Autor: Michael Holly

  • ENOLA HOLMES ★★★½

    ENOLA HOLMES ★★★½

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    In zahlreichen Film- und Fernsehadaptionen musste die Romanfigur Sherlock Holmes schon einiges über sich ergehen lassen. Vorläufiger Höhepunkt war aber die BBC-Serie Sherlock mit Benedict Cumberbatch und Martin Freeman. Seit 2006 ist die Welt des Meisterdetektives um eine Facette reicher. Die Autorin Nancy Springer borgte sich bekannte Charaktere aus der Baker Street und schuf die Figur Enola Holmes. Als kleine Schwester von Sherlock und Mycroft zeugt sie genauso von scharfem Verstand und durfte fortan knifflige Fälle lösen. In der filmischen Umsetzung brilliert nun Millie Bobby Brown (Stranger Things) neben Helena Bonham Carter und Henry Cavill. Es sieht so aus, als wäre dies der Beginn eines neuen Netflix-Franchise.

    Darum geht es

    Genau am 16. Geburtstag von Enola (Millie Bobby Brown) verschwindet deren Mutter (Helena Bonham Carter) plötzlich spurlos. Das Mädchen verständigt ihre beiden Brüder Sherlock (Henry Cavill) und Mycroft (Sam Claflin). Während Sherlock durchaus beeindruckt vom Auffassungsvermögen seiner kleinen Schwester ist, möchte Mycroft sie in ein Internat stecken, damit sie richtige Umgangsformen lernt. Die ungewöhnliche häusliche Erziehung der Mutter ist Mycroft ein Dorn im Auge.

    Enola entschließt sich zu fliehen und sich auf die Suche nach ihrer Mutter zu begeben. Diese hat nämlich Spuren hinterlassen. Auf der Flucht trifft sie auf den ebenfalls abgehauenen Viscount Tewkesbury (Louis Partridge). Als sie erfährt, dass dessen Leben in Gefahr ist, beschließt sie, die Suche nach der Mutter aufzuschieben und dem jungen Adeligen zu helfen.

    Bald muss Enola erkennen, dass sie etwas Großem auf der Spur ist und ihre Mutter einige Geheimnisse vor ihr hatte.

    Die Leidenschaft für Rätsel liegt in der Familie

    Kommentar

    Millie Bobby Brown ist hinreißend. Indem sie sich in ihrer Rolle mit verschmitzten Blick direkt an das Publikum wendet, können wir gar nicht anders, als mit ihr auf die Reise zu gehen. Enola Holmes erzählt vom erwachsen werden eines Mädchens, dass auf der Suche nach sich selbst ist und dabei von einem Abenteuer ins nächste stolpert. Aber nicht nur. Im Hintergrund werden die gesellschaftspolitischen Themen des ausgehenden 19. Jahrhunderts behandelt. Enola möchte nicht bloß brave Dekoration in der Gesellschaft sein, wie es der Plan ihres Bruders Mycroft ist.

    In Mary Poppins wird der Kampf um die Rechte der Frauen nur am Rande gesteift. Die Mutter von Jane und Michael ist im Kampf für das Frauenwahlrecht engagiert. In Enola Holmes spielt dieses Thema eine zentrale Rolle. Hier ist es ebenfalls die Mutter (großartig: Helena Bonham-Carter), die hier aber zu drastischen Mitteln greifen wird. Es ist eine spannende Kombination, die uns einen neuen Charakter präsentiert und ihn abseits von Jack the Ripper in ein historisches Setting einbettet.

    Die Rätsel um Kriminalfälle kommen aber vorerst noch zu kurz. Die Fortsetzung ist schon auf Schiene und es bleibt zu hoffen, dass Enola zukünftig mehr zu tun bekommt. Potential ist auf jeden Fall vorhanden.


    Enola Holmes

    Krimi, 2020
    Regie Harry Bradbeer
    Drehbuch Jack Thome
    Kamera Giles Nuttgens
    Schnitt Adam Bosman
    Musik Daniel Pemberton
    Mit Millie Bobby Brown, Helena Bonham Carter, Herny Cavill, Sam Claflin, Louis Partridge
    Länge 123 Min.
    Streamingplattform
    Netflix


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  • FIRST COW ★★★★½

    FIRST COW ★★★★½

    Im Kino

    und bei

    Im Abo ab. 9.Juli

    First Cat und First Dog kennen wir aus dem Weißen Haus. Die Ehre dieses Titels wird in Kelly Reichardts neuem Film einer Kuh zu Teil. First Cow reiht sich in das ungewöhnlich minimalistische Werk der Regisseurin ein und fordert die Geduld und die Bereitschaft des Publikums, sich auf ihre Geschichte einzulassen. Durch ein historisches Detail entfaltet sich hier die volle imaginäre Kraft des Kinos. Man muss genau hinhören und hinschauen und wird am Ende mit einer wunderbaren Erzählung belohnt werden.

    Darum geht es

    Der Koch Otis Figowitz (John Magaro), genannt Cookie, gelangt in den 1880er Jahren mit einer Gruppe Pelzjäger in das Oregon Territory. Dort trifft er auf den chinesischen Immigranten King-Lu (Orion Lee). Als der Grundbesitzer Chief Factor (Toby Jones) die erste Milchkuh in die Region bringt, starten die beiden damit, Schmalzgebäck auf dem Markt zu verkaufen. Mit großem Erfolg. Allerdings müssen sie sich eine wichtige Zutat des Nächtens auf illegalem Weg beschaffen. Der Schwindel droht bald aufzufliegen und setzt die beiden Freunde immer mehr unter Druck.

    King-Lu und Cookie in den Wäldern von Oregon.

    Kommentar

    Ende des 19. Jahrhunderts zogen viele Siedler in den USA Richtung Westen, um sich ein neues Leben aufzubauen. Das Oregon Territory war ein dünnbesiegeltes Gebiet in dem noch die Wildnis vorherrschte. Es war kein eigenständiger Bundesstaat und wurde von der Bundesregierung verwaltet. Zudem war es zwischen den Vereinigten Staaten und Großbritannien aufgeteilt. Während man in Großstädten wie New York bereits die Vorzüge der Industriellen Revolution genießen konnte, lebte man im Westen buchstäblich im Schlamm.

    Kelly Reichardt wirft einen Blick auf diese Pioniere, die in Holzhütten unter bescheidensten Verhältnissen hausten und auf der Suche nach dem großen Glück waren. First Cow basiert lose auf der Erzählung The Half Life von Jonathan Raymond, mit dem Reichardt gemeinsam ihre Drehbücher verfasst. Neben dem American Dream der Pioniere geht es hier um kapitalistische Strukturen. Im Zentrum steht eine Männerfreundschaft. Es gibt einen in der Gegenwart spielenden Prolog, der dies bereits andeutet.

    Das erste Aufeinandertreffen der Protagonisten steht unter keinem guten Stern und in einem klassischen Western, mit dem wir es hier nicht zu tun haben, dessen Elemente Reichardt aber aufgreift, würde die Geschichte schon hier einen anderen Verlauf nehmen. Es folgt aber ein Zeitsprung nach dem Cookie und King-Lu bereits Freunde sind. Ihre Lebensumstände erlauben es ihnen nicht, sich zurückzulehnen. Mit allen Mitteln muss versucht werden, sich durchs Leben zu schlagen. Wer eine gute Idee hat, den belohnen die Kräfte des Marktes.

    Mag sein, dass First Cow manche gelangweilt oder frustriert zurücklässt. In der Ruhe und Einfachheit der Inszenierung liegt aber ihre große Kraft und Schönheit. Eine Geschichte über frühes Unternehmertum, Betrug, Freundschaft und große Träume. Es ist eine Parabel über den Kapitalismus, in dem man den anderen immer einen Schritt voraus sein muss um Erfolg zu haben und dabei nicht ganz ohne Gaunerei auskommt. Cookie und King-Lu träumen davon, ein Hotel in San Francisco zu eröffnen. Wo wären wir heute, wenn es nicht immer Menschen gegeben hätte, mit solch großen Zielen vor Augen?

    First Cow

    Drama, USA 2019
    Regie
    Kelly Reichardt
    Drehbuch Jonathan Raymond, Kelly Reichardt
    Kamera Christopher Blauvelt
    Schnitt Kelly Reichardt
    Musik William Tyler
    Mit John Magaro, Orion Lee
    Länge 121 Min.
    Streamingplattform Mubi


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  • LUCA ★★★½

    LUCA ★★★½

    Für all jene, die längst das Fernweh gepackt hat und sich nach Sonne, Strand, Pasta und Melonen sehnen, haben die Pixar Studios genau das Richtige. Luca spielt an der italienischen Riviera der 1950er Jahre und weckt nostalgische Urlaubs- und Sommergefühle. Ein farbenfroher Filmspass rund um eine ungewöhnliche Freundschaft für die ganze Familie. Wenn man von den paar Tagen absieht, an denen Onward: Keine halben Sachen im März 2020 in den Kinos lief, ist Luca nach Soul bereits der dritte Pixar-Film in Folge, der uns über die Streamingplattform Disney+ im Abo direkt nach Hause geliefert wird.

    Darum geht es

    Luca ist ein Seeungeheuer und lebt vor der Küste des italienischen Fischerdorfes Portorosso. Gelangweilt geht er seiner Arbeit nach – dem Hüten von Ziegenfischen. Seine Eltern erlauben dem neugierigen Teenager nicht an die Wasseroberfläche zu schwimmen. Luca jedoch hat eine Schwäche für all jenes, was von der Welt draußen zu ihm auf den Meeresgrund herabsinkt.

    Als Luca eines Tages auf das Seeungeheuer Alberto trifft, ändert sich sein Leben schlagartig. Alberto lebt an Land. Seeungeheuer haben nämlich eine besondere Fähigkeit: wenn sie komplett trocken sind, können sie sich in Menschen verwandeln. Werden sie wieder naß, verwandeln sie sich zurück. Luca folgt seinem neuen Freund in dessen Versteck. Die Faszination ist groß. Ein Poster einer Vespa animiert die beiden dazu, aus allerhand Schrott ein eigenes Moped zu basteln.

    In der Zwischenzeit steht im naheliegenden Fischerdorf der Portorosso Cup bevor. Ein Triathlon aus Radfahren, Schwimmen und Spaghettiessen. Nachdem sie das Mädchen Giulia in einer Auseinandersetzung vor dem überheblichen Fiesling Ercole rettet, beschließen die drei, in diesem Jahr gemeinsam den Lokalmatador Ercole zu schlagen, um sich mit dem Preisgeld eine Vespa zu kaufen.

    Als sich Luca und Giulia näher kommen, wird Alberto eifersüchtig. Schließlich treten Luca und Alberto ihrer Freundschaft willen gegen Giulia an. In einem turbulenten Wettbewerb laufen die Jungen Gefahr, dass ihre Deckung auffliegt. In der Zwischenzeit machen sich die Eltern von Luca auf die Suche nach ihrem Sohn. Es beginnt ein Rennen gegen die Zeit und die drei Freunde erkennen, dass sie nur gemeinsam gewinnen können.

    Der erste Film von Pixar, er eine Dreiecksbeziehung andeutet?

    Kommentar

    Zu Beginn fühlt man sich unweigerlich an Arielle – Die kleine Meerjungfrau erinnert. Sie teilt mit Luca das Faible für Gegenstände aus einer anderen Welt. Sehnsüchtig blicken die beiden an die Oberfläche und wollen nur eins: raus aus dem Wasser. Beiden gelingt dies, wenn auch unter unterschiedlichen Voraussetzungen. Sehr zum Missfallen der Eltern. Es sind nicht die einzigen Verweise, die Enrico Casarosa in seinen ersten Langfilm eingebaut hat. Daraus macht er erst gar kein großes Geheimnis. Casarosa will seinen Film als Hommage an das italienische Kino von Federico Fellini verstanden wissen. Marcello Mastroianni hat hier genauso seinen Platz, wie das italienische Temperament und Feinripp Unterleibchen. Unverkennbar ist auch ein weiteres Vorbild von Casarosa. Die farbenfrohe Landschaft und die markanten Wolkenstimmungen erinnern an die Studio Ghibli Filme von Hayao Miyazaki.

    Für Pixar ist das alles Neuland. Luca hat zwar nicht die tiefgründige Finesse wie beispielsweise der Vorgänger Soul aus dem vergangenen Jahr. Die Geschichte ist weitaus einfacher gehalten und läuft letzten Endes auf den Bewerb hinaus, auch wenn vehement versucht wurde, in der zwischenmenschlichen Beziehung von Luca und Alberto mehr zu sehen, als eine Freundschaft zwischen zwei Jungen, was der Regisseur ebenso bestimmt verneinte. Schließlich spielt dies auch überhaupt keine Rolle, denn Luca bietet gute Unterhaltung auf gewohnt technisch hohem Niveau. Wenn man davon absieht, dass wir diesmal nichts wirklich Neues zu sehen bekommen. Herzerwärmend ist Luca allemal.


    Luca
    Animationsfilm, USA 2021

    Regie Enrico Casarosa
    Drehbuch Jesse Andrews, Mike Jones
    Schnitt Catherine Apple, Jason Hudak
    Musik Dan Romer
    Stimmen in der eOV Jakob Tremblay, Jack Dylan Grazer
    Streamingplattform
    Disney+


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  • CRUELLA ★★★

    CRUELLA ★★★

    Jetzt verfügbar bei

    gegen extra Gebühr

    Ab 18. Juni im Kino

    [icon name=“exclamation-triangle“] Kann Spoiler enthalten

    Mit Cruella de Vil bekommt nach Maleficent (2014/2019) eine weitere Antagonistin aus dem Hause Disney ihren großen Auftritt. Die Geschichte ist ein Prequel zum Zeichentrickfilm 101 Dalmatiner (1961), bzw. der Realverfilmung mit Glen Close aus dem Jahr 1996. Cruella hat einiges an Schauwerten und mit Emma Stone und Emma Tompson zwei hervorragende Hauptdarstellerinnen zu bieten. Darüber hinaus hat die 200 Millionen Dollar teure Neuverfilmung allerdings mit ein paar grundlegenden Problemen zu kämpfen, die auch nicht ein exorbitant teures Songpotpourri zu kaschieren vermag.

    Darum geht es

    Die kleine Estella (Tipper Seifert-Cleveland) ist ein ungewöhnliches Kind. Am auffälligsten ist ihr schwarzweiße Haarpracht. Zu rebellisch für das Schulsystem, plant ihre Mutter (Emily Beecham) sie aus der Schule zu nehmen und nach London zu ziehen. Auf dem Weg bittet sie ihre wohlhabende Arbeitgeberin um finanzielle Unterstützung, wird aber von deren Dalmatinern eine Klippe hinuntergestoßen. Von nun an auf sich gestellt, freundet sich Estella mit den zwei Ganoven Japser (Joel Fry) und Horace (Paul Walter Hauser) an und schlägt sich mit allerhand Gaunereien durchs Leben. Ihr großer Plan ist Modedesignerin zu werden. Um nicht aufzufallen, färbt sie sich die Haare rot.

    Als die Baroness von Hellman (Emma Thompson) auf sie aufmerksam wird, ändert sich ihr Leben schlagartig. Sie ist, wenn auch mit überheblicher Zurückhaltung, von ihren Modeentwürfen angetan. Als sie hinter das Geheimnis der Baroness kommt, wird die Wut in ihr immer stärker und sie beschließt, den Namen anzunehmen, den ihr schon ihre Mutter manchmal nachgerufen hatte: Cruella. Fortan verfolgt sie nur mehr das Ziel, die Baroness zu vernichten und ihre Rolle am Modehimmel einzunehmen.

    Emma Thompson als Baroness von Hellman

    Kommentar

    Es sind wenige Sekunden, die für die meisten Diskussionen gesorgt haben. Sie unterbrechen den Abspann von Cruella kurz und geben einen Vorgeschmack auf die bereits geplante Fortsetzung. Die Szenen leiten mit den Dalmatiner-Welpen Pongo und Perdita über in die aus dem Zeichentrickfilm bekannte Geschichte aus dem Jahr 1961. Damals war Cruella de Vil auf der Jagd nach den Dalmatiner-Welpen von Pongo und Perdita. Allein wie durch die Entwicklung des Charakters der Protagonistin die Brücke geschlagen wird, bleibt im Dunkeln. Emma Stones Cruella hat nämlich herzlich wenig mit der ursprünglichen Figur zu tun.

    Estella wird uns zwar als kleines widerspenstiges Mädchen und später als Revoluzzerin präsentiert, aber so richtig böse ist sie nicht. Das liegt vor allem daran, das sie in der Baroness eine Gegenspielerin hat, die eigentlich Cruellas Rolle als Antagonistin übernimmt. Somit ist Cruella unsere Bezugsperson mit einer nachvollziehbaren Agenda. Auch wenn wir erfahren, wo der spätere Hass gegenüber Dalmatiner herrührt, ist hier noch nichts davon zu spüren. Dalmatiner kommen überhaupt nur am Rande vor. So wirkt die ganze Geschichte etwas willkürlich. Die Transformation der Protagonistin ist mehr Mittel zum Zweck.

    Emma Thompson ist sichtlich in ihrem Element und genießt ihre Rolle als überheblicher und böser Kontrollfreak. Es gibt zwei Plottwists, wovon einer keine große Überraschung ist und der zweite sich sehr stimmig in die Geschichte einfügt. In beiden Fällen spielt die Baroness eine wesentliche Rolle. Thompson biete sich als erste Schauspielerin in diesem Jahr für einen Nebenrollenoscar an.

    Leider atmet Cruella den Charme eines fast komplett dem Computer entsprungenen Filmes. Die Atmosphäre des Swinging London mag trotz einer schier unendlichen Abfolge an Sechzigerjahre Hits nicht wirklich überspringen. Zumal Songs wie Livin‘ Thing des Electric Light Orchestra fehlt am Platz wirken. Der Score von Nicolas Britell geht dabei völlig unter. Endlose Kamerafahrten sind mehr technische Spielereien, als dass sie etwas zur Geschichte oder dem Charakter beitragen. Die Sets und die Ausstattung sind aber formidabel und ein optischer Genuss. Ebenso die Kostüme. Cruella könnte ein besserer Film sein, wenn da nicht der schale Beigeschmack wäre, hier ginge es nur um die Vermarktung eines Disney-Charakters.

    Zum ersten Mal wendet sich Disney an ein etwas älteres Publikum (10-12 plus). Gerade zu Beginn ist Cruella düster. Im Großen und Ganzen ist die Notwendigkeit aber fraglich. Im Kern geht es wie in nahezu jedem Märchenstoff um den Verlust der Mutter. Ein Flammeninferno kennt man aus zahlreichen Trickfilmen. Offenbar wird hier ein Unterschied zwischen Animation und Realfilm gemacht. Gerade der dürfte bei einem jüngeren Publikum aber zu vernachlässigen sein.

    Ein Markenzeichen fehlt neben Limousine, Dalmatiner und extravaganter Frisur: die Zigarettenspitze. Emma Stone hätte zu gerne etwas Rauch verblasen. Alleine die Politik von Disney verbietet es. Seit 2015 gilt ein rigoroses Rauchverbot in allen dem Konzern zugehörigen Sparten. Gut möglich, dass durch die anstehende Fortsetzung diese Vorgeschichte einmal in einem anderen Licht erscheinen wird. Jetzt gewinnt man jedoch den Eindruck, hier wurde ein Disney-Charakter dazu missbraucht, ein Franchise fortzuführen, das im Jahr 2000 mit 102 Dalmatiner ein unrühmliches Ende genommen hatte.

    Cruella

    Krimikomödie, USA 2021
    Regie
    Craig Gillespie
    Drehbuch Dana Fox, Tony McNamara, Aline Brosh McKenna, Kelly Marcel, Jez Butterworth, Steve Zissis
    Schnitt Tatjana S. Riegel
    Musik Nicolas Britell
    Mit Emma Stone, Emma Thompson
    Länge 134 Min.
    Streamingplattform Disney+
    Im Kino ab 18. Juni 2021




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  • PALM SPRINGS ★★★★½

    PALM SPRINGS ★★★★½

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    Filme, die im Jänner eines jeden Jahres beim Sundance Film Festival Premiere feiern, teilen meist ein Schicksal. Viele Filme mausern sich im Laufe des Jahres vom Geheimtipp zum Publikumsliebling. Allerdings bleibt ihnen nicht selten eine zeitnahe Veröffentlichung verwehrt. Gerade im vergangen Jahr ist das eine völlig unverständliche Vermarktungsstrategie. Die romantische Komödie Palm Springs von Max Barbakow (Ein weiteres Debüt in diesem Jahr) trifft dies mit voller Härte. Als Folge haben diese Filme bis zur offiziellen Veröffentlichung schon viele illegal im Netz gesehen. Was immer da im Hintergrund verhandelt wird, letzten Endes schadet es den Filmen. Dabei trägt Palm Springs gerade jetzt zu einer dringend nötigen Erheiterung bei.

    Sarah: „I want tomorrow to be tomorrow.“

    Nyles: „Unfortunately that’s never gonna be happen.„

    Sarah kann sich mit ihrem neuen Leben nicht so richtig anfreunden.

    Darum geht es

    Nyles (Andy Samberg) wacht am Hochzeitstag von Tala (Camilla Mendes) und Abe (Tyler Hoechlin) an der Seite seiner Freundin Misty (Meredith Hagner) auf. Als Talas Schwester Sarah (Cristin Milioti) auf der Hochzeit eine Rede halten soll, springt Nyles (auffällig unpassend mit einem Hawaiihemd und kurzen Hosen bekleidet) für sie ein, da sie sich bereits betrunken hatte. Das bringt die beiden einander an diesem Abend näher. Nyles weiß, dass Misty ihn betrügt. Sarah und Nyles fahren hinaus in die Natur um sich von Gefühlen überwältig einander hinzugeben, als Nyles plötzlich von einem Pfeil getroffen und von einem Mann namens Roy (J. K. Simmons) verfolgt wird. Sarah scheint ihn nicht zu kümmern und sie ist äußerst verstört hinsichtlich der seltsamen Situation. Nyles flüchtet in eine glühende Höhle und Sarah folgt ihm nach.

    Im nächsten Moment wacht Nyles neuerlich am Tag der Hochzeit neben seiner Freundin Misty auf. Als er sich später im Pool treiben lässt, stürmt Sarah plötzlich wütend auf ihn zu. Die beiden sind in einer Zeitschleife gefangen, in der sich der Tag der Hochzeit immer und immer wieder wiederholt.

    Auch in der romantischsten Beziehung kann es zu kleineren Krisen kommen.

    Kommentar

    Endlich! Palm Springs ist ein Film der gut unterhält und so richtig Spaß macht. Mit dieser Rom-Com erfüllen Max Barbakow und Drehbuchautor Andy Siara den Zeitschleifenfilm mit neuem Leben. Selbst der Vergleich mit großen Vorbildern wie Und täglich grüßt das Murmeltier (Harold Rami, 1993) muss nicht gescheut werden.

    Zu Beginn weiß man nicht so recht, wie man das Gesehene einordnen soll. Nach etwa einer viertel Stunde offenbart sich uns die Prämisse der Handlung – die alleine hier gespoilert werden muss und mehr auch schon nicht – und Palm Springs nimmt ordentlich an Fahrt auf. Die Handlung schlägt Haken wie ein Feldhase. Jeder Tag bringt eine neue Wendung und selbst rückblickend muss man lachen, da gerade der Beginn plötzlich unter einem völlig neuen Licht betrachtet werden kann.

    Irgendwie schafft es der Film, dass wir mir Sarah und Nyles mitfiebern, als wäre das, was die Beiden gerade durchmachen, das Natürlichste auf der Welt. Es ist einer jener Filme, bei denen man wahrhaftig spürt, dass die Darsteller einen riesen Spaß bei der Arbeit hatten, der sich auf das Publikum überträgt. Cristin Milioti und Andy Samberg geben ein wunderbares Paar ab, bei dem die Chemie einfach stimmt.

    Palm Springs unterscheidet sich insofern von anderen Zeitschleifenfilmen, als dass die Protagonisten kein Ziel verfolgen, um sich etwa einen Vorteil aus der Situation zu verschaffen. Einerseits ist es tödliche Langeweile, die sich breit macht und dann wiederum wird mit allen Mittel versucht, der Unendlichkeit zu entkommen. Natürlich entwickelte sich eine der romantischsten Geschichten der letzten Zeit erst durch die zahlreichen Wiederholungen. Sarah fühlt sich von Nyles‘ Nihilismus angezogen. Er hat bereits alles probiert, um aus der Zeitschleife zu entkommen und sich mit seiner Situation abgefunden. So lange steckt er schon in diesem Tag fest, dass er nicht mehr weiß, welchen Beruf er einst hatte und jedes auch noch so kleine Detail dieses Tages bereits in und Auswendig kennt. Dass die Beiden, mittlerweile Anfang 30, gewissermaßen schon viel früher in ihrem Leben steckengeblieben sind und spätpubertäre Verhaltensweisen an den Tag legen, entbehrt nicht einer gewissen Ironie.

    Im Englischen ist Bill Murrays Groundhog Day zum Synonym für sich im Leben immer wieder wiederholende Banalitäten geworden. Ob der Film mit einer reinen Onlineauswertung einen ähnlichen Kultstatus erreichen kann, wird die Zeit weisen. Palm Springs ist vermutlich der komischste Film des vergangenen Jahres und hat das Zeug zum Lieblingsfilm.

    PALM SPRINGS | MAX BARBAKOW | USA 2020 | 90 MIN. | [usr 4,5]


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  • ARMY OF THE DEAD ★★★

    ARMY OF THE DEAD ★★★

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    In Zack Snyders neuestem Film Army of the Dead (Netflix) wird Las Vegas von Zombies beherrscht und steht kurz vor der atomaren Auslöschung. Für viele mag das Filmspektakel eine willkommene Abwechslung in der blockbusterlosen Zeit zu sein. Es war allerdings bereist ein Vorzeichen, dass auf den Filmpostern anstelle der Namen der Darstellerinnen einzig der des Regisseurs zu lesen war. Nach einer langen Durststrecke haben wir uns besseres verdient. Zum Glück müssen das Siegfried und Roy nicht mehr erleben.

    Darum geht es

    Ein von einem militärischen Konvoi schwer bewachter Container rollt durch die Wüste. Dann ein blöder Unfall und etwas entkommt. Ein mordendes Biest. Vor ihm liegt das in der Nacht hell erleuchtete Las Vegas. In Army of the Dead geht es schon im Vorspann richtig rund. Die ganze Stadt ist dem Untergang geweiht. Zombies töten jeden, der ihnen in die Quere kommen. Schon bevor der Filmtitel erscheint, ist Las Vegas, so wie man es kennt, Geschichte. Die Stadt durch eine Mauer aus Containern isoliert.

    Folglich wird der ehemalige Soldat Scott Ward (Dave Bautista) von Casinobesitzer Tanaka (Hiroyuki Sanada) beauftragt, ein Team zusammenzustellen, um sein eigenes Casino auszurauben. Darin befindet sich in einem Safe eine enorme Geldsumme, die nirgendwo registriert und somit nicht rückverfolgbar ist. Die Verlockung ist groß. Ward nimmt den Auftrag an. Gemeinsam mit seinem Team dringt er in die abgeriegelte Stadt ein. Dort haben bereits hochintelligente Zombies die Kontrolle übernommen und natürlich verläuft nicht alles nach Plan. Doch Ihnen bleibt nicht viel Zeit. Die Regierung hat beschlossen, die Stadt in wenigen Stunden mit einer Atombombe zu eliminieren.

    Teambuilding in Army of the Dead (2021)

    Kommentar

    Im Kern geht es in der Geschichte um einen klassischen Vater-Tochter-Konflikt (abgesehen davon, dass der Vater die von Zombies infizierte Mutter töten musste). Darum ist aber ein Filmmonstrum gebaut. Zack Snyder nimmt sich nach einem fulminanten Vorspann sehr viel Zeit um seine Charaktere einzuführen. Allen voran Scott Ward, gespielt vom Dave Bautista. Der schlägt sich in der Hauptrolle übrigens recht gut durch. Doch wer möchte das in einem Zombiefilm überhaupt sehen? Zudem weiss man am Ende trotzdem recht wenig über seine Wegbegleiterinnen. Sie sind durch die Bank recht unsympathisch. Erstaunlicherweise macht Matthias Schweighöfer in seiner recht dümmlich angelegten Rolle des deutschen Safeknackers Dieter noch die beste Figur.

    Mit dem Timing ist das also so eine Sache. Der überlange Film kann an den anfänglichen Höhepunkt nicht mehr anschließen. Der ist bunt, schrill und ein riesen Spaß. Einzig die begleitende Coverversion von Viva Las Vegas ist ein Graus. Das Setdesign ist durchwegs episch. Der weiße Zombietiger spektakulär. Die Splattereffekte sehr fein. Die Parallelhandlung mit einer Zombiekönigin vielversprechend aber unfertig. Um mehr auf die Handlung einzugehen, müsste man gar zu viel Spoilern. Nur soviel: am Ende wird man sich nicht nur Fragen: warum das Ganze? Die Geschichte verläuft ins Nichts. Da werden Andeutungen gemacht, auf die später nicht mehr eingegangen wird. Der Auftrag selbst ist höchst dubios. Im Netz gibt es den Gag, ein Teammitglied, das die Aktion für bescheuert hält und bereits am Anfang das Handtuch wirft, sei der intelligenteste Charakter im ganzen Film. Wie gelangt man eigentlich in ein abgeriegeltes Areal, in dem hochintelligente Zombies ihr Unwesen treiben? Bei Snyder geht man einfach durch die Tür.

    Isolation und Quarantäne kennt heute schon fast jeder. Diese nun ungewollten Parallelen in die Gegenwart gibt es jetzt nunmal. Politische Anspielungen mögen gewollt sein oder nicht. Die für das Zombiegenre typische Konsumkritik fällt in Las Vegas naturgemäß auf fruchtbaren Boden. Kuriosum am Rande: die Helikopterpilotin gespielt von Tig Notaro wurde erst nach den Dreharbeiten in den Film eingefügt. Kostenpunkt: mehrere Millionen Dollar.

    Matthias Schweighöfer hat übrigens bereit als Regisseur das Prequel Army of Thieves abgedreht. Darin ist er neuerlich in der Rolle von Dieter zu sehen und spielt an der Seite von Peter Simonischek. Was Zack Snyder und Simonischek verbindet, ist nun also auch für das nächste Filmquiz geklärt.

    Army of the Dead setzt den Weg moderner Zombiefilme fort. Ein rarer Blockbuster, der sein Potential bei weitem nicht ausspielen kann. Die Idee, das Genre mit dem Heist-Movie zu verknüpfen, kann der Film sicher auf der positiven Seite verbuchen. Übrigens: laut Netflix ist Zack Snyders Zombiedämmerung bereits der Snyder Cut.

    Army of the Dead

    Zombiefilm, USA 2021
    Regie
    Zack Snyder
    Drehbuch Zack Snyder, Shay Hatten, Jobs Harold
    Schnitt Dody Dorn
    Musik Junkie XL
    Mit Dave Bautista, Kate Ward, Omari Hardwick, Ana de la Reguera, Theo Rossi, Matthias Schweighöfer, Nora Arnezeder, Tig Notaro, Hiroyuki Sanada
    Länge 148 Min.
    Streamingplattform Netflix



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  • DIE MITCHELLS GEGEN DIE MASCHINEN ★★★★½

    DIE MITCHELLS GEGEN DIE MASCHINEN ★★★★½

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    Da hat sich Netflix den nächsten großen Fisch geschnappt. Sony Pictures sind im vergangenen Jahr die Kinos abhanden gekommen und so hat die Streamingplattform bei Die Mitchells und die Maschinen zugeschlagen. Das Science-Fiction Familienabenteuer ist das erste Highlight in diesem Kinojahr. Regiedebütant Mike Rianda lässt ein rasantes Gag- und Zitatefeuerwerk auf das Publikum los und spart dabei nicht mit Kritik an der Technologisierung unserer Wohnzimmer und Hosentaschen. Ein Spaß für Groß und Klein.

    Darum geht es

    Katie Mitchell (Abbi Jacobson) ist ein großes Talent. Gerade wurde sie an einer Filmschule in Kalifornien aufgenommen. Da sich ihre Fähigkeiten allerdings auf Handy und das Internet konzentrieren, bekommt ihre Familie, allen voran ihr Vater Rick (Danny McBride), nichts davon mit. Der hat nämlich eine regelrechte Technikphobie, nur Outdoor-Überlebensweisheiten im Kopf und hält seinen Schraubenzieher für das einzig wichtige Werkzeug überhaupt. Seine Tochter möchte von all dem nichts wissen und möchte nur mehr weg von ihrer Familie.

    Um das Familiengleichgewicht wieder herzustellen, beschließt Rick kurzerhand, dass sie Katie alle gemeinsam nach Kalifornien aufs College bringen werden. Sehr zum entsetzen der Tochter. Gerade als sie sich auf den Trip begeben, präsentiert der Entwickler Mark Bowman (Eric Andre) im Silicon Valley seine neueste Erfindung. Roboter sollen das Zusammenleben revolutionieren. Gleichzeitig erklärt er seine bisherige Kreation, die virtuelle Assistentin PAL (Olivia Coleman, außerordentlich in allem was sie tut), eine höchst fortschrittliche künstliche Intelligenz, für veraltet. Diese läßt sich das keineswegs gefallen und übernimmt kurzerhand das Kommando über die Roboter. Ihr Ziel: alle Menschen von der Erde zu verbannen. Die gesamte Welt stürzt in ein Chaos. Für die Mitchells beginnt eine Odyssee quer durch Amerika und der alles anderen als perfekten Familie kommt auf einmal bei der Rettung der Welt eine bedeutende Rolle zu.

    Der Vater fordert Familienzeit ein.

    Kommentar

    Es ist schon bewundernswert, was Regisseur und Drehbuchautor Mike Rianda (gemeinsam mit Jeff Rowe) da alles unter einen Hut bringt: Vater-Tochter-Beziehungsdrama, Roadmovie, Technologiekritik und Roboterapokalypse. Eine große Portion Nostalgie spielt hier mit, begleitet von einem 80er Jahre Syntiesoundtrack, ist nicht zuletzt die Terminator-Serie eine wesentliche Grundlage für die Geschichte. Dem jüngeren Publikum wird das natürlich nichts sagen. Der Spagat, den Die Mitchells gegen die Maschinen schafft, ist erstaunlich. Bereits mehrmals getestet: Der Film funktioniert für unter 10- jährige genauso wie für ein Publikum jenseits der 40.

    Animationsfilme sind bekannt dafür, dass sich die unterschiedlichsten Altersgruppen ansprechen. Rianda treibt das nun an die Spitze. Heute ist jedem Kind bewußt, welche Rolle neueste Technologien in unserem Leben spielen. Die Mitchells wirken zwar überdreht und chaotisch. Im Herzen aber schlagen sie sich mit den gleichen Problemen herum, wie die meisten Familien. Am Ende ist es die menschliche Fehlbarkeit, die ihre Stärke ausmacht.

    Unterfüttert ist die Geschichte mit unzähligen popkulturellen Zitaten. Unverkennbar steht die Marke mit dem angebissen Apfel in der Kritik. Deren intelligenter persönlicher Assistent hört bereits in vielen Wohn- und Schlafzimmern mit, ohne das dies wohl den meisten bewusst ist. Genauso wie das Produkt der Konkurrenz. Die Mitchells gegen die Maschinen verknüpft das alles auf eine sehr kluge Weise zu einem rasanten Abenteuer.

    Wie schon bei The Lego Movie, einem früherer Film der beiden Produzenten Phil Lord und Chris Miller, benötigt es mehrere Durchläufe, um alle Anspielungen und Gags fassen zu können. Auch Einflüsse ihrer Arbeit Spider-Man: Into the Spider-verse kann man hier wiedererkennen. Der Stilmix ist spannend. Virale YouTube Videos spielen eine wesentliche Rolle. Die Charaktere wirken wie mit handgezeichnet. Man erkennt Pinselstriche.

    Kostenloses Wi-Fi ist in dieser Welt sowas wie der heilige Gral. Für einen Internetzugang gibt man schon mal sein ganzes Leben auf. Ein Running-Gag, der sehr wohl auch nachdenklich stimmt. Soweit von der Realität sind die Mitchells nämlich nicht entfernt. Es beginnt bereits am familiären Esstisch zu Hause. Algorithmen bestimmen was wir zu lesen bekommen und schlagen uns vor, welchen Film wir uns am Abend anschauen sollten. Dass dies nun gerade von einem Konzern wie Netflix vermarktet wird, entbehrt nicht einer gewissen Ironie.

    Die Mitchells gegen die Maschinen (OT: The Mitchells vs. the Machines)

    Animationsfilm, USA 2021
    Regie
    Mike Rianda
    Drehbuch Mike Rianda, Jeff Rowe
    Schnitt Greg Levitan
    Musik Mark Mothersbaugh
    Länge 109 Min.
    Streamingplattform Netflix


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  • LOVE AND MONSTERS ★★★½

    LOVE AND MONSTERS ★★★½

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    Unglaublich aber war: es ist heute noch möglich, dass uns ein Monsterfilm als unerwarteter Spaß überrascht. Love and Monsters erhielt in diesem Jahr eine Oscar Nominierung für die Spezialeffekte und hätte die Auszeichnung mehr als verdient – und natürlich auch auf der großen Leinwand gesehen zu werden. Ohne Staraufgebot aber mit charmanten Darstellern gibt es auch für die jüngeren Monsterfans allerhand spektakulär riesige und schleimige Kreaturen zu sehen. Die Menschheit hat nämlich versucht mit Raketen einen die Erde bedrohenden Asteroiden abzuschießen, ohne sich über die Nebenwirkungen zu erkundigen. Sie fallen drastischer aus als Schmerzen an der Einstichstelle.

    Darum geht es

    Sieben Jahre sind vergangen seit der Monsterapokalypse. Joel Dawson (Dylan O’Brian) zählt zu den wenigen Überlebenden der Weltbevölkerung. Sie haben Zuflucht in Kolonien im Untergrund gefunden. Hier sind die Menschen vor den gigantischen Kreaturen sicher, die die Kontrolle über die Erde übernommen haben.

    Als man versuchte, einen Asteroiden, der auf die Erde zusteuerte, mit Raketen abzuschießen, hatte niemand an den radioaktiven Niederschlag gedacht. Alleine Insekten und Amphibien ist der wohlbekommen. Für die Menschheit hieß es fortan: ab in den Untergrund. Durch den Vorfall wurde Joel von seiner Geliebten Aimee (Jessica Henwick) getrennt. Als er über Funk kontakt zu ihr aufnehmen kann, beschließt er, trotz aller Warnungen seiner Mitbewohner, sich auf den Weg zu ihr zu machen. Völlig unerfahren begibt sich Joel auf das größte Abenteuer seines Lebens. Den einzigen Ratschlag den er mitbekommt ist: laufen!

    Warum man im Wald den weg nicht verlassen sollte …

    Kommentar

    Die stolze Anzahl von 13 Kreaturen bekommt man in Love and Monsters serviert. Keine muss sich im Dunklen verstecken und so können wir Tausendfüssler, Frösche oder Schnecken von enormer Größe in ihrem Detailreichtum und ihrer ganzen Pracht bewundern. Es wurde unter anderem mit Animatronics gearbeitet, also realen Modellen und nicht wie sonst üblich ausschließlich mit digitalen Effekten. Die Kreaturen wirken haptischer, erdiger und schleimiger als man es von den computergenerierten Monstern heute gewohnt ist.

    Als Sidekick bekommt Joel den Hund Boy mit auf den Weg, der sich in den sozialen Medien einer großen Anhängerschaft erfreut und für viele der heimliche Star des Film ist. Viel gelobt wurde der Film für seine Charakterentwicklung und seine feministische Note. Joel wird vom Nerd zum Kämpfer und die weibliche Nebenrolle ist nicht nur Staffage, sondern sorgt für einen Twist. Der Showdown mit einer gigantischen Krabbe wirkt allerdings etwas aufgesetzt aber überzeugt trotzdem mit seinen Schauwerten. Das Ende lässt eine Fortsetzung offen. Love and Monsters weiß gut zu unterhalten. Ein weiterer familienfreundlicher Monsterfilm, der sich selbst nicht all zu ernst nimmt, wäre sehr willkommen.

    Love and Monsters

    Abenteuerfilm, USA/AUS 2020
    Regie
    Michael Matthews
    Drehbuch Brian Duffield, Matthew Robinson
    Kamera Lachlan Milne
    Schnitt Debbie Berman, Nancy Richardson
    Musik Marco Beltrami, Marcus Trump
    Mit Dylan O’Brian, Jessica Henwick, Dan Ewing, Ariana Greenblatt,
    Länge 109 Min.
    Streamingplattform Netflix


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  • GRETEL & HÄNSEL ★★★½

    GRETEL & HÄNSEL ★★★½

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    Märchen gehören wohl zu den bekanntesten und einflussreichsten Erzählungen überhaupt. Die Märchensammlung der Brüder Grimm aus dem 19. Jahrhundert bietet die Ausgangslage für zahlreiche Interpretationen und ist nicht zuletzt Grundlage für den Erfolg von Disney. Dort bedient man sich der klaren Strukturen und macht sich die immer wiederkehrenden Motive zu nutze. An ein älteres Publikum richtete sich 2013 Hänsel und Gretel: Hexenjäger. Darin werden aus dem Geschwisterpaar Kopfgeldjäger. Nun gibt es mit Gretel & Hänsel eine bildgewaltige Variante, die Horrorelemente in den Vordergrund rückt. Der Titel verrät es bereits: der Fokus ist hier anders gelegt.

    Darum geht es

    Nach dem Tod des Vaters begibt sich Gretel (Sophia Lillis) mit ihrem kleinen Bruder Hänsel (Sammy Leakey) auf Arbeitssuche. Der Hunger ist groß und als sie im Wald zu einem Haus kommen, aus dem es nach Essen duftet, kann sich Hänsel nicht mehr zurückhalten und stürzt sich auf den reich gedeckten Tisch. Dabei wird er von der Hausherrin Hulda (Alice Krige) erwischt. Diese zeigt sich jedoch gastfreundlich. Sie bietet den beiden Essen und ein Bett an. Tag für Tag ist der Tisch reich gedeckt. Die Fülle an Speisen macht Gretel zunehmend misstrauisch. Bald plagen das Mädchen nächtliche Visionen. Die Alte Frau möchte Gretel in die Künste der Hexerei einführen. Doch als ihr kleiner Bruder verschwindet, macht sie im Keller des Hauses eine erschreckende Entdeckung.

    Kommentar

    Bei aktuellen Verfilmungen von Geschichten für Kinder, treten seit ein paar Jahren die weiblichen Figuren als Heldinnen in den Vordergrund. Pionierin ist hier die lose auf einem Märchen von Hans Christian Anderson basierende Eiskönigin (Die Eiskönigin – Völlig unverfroren, 2013). Auf Plakaten und Filmtiteln waren die berühmten Vorgängerinnen schon seit eh und je vertreten. Neu war, dass sie, wie zuletzt Raja und der letzte Drache, ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen durften und nicht auf ihren Prinzen warten mussten.

    Nur konsequent, dass sich nun Drehbuchautor Rob Hayes dem bekanntesten und düstersten Märchen der Brüder Grimm annimmt, um aus dem Kind Gretel eine 16-jährige Jungendliche zu machen. Ihr Bruder bleibt ein kleiner Bub und ist mehr Beiwerk und schon gar keine Hilfe für die große Schwester. Dieser feministische Ansatz ist eine der neuen Ideen von Gretel & Hansel. Es beginnt damit, dass die Hexe selbst eine Hintergrundgeschichte bekommt. Das wird für den Schluss wichtig sein. Hulda ist dadurch nicht weniger gruselig, dafür sorgt Alice Krige. Gretel wird erst gar nicht in die Opferrolle gedrängt. Hulda sieht in ihr vielmehr eine Gleichgesinnte. Es macht die Situation für das Geschwisterpaar dadurch aber auch nicht weniger gefährlich. Kinderliebe ist der Alten mehr als fremd.

    Neben dem beeindruckenden visuellen Stil (das Hexenhaus mit den spitzen Dach kann sich sehen lassen, verbirgt es doch in seinem Inneren mehr, als es von Außen den Anschein macht) bleibt vor allem der Synthie-Soundtrack des französischen Musikers Rob im Gedächtnis. Wer einen Eindruck von der Atmosphäre des Filmes bekommen möchte, sollte hier einmal reinhören.

    Leider verläßt sich Gretel & Hansel zu sehr auf seine Grundprämisse. Für einen erwachsenen Horrorfilm ist er über weite Strecken zu harmlos um tatsächlich einer Altersfreigabe von 16 Jahren gerecht zu werden. Gerade die unerwarteten Perspektivenwechsel bedürften einer tiefgehenderen Ausarbeitung. Vielleicht ist der Film dafür zu kurz geraten. Im Gegenzug wirken die 88 Minuten gar recht lange.

    Oz Perkins‘ Version des Märchenklassikers ist eine kluge und bildgewaltige Neuinterpretation, die aber nicht so recht zünden möchte.

    Gretel & Hänsel

    Horrorfilm, USA 2020
    Regie
    Oz Perkins
    Drehbuch Rob Hayes
    Kamera Galo Olivares
    Schnitt Josh Ethier, Julia Wong
    Musik Robin Coudert
    Mit Sophia Lillis, Sammy Leakey, Alice Krige
    Länge 88 Min.
    Streamingplattform Sky Go, Prime Video


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  • DIE BESTEN FILME 2020

    DIE BESTEN FILME 2020

    Das Zentrum der Filmwelt feiert sich traditionell am Ende der Saison am Hollywood Boulevard selbst. Vor dem Dolby Theatre im Hollywood & Highland Einkaufszentrum (zumindest hier ist die Academy mit der Zeit gegangen) wird dann der rote Teppich ausgerollt. Millionen sitzen vor den Fernsehgeräten und die Fotos der Stars füllen am nächsten Morgen die Zeitungen in aller Welt, wenn wieder einmal die Oscars vergeben werden. Dabei sind die Roben ebenso wichtig, wie die Filme, die präsentiert werden.

    (c) AMPAS

    In diesem Jahr ist natürlich alles anders. Stephen Soderbergh versprach, als Teil des diesjährigen Produzententrios, eine Show wie ein Film, in dem zufällig Preise verliehen werden, mit einer Besetzung, die sich sehen lassen kann. Der Opener, in dem Regina King in die Union Station schritt, währenddessen die Namen aller TeilnehmerInnen in großen Buchstaben eingeblendet wurden, geht vielleicht noch als Einstieg durch. Und dann? Das wars. Bereits davor wurde die einzige Live Perfomance gezeigt. Voraufgezeichnet auf dem Dach des Academy Museums of Motion Pictures, präsentierte H.E.R. ihren Song Fight for You, für den sie später den Oscar erhalten sollte. Die Zuspielung In Memoriam, sicher ein emotionaler Höhepunkt einer jeden Verleihung, in der die Verstorbenen des vergangenen Jahres noch einmal gewürdigt werden, wurde so schnell abgespielt, dass man die Namen zum Teil nicht lesen konnte (vermutlich war die Liste auch noch nie so lange). Das Ganze gipfelte darin, dass Anthony Hopkins als Bester Darsteller ausgezeichnet wurde. So überraschend, dass er selbst zu Hause in Wales bereits zu Bett gegangen war, die Regie rasch wegblendete und die Gala gar abrupt endete. Wenn das mit der Pandemie doch auch so einfach wäre! Eine dramaturgische Meisterleistung.

    Quelle: Wikipedia

    Fair war die Verteilung der Statuetten. Gleich sechs Filme erhielten zwei Oscars. Alleine Nomadland einen mehr. The Trial of the Chicago 7 ging sogar leer aus. Mank konnte seiner aufgrund von zehn Nominierungen angedichteten Favoritenrolle erwartungsgemäß nicht gerecht werden. Viele Überraschungen haben gezeigt, dass es verfrüht ist, die Oscars schon im Vorfeld als langweilig, weil vorhersehbar, abzustempeln. Keine der beiden Favoritinnen in der Kategorie Beste Hauptdarstellerin machte das Rennen, sondern eine ebenso überraschte, wie ein wenig genervte Frances McDormand. Selbst Entscheidungen in kleineren Kategorien, wie Bester Dokumentarfilm sorgten für Kopfschütteln (Oscar für Mein Lehrer, der Krake). Der Oscar für Another Round von Thomas Vinterberg, in einer der normalerweise stärksten Kategorien, viel da gar nicht mehr weiter auf.

    Erstmals waren zwei Frauen für den Regieoscar nominiert. Chloé Zhao gewann. Wie wäre diese Kategorie wohl aufgestellt gewesen, wären die Filme der männlichen Regiestars nicht zurückgehalten worden? Man kann es sich denken. Aber wie war nun das Filmjahr an sich aufgestellt? Es gab auffällig viele Debüts, von denen es nicht wenige in die Liste der Besten Filme geschafft haben. Das Sundance Filmfestival entpuppte sich als das bedeutendste Festival des Jahres: The Father, Minari, Never Rarely Sometimes Always, Palm Springs, Mein 40-jähriges Ich, Kajillionaire und Promising Young Woman feierten in Park City Premiere.

    Mehrere Filme basierten auf Theaterstücken. Regisseur Florian Zeller bekam für sein vom eigenen Stück adaptierten Drehbuch den Oscar für The Father.

    Nur ein Bruchteil der folgenden Filme lief 2020 im Kino. Die meisten davon waren nur bei der Viennale zu sehen. Der weitaus größere Anteil fällt auf die Streamingdienste. Sie waren auch bei den Oscars so stark wie noch nie vertreten. Eine Regeländerung machte dies möglich, da in diesem Jahr kein Kinostart nötig war, um Berücksichtigung zu finden. Zugelassen waren alle Filme bis inklusive 28. Februar 2021. Von den erfolgreichsten Filmen war Judas and the Black Messiah der einzige, der davon profitieren konnte (Sundance Filmfestival 2021).

    In den jeweiligen Filmbesprechungen befinden sich die Links zu den Filmen, sollten sie gerade verfügbar sein.

    ★★★★★

    David Byrne’s American Utopia

    Epicentro

    Hamilton

    Wolfwalkers

    ★★★★ ½

    The Assistant

    Aufzeichnungen aus der Unterwelt

    The Father

    First Cow

    Homemade (Serien-Anthologie)

    I’m no longer here

    Lovers Rock (Small Axe-Anthologie)

    Mangrove (Small Axe-Anthologie)

    Never Rarely Sometimes Always

    Nomadland

    One Night in Miami

    Palm Springs

    Promising Young Woman

    Der schwarze Diamant

    Sommer der Krüppelbewegung

    Soul

    Sound of Metal

    A Sun

    The Trial of the Chicago 7

    Vergiftete Wahrheit

    ★★★★

    3.30 PM

    Boys State

    The Climb

    Druk

    His House

    If Anything Happens I Love You (Animationskurzfilm)

    Kajillionaire

    Ma Rainey’s Black Bottom

    Mein 40-Jähriges Ich

    On the Rocks

    Onward – Keine halben Sachen

    The Outpost – Überleben ist alles

    Pieces of a Woman

    Quo Vadis, Aida?

    Über die Unendlichkeit

    Undine

    Was wir wollten

    The World to come

    Die Wütenden – Les Misérables



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