Mit The Irishman verhält es sich anders.

    Der Ire heisst Frank Sheeran (Robert De Niro). Geboren 1920, arbeitete er Anfangs als LKW-Fahrer und geriet dadurch mit der Bufalino Crime Family, einer Mafiaorganisation, in Kontakt. Das Familienoberhaupt Russell Bufalino (Joe Pesci) wurde zu seinem Mentor. Der loyale Sheeran erledigte für die Familie immer wieder Aufträge und kam schon in jungen Jahren mit dem Gesetz in Konflikt. Bufalino machte Sheeran mit dem umstrittenen Gewerkschaftsführer Jimmy Hoffa (Al Pacino) bekannt und die beiden wurden Freunde. Mafia und Gewerkschaft waren zu dieser Zeit eng verstrickt. Konkurrierenden Mitbewerbern wurde das Leben schwer gemacht. Wirtschaftliche Interessen und Macht standen im Vordergrund. Eines Tages erteilt Bufalino Sheeran einen heiklen Auftrag.

    Im Jahr 1992 verfilmte Danny DeVito in Hoffa das Leben von Jimmy Hoffa mit Jack Nicholson in der Hauptrolle. Der Film wurde sehr zwiespältig aufgenommen, unter anderem deswegen, weil er sich nicht entscheiden konnte, ob Hoffa nun ein Gewerkschafter oder doch mehr Gangster war. Sein plötzliches Verschwinden 1975 war damals noch ein völliges Mysterium. Die Umstände sind bis heute nicht vollkommen geklärt. Kurz vor seinem Tod im Jahr 2003 gestand Sheeran jedoch dem Strafverfolger Charles Brandt, dass er Hoffa ermordet hatte. Die Aufzeichnungen seines Geständnisses sind unter dem Titel I Heard You Paint Houses: Frank „The Irishman“ Sheeran and Closing the Case on Jimmy Hoffa erschienen und dienten Martin Scorsese als Grundlage für seinen Film. Nach so langer Zeit ist eine restlose Aufklärung nicht mehr wahrscheinlich. Auch wenn das Geständnis von Sheeran höchst umstritten ist, so sprechen Indizien sehr wohl dafür, dass der Irishman für den Mord verantwortlich war. Für den Film macht das aber so oder so keinen Unterschied.

    The Irishman ist ein Stück Filmgeschichte. Scorsese reflektiert und dekonstruiert seine eigenen Gangsterfilme, indem er das Heldentum der Mobster in Frage stellt. Die eigenen Kinder verachten sie. Ihre Väter haben im Hintergrund die Geschicke der USA mitbestimmt aber am Ende wird sich herausstellen, dass sich heute niemand mehr an sie erinnert.

    Darüber hinaus setzt er Robert De Niro, Al Pacino und Joe Pesci ein filmisches Denkmal. In der einen oder anderen Konstellation standen sie bereits gemeinsam vor der Kamera (Pacino nun erstmals unter der Regie von Scorsese). Hier wirken ihre Auftritte wie ein Rückblick über deren gesamtes schauspielerisches Schaffen. Nicht zuletzt wegen der beindruckenden Computereffekte, mit denen Scorsese mit 76 Jahren noch einmal filmisches Neuland betrat und die Schauspieler digital verjüngen lies. Da ihr gesamtes Leben in den unterschiedlichsten Zeitabschnitten in den vergangenen Jahrzehnten durch ihre Rollen gewissermaßen auf Film konserviert wurde und so für das Publikum nie eine zeitliche Distanz entstehen konnte, wirkt die digitale Verjüngung um mehr als drei Jahrzehnte nicht befremdlich. Dafür sind uns ihre Gesichter zu vertraut. Das ist das revolutionäre an Scorsese epischen Gangsterfilm. In jedem Film steht eine bestimmte Zeit für die SchauspielerInnen für immer still. In The Irishman ist dieser zeitliche Aspekt zum ersten Mal aufgehoben. Wir sehen die künstlerische Arbeit von Schauspielern von mehreren Jahrzehnten in 3 1/2 Stunden. Die digitale Manipulation von SchauspielerInnen im Film wird uns noch lange beschäftigen und vor allem, wenn sie nach deren Tod passiert, immer wieder zu großen Diskussionen führen. Dabei wird sich die Frage nach den Motiven ebenso stellen, wie die nach ethischen Grundsätzen.

    Doch eines fällt auf: Während sich hier viele Männer, die Jahrzehnte lang mit den Filmen von Scorsese in Verbindung gebracht wurden, noch einmal vor der Kamera versammelten – Joe Pesci konnte nur mit großen Mühen dazu überredet werden, aus dem Ruhestand zurückzukehren – fehlen die Frauen völlig. Patricia Arquette, Lorraine Bracco, Juliette Lewis oder Sharon Stone kommen nicht vor. Nur wenige Frauen 40plus konnten sich in Hollywood an der Spitze halten. Dabei ist die Qualität der Rollenangebote genauso von Bedeutung wie die Entscheidung, sich mehr der Familie zu widmen. Debra Winger, in den 1980ern mehrfach für den Oscar nominiert, zog sich zurück (Rosanna Arquette drehte im Jahr 2002 den Dokumentarfilm Searching for Debra Winger und setzt sich genau mit diesem Thema auseinander.) Die Karriere von Kathleen Turner, in den 1980ern eine der erfolgreichsten Schauspielerinnen Hollywoods, war in den 1990ern auch schon wieder zu Ende. Susan Sarandon, Oscar Preisträgerin, 5-fach nominiert. Helen Hunt, Oscar Preisträgerin. Die Liste lässt sich endlos fortsetzen. Noch nie war die Absenz des weiblichen Hollywood so stark zu spüren wie in The Irishman. Einzig Anna Paquin, sie erhielt mit 11 Jahren einen Oscar für ihre Rolle in Das Piano, hat als Sheerans Tochter einen nennenswerten Auftritt.

    18 Monate nach dem Ende der Dreharbeiten feierte Scorseses Langzeitprojekt nun Ende September beim New York Film Festival Premiere. Von vielen Kinobetreibern werden Netflix Produktionen boykottiert. So auch von der Kette Cineplexx, dem österreichischen Marktführer. Das wirkt sich hierzulande somit dramatisch auf das Angebot aus. Auch wenn der Film bereits ab 27. November 2019 in den Wohnzimmern abrufbar ist, lohnt sich der Kinobesuch. Nicht nur wegen der großen Leinwand, sondern auch wegen der Länge, bei der zu Hause ein ungestörter Filmgenuss eher zweifelhaft erscheint.

    THE IRISHMAN | MARTIN SCORSESE | USA 2019 | 209 Min. | [usr 4.5]


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  • THE KOMINSKY METHOD – S2

    THE KOMINSKY METHOD – S2

    Sandy (Michael Douglas), der Schauspiellehrer und sein ehemaliger Agent und bester Freund Norman (Alan Armin) sind ein Glücksfall für die Serienwelt. Die beiden haben eigentlich nichts gemeinsam. Sandy ist ein Lebemann, ehemaliger Hollywoodschauspieler, drei Mal geschieden und genießt das Leben immer noch in vollen Zügen. Norman ist da konservativer. Ein Zyniker, für den das Leben durch den Tod seiner Frau nicht mehr viel zu bieten hat. Was sie verbindet sind die Widrigkeiten des hohen Alters. Bei jeder Gelegenheit kommen Themen zur Sprache, die in der Gesellschaft sonst eher keinen Platz haben, früher oder später aber doch jeden betreffen. Alles dreht sich um das körperliche Un-wohlbefinden und die Frage, ob man im hohen Alter noch eine Beziehung eingehen kann.

    In The Kominsky Method hat man schon im letzten Jahr von Beginn an gemerkt, dass die Darsteller einen großen Spaß bei der Arbeit haben und das schlägt sich natürlich auf die Stimmung der ganzen Serie nieder. Wer den Auftritt von Michael Douglas in den sozialen Medien kennt, der weiß, dass ihm der Schalk aus den Augen schaut.

    Wenn es einen nicht stört, zwei alten Männern dabei zuzuhören, wie sie sich immer wieder über ihren Harndrang auf dem laufenden halten, wird mit The Kominsky Method auch im zweiten Jahr eine Freude haben. Neben den pointierten Dialogen schlägt die Serie gegen Ende der zweiten Staffel aber auch ernste Töne an, allerdings ohne dabei den Pfad einer Comedyserie zu verlassen.

    Die Serie hat einige Stargäste zu bieten. Wer errät, wer der junge Mann ist, der am Ende der Staffel als Enkel von Norman seinen Auftritt hat?

    Ob es eine dritte Staffel geben wird, erfahren wir im Jänner 2020. Die Zeichen dafür stehen aber gut, vorausgesetzt die Darsteller erfreuen sich auch im echten Leben bester Gesundheit.


    THE KOMINSKY METHOD Staffel 1 + 2 – nach einer Idee von Chuck Lorre (Two and a Half Men, The Big Bang Theory) – jetzt bei Netflix.