Schlagwort: 2020

  • ÜBER DIE UNENDLICHKEIT ★★★★

    ÜBER DIE UNENDLICHKEIT ★★★★

    Spät aber doch. Das trifft wohl in den nächsten Monaten auf jeden Kinostart zu. So auch auf Über die Unendlichkeit, für den der schwedische Regisseur Roy Andersson bereits im vergangenen Jahr den Silbernen Löwen in Venedig gewonnen hat. Andersson ist für seine statischen gemäldeartigen Tableaus bekannt. Handlung gibt es keine. Dialoge sind ebenso rar. Das klingt gewöhnungsbedürftig. Dabei sind die einzelnen Szenen von einer wunderbaren Traurigkeit und Schönheit. Ein magischer Kinomoment.

    Darum geht es

    „Ich habe einen Mann gesehen … “ Eine weibliche Erzählstimme leitet fast jede der eigenständigen Szenen ein. Begleitet von elegischer Musik sind die Sequenzen in Grautönen gehalten. Ein schlecht gelaunter Zahnarzt, ein Pfarrer, der seinen Glauben verloren hat oder einer Frau mit Kinderwagen, der in einer Bahnhofshalle der Stöckel ihres Schuhs abbricht: Andersson zeigt uns Banalitäten, die im Kino zu großen Tragödien werden, mal traurig, mal komisch aber immer mit einer gewissen Melancholie behaftet.

    Entschuldige, heißt du Lisa Larsson?

    Kommentar

    Totale Einstellungen, gestochen scharf bis zum Horizont. Alles liegt hier im Fokus. Darin Menschen, die offensichtlich platziert zu sein scheinen. Die Dialoge fallen eher knapp aus. Roy Anderssons lässt sich von bildender Kunst inspirieren, zum Beispiel von Edward Hopper. Die Bilder sind bis ins kleinste Detail durchkomponiert. Die Sets werden in mühsamer Kleinarbeit im Studio konstruiert und mittels Greenbox zusammengefügt.

    Anderson entwickelte seinen unverkennbaren Stil in Anlehnung an den schwedische Funktionalismus der 1950er Jahre über Jahrzehnte in kurzen Werbefilmen. Erst Anfang des letzten Jahrzehnts widmete er sich wieder dem Spielfilm und ist seitdem gern gesehener Festivalgast. Die Themen kreisen um Religion, Krieg und die Entfremdung zwischenmenschlicher Beziehungen. Die Menschen wirken in dieser grauen Welt oft deplatziert und sind mit ihren Gedanken ganz woanders. Spannenderweise ist diese arg artifizielle Welt zutiefst menschlich. Wirklich Neues hat Über die Unendlichkeit in dieser Hinsicht nicht zu bieten. Trotzdem vermag uns Andersson immer noch zu verzaubern. Knappe 76 Minuten über die Unendlichkeit der Dinge, die eine Freude sind.

    The Living Paintings of Roy Andersson – Ein Blick hinter die Kulissen


    ÜBER DIE UNENDLICHKEIT (Om det oändliga) | ROY ANDERSON | SWE 2019 | 76 MIN. | [usr 4]


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  • LOVECUT ★★★ ½

    LOVECUT ★★★ ½

    Wo warst du? Es ist 10 Uhr Vormittag!“ Die Sorgen der Eltern stoßen auf völliges Unverständnis. Der Handyakku war leer. Was soll man da machen. Die sechs Teenager dieser Schweizer Produktion sind zu sehr mit ihrem Liebesleben beschäftigt, als dass Zeit für Nebensächlichkeiten bleiben würde. Gecastet wurden sie in einem langwierigen Prozess vom Regieduo Iliana Estañol und Johanna Lietha. Für ihr Spielfilmdebüt haben sie Laien engagiert und sich viele Geschichten angehört, die sie nun in Lovecut verarbeitet haben. Ein Horrorfilm für Eltern.

    Darum geht es

    Sex-Tapes und Skype-Dates, Clubnächte und Abendessen mit den Eltern. Der Episodenfilm Lovecut folgt sechs jungen Menschen bei ihrer Suche nach Liebe, Beziehung und Körperlichkeit. Die Anonymität und die Schnelllebigkeit des Internets prägen jene Lebensrealitäten, in denen die Jugendlichen Beziehungen (aus-)probieren und die eigene Identität erforschen. Ein flirrender Drift durch eine Lebensphase, die wahnsinnige Energien freisetzt – produktive wie zerstörerische. (Diagonale’20 Katalog)

    Revoltieren ist anstrengend.

    Kommentar

    Was tun, wenn man auf dem Computer der Tochter Sexclips findet? „Stell dir vor, das stellt jemand ins Internet!“ Das Publikum weiß längst: zu spät. Die rasante Entwicklung des Internets, mit allem was dazugehört, hat eine ganze Generation überrollt und für deren Kinder ist die digitale Vernetzung schon selbstverständlich. Nur umgehen damit ist eine andere Sache. Das scheint die Sorgen der Eltern zu multiplizieren. Aber die kommen hier nur am Rande vor und füllen nur ihre altbekannten Rollen.

    Lovecut konzentriert sich auf das Liebesleben von Jugendlichen in Wien. Die Episoden sind geschickt ineinander verwoben. Im Zuge ihrer Recherche, sind die beiden Regisseurinnen Estañol und Lietha auf diese Geschichten gestoßen. Das verlieht dem Film eine große Intimität und Authentizität. Dass es sich um LaiendarstellerInnen handelt, trägt das Übrige dazu bei.

    Wir sehen ein Wien aus der Perspektive der Jugendlichen, abseits von architektonischem und touristischem Glanz. Das erinnert an Adrian Goigingers Bild von Salzburg, das er uns in seinem Film Die Beste aller Welten gezeigt hat. Die Alte Donau, Nachtclubs und Wohnsiedlungen sind die Kulisse für die ersten Liebesdramen. Von Zukunftsängsten ist nichts zu spüren. Was zählt ist der Moment und der emotionale Kick. Der einzige Berührungspunkt zur Außenwelt sind sie mahnenden Eltern, denen es aber schier unmöglich ist, zu ihren Kindern durchzudringen.

    Lovecut endet abrupt. Das ist nur Konsequent, um die Schnelllebigkeit zu vermitteln, von der sich die Jugendlichen treiben lassen. Am Ausgang der Geschichten hat sich nichts verändert. Auch wenn sich der Beginn durch die digitale Kommunikation verändert hat, endet es doch immer gleich, nämlich im Bett.

    Verleih

    Stadtkino Filmverleih


    LOVECUT | Produktion, Buch, Regie: ILIANA ESTAÑOL und JOHANNA LIETHA | CH 2020 | 94 MIN | [usr 3,5]


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  • I’M THINKING OF ENDING THINGS ★★★½

    I’M THINKING OF ENDING THINGS ★★★½

    Das wird jetzt kompliziert. Dabei unterhalten sich hier doch nur zwei Endzwanziger in einem Auto! Es wäre nicht Charlie Kaufman, der vielleicht gefragteste Drehbuchautor unserer Tage (Being John Malkovich, Eternal sunshine of the spotless mind), wenn er in seiner neuen Regiearbeit reinen Tisch machen würde. Denn irgendwas ist hier höchst mysteriös. Die Zeitabläufe geraten hier gehörig durcheinander. Was ist Traum und was Wirklichkeit? Was wie ein Ende einer Romanze beginnt, artet bald in eine lyncheske Fantasie aus. Aber nur fast. Das wird jetzt anstrengend.

    Darum geht es

    Eine junge Frau (Jessie Buckley) sinniert darüber, ihren Freund Jake (Jesse Plemons), der gerade neben ihr im Auto sitzt, zu verlassen. Sie befinden sich auf einer Autofahrt zu Jakes Eltern. Es ist für sie einer dieser großen Schritte im Laufe einer Beziehung. Ihre Gespräche sind von einer Trostlosigkeit durchzogen, genauso wie die verlassene winterliche Landschaft, durch die sie fahren. Die Eltern (Toni Collette und David Thewlis) verhalten sich während des Abendessens höchst seltsam. Die Situation ist genauso komisch wie unheimlich. Unterbrochen wird die Handlung immer wieder durch Szenen mit einem älteren Schulwart. Der Rückweg führt die beiden Mitten in der Nacht durch ein Schneegestöber zuerst zu einem Fast-Food-Restaurant und dann zu Jakes ehemaliger Highschool. Über den finalen Akt sei nicht zuviel verraten. Es passiert allerhand Seltsames und Unerwartetes.

    Was für eine Nacht!

    Kommentar

    Das erste, was hier ins Auge sticht, ist die Ausstattung. Die Blumenmuster der Tapeten suchen ihres Gleichen. Kameramann Łukasz Żal (Ida, Cold War) setzt die sich über weite Strecken des Films ziehende Autofahrt bravurös im 4:3 Format um. Die verlassene Landschaft, oftmals nur im Hintergrund zu spüren, trägt ihres zur Grundstimmung bei. Die Kamera verläßt das Auto aber nie. Es gibt keine Einstellungen, in denen man das Auto von außen durch die Landschaft fahren sieht. Die rythmische Bewegung der Scheibenwischer durchzieht wie ein Metronom den ganzen Film. I’m thinking of ending things ist bis ins kleinste Detail durchkomponiert, ohne dass dies je störend wirken würde. Der visuellen Umsetzung steht eine Erzählung gegenüber, die das Publikum wohl zum Großteil ratlos zurücklassen wird. Der Film verlangt dechiffriert zu werden, lässt das aber nur bedingt zu.

    Die Romanvorlage stammt vom kanadischen Schriftsteller Iain Reid. Der Film bleibt aber im Gegensatz zum Roman in seinen Andeutungen, die dem leichteren Verständnis dienen, vage. Als gleich zu Beginn der titelgebende Satz in den Gedanken der jungen Frau fällt, scheint es fast so, als hätte ihn Jake gehört. Bald passiere Dinge, die sich nicht leicht erklären lassen. Wenn man genau hinhört, läßt sich vielleicht das größte Rätsel entschlüsseln, das dem Film zugrunde liegt. Es sind Hinweise, wie ein kleines Foto, die wechselnden Namen und Fähigkeiten der jungen Frau, die eine Fährte legen. I’m thinking of ending things muss aus einer literarischen Erzählweise heraus betrachtet werden. Nicht erst im letzten Drittel brechen dann alle erzählerischen Mauern ein. Man kann sich nur zurücklehnen und die wunderbar choreographierten Szenen genießen (Tanzeinlagen!). Folgen kann man der Erzählung hier schon längst nicht mehr. Wenn man bis hierhin durchgehalten hat, die endlosen Dialoge gehen nämlich auf die Substanz, bleibt uns Charlie Kaufman bei einer Laufzeit von über 2 Stunden einiges an Erklärungen schuldig. Oder wer erinnert sich noch genau an Dialogzeilen aus A beautiful mind aus dem Jahr 2001? Schade, denn etwas weniger Rätselhaftigkeit hätte dem Film gut getan. Es ist nicht zuletzt den wunderbaren Darstellern zu verdanken, das man den Figuren bis zuletzt folgen möchte.

    Streamingdienst

    Netflix


    I’AM THINKING OF ENDING THINGS | CHARLIE KAUFMAN | USA 2020 | 134 MIN. | [usr 3,5]


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  • STATELESS (Miniserie) ★★★½

    STATELESS (Miniserie) ★★★½

    Selbst wenn sich wohl kein Land der Welt bezüglich seiner Flüchtlingspolitik in den Spiegel schauen kann, so ist der Umgang Australiens mit Menschen auf der Flucht gelinde gesagt berüchtigt. So mancher Politiker hierzulande liebäugelt mit den dortigen Methoden. Aktuell werden Flüchtlinge in Lagern auf Inseln untergebracht. Anwälte und Menschenrechtsorganisationen haben erschwerten Zugang. Stateless handelt von einem Lager in der Wüste im Süden des Landes, in dem die Insassen die Zeit ihres Visaverfahrens absitzen müssen. Darunter befindet sich eine deutsche Staatsbürgerin mit einer permanenten Aufenthaltserlaubnis für Australien. Unglaublich aber es handelt sich um eine wahre Geschichte. Die Miniserie prangert die unmenschlichen Methoden der australischen Behörden an und ist eine Herzensangelegenheit von Produzentin Cate Blanchett.

    Darum geht es

    Die Flugbegleiterin Sofie Werner (Yvonne Strahovski) flüchtet vor der Bevormundung ihrer Familie in die Arme einer Sekte. Auch dort wird der geistig verwirrten Frau bald alles zu viel und auf der Flucht wird sie von der Einwanderungsbehörde aufgegriffen. Da sie sich nicht ausweisen kann, kommt sie in ein Lager.

    Im Internierungslager laufen die Handlungsstränge von drei weiteren ProtagonistInnen zusammen. Der afghanische Flüchtling Ameer (Fayssal Bazzi) wartet mit seiner Tochter auf einen Aufenthaltstitel. Die Behörden sind bemüht, in seiner Fluchtgeschichte Ungereimtheiten zu finden, um ihnen die Aufnahme verweigern zu können. Cam (Jai Courtney) hat gerade einen Job als Aufseher angenommen und ist hin und her gerissen zwischen seinen Pflichten und seinem Gewissen. Seine Schwester ist eine jener AktivistInnen, die gegen das Lager protestieren. Da sich die Probleme mehren, wird die Regierungsbeamtin Clare (Asher Keddie) von der Regierung eingesetzt, um Ordnung zu schaffen. Die Lage spitzt sich zu, denn die Vorgaben der Behörde lassen sich mit humanitären Standards nicht vereinbaren.

    Kommentar

    Bereits seit der Öffnung des Baxter Internierungslagers (das als Vorlage für die Netflix Miniserie dient) im Jahr 2002, kam es immer wieder zu Protesten und Revolten. Mehrere Menschenrechtsverletzungen führten zu anhaltenden Protesten vor dem Lager und zu dessen Schliessung im Jahr 2007. In den Jahren 2004/2005 wurde die deutschstämmige Flugbegleiterin Cornelia Rau für etwa zehn Monate versehentlich interniert. Rau verschwand im März 2004 aus einem Krankenhaus für psychische Erkrankungen in Sydney. Sie gab ihre wahre Identität nicht Preis und wurde daher von der australischen Einwanderungsbehörde als illegale Einwandererin eingestuft. Die Figur Sofie Werner beruht auf Cornelia Rau.

    Stateless zeigt die unmenschlichen Methoden des australischen Asylsystems, zu einer Zeit bevor Flüchtlinge auf Inseln untergebracht wurden. Die Schicksale der Charaktere werden geschickt miteinander verwoben. Man bekommt einen bedrückenden Einblick über den Alltag in einem Lager. Existenzielle Verzweiflung steht inneren Gewissenskonflikten und der kalten Bürokratie gegenüber. Der Staat legt die Rechtslage zum eigenen Vorteil aus. Während Menschenrechte im Lager nichts Wert sind, verhindert der Datenschutz, Informationen über die Insassen zu erlagen.

    Streamingdienst

    Netflix


    STATELESS | AUSTRALIEN 2020 | 6 EPISODEN | [usr 3,5]



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  • MULAN ★★★

    MULAN ★★★

    Während sich zwischen den USA und China ein brisanter Wirtschaftskrieg anbahnt, schickt Disney die legendäre chinesische Kriegerin aus dem 5. Jahrhundert los, um weltweit die Bildschirme zu erobern. Mulan ist den Kinderschuhen entwachsen. Zusätzlich zum Disney+ Abo möchte das Filmstudio 22€ (bzw. 30$), bevor das Leinwandabenteuer im Dezember für alle NutzerInnen verfügbar sein wird. Ein 200-Millionen-Dollar Spektakel für die Couch. Kommende Woche dann im Kino, allerdings nur China.

    Darum geht es

    Der Kaiser von China erlässt eine Verordnung und das schon vor eineinhalbtausend Jahren recht unmissverständlich: Um den Feind an der Seidenstraße zu besiegen, muss jede Familie einen Krieger für die kaiserliche Armee stellen. Hua Zhou (Tzi Ma), Kriegsheld, hat zwei Töchter und sieht es als eine Pflicht an, darum neuerlich selbst in den Kampf zu ziehen. Seine Tochter Hua Mulan (Liu Yifei) kommt ihm zuvor und macht sich mit der Uniform und dem Schwert des Vaters aus dem Staub. Höflichkeit, Etikette und Eleganz gehören nicht zu deren stärken. Schon als kleines Mädchen fällt sie durch ihren Wagemut und ihrer Geschicklichkeit auf. Vor allem die Mutter und später die Heiratsvermittlerin sind entsetzt. Der Vater ist sich der Problematik bewusst, kann seinen Stolz aber doch nicht ganz verbergen.

    Als Mann verkleidet ordnet sich Mulan den männlichen Soldaten unter. Die merken bald, das sie ihnen überlegen ist. Wie lange wird sie ihr Geheimnis bewahren können?

    Hua Mulan ist den Kriegern in der kaiserlichen Armee überlegen.

    Kommentar

    Unaufhaltsam – also fast unaufhaltsam – kommen nach und nach reale Neuverfilmungen der Disney Animationsfilme (alles Klassiker!) in die Kinos. Auch bei Mulan gilt, wie bei den Vorgängern, dass hier eigentlich nicht viel real ist. Das tut dem Film nicht unbedingt gut und man fragt sich, was der Film gekostet hätte, wäre er ohne die deutlich kostengünstigeren computergenerierten Bilder ausgekommen. Der Film ist bildgewaltig (Kamerafrau: Mandy Walker) und zeigt sich in einer intensiven Farbenpracht. Der Mythos wurde auf Hochglanz poliert. Soll so ein, immerhin sind wir hier bei Disney. Seine volle Wirkung kann der Film aber wohl nur auf der Leinwand entfalten.

    Diesmal ist es keine 1:1 Neuauflage des Originals. Die Altersfreigabe ab 12 Jahren lässt es erahnen. Hier wird scharf geschossen. Ob das so mit dem Familienfernsehabend was wird? Jedenfalls wurde der Stoff weiterentwickelt. Am Anfang steht der Vater von Mulan im Mittelpunkt und ganz allgemein ist Mulan erwachsener geworden. Die dümmlichen Sidekicks fehlen zur Gänze. Wir haben es mehr mit einem Heldenepos zu tun. Ständig ist von Ehre die Rede. Manchmal etwas zu viel. Eine eingebettete Lovestory bleibt uns erspart, obwohl Disney Mulan wie seine Prinzessinnen vermarktet. Sie ist mehr eine Seelenverwandte von Viana.

    Die Hauptdarstellerin Liu Yifei füllt die Rolle mit ihrem Charisma aus. Emanzipation steht im Vordergrund und ihr Counterpart Xian Lang (Gong Li) ist ebenfalls eine Frau. Die Geschichte in diese Richtung zu trimmen ist sicherlich ein kluger Schachzug und durchaus gelungen. Alle Charaktere werden von asiatischen SchauspielerInnen verkörpert. Nur bei der Regie hat das nicht geklappt. Regisseurin Niki Caro (Whale Rider) setzt jedoch die richtigen Akzente und ist für den Film auf jeden Fall ein Gewinn.

    Weil sich jetzt Unmut über die Kosten von Disneys Vermarktungsstrategie breit macht: Es war nie der Deal, dass auf Disney+ aktuelle Kinofilme laufen werden. Ausserdem erlaubt der Abodienst sechs Profile, wovon vier gleichzeitig schauen können. Also. Viel spannender ist die Frage, was es für Folgen hat, wenn dies nun ein Erfolg werden sollte. Auch wenn es erstmal ein Einzelfall bleiben soll, so ist es doch nicht ganz auszuschließen, dass es dann ganz anders kommen wird. Nicht auszudenken, wenn die Zugpferde aus den Kinos verschwinden.


    MULAN | NIKI CARO | USA 2020 | 115 MIN | [usr 3]


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  • THE CLIMB ★★★★

    THE CLIMB ★★★★

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    VOD

    Eine ungewöhnliche Männerfreundschaft. Ungewöhnlich ist in The Climb aber nicht nur die Beziehung zwischen Kyle (Kyle Marvin) und Mike (Michael Angelo Covino, Regie), sondern die Entstehungsgeschichte ebenso wie die Umsetzung. Ausgehend von einer Idee für einen Kurzfilm, die nun der Beginn des Filmes ist, haben die beiden Freunde in zwei Monaten das Drehbuch zu The Climb geschrieben.

    Darum geht es

    Unterteilt in 8 Kapitel erstreckt sich die Handlung über mehrere Jahre, in denen wir Höhen und sehr viele Tiefen dieser Beziehung zu sehen bekommen. Wobei Mike hier die Rolle des impulsiven und unberechenbaren Parts über hat und man sich immer wieder fragt, warum Kyle überhaupt mit ihm befreundet ist. Etwa, nach dem Mike gleich zu Beginn während einer Radtour gesteht, dass er mit Kyles zukünftigen Frau geschlafen hat. Es wird nicht das letzte Mal sein, dass Mike sich zwischen Kyle und eine Frau stellt aber deren Beziehung scheint das auszuhalten.

    The Climb (USA, 2019)

    Kommentar

    Der Film hat etwa 15 Szenen, die jeweils ohne Schnitt aufgenommen wurden. Die Kameraarbeit ist dabei sowohl präzise wie originell. Mal beobachtend und dann wieder mitten im Geschehen. Auch der Ton ist, besonders hinsichtlich des Entstehungsprozesses, sehr gelungen.

    The Climb feierte eine erfolgreiche Premiere in Cannes und lief weiters auch in Sundance, Toronto und München. Marvin und Covino standen nach der Vorstellung während der Viennale im vergangenen Jahr für ein Q&A zur Verfügung und es war einer jener Momente, wo diese halbe Stunde nicht nur aufschlussreich war, sondern den Film als solchen noch bereichert hat.

    Die beiden Filmemacher nennen Altman, Rohmer oder Sautet als Vorbilder. Sie lieben den französischen Film und Chansons. All diese Einflüsse sind zu spüren und doch haben sie mit The Climb etwas neues geschaffen, nämlich ein erfrischendes Buddymovie, das Charme und technische Finesse vereint, uns nicht nur zum Lachen bringt sondern auch ein authentisches Leinwandduo präsentiert, bei dem die Chemie einfach stimmt. Eine Empfehlung.


    THE CLIMB | USA 2019 | MICHAEL ANGELO COVINO | 98 MIN. | [usr 4]


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  • TENET ★★★

    TENET ★★★

    Der Lauf der Dinge hat Christopher Nolens Tenet zur buchstäblichen Karotte werden lassen, der alle Filmfans seit Wochen hinterherlaufen. Lange Zeit schien der neue Science-Fiction-Film von einem der wichtigsten Regisseure unserer Zeit unerreichbar zu bleiben. Über den Inhalt konnte nur spekuliert werden und der Trailer war konfus und wirkte wenig überzeugend. Es ist dem ständigen Bestreben Nolans zu verdanken, den Kinobesuch selbst zum einzigartigen und unersetzbaren Erlebnis werden zu lassen, dass Tenet dort und da doch noch in den Kinos gestartet ist. Ohne allzu viel Werbung und begleitet von hygienischen Unsicherheiten, die ein Kinobesuch heute mit sich bringt, läuft der erste Blockbuster in diesem Jahr vor beinahe leeren Sitzreihen (Auch wenn aus den USA vermeldet wird, das Einspielergebnis übertreffe die Erwartungen). Vieles diesseits der Leinwand ist heute anders aber auch auf der Leinwand gibt es Neues zu sehen. Hat sich das Warten gelohnt?

    Darum geht es

    Ja? Bitte werfen sie 2€ in den Automaten und es folgt eine Erklärung der vergangenen einhundertfünfzig Minuten. Im Gegensatz zur Kinokassa würden sich hier wohl Schlangen bilden. Der namenlose Protagonist, gespielt von John David Washington, trägt jedenfalls wenig zur Aufklärung bei. Das bringt auch jedes veröffentlichte Filmstill zum Ausdruck. Ein wo-bin-ich-hier und was-geht-hier-vor ist dem Geheimagenten in jeder Einstellung in die Stirnfalten geschrieben. Er solle Schlimmeres als einen Nuklearkrieg verhindern. Von einer Wissenschaftlerin erfährt er, dass es in der Zukunft möglich sein wird, Objekte invertieren zu lassen, das heißt, dass sie in der Zeit zurückgehen können. Beispielsweise kann so ein Gegenstand, der in der Zukunft fallengelassen wurde, in der Gegenwart den genau umgekehrten Weg gehen. Das klingt etwas unverständlich und das ist es auch.

    Es gilt zu verhindern, dass die Fähigkeit, solche Prozesse ablaufen zu lassen, in die falschen Hände gerät. Hier kommt der russische Oligarch Andrei Sator (großartig verkörpert von Kenneth Branagh) ins Spiel. Gemeinsam mit seinem Partner Neil (Robert Pattinson) versucht unser Held über Sators Frau Kat (Elizabeth Debick) an ebendiesen heranzukommen. Er soll der Schlüssel zur Inversion sein, die dem Duo nach und nach zu schaffen machen wird. Sator möchte mangels Lebensglück der Welt ein Ende setzen. Dabei entfaltet sich ein Puzzle, dessen Bestandteile sich immer erst im Nachhinein als solche entpuppen.

    John David Washington und Robert Pattinson in Tenet

    Kommentar

    Bereits in Memento (2000) zeigt Christopher Nolan sein Faible für das Spiel mit der Zeit und achronologischen Handlungsabläufen. Zuletzt sahen wir in Dunkirk (2017) ein und die selbe Sequenz aus drei Perspektiven. In Tenet geht er einen Schritt weiter, in dem er Ereignisse zeitgleich vorwärts und rückwärts ablaufen läßt. Um das zu begreifen, muss man sich schon sehr anstrengen und es stellt sich die Frage, ob Nolan hier nicht über das Ziel hinausgeschossen ist. Zum leichteren Verständnis trägt nicht bei, dass die Audiospur der Dialoge selbst im Dolby Cinema oftmals schwer verständlich ist. Mal kommt sie durch ein Funkgerät und dann wird sie wieder von einem Soundteppich überlagert. Man kann dem Film zugute halten, dass er trotz Überlänge nicht langweilig wird und einige tolle Schauwerte zu bieten hat. Dabei werden neben dem Bild auch gleich die Soundeffekte rückwärts abgespielt. „And the winner is … “ Es drängt sich fast auf.

    Diese Inschrift, gefunden in den Ruinen von Pompeji, inspirierte Nolan zu seinem neuen Film.

    Jene aber, die sich nicht bloß zurücklehnen möchten, sondern genau wissen möchten, was da gerade vor sich geht, wird Tenet frustiert zurücklassen. Der Protagonist und sein Kompagnon sind Männer ohne Hintergrundgeschichte. Mit der Ausnahme von Branaghs Charakter bleiben die Figuren sehr flach und entsprechend fehlt es ihnen gegenüber an Empathie. Es ist Nolans erster Film, dem ein gewisser Humor nicht abzusprechen ist. Ob die Konstellation Washington/Debick auch in dieser Hinsicht zu betrachten ist, sei dahingestellt.

    Mag sein, dass sich so manches erst nach mehrmaligem Ansehen erschließt. Das gilt hier aber nicht als Qualitätsmerkmal. Eines ist Tenet nämlich sicher nicht: ein Meisterwerk wie 2001: Odysee im Weltraum, das Spielraum für Interpretationen lässt und zum Philosophieren anregt oder ein Film wie Inception, mit seiner komplexen Geschichte. Die Protagonisten werden in Tenet von einer Station zur nächsten weitergereicht. Lässt man die Zeitreisen, bzw. Umkehrungen der Zeitlinie, weg, bleibt ein durchschnittlicher Agententhriller mit spektakulären Actionszenen übrig.

    Wegen Michael Caine braucht man sich den Film übrigens nicht anzusehen. Sein Leinwandauftritt dauert kaum drei Minuten.

    CHRISTOPHER NOLAN | USA 2020 | 150 MIN. | [usr 3 ]


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  • EUROVISION SONG CONTEST: THE STORY OF FIRE SAGA ★★★½

    EUROVISION SONG CONTEST: THE STORY OF FIRE SAGA ★★★½

    Der erste offizielle Film über den Eurovision Song Contest stammt also aus den USA. Die Idee dazu hatte Will Ferrell, inspiriert von einen in Schweden hautnah erlebten Sieg, schon mehrere Jahre in der Schublade liegen. Im Vorfeld des letzten Song Contest in Lissabon 2019 fanden dann die Dreharbeiten statt. Nicht nur Fans des ESC sind hier richtig. Für sie ist wohl ein Sing-A-Long mit zahlreichen ehemaligen TeilnehmerInnen und GewinnerInnen, darunter Conchita Wurst, der Höhepunkt dieser Liebeskomödie. Darüber hinaus muss man noch mit dem eigenwilligen Humor von Ferrell klarkommen.

    Darum geht es

    Wenn man in Island solange nach Norden fährt, bis man ins Wasser fällt, ist man im Fischerdorf Húsavík angekommen. Hier träumt der Sänger Lars Erickson (Will Ferrell) davon, eines Tages den Eurovision Song Contest zu gewinnen. Mit seiner Kindheitsfreundin Sigrit Ericksdottir (Rachel McAdams) formiert er zu diesem Zweck gemeinsam die Band Fire Saga. Zu mehr als wöchentlichen Auftritten in der Dorfkneipe reicht es jedoch nicht. Bis das isländische Fernsehen aus Formalgründen einen 12. Teilnehmer für die Vorentscheidung für den ESC in Edinburgh benötigt und per Zufall Fire Saga als Kandidaten auswählt. Obwohl der Sieg einer anderen Kandidatin so gut wie sicher ist – soviel sei hier verraten – fahren Lars und Sigirt nach Edinburgh. Dort tauchen sie ein in die Welt des ESC und die Dinge nehmen ihren Lauf, bis im Halbfinale einiges aus dem Ruder gerät und sich die Wege der Beiden vorerst trennen.

    Will Ferrell und Rachel McAdams sind Fire Saga.

    Kommentar

    ESC:TSOFS hat eine Menge komischer Momente. Allein das aus dem Trailer bekannte fiktive Musikvideo Volcano Man zu Beginn ist großartig. Bei allen Albernheiten aus der Feder von Will Ferrell haben wir es hier mit einer Liebeserklärung an den ESC zu tun. Lars und Sigrit brennen für die Musik. Trotz Skurrilität so mancher Musikbeiträge, geht es hier nicht darum den Bewerb lächerlich zu machen. Kein Wunder, handelt es sich um eine offizielle Koproduktion der Europäischen Rundfunkunion (EBU), die den Bewerb alljährlich ausrichtet und deren nationale Mitglieder die Beiträge auswählen. Die Buntheit des Bewerbs spürt man in jeder Szene. Die kräftigen Farben geben ordentlich was her. Bei der Laufzeit ist man leider deutlich über das Ziel hinausgeschossen. Mehr als 2 Stunden sind für eine Komödie gewagt. Dabei ist die Story nicht gerade komplex. ESC:TSOFS kann das Niveau nicht über die volle Länge halten. Es besteht der Verdacht, dass die EBU bei diesem Lizenzprodukt die Finger im Spiel hatte und darum gar viel Zeit mit Qualifikation und Bewerb aufgewendet wurde um vielleicht im Song Contest freien Jahr die Fans etwas zu entschädigen. Die Story um Lars und Sigrit verknüpft mit dem Monstrum ESC ist zuviel. Das zeichnet sich bereits im Titel ab. So bekommt man auch hier die Überlänge zu spüren, für die der Bewerb schon lange berüchtigt ist. Ein unterhaltsamer Filmabend ist allemal garantiert.

    Streaminganbieter

    Netflix


    DAVID DOBKIN | USA 2020 | 123 MIN. | [usr 3.5]


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  • HOMEMADE (Serien-Anthologie) ★★★★½

    HOMEMADE (Serien-Anthologie) ★★★★½

    In diesem Jahr waren und sind Menschen in aller Welt auf die unterschiedlichsten Weisen mit Ausgangssperren konfrontiert. Gleich ist für alle, dass sie ihren gewohnten Lebensweisen nicht mehr nachkommen konnten. In welcher Form und Härte sie die pandemiebedingten Massnahmen getroffen haben, war sehr unterschiedlich. Während es die einen als erholsame Auszeit empfunden haben, nahmen sie für andere existenzbedrohende Ausmaße an. Wie sich FilmregisseurInnen aus aller Welt die Zeit vertrieben haben, zeigt die Netflix Produktion Homemade mit 17 Kurzfilmen.

    Darum geht es

    In Voyage Au Bout De La Nuit ist Queen Elisabeth II zu Besuch bei Papst Franziskus. Vom Lockdown überrascht, kann sie nicht mehr zurück nach England. Die zwei müssen sich gezwungener Maßen die Zeit vertreiben: sie tanzen, flirten und gehen nackt Baden. Ist das möglich? Paolo Sorrentino (La Grande Belezza) hat sich das in der Isolation ausgedacht und mit seinem Smartphone gefilmt. Pablo Larraín (Jackie) zeigt in Last Call einen Mann, der aus dem Altersheim per Videotelefonie seiner ehemaligen Geliebten eine letzte Liebeserklärung macht. 11 Minuten mit einer Wendung, die es in sich hat. Die Schauspielerin Kirsten Stewart inszeniert sich in Cricket selbst kurz vor dem Durchdrehen und Ana Lily Amirpour (A Girl Walks Home Alone At Night) fährt in Ride It Out mit dem Rad durch das leere Hollywood. Nadine Labaki & Khaled Mouzanar (Capernaum) zeigen in Mayroun and the Unicorn ein Mädchen, das eingesperrt zu Hause in ihre eigene Fantasiewelt eintaucht.

    Kirsten Stewart in ihrem Kurzfilm „Crickets“

    Kommentar

    FilmemacherIn zu sein und die eigenen Arbeiten einem weltweiten Publikum zugänglich machen zu können, ist ein Privileg, das nur wenigen vorbehalten ist. Dass diese Kurzfilme aus dieser Position heraus entstanden sind, liegt in der Natur der Sache. Sie verraten mehr über die RegisseurInnen selbst, als über die Welt in der sie leben. Homemade feiert das Geschichtenerzählen und die Kreativität. Hier besteht vordergründig kein Anspruch auf Gesellschaftskritik. Die 17 Kurzfilme unterhalten auf die ein oder andere Weise und sind eine Quelle der Inspiration. Nicht mehr und nicht weniger.

    Folgende RegisseurInnen haben für Homemade einen Kurzfilm beigesteuert:

    Streaminganbieter

    Netflix


    NEUESTE BEITRÄGE VON THE REEL THERAPIST


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  • THE SOUVENIR ★★½

    THE SOUVENIR ★★½

    Seit Joanna Hoggs The Souvenir beim Sundance Film Festival 2019 Premiere feierte, wird dem Film anhaltende Begeisterung entgegengebracht, von FilmkritikerInnen und Prominenz bis hin zu Barack Obama, für den das 80er Jahre Beziehungsdrama ein Höhepunkt des vergangenen Filmjahres war. Während sich die Kinos sonst auf Klassiker und aktuellere Wiederaufnahmen beschränken, gibt es hie und da also noch neue Filme auf dem Spielplan. Es sind die letzten Überbleibsel der vergangenen Saison. Dabei zeichnet sich ab, dass an Neustarts von vor allem großen Hollywood Produktionen für längere Zeit nicht zu denken ist. Ist dieser Sommer erst vorbei, kann es schnell Frühjahr/Sommer 2021 werden, bevor die Studios ihre Filme für den Weltmarkt freigeben. Sollte das tatsächlich so passieren, stehen der Filmwelt die schwierigen Zeiten erst bevor.

    Darum geht es

    Julie (Honor Swinton Byrne) ist eine Filmstudentin in England Anfang der 1980er-Jahre. In ihrem aktuellen Filmprojekt, versucht sie aus ihrem privilegierten Umfeld auszubrechen. Mitten in die Arbeit platzt der wesentlich ältere Anthony (Tom Burke). Sein vornehmes Auftreten wirkt auf sie anziehend. Als angeblicher Mitarbeiter im Außenministerium eröffnet er ihr eine neue Welt. Bald schlittern die beiden in eine Liebesaffäre. Anthony zieht bei ihr ein. Dann bemerkt sie, dass irgendetwas nicht stimmt, ignoriert das aber vorerst.

    Honor Swinton Byrne und Tilda Swinton in THE SOUVENIR

    Kommentar

    The Souvenir ist ein kleines Gemälde von Jean-Honoré Fragonard aus dem 18. Jahrhundert. Es zeigt das Mädchen Julie, das den Namen ihres Geliebten in einen Baum ritzt. Anthony zeigt es Julie und präsentiert sich am Anfang ihrer Beziehung als kunstsinniger Dandy. Swinton Byrne (die Tochter von Tilda Swinton, die auch im Film ihre Mutter spielt) spielt eine verschlossene und zurückhaltende Filmstudentin. Ganz anders ist da Anthony, gespielt von Tom Burke. Seine direkte und scheinbar offene Art wirken auf Julie anziehend. Joanna Hogg sind mit ihrer semi-biographischen Erzählung (ein so ähnliche Geschichte hatte sie selbst erlebt) zwei intensive Charakterportraits gelungen. Swinton Byrne beeindruckt und es ist bald klar, dass ihr die Berühmtheit der Mutter nicht im Weg stehen wird.

    Den starken Darstellerin steht allerdings eine Story gegenüber, die nicht so recht zu fesseln vermag. Gerade die Szenen auf der Filmschule strecken den Film in eine quälende Länge. The Souvenir ist zu sehr Kunstfilm (großartige Ausstattung) um auf Dauer emotional berühren zu können. Wenn The Souvenir für die KritikerInnen einer namhaften – britischen – Filmzeitschrift der beste Film des Jahres ist, dann ist das nicht ganz nachvollziehbar. Es scheint so zu sein, als funktioniert der Topos Medium Film im Film und die Auseinandersetzung mit der eigene Realität durch das Medium Film immer noch sehr gut. Teil 2 ist bereits abgedreht.


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