Schlagwort: Oscar Radar

  • MAESTRO ★★★★ ½

    MAESTRO ★★★★ ½

    Im Abo

    Mit Bradley Cooper, Carey Mulligan Regie Bradley Cooper
    Ab 10 Länge 129 Min.

    OSCAR KANDIDAT

    Die Kamera nähert sich Leonard Bernstein, gespielt von Bradley Cooper, von hinten an. Für ein Fernsehteam spielt er auf dem Klavier. Am Ende sackt er in sich zusammen und erinnert sich an seine große Liebe. Jede Geste stimmt, die Maske sitzt perfekt. Cooper zieht uns in MAESTRO vom ersten Moment an in seinen Bann. Die ersten beiden kaum fünf Minuten dauernden Szenen haben mehr cinematische Kraft und Emotion als so manch anderer Film in diesem Jahr in mehreren Stunden zu entfachen vermag. Was folgt ist kein gewöhnliches Biopic, sondern eine schmerzhafte Liebesgeschichte anhand der sich Cooper an einer der beeindruckendsten Künstlerbiografien des 20. Jahrhunderts abarbeitet.

    Bradley Cooper und Carey Mulligan in MAESTRO (USA 2023)

    Kurzkritik

    A STAR IS BORN war also keine Regieeintagsfliege. Bradley Cooper ist es gelungen, mit seiner zweiten Regiearbeit an den Erfolg von 2018 anzuknüpfen. Und wieder steht eine starke Frauenfigur im Zentrum. Diesmal ist es Bernsteins langjährige Ehefrau Felicia Montealegre gespielt von Carey Mulligan. Wir erleben das Musikgenie aus ihrer Perspektive. Sie selbst ein Broadwaystar, leidet unter seinem enorme Ego. Das kann nicht gut gehen. Zudem Bernstein nicht gerade für seine Treue bekannt war. Trotzdem bleibt sie Jahrzehnte an seiner Seite.

    Besonders auffällig ist die von Cooper penibelst einstudierte Mimik und Gestik, was ihm Kritik eingebracht hat. Er sieht Bernstein dank einer im wahrsten Wortsinn herausragenden Maske zum verwechseln ähnlich. Nahezu jedes Outfit weckt Erinnerungen an Fotos und Filmaufnahmen von Bernstein. Hier drängen sich in einigen Departments Oscar Nominierungen auf. Sogar sein Klavierspiel hat er perfektioniert, für Szenen wie jene, in der Bernstein mit Aaron Copland (Brian Clements) ein Duett spielt. Allerdings bekommen wir eine andere Version zu hören. Ein Höhepunkt von MAESTRO ist jene mehr als fünf Minuten lange Szene, in der Cooper die 2. Symphonie von Mahler dirigiert. In der Kathedrale von Ely, an jenen Ort, an dem Bernstein in den 1970ern einen großen Erfolg feierte.

    Maestro. Bradley Cooper as Leonard Bernstein (Director/Writer/Producer) in Maestro. Cr. Jason McDonald/Netflix © 2023.

    Bereits in A STAR IS BORN umgab sich Bradley Cooper mit bis in die kleinsten Rollen erstklassig besetzen NebendarstellerInnen. Egal ob Hausmeister oder Gesprächspartner in einer Tischgesellschaft: In der jeweiligen Szene sind sie den beiden Hauptdarstellern unmittelbar ebenbürtig. Das gibt dem Film eine unglaubliche Kraft. Genauso wie immer wiederkehrende Traumsequenzen, die sich fließend in die Handlung einfügen und eine ganze Reihe an ausdrucksstarken Bildkompositionen.

    A work of art does not answer questions, it provokes them, and its essential meaning is in the tension between the contradictory answers.

    Das Zitat von Leonard Bernstein steht am Anfang von MAESTRO.

    Voller Widersprüche war Bernstein selbst. Allein schon, da er als homosexueller Mann ein Doppelleben führte, das er selbst vor seinen Kindern verborgen hatte (der Film entstand in Zusammenarbeit mit seinen drei Kindern). Es ist unbestritten, dass er seine Frau über alles liebte, auch wenn Montealegre in einer zentralen und emotionalen Szene behauptet, sein Herz sei voll Haß. Was, so Cooper, der diese Szene schon vor mehreren Jahren geschrieben hatte, aber wiederum in Frage stellt. Sonst wäre sie nicht so lange an seiner Seite geblieben. Gleichzeitig erdrückt Bernstein alle in seiner Umgebung mit seiner Persönlichkeit und läßt kaum Luft zum Atmen. Als Dirigent hatte er zudem ein komplett anderes Auftreten, als wie wenn er gerade komponierte oder sich auf den zahlreichen Parties herumtrieb.

    MAESTRO ist ein sehr ambitioniertes aber auch gelungenes Porträt einer Beziehung und wie so oft, wenn die Beziehung eines Genies beleuchtet wird, muss man unweigerlich erkennen, dass dieses Genie ohne den Rückhalt einer Partnerin an der Seite, bei weitem nicht so erfolgreich sein konnte. Ohne Felicia wäre Leonard verloren gewesen. Das bringt Bradley Cooper auf den Punkt. Nicht zu vergessen ein grandioser, das Schaffen Bernsteins umspannender Soundtrack, der zum immer wieder Nachhören einlädt.

    Nach wenigen Wochen im Kino ist MAESTRO bereits bei Netflix verfügbar. Was ich befürworte. Ins Kino habe ich es nicht geschafft und zudem konnten wir den Film zu Hause gemeinsam schauen. Im Kino wäre das undenkbar. Es ist ein großer Gewinn.

    Maestro, USA 2023
    Biografie Ab 10 Länge 129
    Regie Bradley Cooper Drehbuch Bradley Cooper, Josh Singer Kamera Matthew Libatique Schnitt Michelle Tesoro
    Mit Bradley Cooper, Carey Mulligan
    Netflix


    NEUESTE BEITRÄGE VON THE REEL THERAPIST


    2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024 2025 2026 Aktuelles Amazon Disney Feature Filme Filmfestival Filmkitik Filmkritik Kino aus Österreich Kommentar Netflix Oscar Radar Oscars Review Streaming Viennale Vorschau

  • KILLERS OF THE FLOWER MOON ★★★★★

    KILLERS OF THE FLOWER MOON ★★★★★

    Mit Leonardo DiCaprio, Robert deNiro, Lily Gladstone, Jesse Plemons Regie Martin Scorsese
    Ab 14 Länge 206 Min.

    OSCAR KANDIDAT

    Die Mordserie, die vor etwa 100 Jahren über einen Zeitraum von mehr als 10 Jahren Oklahoma eben nicht erschütterte, sondern von den lokalen Behörden unter den Teppich gekehrt wurde, dürfte außerhalb des Bundesstaates kaum bekannt sein. Martin Scorsese ändert das nun mit KILLERS OF THE FLOWER MOON, seinem 25. Spielfilm. Der Stamm der Osage erlangte Anfang des 20. Jahrhunderts großen Reichtum, als auf dem ihm zugewiesenen scheinbar wertlosen Land Ölvorkommen entdeckt wurden. Das rief skrupellose weiße Männer auf den Plan, die durch Morde und mit einer perfiden Taktik versuchten, das Land in Besitz zu nehmen. Eine Schlüsselfigur verkörpert Robert De Niro als William King Hale, der, obwohl vordergründig als wohlwollender Pate auftretend, eine ganze Riege an Männern zu Verbrechen anstachelte. So auch seinen Neffen Ernest Burkhart, gespielt von Leonardo DiCaprio, der die indigene Frau Mollie, gespielt von Lily Gladstone, heiratet und somit Teil einer äußerst wohlhabende Familie wird. Scorsese verhilft den Osage mit seinem formidablen True-Crime-Western, basierend auf den gleichnamigen Recherchen von David Grann aus dem Jahr 2017, zu so etwas wie verspäteter Gerechtigkeit.

    Robert De Niro und Leonardo DiCaprio in Killing of the Flower Moon.
    King (Robert De Niro) verfolgt einen eiskalten Plan und sein Neffe Ernest (Leonardo DiCaprio) spielt zu lange mit.
    KILLERS OF THE FLOWER MOON (Martin Scorsese, USA 2023)

    Kurzkritik

    Freilich mutet uns Martin Scorsese hier einiges zu. Neben der epischen Länge erzählt KILLERS OF THE FLOWER MOON eine nur schwer verdauliche Geschichte. Es staut sich einiges an Emotionen zusammen, wenn man für dreieinhalb Stunden gespannt im Kinosessel sitzt, um auch ja nichts zu versäumen. Dann setzt der Regisseur zum Finale an, erst verspielt witzig und trifft uns in der letzten Minute Mitten ins Herz.

    Es ist keine Übertreibung von einem Meisterwerk zu sprechen, bei soviel Empathie und Fingerspitzengefühl, das Scorsese für die verzweifelte Lage des Osage aufbringt. Erst nach einem Vorschlag von DiCaprio verschob sich der Fokus des Drehbuches weg von den Ermittlungen hin zu den Osage. Die Geschichte von Mollie rückte mehr in den Mittelpunkt. Lily Gladstone (First Cow) kämpft als Frau eines Mannes, den sie erst nach und nach durchschaut, buchstäblich um ihr Überleben. Der Tod steht bereits bei ihr im Schlafzimmer. DiCaprio spielt wiederum einen einfältigen und faulen Charakter, dem die Aussicht auf leichtes Geld so blind macht, dass ihm gar nicht bewusst zu sein scheint, dass er dafür seine Frau opfern würde. Und eine so geballte Ladung an Falschheit und Hinterlist, wie bei De Niros King Hale, hat man selten gesehen. Es ist eine Freude, den dreien beim Spielen zuzusehen.

    Erst nach zwei Stunden hat Jesse Plemons als einer der frühesten FBI Agenten der Geschichte (Das Bureau wurde ein paar Jahre zuvor von J. Edgar Hoover ins Leben gerufen) seinen ersten Auftritt. Er und seine Männer stellen erstmals die richtigen Fragen. Plemons zeigt einmal mehr seine starke Leinwandpräsenz. Er scheint fast wortlos, wenn auch nur im Hintergrund, jede Szene zu beherrschen und komplettiert somit das starke Ensemble von KILLERS OF THE FLOWER MOON.

    Martin Scorsese hat nicht nur den zahlreichen Opfern der Osage ein filmisches Denkmal gesetzt, sondern uns dazu auch noch eines der grandiosesten Werke seiner Karriere geschenkt. 206 Minuten und das keine zu lange.

    KILLERS OF THE FLOWER MOON
    Drama, USA 2023

    Regie Martin Scorsese
    Drehbuch Eric Roth, Martin Scorsese
    Basierend auf Killers of the Flower Moon von David Grann
    Kamera Rodrigo Prieto
    Schnitt Thelma Schoonmaker
    Musik Robbie Robertson
    Mit Leonardo DiCaprio, Robert deNiro, Lily Gladstone, Jesse Plemons
    Länge 206 Min.
    Streamingplattform
    AppleTV+


    NEUESTE BEITRÄGE VON THE REEL THERAPIST


    2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024 2025 2026 Aktuelles Amazon Disney Feature Filme Filmfestival Filmkitik Filmkritik Kino aus Österreich Kommentar Netflix Oscar Radar Oscars Review Streaming Viennale Vorschau

  • PAST LIVES ★★★★★

    PAST LIVES ★★★★★

    Mit Greta Lee, Teo Yoo, John Magaro Regie Celine Song
    Ab 12 Länge 106 Min.

    OSCAR KANDIDAT

    Das US-amerikanische Filmdrama Past Lives von Celine Song erzählt in mehreren Zeitebenen über zweieinhalb Jahrzehnte hinweg von der Beziehung der Hauptdarstellerin Nora (Great Lee) zu ihrem Freund Hae Sung (Teo Yoo), den sie, inzwischen in die USA ausgewandert, seit ihren Kindheitstagen in Südkorea kennt. Es ist das Debüt der Regisseurin. Der Film hatte während der Berlinale 2023 seine Premiere. Past Lives wird einhellig als einer der Höhepunkte dieses Filmjahres gefeiert.

    Greta Lee und Teo Yoo in PAST LIVES von Celine Song (USA 2023)

    Kurzkritik

    Blicke sagen oft mehr als tausend Worte. Solche Momente gibt es in Past Lives gleich mehrere und doch ist alles viel komplizierter. Regisseurin Celine Sing öffnet gleich eine Fülle an Themenfeldern wie Sprache und Migration und der damit verbundenen Frage nach der eigenen Identität, ebenso, wie uns unsere Vergangenheit prägt und ob es so etwas wie Schicksal gibt.

    In Korea gibt es dazu den bereits vielzitierten Begriff In-Yun. Er beschreibt, wie Menschen für einander bestimmt sind, die sich von früheren Leben her kennen. Song verknappt diese Vorstellung sozusagen auf ein paar Jahrzehnte. Die Wege von Nora und Hae Sung kreuzen sich immer wieder, selbst als tausende Kilometer zwischen ihnen liegen. Nora versucht sich aber zu emanzipieren, findet in den USA einen Mann (John Magaro als Arthur) und lässt ihre koreanische Vergangenheit zurück. Sie versucht es zumindest, den träumen tut sie immer noch koreanisch und Hae Sung scheint auch irgendwie ein Teil ihres Lebens zu sein.

    Celine Song gelingt es all diese Themen mit einer Leichtigkeit zu verweben und Greta Lee schafft es, uns den inneren Konflikt Noras glaubwürdig näher zu bringen. Damit regt sie zum Nachdenken über das eigene Leben an. Wie sehr haben wir es selbst in der Hand und wie weit ist es möglicherweise vorherbestimmt? Ist es nur Zufall, mit welchem Lebenspartner man zusammen lebt?

    Past Lives ist einer der wunderbarsten Filme in dieser Saison und für ein Publikum ab etwa 12 Jahren geeignet. Nicht zuletzt die derzeitige Koreaaffinität unter Teenagern macht den Film auch sicherlich für ein jüngeres Publikum attraktiv. Zudem werden sich jene, die selbst emigriert sind, in Noras innerer Zerrissenheit wiederfinden. Ein Film für die Ewigkeit.

    PAST LIVES
    Drama, USA 2023

    Regie Celine Song
    Drehbuch Celine Song
    Kamera Shabier Kirchner
    Schnitt Keith Fraase
    Musik Christopher Bear, Daniel Rossen
    Mit Greta Lee, Teo Yoo, John Magaro
    Länge 106 Min.


    NEUESTE BEITRÄGE VON THE REEL THERAPIST


    2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024 2025 2026 Aktuelles Amazon Disney Feature Filme Filmfestival Filmkitik Filmkritik Kino aus Österreich Kommentar Netflix Oscar Radar Oscars Review Streaming Viennale Vorschau

  • BARBIE ★★★★ ½

    BARBIE ★★★★ ½

    Mit Margot Robbie, Ryan Gosling Regie Greta Gerwig
    Ab 12 Länge 114 Min.

    OSCAR KANDIDAT

    Als Margot Robbie an Greta Gerwig mit der Idee zu einem Film über Barbie herangetreten ist, konnte sie wohl kaum ahnen, zu welch großem Erfolg das führen wird (Robbie war wiederum die Wunschkandidatin von Mattel). Greta Gerwig hat gemeinsam mit Noah Baumbach alles, was möglich war, aus der Marke Barbie herausgeholt. Dass dies sogar zu Kontroversen geführt hat, verwundert. Der Erfolg gibt ihnen Recht. Barbie ist sowohl eine künstlerische als auch eine kommerzielle Meisterleistung.

    Darum geht es

    Als die stereotypische Barbie (Margot Robbie) eines Morgens mit Todesgedanken aufwacht, kommt ihr der täglich wiederkehrende Rhythmus aus Party mit den anderen Barbies und Beachtime mit den Kens im rosafarbigen Barbieland auf einmal sehr seltsam vor. Irgendetwas stimmt da nicht. Mit Ken (Ryan Gosling) als blinden Passagier begibt sie sich auf eine Reise in dir reale Welt, um ihre Besitzerin (Ariana Greenblatt, America Ferrara) zu finden. Hier scheint alles auf dem Kopf zu stehen. Ken findet sofort Gefallen an seinem neuen Status als Mann und Barbie traut ihren Augen nicht, als sie in der Chefetage von Mattel erkennen muss, wer hier das Sagen hat.

    Ken und Barbie in einem Cabrio. Ken sitzt auf der Rückbank und hält ein Paar gelbe Rollerskates hoch. Im Hintergrund ist ein Regenbogen und der Schriftzug "Barbieland" zu sehen.
    Ryan Gosling und Margot Robbie in BARBIE (Greta Gerwig, USA 2023)

    Kommentar

    Manchmal könnte man meinen, es wurde schon alles gesagt, gerade wenn es um einen Sommerblockbuster geht. Im nächsten Moment sitzt man im Kino mit lauter Mädchen im Volksschulalter. Interessanterweise ist der Film bei uns tatsächlich ab 6 Jahren freigegeben. In den USA hat Barbie ein PG-13 Rating, was schon eher zutreffend ist. Wieso fällt die Beurteilung so sehr unterschiedlich aus? Jedenfalls hat man es in den USA besser getroffen. Bei uns sitzen nun Kinder im Kinosaal, die kaum etwas von der Handlung mitbekommen und sich bald langweilen. Barbie ist nämlich kein Kinderfilm und wie man das anders sehen kann ist mehr als rätselhaft.

    Greta Gerwig und Noah Baumbach ist es gelungen, auf Basis eines Spielzeugs, das seit Jahrzehnten warum auch immer fortlaufend für Kontroversen sorgt, eine Geschichte zu erzählen, die nicht nur außerordentlich unterhaltsam ist, sondern noch dazu tiefgründig. Anhand von Barbie und Ken werden Geschlechterrollen hinterfragt. Sowohl in der Spielzeugwelt, als auch unserer realen Welt. Das gelingt ziemlich gut, vor allem, wenn man bedenkt, dass man es mit einem starbesetzten Sommerfilm aus Hollywood zu tun hat.

    Wenn in ihrem Segment erfolgreiche RegisseurInnen den Sprung vom Arthousekino in den Mainstream gewagt hatten, ist das meist schief gegangen. Zu sehr hat man sich den vorgegebenen Mustern des Marktes unterworfen. Bei Gerwig und Baumbach ist das nun keineswegs der Fall. Sie schaffen die Gratwanderung zwischen Kunst und Kommerz. Ganz klar: Barbie ist eine legendäre und mächtige Marke. So ist es unumgänglich, dass so ein Film von klassischen Marketinginstrumenten begleitet wird. Mattel, die dritte Größe in dieser Produktion, überläßt da sicher nichts dem Zufall. Trotzdem hat der Konzern zugelassen, dass Barbie durchaus kritische Töne anschlägt und beweist, dass man(n) über sich selbst lachen kann. Ein Aspekt, der von manchen offenbar komplett ausgeblendet wird, sieht man sich Kommentare zum Film an.

    Darüber hinaus ist Barbie aber auch ein Genuss für Augen und Ohren. Setdesign, Ausstattung und Kostüme sind großartig. Man kommt aus dem Schauen nicht mehr hinaus. Manche meinen, Ryan Gosling stiehlt Margot Robbie gar die Show. Mag sein, dass sein Charakter spannender erscheint und für mehr Lacher sorgt. Zumindest einmal hat Ken den Film fest in der Hand: Mit „I’m Just Ken“ hat er eine fulminant inszenierte Gesangsnummer im Style der 1980er Jahre, die durchaus Chancen auf Berücksichtigung bei den Oscars haben wird. Kaum vorstellbar, dass man sich diesen Auftritt bei der Verleihung entgehen lässt.

    All jenen, die bei Barbie reflexartig die Flucht ergreifen wollen, sei gesagt: Barbie ist eine bissige Satire, die gut unterhält und auf jeden Fall einen Kinobesuch wert ist. Kinder unter 12 Jahren sollte man aber besser zu Hause lassen.

    Barbie
    Komödie, USA 2023
    Regie Greta Gerwig
    Drehbuch Greta Gerwig, Noah Baumbach
    Kamera Rodrigo Pietro
    Schnitt Nick Houy
    Musik Mark Ronson, Andrew Wyatt
    Mit Margot Robbie, Ryan Gosling, America Ferrara, Michael Cera, Will Ferrell
    Länge 114 Min.
    Im Kino


    NEUESTE BEITRÄGE VON THE REEL THERAPIST


    2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024 2025 2026 Aktuelles Amazon Disney Feature Filme Filmfestival Filmkitik Filmkritik Kino aus Österreich Kommentar Netflix Oscar Radar Oscars Review Streaming Viennale Vorschau

  • ASTEROID CITY ★★★ ½

    ASTEROID CITY ★★★ ½

    Wo Wes Anderson drauf steht, da ist Wes Anderson drinnen. Asteroid City erzählt von einer Wüstenstadt in den 1950er Jahren, in der sich alles um den Weltraum dreht und in der wie gewohnt allerhand Schräge Charaktere aufeinandertreffen. Die Liste der Mitwirkenden mit großen Namen ist lang. So lang, dass sie am Anfang im Schnelldurchlauf über die Leinwand gejagt werden. Also riefe jemand: „Schaut, alle wollen mitspielen.“

    Darum geht es

    Asteroid City, eine US-amerikanische Wüstenstadt mit 87 EinwohnerInnen. Namensgeber ist ein vor tausenden Jahren eingeschlagener Meteorit, der einen riesigen Krater hinterließ. Dieser lockt nicht nur Weltraumafine Menschen an, sondern ist auch der Anlass für einen jährlich stattfindenden Kongress, bei dem jugendliche ErfinderInnen ausgezeichnet werden.

    Just während des Kongresses kommt es jedoch zu einem Zwischenfall, der die Armee auf den Plan ruft und die den ganzen Ort unter Quarantäne stellt. Betroffen sind unter anderen der Kriegsfotograf Aguie Steenbeck (Jason Schwartzman), seine vier Kinder und sein Schwiegervater Stanley Zak (Tom Hanks), die Schauspielerin Midge Campbell (Scarlett Johansson), die Astronomin Dr. Hickenlooper (Tilda Swinton) und der Country Sänger Montana (Rupert Friend).

    Asteroid City (Wes Anderson, USA 2023)

    Kommentar

    Im Grunde täte es mit leichten Abänderungen auch der Kommentar zu Wes Anderson letzten Film The French Dispatch. Die Bilder sind von einer seltenen Perfektion und es ist immer noch ein Vergnügen, in diese artifiziellen Welten einzutauchen. Neu ist diesmal eine Rahmenhandlung (in Schwarzweiß). Die Geschichte ist ein Film im Film und alles sieht hier nach Kulisse aus. Sogar die Berge in weiter Ferne.

    Woran es aber bei all der gewohnten skurrilen Art fehlt, ist, neben jeglicher Emotionalität, der Humor. Es gibt sehr wohl komische Momente aber gemessen an den Möglichkeiten fallen sie bescheiden aus. In Asteroid City ist nicht nur der Boden viel zu trocken. Wes Anderson Fan werden nicht enttäuscht sein. Sie bekommen 1A Ausstattungskino, das zudem weitaus leichter zugänglich ist als der Vorgänger.

    Andere werden aber bei Jacques Tati besser ihr Auskommen finden. Beide haben einen unverwechselbaren visuellen Stil entwickelt. Während Tati jedoch auf Dialoge verzichtete und Umgebungsgeräusche in den Vordergrund rückten, werden wir bei Anderson zugetextet, sodass es zeitweise Mühe kostet, nicht den Faden zu verlieren. Es ist wohl kein Zufall: Im Wiener Gartenbaukino ist gerade Tatis Gesamtwerk zu sehen und zwischendurch auch der aktuelle Film von Wes Anderson. Sehenswert? Ja. Muss man aber alle Filme gesehen haben? Eher ein, weil viel Neues gibt es nicht zu entdecken und es fehlt etwas der Biss.

    ASTEROID CITY
    Drama, USA 2022
    Regie Wes Anderson
    Drehbuch Wes Anderson, Roman Coppola
    Kamera Robert D. Yeaoman
    Schnitt Barney Pilling
    Musik Alexandre Desplat
    Mit Jason Schwartzman, Scarlett Johansson, Tom Hanks, Jeffery Wright, Tilda Swinton, Adrian Brody, Bryan Cranston, uvm.
    Länge 106 Min.


    NEUESTE BEITRÄGE VON THE REEL THERAPIST


    2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024 2025 2026 Aktuelles Amazon Disney Feature Filme Filmfestival Filmkitik Filmkritik Kino aus Österreich Kommentar Netflix Oscar Radar Oscars Review Streaming Viennale Vorschau

  • TÁR ★★★★★

    TÁR ★★★★★

    Ganze 16 Jahre nach seiner letzten Regiearbeit bringt uns Schauspieler und Regisseur Todd Field (Little Children, 2006) sein neuestes Werk, zu dem er neuerlich das Drehbuch verfasst hat: die fiktive Künstlerbiographie Tár wird gefeiert und steht gleichzeitig in der Kritik, wegen ihrer weiblichen Perspektive auf das Dirigat im Kontext von Machtmissbrauch. Es dürfte am Ende aber eine großer Erfolg werden für Field und seine Hauptdarstellerin Cate Blanchett, die bereits als sichere Bank bei den diesjährigen Oscars gilt. In stolzen 158 Minuten – zur Abwechslung einmal keine zu viel – breitet sich vor uns ein audiovisuelles Kunstwerk aus. Was einen himmelschreiend prätentiösen Anfang nimmt, formiert sich zu einer Abwärtsspirale dem Abgrund entgegen. Genial hinein bis in das kleinste Soundschnipsel.

    Darum geht es

    Lydia Tár (Cate Blanchett) hat was drauf. Sie leitet ein Orchester in Berlin und der Film nimmt sich zuerst ausladend Zeit, um vor uns ihre beeindruckende Biografie auszubreiten. Tár befindet sich gerade mitten in den Proben zu Gustav Mahlers 5. Symphonie. Nebenbei geht sie einer Lehrtätigkeit nach, präsentiert ihre eigene Biografie und hat Personalentscheidungen zu treffen. Sie lebt mit der 1. Geigerin des Orchesters zusammen. Mit Sharon (Nina Hoss) hat sie eine gemeinsame Tochter.

    Ihren StudentInnen – wie auch ihrem gesamten Umfeld – tritt Tár herablassend gegenüber. Als sich eine andere Dirigentin das Leben nimmt, gerät Tár in den Verdacht, daran nicht ganz unschuldig zu sein. In diesem Spannungsfeld befindet sich neben ihrer Frau Sharon auch ihre persönliche Assistentin Francesca Lentini (Noémie Merlant). Als eine neue Stelle im Orchester zu besetzen ist, fällt die Wahl in einem blinden Vorspiel auf die junge Musikerin Olga Metinka (Sophie Kauer). Unruhe kommt ins Orchester und in das persönliche Umfeld von Tár. Nicht nur wegen ihres exzentrischen Auftretens, sondern auch weil sich die Anschuldigungen gegen sie verdichten. Sie soll ihre Machtposition gegenüber anderen MusikerInnen wiederholt ausgenutzt haben. Tár steht zusehends mit dem Rücken zur Wand, beteuert aber ihre Unschuld.

    Nina Hoss und Cate Blanchett liegen sich in den Armen.
    Nina Hoss und Cate Blanchett in Tár (Todd Field, USA 2022).

    Kommentar

    Österreich hat ihr vielleicht eine Sonderstellung. Selbst wenn man noch keinen unserer Konzertsäle von Innen gesehen hat, sind Namen wir Karajan oder Harnoncourt einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Den Goldenen Saal im Musikverein würden wohl auch viele erkennen können. Nicht zuletzt Dank der TV- Übertragungen des ORF. Unter anderem horrende Kartenpreise (wobei sich hier die U-Musik der E-Musik gerade mit großen Schritten annähert) schränken den Kreis jener, die sich – regelmäßig – der klassischen Livemusik hingeben doch stark ein.

    So entwickelt sich rund um ein großes Orchester zwangsläufig ein Mikrokosmos. Hier hat alles seinen Platz. Die hierarchisch strenge Ordnung erinnert an jene des Militärs. Es ist eine alles andere als demokratische Umgebung. Ihr steht eine Leitung vor, die sich gern Maestro nennen lässt, so wie auch Lydia Tár in Tár. Todd Fields Requiem nimmt auch hier seinen Anfang. Tár lässt sich in einem Künstlergespräch abfeiern. Die Biografie ist beeindruckend. Sie ist gebildet, philosophiert vor sich sich hin. Das Publikum lauscht gebannt. Wenn man derart angehimmelt wird und mitunter gut 100 MusikerInnen unter sich hat, ist der Machtrausch auch nicht mehr weit.

    Time is the essential piece of interpretation.

    Lydia Tár in Tár.

    Bei Lydia Társ Probenarbeit, die sich durch den gesamten Film zieht, kann man das gut erkennen. Ebenso bei ihrer Lehrtätigkeit oder in den privaten vier Wänden. Der Umgangston ist, sagen wir mal so, bestimmend. Im Wohnzimmer, sowie im Schulhof. Reale Vorbilder, bei denen Machtmissbrauch oder sexueller Missbrauch im Spiel waren, sind bekannt. Regisseur Field stellt in seine fiktiven Biografie nun eine Frau ans Dirigentenpult. Das hat ihm Kritik eingebracht, nicht zuletzt von Marin Alsop, der Chefdirigentin des ORF Radio-Symphonieorchesters (hier).

    Nun ist dem der fulminante Erfolg Cate Blanchetts gegenüberzustellen. Getragen von einer nahezu unerträglichen Präpotenz verkörpert sie Tár mit einer derartigen Intensität, dass an ihr in diesem Jahr kein Weg vorbeiführt. Um sie herum hat Todd Field Räume gebaut, die sich nahtlos in die Gefühlswelt von Tár und die Musik von Mahler, Guðnadóttir und Elgar einfügen. Kalt und meist grau und düster sind sie und man wird kaum einen wohligen Ort finden können. Die Musik wird ergänzt durch Geräusche, die Tár zusehends als Störung empfindet und sie mehr und mehr paranoid werden lassen. Von der ersten bis zur letzten Szene ist es ein kontinuierlicher Abstieg, der uns in das Innerste der Protagonistin blicken lässt. Es wurde an andere Stelle schon mehrfach erwähnt, dass hier Erinnerungen an Michael Haneke wach werden. Das kann man nicht anders als ein Kompliment auffassen.

    Was da in der letzten Szene genau abgeht, hat sich mir nicht sofort bis ins Detail erschlossen. Geschenkt, kann man nachlesen. Es gibt hier auch einen Interpretationsspielraum. Befinden wir uns hier bereit im Kopf von Tár und haben die Realität längst verlassen? Vielleicht ist es auch nicht wichtig. Die Aussage ist klar. Sie ist vernichtend für Lydia Tár.

    Tár
    Drama, USA 2022
    Regie Todd Field
    Drehbuch Todd Field
    Kamera Florian Hoffmeister
    Schnitt Monika Willi
    Musik Hildur Guðnadóttir
    Mit Cate Blanchett, Nina Hoss
    Länge 158 Min.


    NEUESTE BEITRÄGE VON THE REEL THERAPIST


    2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024 2025 2026 Aktuelles Amazon Disney Feature Filme Filmfestival Filmkitik Filmkritik Kino aus Österreich Kommentar Netflix Oscar Radar Oscars Review Streaming Viennale Vorschau

  • AFTERSUN ★★★★★

    AFTERSUN ★★★★★

    Das Spielfilmdebüt von Charlotte Wells zählt zu den großen Überraschungen des Jahres. Im Zentrum steht die Beziehung der 11-Jährigen Sophie zu ihrem Vater, an den sie sich Jahre später als junge Frau zurückerinnert. Von der Fachzeitschrift Sight and Sound wurde Aftersun zum Film des Jahres 2022 gewählt. Für The Reel Therapist ist auf jeden Fall ebenso ein Platz an der Spitze sicher.

    Darum geht es

    Die 11-Jährige Sophie verbringt mit ihrem 30-Jährigen Vater Calum einen Sommerurlaub in einem türkischen Resort. Normalerweise lebt sie bei ihrer Mutter. Die Eltern sind getrennt. Die Beiden haben ein sehr gutes Verhältnis zueinander. Als Mädchen beginnt sie sich erstmals für Jungen zu interessieren und versucht Kontakt zu anderen Jugendlichen in der Hotelanlage aufzunehmen. Trotzdem merkt Sophie, dass ihr Vater zeitweise auf Distanz geht oder abwesend ist. So richtig begreifen kann sie das aber alles erst, als sie sich als erwachsene junge Frau das Urlaubsvideo von damals ansieht.

    Aftersun (Charlotte Wells, 2022)

    Kommentar

    Charlotte Wells‘ Spielfilmdebut mit den zwei herausragenden Darstellerin Paul Mescal und der Newcomerin Francesca Corio spielt auf mehreren Ebenen mit Erinnerungen und wie sich diese im Laufe der Zeit verändern und den unterschiedlichen Perspektiven auf die Vergangenheit und das Medium Film selbst.

    Da wäre zum einen die knapp 10-jährige Sophie, die einen Urlaub mit ihrem Vater verbringt. Kein Kind steckt eine Trennung leicht weg. Sie genießt die gemeinsame Zeit am Meer. Die Chemie zwischen den beiden stimmt und umso enger ist ihre Beziehung. Sophie ist Beobachterin. Nicht alles was sie sieht und erlebt, kann sie auch richtig deuten. Ein Urlaubsvideo dient ihr in Aftersun dazu, Jahrzehnte später die Erinnerungen aufzufrischen. Während vor allem Fotos unsere Erinnerungen selektiv beeinflussen, dient das Video Sophie dazu, Gesten und Kommentare ihres Vaters im Nachhinein anders zu deuten. Manches versteht sie jetzt besser über ihren Vater, der offenbar nicht mehr in ihrem Leben ist (Wells lässt einiges an Interpretationsspielraum offen, es gibt aber da und dort mehr oder weniger klare Indizien).

    Dann gibt es noch uns selbst, das Publikum. Unsere Perspektive ist noch am ehesten mit jener der 30-jährigen Sophie vergleichbar. Die Geschichte wird aus der Perspektive von Sophie erzählt und trotzdem nehmen wir die Rolle von Beobachtern von Außen ein. Das macht Aftersun zu einem spannenden Puzzle aus Emotionen und Erinnerungen.

    Durch alltägliche Banalitäten (gibt es so etwas überhaupt?) und die Homevideo Sequenzen, die freilich auch einen sichtbaren Einfluss auf die Optik des Films haben, erreicht Wells einen hohen Grad an Authentizität. Es ist ein entspannter und unaufgeregter Urlaub. Genauso wie die darstellerischen Leistungen es sind. Mescal und Corio, unter der cleveren Regie von Wells, machen Aftersun zu einem erinnerungswürdigen Film und einem der Besten des Jahres.


    Aftersun
    Drama, UK/USA 2022


    Regie Charlotte Wells
    Drehbuch Charlotte Wells
    Kamera Gregory Oke
    Schnitt Blair McClendon
    Musik Oliver Coates
    Mit Paul Mescal, Francesca Corio
    Länge 101 Min.
    Streaming Mubi


    NEUESTE BEITRÄGE VON THE REEL THERAPIST


    2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024 2025 2026 Aktuelles Amazon Disney Feature Filme Filmfestival Filmkitik Filmkritik Kino aus Österreich Kommentar Netflix Oscar Radar Oscars Review Streaming Viennale Vorschau

  • THE BANSHEES OF INISHERIN ★★★★★

    THE BANSHEES OF INISHERIN ★★★★★

    Regisseur und Drehbuchautor Martin McDonagh (Brügge sehen und sterben, Three Billboards Outside Ebbing, Missouri) bringt neuerlich Colin Farrell und Brendan Gleeson gemeinsam auf die Leinwand. In dieser melancholischen und gleichzeitig witzigen Tragikomödie geht es um eine innige Männerfreundschaft im Irland der 1920er Jahre, die schon in die Brüche gegangen ist, bevor die Geschichte überhaupt beginnt. The Banshees of Inisherin ist einer der schönsten Filme des Jahres und heißer Kandidat bei den Oscars 2023.

    Darum geht es

    Eine Irische Insel 1923. Pádraic (Colin Farrell) ist auf dem Weg, seinen besten Freund Colm (Brendan Gleeson) zum alltäglichen Pubbesuch abzuholen. Doch Colm öffnet ihm nicht. Pádraic ist irritiert. Seine Schwester Siobhán (Kerry Condon) meint lapidar: “Perhaps he just doesn’t like you no more” und niemand ahnt wie recht sie damit hat. Der Violinspieler Colm hat beschlossen, Abstand zu nehmen von Pádraic und seinen einfältigen Gesprächen. Er möchte sich auf das Komponieren konzentrieren. Die Zeit sei zu kostbar.

    Sein ehemaliger Freund nimmt das aber nicht so einfach hin. Doch Colm meint es ernst, sehr ernst und droht zu drastischen Mitteln zu greifen. In der Zwischenzeit macht sich Dominic (Barry Keoghan) Hoffnungen, bei Siobhán zu landen. Er versucht vor seinem brutalen Vater loszukommen. Doch Siobhán hat die langweilige Insel und alle ihre Bewohner längst satt und möchte nur weg. Pádraic versteht das alles nicht und merkt in seiner unbekümmerten Art nicht, wie er auf eine große Katastrophe zusteuert.

    Brendan Gleeson und Colin Farrell in THE BANSHEES OF INISHERIN. Photo by Jonathan Hession. Courtesy of Searchlight Pictures. © 2022 20th Century Studios All Rights Reserved. (The Banshees of Inisherin, Martin McDonagh, Großbritannien/Irland/USA 2022)

    Kommentar

    Etwa im 5-Jahres Rhythmus bringt Martin McDonagh Filme heraus, die auf die ein oder andre Art auf Festivals und bei Preisverleihungen für Aufsehen sorgen. Nun ist es ihm mit seinem Originaldrehbuch neuerlich gelungen, dass man an The Banshees of Inisherin in diesem Jahr wohl kaum vorbei kommt. Vor der pittoresken Kulisse der fiktiven irischen Insel Inisherin entfaltet sich ein Drama um zwei Männer, das voll Melancholie und Witz ist. Getragen wir es von einem virtuosen Ensemble, angeführt von Gleeson und Farrell, der eine der besten Leistungen seiner Karriere bietet und dafür in Venedig ausgezeichnet wurde. Obwohl die beiden Männer im Zentrum der Geschichte stehen, läßt das Drehbuch noch genügend Zeit für Kerry Condon (Siobhán) und ihre Träume für eine bessere Zukunft. Barry Keoghan als Dominik stiehlt den anderen in einer Nebenrolle fast die Show.

    „I just don’t like you no more.“

    Colm Doherty zu seinem ehemals besten Freund. „The Bahnsees of Inisherin“ (Martin McDonagh, 2022)

    Eine weitere Hauptdarstellerin ist von der ersten Szene an die irische Landschaft, wie flämische Gemälde von Kameramann Ben Davies in Szene gesetzt, genauso wie die Interieurs. Unwiderstehlich schön und in all ihrer Kargheit voller Mystik, so wie der Filmtitel. Mit den Charakteren befindet sie sich in einem direkten Dialog. Erst durch die Umgebung können sich die Schrulligkeiten der – mit ihrem Dialekt schwer verständlichen – Inselbewohner richtig entfalten. Oder sie macht, wie für Siobhán, das Leben hier unerträglich.

    Colm ist nicht von Hass getrieben, sobald Pádraic in Not ist, ist er zur Stelle. Es ist vielmehr die Angst vor dem Vergessen werden, die dem melancholischen Charakter innewohnt. Was bleibt ist für ihn die Musik und keine belanglosen Gespräche über Esel. Er spürt, dass ihm nicht mehr viel Zeit bleibt. Die Insel ist für sein kreatives Schaffen gerade der richtige Ort. Die Menschen hier sind aber nicht die richtigen Wegbegleiter für ihn.

    Selten haben Tragik und Komik so harmonisch zueinander gefunden. The Banshees of Inisherin ist urkomisch, makaber, herzzerreißend und von einer tiefgreifenden Menschlichkeit. Ein großer Erfolg auf allen Linien. Für mich der Film des Jahres 2022.

    Diese Filmkritik wurde im Rahmen der Viennale (20. Oktober – 1. November 2022) verfasst.


    THE BANSHEES OF INISHERIN
    Drama, IRE/UK/USA 2022

    Regie Martin McDonagh
    Drehbuch Martin McDonagh
    Kamera Ben Davies
    Schnitt Mikkel E. G. Nielson
    Musik Carter Burwell
    Mit Colin Ferrell, Brendan Gleeson, Kerry Condon, Barry Keoghan
    Im Kino


    NEUESTE BEITRÄGE VON THE REEL THERAPIST


    2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024 2025 2026 Aktuelles Amazon Disney Feature Filme Filmfestival Filmkitik Filmkritik Kino aus Österreich Kommentar Netflix Oscar Radar Oscars Review Streaming Viennale Vorschau

  • GLASS ONION: A KNIVES OUT MYSTERY ★★★★

    GLASS ONION: A KNIVES OUT MYSTERY ★★★★

    Jetzt verfügbar bei

    Im Abo

    Drei Jahre nach dem Überraschungserfolg Knives Out – Mord ist Familiensache bringt uns Regisseur und Drehbuchautor Rian Johnson mit Glas Onion: A Knives Out Mystery den nächsten Fall für Meisterdetektiv Benoit Blanc. Diesmal direkt ins Wohnzimmer, da der Film bei uns ausschließlich über Netflix vertrieben wird. Letzten Endes eine Entscheidung des Regisseurs, was schade ist, denn die mehr als gelungene Fortsetzung – die im eigentlichen Sinn gar keine ist – hätte sich die große Leinwand verdient.

    Darum geht es

    Der Milliardär Mike Bron (Edward Norton) lädt alljährliche eine Runde an Freunden aus Jugendtagen zu einem gemeinsamen Wochenende ein. In diesem Jahr beordert er sie auf eine abgelegene Insel. Auf dem eigenwilligen Anwesen kündigt er an, dass er seinen eigenen Mord als Spiel inszenieren wird und seine Gäste das Wochenende über Zeit haben, den Mörder zu ermitteln.

    Da wären Cassandra „Andi“ Brand (Janelle Monáe), die ihr Geschäftspartner Bron vor kurzem um die Anteile an der gemeinsamen Firma gebracht hatte, Duke Cody (Dave Bautista), ein Twitch Celebrity, Birdie Jay (Kate Hudson), Model und Modedesignerin, Claire Debella (Kathryn Hahn), eine Politikerin und der Wissenschaftler Lionel Toussaint (Leslie Odom Jr.).

    Aber was macht Meisterdetektiv Benoit Blanc auf der Insel? Wer hat ihn eingeladen? Nach und nach stellen sich immer mehr Fragen. Gleichzeitig wird das Verhältnis der Gäste untereinander und zu deren Gastgeber immer klarer. Es ist alles andere als harmonisch. Auch dieses Wochenende nicht, an dem rein gar nichts nach Plan verlaufen wird.

    Glass Onion: A Knives Out Mystery (2022). Daniel Craig als Detective Benoit Blanc. Cr. John Wilson/Netflix © 2022.

    Kommentar

    Ein neuer Fall für Benoit Blanc. Neue Charaktere und eine neue Geschichte machen Glass Onion zu einem eigenständigen Film. Rian Johnson verlässt das klassische Setting des Vorgängers und verpflanzt die Handlung auf das Anwesen eines exzentrischen Milliardärs, dessen Gebaren durchaus Parallelen zu Elon Musk aufzeigt (hier wurde der Film regelrecht von der Realität eingeholt). Von Anfang an mutet hier alles wie ein Spiel an aber dabei bleibt es natürlich nicht.

    Neuerlich bestechen das Setdesign und die ausgefallenen Kostüme. Blanc wird noch zur Stilikone werden. Aber auch seine Mitstreiter sind alle nicht weniger ausgefallen gekleidet. Auch die Villa hat einige Schauwerte zu bieten. Das was den Film darüber hinaus im Detail aber eigentlich ausmacht, wird es hier nicht zu lesen geben. Johnson hat sein Drehbuch neuerlich perfekt getimt und es funktioniert wie ein Uhrwerk. Dort und da gibt es Hinweise, die sich erst im Nachhinein also hilfreich erweisen, wenn sie überhaupt aufgefallen sind. Ungewöhnlich ist der dramaturgische Aufbau. Zuerst steuert alles auf einen vermeintlichen Höhepunkt zu, der wie eine Seifenblase zerplatzt. Dann kommt ein halbstündiger Einschub in Form einer Rückblende, die noch einmal alles auf den Kopf stellt.

    It’s a dangerous thing to mistake speaking without thought for speaking the truth.

    Benoit Blanc in „Glas Onion: A Knives Out Mystery“

    Wie schon im Vorgänger appelliert Johnson an unser soziales Gewissen und prangert hier aufgeblasene Internetphänomene an, hinter denen rein gar nichts steckt außer Selbstdarstellung und großes Business. Nach Idealen wird man unter den Gästen lange suchen müssen. Einzig die Angst vor dem Statusverlust verursacht so etwas wie Emotionen. Ein großes Geschäft steckt auch hinter der Produktion selbst. Die Kosten sind regelrecht explodiert. Ebenso die Gagen für Johnson und Craig. Netflix war die Geschichte die teuerste Streamingproduktion überhaupt wert. Andere drehen um dieses Budget eine ganze Phantasy-Serie. Vor diesem Hintergrund ist Glass Onion nicht frei von Ironie.

    Glass Onion bietet beste Unterhaltung und ist trotz der Länge kurzweilig. Es ist gerade so, dass man immer wieder auf neue Wendungen hofft. Vor allem der witzige Daniel Craig (mit großartigem Dialekt, hat sichtlich großen Spass an der Rolle) und die geheimnisvolle Janelle Monáe tragen den Film. Ganz so stark ist das Ensemble diesmal sonst leider nicht. Der Titel ist einem Song der Beatles entlehnt (im Liedtext beklagt sich John Lennon darüber, dass die Texte der Beatles viel zu ernst genommen werden und sich weit weniger dahinter versteckt, als allgemein angenommen wird) und er verrät es schon: die Abgründe werden hier Schicht für Schicht enthüllt. Allerdings ist das Ergebnis im Kern diesmal weit weniger zufriedenstellend und hier sind wir wieder bei Lennon. Die finale Auflösung will dann nicht so ganz zünden. Es liegt wohl auch an der Zusammensetzung der Gruppe, dass man nicht der Lösung entgegenfiebert, so wie in Knives Out. Es ist irgendwann auch schon egal, wer hier nun der Bösewicht ist. Dadurch verliert alles etwas an Intensität.

    Trotzdem: es ist ein kluger großer Spaß. Rian Johnson spielt mit unseren Erwartungshaltungen und nebenbei liefert das Drehbuch gleich eine ganze Menge erinnerungswürdiger Zitate. Teil 3 ist schon auf Schiene. Benoit Blanc kehrt zurück. Das ist sicher. Wir sind gerne mit an Board.


    Glass Onion: A Knives Out Mystery
    Drama, USA 2022

    Regie Rian Johnson
    Drehbuch Rain Johnson
    Kamera Steve Yedlin
    Schnitt Bob Ducsay
    Musik Nathan Johnson
    Mit Daniel Craig, Janelle Monáe, Edward Norton, Dave Bautista, Kate Hudson, Leslie Odom Jr., Kathryn Hahn
    Streamingplattform Netflix


    NEUESTE BEITRÄGE VON THE REEL THERAPIST


    2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024 2025 2026 Aktuelles Amazon Disney Feature Filme Filmfestival Filmkitik Filmkritik Kino aus Österreich Kommentar Netflix Oscar Radar Oscars Review Streaming Viennale Vorschau

  • AVATAR: THE WAY OF WATER ★★★½

    AVATAR: THE WAY OF WATER ★★★½

    Mit nur 9 Filmen in 40 Jahren hat sich James Cameron den Ruf erarbeitet, mit Produktionen, die technisch immer auf der Höhe der Zeit waren, das Publikum immer aufs Neue in Staunen zu versetzen. Er machte Arnold Schwarzenegger mit Terminator zum Weltstar. Bereits in den späten 1980ern setzte Cameron in The Abyss die Morphing-Technik ein. Als James Bond in einer Krise steckte, schuf er mit True Lies in den 1990ern den besseren Agentenfilm. In Titanic machte er sich digitale Effekte zu nutze, ohne dass sie tatsächlich sichtbar waren. Es wurde der erfolgreichste Film aller Zeiten. In Avatar schuf er vor 13 Jahren nie gesehene digitale Bildwelten. Cameron ist einer, der sich selbst immer auf Neue übertrumpft. Gelingt ihm dies mit Avatar: The Way Of Water nun neuerlich?

    Darum geht es

    Mehr als eine Dekade nach der Invasion der Erdbewohner auf Pandora, schließt die Handlung an Teil 1 an. Jake Sully (Sam Worthington) lebt mit Neytiri (Zoe Saldaña) mit dem Volk der Omaticaya. Zu ihrer Familie gehören die Söhne Neteyam (James Flatters) und Lo’ak (Britain Dalton), ihre Tochter Tuk (Trinity Jo-Li Bliss), die Adoptivtochter Kiri (Tochter von Grace Augustine, beide Sigourney Weaver) und der Menschenjunge Spider (Sohn von Antagonist Colonel Miles Quaritch, Stephen Lang).

    Als die Menschen auf Pandora zurückkehren, haben sie Na’vi Avatare mit dabei, denen die Erinnerung von gefallenen Soldaten eingepflanzt wurden. Jake startet einen Sabotageangriff. Dabei bringt er seine ganze Familie in Gefahr und sie fliehen zum Volk der Metkayina, die ein Riff bewohnen und in enger Symbiose mit dem Meer und dessen Bewohner leben. Kulturelle Unterschiede führen immer wieder zu Spannungen.

    Unter den Menschen befindet sich ein Avatar mit den Erinnerungen von Colonel Miles Quaritch. Er sehnt sich nach Rache an Jake und macht sich daran, ihn auf Pandora aufzuspüren. Bald sind die friedlichen Meeresbewohner in Gefahr.

    Die Unterwasserwelten sind das Herzstück von Avatar: The Way Of Water (© 2022 20th Century Studio).

    Kommentar

    In den vergangenen Jahrzehnten gab es für mich vor allem zwei prägende Filmerfahrungen im Blockbusterkino: Titanic 1997 und Avatar 2009. Die Maschinenräume des Ersteren rumorten noch lange in meinem Kopf. James Cameron verband Herzschmerz mit technischer Perfektion. Das Jahrhundertschiff sollte ihn noch viele Jahre beschäftigen. Zahlreiche Forschungsreisen folgten, dann auch Dokumentationen. Um seine nächste Vision zu verwirklichen musste er nämlich noch einige Jahre warten. Auf dem Höhepunkt der 3D Technik zeigte Cameron am Ende der Nullerjahre eine nie dagewesene Bilderwelt und erschuf Pandora, seine Vorstellung von einem perfekten Planeten, auf dem die Bewohner mit der Natur in Einklang leben, bis sie von den Menschen gestört werden, die den Planeten ausbeuten wollen.

    The way of water has no beginning and no end.

    Avatar: The Way Of Water (2022)

    In den folgenden Jahren hat sich James Cameron ganz dem Projekt Avatar verschrieben und wie es aussieht hat er das auch noch viele Jahre vor. Die Ankündigung der Fortsetzung wurde zum Running Gag. Immer wieder kam es zu Verschiebungen und das seit mehr als 5 Jahren. Gerade als die Maschinen der Filmindustrie wieder volle Fahrt aufgenommen hatten, war es dann soweit. Das Herzstück der 192 Minuten langen Fortsetzung sind die Unterwasserwelten. Es ist gerade die Stunde in der Mitte, in der das Special-Effects-Department (und man muss es an dieser Stelle deutlich sagen: Für Avatar gehört jenen alle Anerkennung, die im Hintergrund an der Umsetzung gearbeitet haben) über sich hinauswächst.

    Licht, Oberflächen und das Wasser sehen sensationell aus. Hyperreaslistisch ist das aber nur zum Teil. Pandora wirkt mitunter wie eine Welt aus Plastikspielzeug. Stephen Spielberg hatte schon in Jurassic Park die Schwierigkeit die Täuschung von der Schwere seiner Dinosaurier zu erzeugen. Dieses Problem gibt es zumindest zum Teil immer noch. Gar nicht unseren Sehgewohnheiten entspricht der allgemeine Look des Films. Cameron wagte sich neuerlich an das 48fps Verfahren (also die doppelte Bildfrequenz pro Sekunde). Bereits Peter Jackson tat dies mit seinem Hobbit und war mäßig erfolgreich. Die enorme Schärfe der Bilder ist gewöhnungsbedürftig. Jeglicher filmische Flair geht so verloren. Die Optik erinnert fast an früherer TV Filme, in denen immer alles gestochen scharf war (wenn auch natürlich bei weitem nicht in dieser Qualität). Gut möglich, dass sich unsere Augen daran gewöhnen. Das hat schon beim katastrophalen Fernsehsignal für unsere hochauflösenden Flachbildschirme mehr schlecht als recht funktioniert. Die Perfektion geht hier auf Kosten der Emotion.

    Schon Teil 1 war ein Meilenstein der 3D-Technik, Cameron einer der wenigen, die wissen, wie man die Technik richtig einsetzt. Dem war aber schon damals nichts hinzuzufügen. Bei Avatar: Way Of The Water hat 3D keinen Mehrwert mehr. Die Brille von Dolby ist ein Ärgernis: unbequem und die Sicht einschränkend. Das Problem, dass die Brille die Projektion abdunkelt, hat man immer noch nicht im Griff. Anstrengend ist es über mehr als 3 Stunden außerdem. Jetzt fast ausschließlich 3D-Vorstellungen anzubieten und dem Publikum nicht einmal die Wahl zu lassen, ist unverschämt. Sowohl hinsichtlich des Kartenpreises, als vor allem auch gegenüber Menschen, die mit 3D gesundheitlich nicht zurecht kommen.

    Während des Sprungs des Tulkun in der Abendsonne im Nachspann hat ein Großteil des Publikums den Saal bereits verlassen. © 2022 20th Century Studios.

    Die meiste Kritik trifft wohl das Drehbuch (obwohl der Film gerade von führenden US-KritikerInnen euphorisch begrüßt wurde. Allgemein ist die Stimmung aber dann doch gedämpfter). Große Dialoge durfte man ohnehin nicht erwarten. Charakterentwicklungen Fehlanzeige. Es gibt allerhand Ungereimtheiten. Es war nie meine Art auf Fehlersuche zu gehen und die dann euphorisch zu vertweeten. Aber bei einem richtig guten Film sollte das nicht passieren.

    Ist Avatar 2 nun sehenswert? Ein eingeschränktes Ja hierfür. Wir müssen schon tief in die Geldbörse greifen. Es wird kolportiert, dass der Film mindestens 2 Milliarden US-Dollar einspielen muss, damit er sich rechnet (was gleichzeitig bedeutet, dass er einer der erfolgreichsten Filme überhaupt werden muss). Vermutlich wird es auch ein Testlauf dafür sein, was die Kinofans bereits sind für eine Karte auszugeben. Gerade im Blockbustersegment wird nicht mit Spiellängen und allerhand anderen Features für Zulagen gegeizt.

    James Cameron ist es neuerlich gelungen, dass wir in die Welt von Pandora buchstäblich eintauchen können. Das ist eine wunderbare Erfahrung, die man wenn auf jeden Fall im Kino erleben sollte. Der finale Akt ist eine Mischung aus Titanic und Aliens, wie überhaupt sehr viele Sequenzen an etwas erinnern, dass wir schon einmal irgendwo gesehen haben. Trotzdem ein solides actiongeladenes (vorläufiges) Ende. Davor zwei Stunden mit imposanten und rasanten Aufnahmen. Geheimnisse gibt es auf diesem Planeten aber nicht zu entdecken. Dafür hat die Fantasie (oder das Geld?) dann doch nicht ausgereicht. Der Wow-Effekt von 2009 wiederholt sich nur bedingt. Ein Spektakel allemal.

    AVATAR: THE WAY OF WATER
    Actionfilm, USA 2022

    Regie James Cameron
    Drehbuch James Cameron, Rick Jaffa, Amanda Silver
    Kamera Russel Carpenter
    Schnitt Stephen E. Rivkin, David Brenner, John Refoua, James Cameron
    Musik Simon Franglen
    Mit Sam Worthington, Sigourney Weaver, Zoe Saldaña, Stephen Lang, Kate Winslet
    Länge 192 Min.
    Im Kino (folglich Disney+)


    NEUESTE BEITRÄGE VON THE REEL THERAPIST


    2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024 2025 2026 Aktuelles Amazon Disney Feature Filme Filmfestival Filmkitik Filmkritik Kino aus Österreich Kommentar Netflix Oscar Radar Oscars Review Streaming Viennale Vorschau