Schlagwort: 2020

  • FAMILY ROMANCE, LLC ★★★½

    FAMILY ROMANCE, LLC ★★★½

    In Japan glauben 35 Menschen, dass Yiuchi Ishii ihr Vater ist. Ist das Hochstapelei oder doch bloß ein Geschäft? Werner Herzog, der Filmemacher mit Kultstatus, ist auf die Firma Family Romance gestoßen. Hier kann man Schauspieler mieten, welche die Rolle von Verwandten oder Freunden einnehmen. Die eigenwillige Dienstleistung hat Herzogs Interesse geweckt. Sein Faible für Skurriles ist bekannt. Am Ende der Dokumentation Höhle der vergessenen Träume fantasiert er in einem Exkurs über eine bevorstehende Weltherrschaft der Echsen. Mit dem exzentrischen Klaus Kinisky verband ihn die berüchtigste Feindschaft der Filmgeschichte.

    Auf Herzogs markante Erzählstimme mit deutschem Akzent muss man bei Family Romance, LLC zwar verzichten, trotzdem ist ihm eine interessante Arbeit gelungen, die die Grenzen zwischen Realität und Fiktion, Wahrheit und Lüge auslotet. Womit man es hier zu tun hat, ist nämlich nicht immer ganz klar. Jedenfalls ist Herzog mit seinen 78 Jahren die Experimentierfreude noch immer nicht abhanden gekommen.

    Darum geht es

    Das dem Film den Titel gebende Unternehmen in Tokio bietet Ersatzfamilienmitglieder zur Vermietung an. Und nicht nur das: Warum soll man sich für sein Fehlverhalten vom Chef selbst maßregeln lassen? Hier ist Firmengründer Yuichi Ishii (Yuichi selbst) zur Stelle und läßt stellvertretend die Standpauke über sich ergehen. Gerade wurde er von Mahiros Mutter beauftragt, den Platz des vermissten Vaters des zwölfjährigen Mädchens einzunehmen. Jahrelang in so eine Rolle zu schlüpfen und Menschen dabei etwas vorzumachen ist für Yuichi reine Routine.

    Family Romance, LLC von Werner Herzog

    Kommentar

    Herzog stand diesmal selbst hinter der Kamera. Das ist nicht nur den widrigen Drehbedingungen in Tokio geschuldet. Es ermöglichte ihm mehr Authentizität in seiner Geschichte. Der Effekt wird noch versteckt, da manche Szenen ohne Wiederholung gedreht wurden. So verschwimmen die Grenzen zwischen Realität und Fiktion noch mehr. Was ist hier echt, und was gespielt? Diese Frage drängt sich zwangsläufig auf. Der Beginn von Family Romance, LLC (also eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung) wirkt dokumentarisch. Yuichi trifft erstmals auf seine neue Kundin Mahiro. Die Situation wirkt befremdlich. Herzog spielt genau damit. Die Geschichten sind jedoch vom Regisseur erfunden. Nur Yuichi und sein Geschäft sind echt. Er spielt sich selbst. Auch alle anderen Darsteller sind Laien.

    Family Romance, LLC wirft zwar Fragen über die Moral dieser Täuschung auf, überlässt es aber dem Publikum drüber zu urteilen.

    Streaminganbieter

    mubi.com


    FAMILY ROMANCE, LLC | WERNER HERZOG | USA 2019 | 89 Min. | [usr 3,5]


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  • UNDINE ★★★★

    UNDINE ★★★★

    Es dauert keine Minute und Christian Petzolds (Transit) neuer Film UNDINE katapultiert das Publikum hinein in die Gefühlswelt der Hauptfigur. Die Blicke und Gesten in der ersten großartigen Szene sind so intensiv und eindringlich, dass man sich ihnen nicht entziehen kann. Der Regisseur interpretiert den, vor allem in der deutschen Romantik rezipierten, Mythos der Wasserfrau Undine neu und orientiert sich dabei an Ingeborg Bachmanns Erzählung „Undine geht“. UNDINE wurde bei der Berlinale ausgezeichnet und ist nun einer der ersten Neustarts nach der Wiedereröffnung der heimischen Kinos.

    Darum geht es

    Undine (Paula Beer) lebt in Berlin. Als Stadthistorikerin bringt sie Besuchern die Geschichte Berlins näher. Zu Beginn verlässt sie ihr Freund Johannes (Jacob Matschenz). Für Undine hat das, so steht es in den alten Märchen, dramatische Konsequenzen. Sie muss den treulosen Mann töten und ins Wasser zurückkehren, aus dem sie einst gekommen ist. Undine versucht diesem Fluch Widerstand zu leisten. In einem Lokal trifft sie auf den Industrietaucher Christoph (Franz Rogowski) und verliebt sich in ihn. Vom ersten Moment an ist Wasser das bestimmende Element ihrer Beziehung. Undine entdeckt das Leben neu, doch Christoph merkt bald, dass im unterbewussten Undine etwas plagt. Sie führt einen inneren Kampf gegen ihr vorherbestimmtes Schicksal.

    Paula Beer und Franz Rogowski in UNDINE

    Kommentar

    Nun also neuerlich Paula Beer und Franz Rogowski als Paar auf der Leinwand. Diesmal steht Beer mehr im Vordergrund und verleiht dem Film seine ganze Kraft und Magie. Zwischen einer schicksalshaften Verletzlichkeit und Selbstbestimmung füllt die Schauspielerin das Wesen Undine mit Leben. Ihre großartige Darstellung wurde bei der Berlinale mit dem Silbernen Bären honoriert. Rogowski übt sich an Zurückhaltung, festigt nach Transit einmal mehr seinen Status als bedeutender Schauspieler seiner Generation.

    „Wenn du mich verlässt, muss ich dich töten.“ sagt Undine zu Beginn. Regisseur Petzold wirft das Publikum gleich ins Geschehen und das kann im ersten Moment etwas irritierend sein, wenn man mit der Geschichte um die Sagengestalt Undine, die ihren Ursprung im 14. Jahrhundert hat, nicht vertraut ist. Die Liebe zu einem Mann ermöglicht ihr ein Leben an Land und wenn sie der betrügt, muss sie ihn töten und wieder zurück ins Wasser. Und Wasser spielt nicht nur bei der ersten Begegnung eine Rolle, sondern natürlich auch wenn Christoph seinem Beruf als Industrietaucher nachgeht. Die Tauchsequenzen in den finsteren Tiefen eines Stausees sind meisterhaft in Szene gesetzt.

    Manchen mag UNDINE zu trocken geraten sein, gerade wenn sich der Film mehrmals in nüchternen stadthistorischen Details verliert. Petzold hat sie aber klug in die Geschichte eingebaut. Ob es sich um ein modernen Märchen handelt muss am Ende jeder für sich entscheiden. Der Regisseur lässt dies offen. Andeutungen gibt es aber genügend. Jedenfalls sollte man den Film im ohnehin kargen Kinojahr nicht verpassen.

    Auszeichnungen

    Preis der internationalen Filmkritik für den besten Film des Wettbewerbs sowie Silberner Bär für Paula Beer als beste Darstellerin bei der Berlinale 2020.


    UNDINE | Christian Petzold | DE, FR 2019 | 90 min | Polyfilm Filmverleih | [usr 4]


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  • DA 5 BLOODS ★★★½

    DA 5 BLOODS ★★★½

    Ein Jahr nach seinem großen Erfolg BlackKklansman kehrt Spike Lee mit einem Film zurück, der den Nerv der Zeit trifft. Lees Filme tun das immer wieder und wenn er gerade jetzt bei Netflix eine Geschichte erzählt, die den Bogen vom Vietnamkrieg bis zur Black Lifes Matter Bewegung in die Gegenwart spannt, dann ist das natürlich ein Glücksfall. Da 5 Bloods lässt sich nicht einfach in eine Schublade stecken: Vergangenheitsbewältigung, Schatzsuche und Vater-Sohn-Konflikt eingebettet in eine Gesellschaftskritik. Aber schießt Lee da übers Ziel hinaus?

    Gleich zu Beginn wird es heftig. Historische Filmaufnahmen aus der Zeit des Vietnamkriegs prasseln in einer Collage auf uns nieder. Durch ihre Brutalität haben sie zum Teil entscheidenden Einfluss auf politische Entscheidungen genommen. Überdurchschnittlich viele schwarze US-Amerikaner hatten ihren Dienst als Soldaten versehen. Vier von ihnen treffen sich nun wieder in Vietnam, um die Überreste ihres gefallenen Kumpels Norman (Chadwick Boseman) zu suchen und in die Staaten zu überstellen. Es ist eine heitere Runde und der Kontrast zum gerade Gesehenen ist groß. Eddie (Norm Lewis), Paul (Delroy Lindo), Clarke Peters (Otis) und Isaiah Whitlock jr. (Melvin) stürzen sich ins bunte Nachtleben von Saigon. Es sind sehr unterschiedliche Typen, die hier aufeinandertreffen. Paul outet sich bald als Trump-Wähler. Er hätte die Mauer lieber heute als Morgen fertiggestellt. Lee versucht die Vielfältigkeit der schwarzen Bevölkerung herauszustreichen und liefert gleich das passende Newsmaterial aus Trumps Wahlkampf. Die Handlung wird immer wieder durch Einschübe unterbrochen. Mal sind es Archivbilder und dann wieder Rückblenden, welche die Protagonisten im Krieg zeigen.

    Hier hält sich Lee nicht lange damit auf, seine Schauspieler digital oder mit Make-up zu verjüngen, sondern ändert stattdessen das Bildformat in diesen Sequenzen zu 4:3. Es ist so ein Flickenteppich der hier entsteht, zwischen gegenwärtiger Handlung, Archivbildern und Rückblenden. Eingewoben in die Handlung ist das legendäre Konzeptalbum „What’s going on“ von Marvin Gaye. Es fügt sich wunderbar in die Geschichte ein und ist neben den hervorragenden Schauspielern der große Pluspunkt von Da 5 Bloods.

    Die Rahmenhandlung umfasst neben der Suche nach Norman eine Schatzsuche und hier wildert der Film in B-movie Gewässern. Lee nimmt Anleihen bei Tarantino und Splatterfilmen. So treffen die Männer anfangs auf Mélanie Thierry (Hedy Bouvier). Sie leitet eine Organisation zur Beseitigung von Landmienen. Es dauert dann etwas in diesem überlagen Film aber es kommt wie es kommen muss. Jean Reno spielt einen finsteren (französischen!) Geschäftsmann. Das mutet im Kontext der gesellschaftspolitischen Botschaften, die uns hier um die Ohren fliegen, schon fast skurril an. Zitate aus Apocalypse Now dürfen hie und da auch nicht fehlen, auch Richard Wagners Walkürenritt nicht.

    Das ist etwas viel auf einmal. Man bleibt schon dran an der Geschichte aber es wirkt alles überladen. Da 5 Bloods ist ein ambitioniertes Unterfangen, kann qualitativ aber nicht an seinen Vorgänger anschließen. Vielleicht hat der Film beim Streamingdienst zumindest die Chance, ein größeres Publikum zu erreichen, als es im Kino der Fall gewesen wäre. Dort hätte es Da 5 Bloods wohl schwer gehabt.

    DA 5 BLOODS | SPIKE LEE | USA 2020 | 154 Min. [usr 3,5]


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  • COVID-19-STREAMING-IX

    COVID-19-STREAMING-IX

    Auf einmal ging alles schnell und genauso rasant kam die Ernüchterung. Was war passiert? Wie aus dem Nichts kam das Ok für die Kinos in Österreich, wieder aufsperren zu dürfen. Mit 48 Stunden Vorlaufzeit. Für große Ketten, also für die große Kette, ein Ding der Unmöglichkeit. Programmkinos hatten es da leichter. Das Admiral Kino bespielte die Leinwand in Wien Neubau und die Freude war groß. Was im Fußballstadion undenkbar ist, war im Kino auf einmal möglich, sich nämlich zu viert, auch als nicht in einem Haushalt lebende Gruppe, dem Freizeitvergnügen hinzugeben. Ohne Abstand und alles. Das Kino wird seinem Ruf als Ort der Träume wieder einmal gerecht.

    Somit war bald klar, dass Christopher Nolans neuester Film Tenet, mit einen geplanten Starttermin Mitte Juli, das erste Highlight aus Hollywood sein könnte. Ganz so einfach ist das aber doch nicht. Bevor nicht das letzte Kino zwischen Los Angeles und New York wieder aufgesperrt hat, schaut es nämlich eher schlecht mit neuen Kinofilmen aus den USA aus. Das Studio wird den Film möglicherweise noch zurückhalten. Aus heutiger Sicht ist ein Starttermin im Juli äußerst unsicher. Das gilt folglich auch für zahlreiche andere Produktionen, die nicht ohnehin bereits in den Herbst verschoben wurden, wie etwa Top Gun 2 oder den neuesten James Bond Film. Immerhin, das Filmcasino eröffnet am 19. Juni mit Undine, dem neuen Film von Christian Petzold, mit Paula Beer und Franz Rogowski in den Hauptrollen.

    Kurz bevor es – vielleicht – wieder auf der großen Leinwand losgeht, sind nun zwei absolute Höhepunkte der jüngeren Vergangenheit per Streaming verfügbar. Eines der atemberaubendsten Kinoerlebnisse des letzten Jahres war eine Dokumentation. Eine Geschichte, deren Ausgang jedem Kind bekannt ist. Trotzdem saßen viele im vergangen Sommer gespannt in ihren Sesseln, als die Mondlandefähre der Apollo 11 Mission auf dem Mond aufsetzte. Apollo 11 (Link zur Filmbesprechung), die sensationelle Dokumentation aus dem Jahr 2019 ist jetzt bei Amazon Prime Video verfügbar.

    Apollo 11 (2019) bei Amazon Prime Video

    Mit A Star Is Born (Link zur Filmbesprechung) inszenierte Bradley Cooper sich selbst und Lady Gaga in einer fulminanten neuen Version der bekannten alten Geschichte. Großartige Songs, großartig gespielt. Jetzt bei Netflix.

    Als gäbe es nicht schon genug Streamingplattformen aber ein Newsletter eines Anbieters hatte sich in den vergangenen Monaten hartnäckig im Postfach gehalten, der von Mubi nämlich. Die Neugierde war dann doch groß, also ein weiteres Abonnement abgeschlossen. Umfang und Angebot unterscheiden sich von der Konkurrenz. Jeden Tag kommt ein neuer Film und nach 30 Tagen verschwindet er wieder aus dem Programm. Es sind ausgesuchte Titel (Dokus, Kurz- und Spielfilme), vom Klassiker bis zu aktuellen Produktionen reicht die Auswahl, von Lynch über Fellini und Popeye bis hin zu Tati oder einem Jarmusch Schwerpunkt. Als Filmliebhaber gerät man hier schnell ins Schwärmen. Wer ein kostenloses Probemonat haben möchte, schreibt bitte eine Mail an kontakt@reeltherapist.com.

    Weitere Tipps:

    American Factory [Netflix]

    Arrival [Amazon Prime Video]

    BlacKkKlansman (Amazon Prime Video)

    The Breakfastclub [Netflix]

    Burning [Amazon Prime Video]

    Chernobyl [Sky]

    Crazy Rich [Netflix]

    Dirty Dancing [Netflix]

    The Death of Stalin [Amazon Prime Video]

    Ferris macht blau [Netflix]

    Die Goonies [Netflix]

    Grease [Amazon Prime Video]

    The Irishman [Netflix]

    Jumanji [Amazon Prime Video]

    Marriage Story [Netlfix]

    Miles Davis: Birth of the Cool [Netflix]

    Molly’s Game [Netflix]

    Mr. Link [Netflix]

    Rocketman [Netflix]

    Systemsprenger [Netflix]

  • COVID-19-STREAMING-VIII

    COVID-19-STREAMING-VIII

    Mit der US-amerikanischen Komödie Crazy Rich (OT: Crazy Rich Asians) von Jon M. Chu ist nun einer der größten Überraschungserfolge der letzten Jahre bei Netflix verfügbar. Darin reist die Wirtschaftsprofessorin Rachel Chu (Constance Wu) mit ihrem Freund Nick Young (Henry Golding) für eine Hochzeit zu dessen Familie nach Singapur. Schon im Flugzeug muss Rachel feststellen, dass ihr Nick einiges verschwiegen hat. Seine Familie gehört zu einer der reichsten Singapurs. Es beginnt ein buntes und turbulentes Abenteuer in der Upperclass der asiatischen Metropole.

    Nun wirkt Singapur alleine für uns schon wie ein Kulturschock. Hinzu kommen der übertriebene Luxus, der knallig bunte Look und die modischen Eskapaden von Crazy Rich, wie man sie schon lange nicht mehr gesehen hat. Wir sind aber bereits in Woche 8, seitdem nichts mehr so ist, wie es einmal war. Hier umarmen sich Menschen, plaudern in Cafés oder steigen in Flugzeuge. Auf einmal ist das alles fremd – und unmöglich geworden. Die Utopie vom unverschämten Reichtum ist nur mehr Beiwerk. Parties und Hochzeiten sind bereits nicht weniger exotisch. Auch wenn dies Sehnsüchte weckt, so ist Crazy Rich in erster Linie beste Unterhaltung, die man sich nicht entgehen lassen sollte. In weiteren Rollen sind Awkwafina, Gemma Chan und Michelle Yeoh zu sehen.

    Die Autokolonnen, die sich gerade um McDonald’s Filialen schlängeln, hätten Ray Kroc, den Gründer der McDonald’s Corporation sicher mit Stolz erfüllt. Die Geschichte hinter dem Schnellrestaurant wurde 2016 mit Michael Keaton verfilmt. Vor 80 Jahren, genau am 15. Mai 1940, eröffneten die Brüder McDonald die erste Filiale. Warum von den beiden nur der Name geblieben ist und sie sonst mit ihrer innovativen Idee nicht glücklich wurden, erzählt The Founder (Amazon Prime Video). Wer glaubt, McDonald’s macht das Geld mit seinen Burgern, der sollte sich den Film unbedingt einmal anschauen.

    Mads Mikkelsen als Michael Kohlhaas

    Wem die großen Klassiker auf den Wiener Bühnen abgehen, der findet in der bildgewaltigen Verfilmung von Michael Kohlhaas (Amazon Prime Video) mit dem großartigen Mads Mikkelsen und Bruno Ganz gebührenden Ersatz. Ein verzweifelter Kampf um Recht und Gerechtigkeit in den Bergen der französischen Cevennen.

    In Spike Lees Politsatire BlacKkKlansman (Amazon Prime Video) bleibt einem schon einmal das Lachen im Halse stecken. Basierend auf den Memoiren „Black Klansman“ von Ron Stallworth erzählt er die unglaubliche aber wahre Gesichte einer absurden Undercoveraktion, einer Infiltration des Ku Klux Klan durch einen schwarzen und einen jüdischen Polizisten. Lee macht kein Geheimnis daraus, was er von Präsident Trump hält. Ganz ungeniert zieht er Parallelen zwischen der aktuellen US-Regierung und dem Ku Klux Klan.

    Vorfreude ist angesagt, wenn es genau HIER von 29. Mai bis 7. Juni 2020 Auszüge aus dem Programm der Festivals von Cannes, Sundance, Toronto International, Berlin International, Tribeca, and Venice online zu sehen geben wird. Mehr geballtes Kino wird in diesem Jahr nicht mehr sein.


    Weitere Tipps:

    American Factory [Netflix]

    Arrival [Amazon Prime Video]

    The Breakfastclub [Netflix]

    Burning [Amazon Prime Video]

    Chernobyl [Sky]

    Dirty Dancing [Netflix]

    The Death of Stalin [Amazon Prime Video]

    Ferris macht blau [Netflix]

    Die Goonies [Netflix]

    Grease [Amazon Prime Video]

    The Irishman [Netflix]

    Jumanji [Amazon Prime Video]

    Marriage Story [Netlfix]

    Miles Davis: Birth of the Cool [Netflix]

    Molly’s Game [Netflix]

    Mr. Link [Netflix]

    Rocketman [Netflix]

    Systemsprenger [Netflix]

  • COVID-19-STREAMING-VII

    COVID-19-STREAMING-VII

    Gerade beim Deutschen Filmpreis mit Lolas überhäuft und seit einigen Wochen bereits bei Netflix im Programm: Systemsprenger von Nora Fingscheidt. Ein Drama, das erschütternd und beeindruckend zugleich die Geschichte der neunjährigen Benni erzählt, die gleich zu Beginn allerhand Spielgeräte gegen das Fenster in Richtung ihrer Erzieher schleudert, bis das Sicherheitsglas springt.

    Kurzen Phasen der Ruhe folgen Wutanfälle und Gewaltausbrüche, wie man sie so noch kaum wo gesehen hat. Benni ist traumatisiert. Schlimmes muss ihr in den ersten Lebensjahren widerfahren sein. Der Sozialstaat ist um sie bemüht und stößt gleichzeitig an seine Grenzen. Regisseurin Fingscheidt vermeidet in ihrem Drehbuch Schuldzuweisungen und Sentimentalitäten. Systemsprenger lässt das Publikum nicht mehr los. Keine leichte Kost, die man sich trotz des schwierigen Themas nicht entgehen lassen sollte. Hauptdarstellerin Helena Zengel liefert eine herzzerreißende Höchstleistung ab, in stillen wie in lauten Momenten. Am Ende stellt der Film die Frage, was die Gesellschaft heute ihren Kindern, vor allem im städtischen Raum, antut. Eines ist klar: Benni ist eine harte Nuss. Schuld trägt sie an ihrem Verhalten aber nicht. Letzten Endes scheitert der Staat daran für jemanden, der eben voll aus dem System fällt, einen Platz zu finden.

    Etwa nach einer halben Stunde kommt vermutlich zumindest bei jenen, die selbst gerade kleinere Kinder haben, ein eigenartiges Gefühl ganz andrer Art auf: Benni auf einem Klettergerüst. Ein Vergnügen, dass Kindern nun seit Wochen verwehrt wird. Im Gegensatz zu einem Baumarktbesuch für Oma und Opa. Die Szene verdeutlicht auch, wie wichtig es ist, überschüssige Energien mit Bewegung abzubauen.

    The Death of Stalin (2017)

    Beste Unterhaltung liefert eine der großartigsten Komödien der letzten Jahre. Armando Iannuccis The Death of Stalin. Die bitterböse Satire rund um Stalins Tod wirft einen entlarvenden Blick auf das Politbüro. (Amazon Prime Video)

    Auch das Istanbul Filmfest musste abgesagt werden. Mit Hilfe eines Kooperationspartners sind aber nun doch ein paar Filme auf der Streamingplattform Mubi online. Es gibt eine interessante Filmauswahl und ein 30-tägiges Probe-Abo.


    Weitere Tipps:

    American Factory [Netflix]

    Arrival [Amazon Prime Video]

    The Breakfastclub [Netflix]

    Burning [Amazon Prime Video]

    Chernobyl [Sky]

    Dirty Dancing [Netflix]

    Ferris macht blau [Netflix]

    Die Goonies [Netflix]

    Grease [Amazon Prime Video]

    The Irishman [Netflix]

    Jumanji [Amazon Prime Video]

    Marriage Story [Netlfix]

    Miles Davis: Birth of the Cool [Netflix]

    Molly’s Game [Netflix]

    Mr. Link [Netflix]

    Rocketman [Netflix]

  • COVID-19-STREAMING-VI

    COVID-19-STREAMING-VI

    Während Friseure und andere Dienstleister in zwei Wochen wieder aufsperren können, ohne zu wissen unter welchen Bedingungen sie arbeiten dürfen (es können nur haarsträubende Maßnahmen der neuen Normalität werden), ist es nun also offiziell: Die Kulturwelt wird mit Vollgas an die Wand gefahren. Keine große Überraschung aber die Hilflosigkeit in Kombination mit Inkompetenz kam in dieser Form dann doch unerwartet.

    Man beharrt auf das Abstandhalten im Theaterbetrieb und Kinos bleiben zu, weil vor allem im Sommer sowieso niemand ins Kino gegangen wäre. Kein Scherz, es ist die Meinung der Kulturministerin Lunacek. Es gibt freilich eine Entgegnung der Kinobranche [Presseaussendung des Österreichischen Kinoverbandes]. Kindergärten bleiben scheinbar bis Herbst zu. Die Lage für die Schulen ist unter den angedachten Auflagen katastrophal. Man überlegt, im Sommer deutsche Touristen ins Land zu lassen. Ins Kino werden sie jedenfalls nicht gehen können. Im Moment ist man aber noch damit beschäftigt aufzupassen, dass in Wien auch ja kein Kind schaukelt. Kein Spaß darf sein, für Groß und Klein. Das wird nicht lange gut gehen Leute.

    Die Filmbranche liegt also danieder. Die ganze Filmbranche? Nein, in Wien gibt es den Filmemacher Alex Lazarov [Twitter: @derlazarov] und der hat dieser Tage seinen neuen Kurzfilm Teenage Dreams veröffentlicht. Aufgrund der derzeitigen Umstände anders als geplant, ist der Film nun nur im Netz verfügbar. Knappe 8 Minuten, die Sommerfeeling versprühen und zum Abtauchen einladen. Grandios!

    https://www.youtube.com/watch?v=geLJCpAE6Jo

    Teenagerträume gibt es auch bei Netflix zu sehen. Die Komödie Ferris macht blau erzählt vom berühmtesten Schulschwänzer der 1980er Jahre. In der Hauptrolle Matthew Broderick und ihm dich auf den Fersen Jeffrey Jones als Schuldirektor. Wer dann immer noch nicht genug hat, hat gerade die Möglichkeit, sich einen weiteren Film von Regisseur John Hughes bei Netflix anzusehen: The Breakfastclub ist sicherlich einer er besten Highschool-Filme überhaupt.

    Josef Hader stellt in seinem Player diese Woche gemeinsam mit DOR Film Silentium gratis zur Verfügung und war in Woche 5 endlich im Baumarkt.

    [Foto: (c) Alex Lazarov/Teenage Dreams]


    Weitere Tipps:

    American Factory [Netflix]

    Arrival [Amazon Prime Video]

    Burning [Amazon Prime Video]

    Chernobyl [Sky]

    Dirty Dancing [Netflix]

    Die Goonies [Netflix]

    Grease [Amazon Prime Video]

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    Jumanji [Amazon Prime Video]

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    Miles Davis: Birth of the Cool [Netflix]

    Molly’s Game [Netflix]

    Mr. Link [Netflix]

    Rocketman [Netflix]

  • COVID-19-STREAMING-V

    COVID-19-STREAMING-V

    Streamt man einen Film über den Kino VOD Club, wählt man vor dem Start ein Kino aus, das man dadurch mit 1/3 des Ticketpreises unterstützt. Eine weitere Möglichkeit, sein Lieblingskino zu fördern bietet die Plattform www.hilfdeinemkino.at, in dem man sich Werbespots ansieht. Auch hier erhält das Kino dann ein paar Cent. Viel mehr kann man im Moment leider nicht tun.

    Wir stehen vor Woche vier von, ja von wie vielen eigentlich? Die Menschen beginnen schön langsam Fragen zu stellen. Vor allem den WienerInnen sagt man doch eine gewisse Gemütlichkeit zu. Aber nach einem Monat kann man ja mal zwischen Aperolspitzer und Nickerchen am Nachmittags anfangen nachzudenken. Ein bisschen zumindest. Jemand der Probleme ganz anderer Art hatte – was für eine Überleitung, wobei auch hier war Alkohol im Spiel – ist Elton John. Ab sofort ist Rocketman bei Amazon Prime verfügbar. Mehr über das Biopic eines der größten Rock und Popmusiker unserer Zeit könnt ihr in der THE REEL THERAPIST Kritik nachlesen [LINK].

    Indien [1993]

    Josef Hader sendet Grüße aus der Heimquarantäne [Video] und hat ein paar Tipps, wie man diese ungewöhnliche Zeit am besten überstehen kann. Auf seiner Seite player.hader.at stellt Hader bis 16. April die Erfolgskomödie Indien zur Verfügung. Die Verfilmung des Kabarettprogramms von Alfred Dorfer und Josef Hader, unterwegs im Auftrag des Fremdenverkehrsamtes, ist eine Zeitreise in die Tiefen Niederösterreichs der 1990er Jahre. Danke, ganz lieb! Ein Klassiker.

    Zum Schluss noch einen Tipp passend zur Osterzeit. Peter Hase, nach dem Kinderbuch von Beatrix Potter, gibt es zur Zeit bei Netflix. Hat jetzt die Kritiker etwas gespalten. Wenn man sich den liebenswerten Film mit der Familie anschaut, kann man aber nicht viel falsch machen. Der zweite Zeil sollte zur Zeit im Kino laufen, wurde aber verschoben. Auf Herbst. Vielleicht. Siehe oben.

    3,2,1, Bussi!


    Weitere Tipps:

    American Factory [Netflix]

    Arrival [Amazon Prime Video]

    Burning [Amazon Prime Video]

    Chernobyl [Sky]

    Dirty Dancing [Netflix]

    Die Goonies [Netflix]

    Grease [Amazon Prime Video]

    The Irishman [Netflix]

    Jumanji [Amazon Prime Video]

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    Miles Davis: Birth of the Cool [Netflix]

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    Mr. Link [Netflix]

  • COVID-19-STREAMING IV

    COVID-19-STREAMING IV

    Das für Oktober geplante Konzert Hollywood in Vienna mit Alan Menken wurde heute auf September 2021 verschoben. Ob es in diesem Jahr ein großes Festival geben wird, ist zur Zeit mehr als fraglich. Nicht zuletzt mangels Filmen, die im Kino anlaufen sollten. Was dieses Jahr für die Kinolandschaft in Wien bedeuten wird, ist noch nicht abzusehen. Bleibt zu hoffen, dass nicht ein ähnlicher Kahlschlag wie zuletzt in den 1990er Jahren bevorsteht. Die Ausstellung Kino Welt Wien des Film Archiv Austria erzählt von der mehr als hundertjährigen Geschichte der Wiener Kinos. Mittels Digitorial, also einer virtuellen Ausstellung, kann man auch jetzt zumindest einen kleinen Rundgang machen. [Link]

    Dafür hat das Patschenkino gerade so einiges zu bieten. Der Kino VOD Club ist gut befüllt. Unter anderem mit dem Publikumshit Love Maschine mit Thomas Stipsits.

    Was genau geschah am 26. April 1986 um 1:23 im Reaktor-Block 4? Die fünf Teile der Miniserie Chernobyl [Sky] zeichnen den Ablauf der Nuklearkatastrophe nach. Mit Stellan Skarsgård und Jared Harris. Die Musik stammt von Oscar-Preisträgerin Hildur Guðnadóttir. Spannend und zutiefst erschütternd. Muss man gesehen haben.

    Für Nostalgiker gibt es bei Netflix den Abenteuerfilm Die Goonies von Richard Donner. Vor allem die Eingangssequenz zeugt von Steven Spielbergs großem Einfallsreichtum, der die Idee zum Film lieferte. Aus dem Jahr 1985, mit Sean Austin und Josh Brolin. Musikalische Erinnerungen wecken Dirty Dancing (ebenfalls Netflix) oder Grease (Amazon Prime Video) und liefern die perfekte Grundlage für eine Physical Distance Party im engsten Kreis.


    Weitere Tipps:

    American Factory [Netflix]

    Arrival [Amazon Prime Video]

    Burning [Amazon Prime Video]

    The Irishman [Netflix]

    Jumanji [Amazon Prime Video]

    Marriage Story [Netlfix]

    Miles Davis: Birth of the Cool [Netflix]

    Molly’s Game [Netflix]

    Mr. Link [Netflix]

  • COVID-19-STREAMING III

    COVID-19-STREAMING III

    Vor allem Netflix hat im vergangenen Jahr in der Filmwelt etwas Unruhe gestiftet. Auf einmal gab es einen neuen Mitspieler auf dem Feld des großen Dramas. 2019 konnte Alfonso Cuaron für Roma gleich drei Oscars mit nach Hause nehmen. Auch in den letzten Monaten riss die Erfolgswelle nicht ab. Die zwei Päpste sorgten für Unterhaltung. Martin Scorseses The Irishman setzte neue technische Maßstäbe. Wem das Gangsterepos bis jetzt zu lange war, an Zeit mangelt es nun gerade nicht. Marriage Story ist ein wunderbarer Film. Man sollte jedoch in einer soliden Beziehung leben. Ansonsten gerade jetzt nicht zu empfehlen. Die Dokumentation American Factory zeigt, wie die Arbeiterschaft in Zeiten der Globalisierung unter die Räder geraten kann. Dieser amerikanisch-chinesische Clash of Cultures entbehrt in der jetzigen Situation nicht einer gewissen Ironie. [alle Filme sind bei Netflix verfügbar]. Eine große Empfehlung gibt es auch für Burning, den koreanischen Oscar-Kandidaten aus dem vergangenen Jahr. Ein Meisterwerk der Erzählkunst [Amazon Prime Video].

    Wem das alles zu viel Drama ist, der braucht nur die Hosen herunterzulassen. Die Streamingplattform Porn Hub spendiert einen Gratis Premium Zugang, damit nur niemand die eigenen vier Wände verlässt.

    Die Welt steht Kopf. In der Zwischenzeit wird diskutiert, ob wir überhaupt so schnell wieder volle Kino- oder Theatersäle sehen werden, weil die Menschen vor lauter Distanzhalten und Angst vor ansteckenden Krankheiten Ansammlungen zumindest auf nicht absehbare Zeit meiden werden. Wie immer gilt – und jetzt erst recht: Angst ist ein schlechter Ratgeber. Abgesehen davon stellt sich die Frage, wieviele Menschen sich noch ein Kinoticket leisten werden können. Jedenfalls ist Video-On-Demand und Streaming im Allgemeinen gerade im Vormarsch.


    Weitere Tipps:

    Arrival [Amazon Prime Video]

    Die Diagonale [Flimmit]

    Jumanji [Amazon Prime Video]

    Miles Davis: Birth of the Cool [Netflix]

    Molly’s Game [Netflix]

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