Schlagwort: Filmkritik

  • LUCA ★★★½

    LUCA ★★★½

    Für all jene, die längst das Fernweh gepackt hat und sich nach Sonne, Strand, Pasta und Melonen sehnen, haben die Pixar Studios genau das Richtige. Luca spielt an der italienischen Riviera der 1950er Jahre und weckt nostalgische Urlaubs- und Sommergefühle. Ein farbenfroher Filmspass rund um eine ungewöhnliche Freundschaft für die ganze Familie. Wenn man von den paar Tagen absieht, an denen Onward: Keine halben Sachen im März 2020 in den Kinos lief, ist Luca nach Soul bereits der dritte Pixar-Film in Folge, der uns über die Streamingplattform Disney+ im Abo direkt nach Hause geliefert wird.

    Darum geht es

    Luca ist ein Seeungeheuer und lebt vor der Küste des italienischen Fischerdorfes Portorosso. Gelangweilt geht er seiner Arbeit nach – dem Hüten von Ziegenfischen. Seine Eltern erlauben dem neugierigen Teenager nicht an die Wasseroberfläche zu schwimmen. Luca jedoch hat eine Schwäche für all jenes, was von der Welt draußen zu ihm auf den Meeresgrund herabsinkt.

    Als Luca eines Tages auf das Seeungeheuer Alberto trifft, ändert sich sein Leben schlagartig. Alberto lebt an Land. Seeungeheuer haben nämlich eine besondere Fähigkeit: wenn sie komplett trocken sind, können sie sich in Menschen verwandeln. Werden sie wieder naß, verwandeln sie sich zurück. Luca folgt seinem neuen Freund in dessen Versteck. Die Faszination ist groß. Ein Poster einer Vespa animiert die beiden dazu, aus allerhand Schrott ein eigenes Moped zu basteln.

    In der Zwischenzeit steht im naheliegenden Fischerdorf der Portorosso Cup bevor. Ein Triathlon aus Radfahren, Schwimmen und Spaghettiessen. Nachdem sie das Mädchen Giulia in einer Auseinandersetzung vor dem überheblichen Fiesling Ercole rettet, beschließen die drei, in diesem Jahr gemeinsam den Lokalmatador Ercole zu schlagen, um sich mit dem Preisgeld eine Vespa zu kaufen.

    Als sich Luca und Giulia näher kommen, wird Alberto eifersüchtig. Schließlich treten Luca und Alberto ihrer Freundschaft willen gegen Giulia an. In einem turbulenten Wettbewerb laufen die Jungen Gefahr, dass ihre Deckung auffliegt. In der Zwischenzeit machen sich die Eltern von Luca auf die Suche nach ihrem Sohn. Es beginnt ein Rennen gegen die Zeit und die drei Freunde erkennen, dass sie nur gemeinsam gewinnen können.

    Der erste Film von Pixar, er eine Dreiecksbeziehung andeutet?

    Kommentar

    Zu Beginn fühlt man sich unweigerlich an Arielle – Die kleine Meerjungfrau erinnert. Sie teilt mit Luca das Faible für Gegenstände aus einer anderen Welt. Sehnsüchtig blicken die beiden an die Oberfläche und wollen nur eins: raus aus dem Wasser. Beiden gelingt dies, wenn auch unter unterschiedlichen Voraussetzungen. Sehr zum Missfallen der Eltern. Es sind nicht die einzigen Verweise, die Enrico Casarosa in seinen ersten Langfilm eingebaut hat. Daraus macht er erst gar kein großes Geheimnis. Casarosa will seinen Film als Hommage an das italienische Kino von Federico Fellini verstanden wissen. Marcello Mastroianni hat hier genauso seinen Platz, wie das italienische Temperament und Feinripp Unterleibchen. Unverkennbar ist auch ein weiteres Vorbild von Casarosa. Die farbenfrohe Landschaft und die markanten Wolkenstimmungen erinnern an die Studio Ghibli Filme von Hayao Miyazaki.

    Für Pixar ist das alles Neuland. Luca hat zwar nicht die tiefgründige Finesse wie beispielsweise der Vorgänger Soul aus dem vergangenen Jahr. Die Geschichte ist weitaus einfacher gehalten und läuft letzten Endes auf den Bewerb hinaus, auch wenn vehement versucht wurde, in der zwischenmenschlichen Beziehung von Luca und Alberto mehr zu sehen, als eine Freundschaft zwischen zwei Jungen, was der Regisseur ebenso bestimmt verneinte. Schließlich spielt dies auch überhaupt keine Rolle, denn Luca bietet gute Unterhaltung auf gewohnt technisch hohem Niveau. Wenn man davon absieht, dass wir diesmal nichts wirklich Neues zu sehen bekommen. Herzerwärmend ist Luca allemal.


    Luca
    Animationsfilm, USA 2021

    Regie Enrico Casarosa
    Drehbuch Jesse Andrews, Mike Jones
    Schnitt Catherine Apple, Jason Hudak
    Musik Dan Romer
    Stimmen in der eOV Jakob Tremblay, Jack Dylan Grazer
    Streamingplattform
    Disney+


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  • CRUELLA ★★★

    CRUELLA ★★★

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    gegen extra Gebühr

    Ab 18. Juni im Kino

    [icon name=“exclamation-triangle“] Kann Spoiler enthalten

    Mit Cruella de Vil bekommt nach Maleficent (2014/2019) eine weitere Antagonistin aus dem Hause Disney ihren großen Auftritt. Die Geschichte ist ein Prequel zum Zeichentrickfilm 101 Dalmatiner (1961), bzw. der Realverfilmung mit Glen Close aus dem Jahr 1996. Cruella hat einiges an Schauwerten und mit Emma Stone und Emma Tompson zwei hervorragende Hauptdarstellerinnen zu bieten. Darüber hinaus hat die 200 Millionen Dollar teure Neuverfilmung allerdings mit ein paar grundlegenden Problemen zu kämpfen, die auch nicht ein exorbitant teures Songpotpourri zu kaschieren vermag.

    Darum geht es

    Die kleine Estella (Tipper Seifert-Cleveland) ist ein ungewöhnliches Kind. Am auffälligsten ist ihr schwarzweiße Haarpracht. Zu rebellisch für das Schulsystem, plant ihre Mutter (Emily Beecham) sie aus der Schule zu nehmen und nach London zu ziehen. Auf dem Weg bittet sie ihre wohlhabende Arbeitgeberin um finanzielle Unterstützung, wird aber von deren Dalmatinern eine Klippe hinuntergestoßen. Von nun an auf sich gestellt, freundet sich Estella mit den zwei Ganoven Japser (Joel Fry) und Horace (Paul Walter Hauser) an und schlägt sich mit allerhand Gaunereien durchs Leben. Ihr großer Plan ist Modedesignerin zu werden. Um nicht aufzufallen, färbt sie sich die Haare rot.

    Als die Baroness von Hellman (Emma Thompson) auf sie aufmerksam wird, ändert sich ihr Leben schlagartig. Sie ist, wenn auch mit überheblicher Zurückhaltung, von ihren Modeentwürfen angetan. Als sie hinter das Geheimnis der Baroness kommt, wird die Wut in ihr immer stärker und sie beschließt, den Namen anzunehmen, den ihr schon ihre Mutter manchmal nachgerufen hatte: Cruella. Fortan verfolgt sie nur mehr das Ziel, die Baroness zu vernichten und ihre Rolle am Modehimmel einzunehmen.

    Emma Thompson als Baroness von Hellman

    Kommentar

    Es sind wenige Sekunden, die für die meisten Diskussionen gesorgt haben. Sie unterbrechen den Abspann von Cruella kurz und geben einen Vorgeschmack auf die bereits geplante Fortsetzung. Die Szenen leiten mit den Dalmatiner-Welpen Pongo und Perdita über in die aus dem Zeichentrickfilm bekannte Geschichte aus dem Jahr 1961. Damals war Cruella de Vil auf der Jagd nach den Dalmatiner-Welpen von Pongo und Perdita. Allein wie durch die Entwicklung des Charakters der Protagonistin die Brücke geschlagen wird, bleibt im Dunkeln. Emma Stones Cruella hat nämlich herzlich wenig mit der ursprünglichen Figur zu tun.

    Estella wird uns zwar als kleines widerspenstiges Mädchen und später als Revoluzzerin präsentiert, aber so richtig böse ist sie nicht. Das liegt vor allem daran, das sie in der Baroness eine Gegenspielerin hat, die eigentlich Cruellas Rolle als Antagonistin übernimmt. Somit ist Cruella unsere Bezugsperson mit einer nachvollziehbaren Agenda. Auch wenn wir erfahren, wo der spätere Hass gegenüber Dalmatiner herrührt, ist hier noch nichts davon zu spüren. Dalmatiner kommen überhaupt nur am Rande vor. So wirkt die ganze Geschichte etwas willkürlich. Die Transformation der Protagonistin ist mehr Mittel zum Zweck.

    Emma Thompson ist sichtlich in ihrem Element und genießt ihre Rolle als überheblicher und böser Kontrollfreak. Es gibt zwei Plottwists, wovon einer keine große Überraschung ist und der zweite sich sehr stimmig in die Geschichte einfügt. In beiden Fällen spielt die Baroness eine wesentliche Rolle. Thompson biete sich als erste Schauspielerin in diesem Jahr für einen Nebenrollenoscar an.

    Leider atmet Cruella den Charme eines fast komplett dem Computer entsprungenen Filmes. Die Atmosphäre des Swinging London mag trotz einer schier unendlichen Abfolge an Sechzigerjahre Hits nicht wirklich überspringen. Zumal Songs wie Livin‘ Thing des Electric Light Orchestra fehlt am Platz wirken. Der Score von Nicolas Britell geht dabei völlig unter. Endlose Kamerafahrten sind mehr technische Spielereien, als dass sie etwas zur Geschichte oder dem Charakter beitragen. Die Sets und die Ausstattung sind aber formidabel und ein optischer Genuss. Ebenso die Kostüme. Cruella könnte ein besserer Film sein, wenn da nicht der schale Beigeschmack wäre, hier ginge es nur um die Vermarktung eines Disney-Charakters.

    Zum ersten Mal wendet sich Disney an ein etwas älteres Publikum (10-12 plus). Gerade zu Beginn ist Cruella düster. Im Großen und Ganzen ist die Notwendigkeit aber fraglich. Im Kern geht es wie in nahezu jedem Märchenstoff um den Verlust der Mutter. Ein Flammeninferno kennt man aus zahlreichen Trickfilmen. Offenbar wird hier ein Unterschied zwischen Animation und Realfilm gemacht. Gerade der dürfte bei einem jüngeren Publikum aber zu vernachlässigen sein.

    Ein Markenzeichen fehlt neben Limousine, Dalmatiner und extravaganter Frisur: die Zigarettenspitze. Emma Stone hätte zu gerne etwas Rauch verblasen. Alleine die Politik von Disney verbietet es. Seit 2015 gilt ein rigoroses Rauchverbot in allen dem Konzern zugehörigen Sparten. Gut möglich, dass durch die anstehende Fortsetzung diese Vorgeschichte einmal in einem anderen Licht erscheinen wird. Jetzt gewinnt man jedoch den Eindruck, hier wurde ein Disney-Charakter dazu missbraucht, ein Franchise fortzuführen, das im Jahr 2000 mit 102 Dalmatiner ein unrühmliches Ende genommen hatte.

    Cruella

    Krimikomödie, USA 2021
    Regie
    Craig Gillespie
    Drehbuch Dana Fox, Tony McNamara, Aline Brosh McKenna, Kelly Marcel, Jez Butterworth, Steve Zissis
    Schnitt Tatjana S. Riegel
    Musik Nicolas Britell
    Mit Emma Stone, Emma Thompson
    Länge 134 Min.
    Streamingplattform Disney+
    Im Kino ab 18. Juni 2021




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  • PALM SPRINGS ★★★★½

    PALM SPRINGS ★★★★½

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    Filme, die im Jänner eines jeden Jahres beim Sundance Film Festival Premiere feiern, teilen meist ein Schicksal. Viele Filme mausern sich im Laufe des Jahres vom Geheimtipp zum Publikumsliebling. Allerdings bleibt ihnen nicht selten eine zeitnahe Veröffentlichung verwehrt. Gerade im vergangen Jahr ist das eine völlig unverständliche Vermarktungsstrategie. Die romantische Komödie Palm Springs von Max Barbakow (Ein weiteres Debüt in diesem Jahr) trifft dies mit voller Härte. Als Folge haben diese Filme bis zur offiziellen Veröffentlichung schon viele illegal im Netz gesehen. Was immer da im Hintergrund verhandelt wird, letzten Endes schadet es den Filmen. Dabei trägt Palm Springs gerade jetzt zu einer dringend nötigen Erheiterung bei.

    Sarah: „I want tomorrow to be tomorrow.“

    Nyles: „Unfortunately that’s never gonna be happen.„

    Sarah kann sich mit ihrem neuen Leben nicht so richtig anfreunden.

    Darum geht es

    Nyles (Andy Samberg) wacht am Hochzeitstag von Tala (Camilla Mendes) und Abe (Tyler Hoechlin) an der Seite seiner Freundin Misty (Meredith Hagner) auf. Als Talas Schwester Sarah (Cristin Milioti) auf der Hochzeit eine Rede halten soll, springt Nyles (auffällig unpassend mit einem Hawaiihemd und kurzen Hosen bekleidet) für sie ein, da sie sich bereits betrunken hatte. Das bringt die beiden einander an diesem Abend näher. Nyles weiß, dass Misty ihn betrügt. Sarah und Nyles fahren hinaus in die Natur um sich von Gefühlen überwältig einander hinzugeben, als Nyles plötzlich von einem Pfeil getroffen und von einem Mann namens Roy (J. K. Simmons) verfolgt wird. Sarah scheint ihn nicht zu kümmern und sie ist äußerst verstört hinsichtlich der seltsamen Situation. Nyles flüchtet in eine glühende Höhle und Sarah folgt ihm nach.

    Im nächsten Moment wacht Nyles neuerlich am Tag der Hochzeit neben seiner Freundin Misty auf. Als er sich später im Pool treiben lässt, stürmt Sarah plötzlich wütend auf ihn zu. Die beiden sind in einer Zeitschleife gefangen, in der sich der Tag der Hochzeit immer und immer wieder wiederholt.

    Auch in der romantischsten Beziehung kann es zu kleineren Krisen kommen.

    Kommentar

    Endlich! Palm Springs ist ein Film der gut unterhält und so richtig Spaß macht. Mit dieser Rom-Com erfüllen Max Barbakow und Drehbuchautor Andy Siara den Zeitschleifenfilm mit neuem Leben. Selbst der Vergleich mit großen Vorbildern wie Und täglich grüßt das Murmeltier (Harold Rami, 1993) muss nicht gescheut werden.

    Zu Beginn weiß man nicht so recht, wie man das Gesehene einordnen soll. Nach etwa einer viertel Stunde offenbart sich uns die Prämisse der Handlung – die alleine hier gespoilert werden muss und mehr auch schon nicht – und Palm Springs nimmt ordentlich an Fahrt auf. Die Handlung schlägt Haken wie ein Feldhase. Jeder Tag bringt eine neue Wendung und selbst rückblickend muss man lachen, da gerade der Beginn plötzlich unter einem völlig neuen Licht betrachtet werden kann.

    Irgendwie schafft es der Film, dass wir mir Sarah und Nyles mitfiebern, als wäre das, was die Beiden gerade durchmachen, das Natürlichste auf der Welt. Es ist einer jener Filme, bei denen man wahrhaftig spürt, dass die Darsteller einen riesen Spaß bei der Arbeit hatten, der sich auf das Publikum überträgt. Cristin Milioti und Andy Samberg geben ein wunderbares Paar ab, bei dem die Chemie einfach stimmt.

    Palm Springs unterscheidet sich insofern von anderen Zeitschleifenfilmen, als dass die Protagonisten kein Ziel verfolgen, um sich etwa einen Vorteil aus der Situation zu verschaffen. Einerseits ist es tödliche Langeweile, die sich breit macht und dann wiederum wird mit allen Mittel versucht, der Unendlichkeit zu entkommen. Natürlich entwickelte sich eine der romantischsten Geschichten der letzten Zeit erst durch die zahlreichen Wiederholungen. Sarah fühlt sich von Nyles‘ Nihilismus angezogen. Er hat bereits alles probiert, um aus der Zeitschleife zu entkommen und sich mit seiner Situation abgefunden. So lange steckt er schon in diesem Tag fest, dass er nicht mehr weiß, welchen Beruf er einst hatte und jedes auch noch so kleine Detail dieses Tages bereits in und Auswendig kennt. Dass die Beiden, mittlerweile Anfang 30, gewissermaßen schon viel früher in ihrem Leben steckengeblieben sind und spätpubertäre Verhaltensweisen an den Tag legen, entbehrt nicht einer gewissen Ironie.

    Im Englischen ist Bill Murrays Groundhog Day zum Synonym für sich im Leben immer wieder wiederholende Banalitäten geworden. Ob der Film mit einer reinen Onlineauswertung einen ähnlichen Kultstatus erreichen kann, wird die Zeit weisen. Palm Springs ist vermutlich der komischste Film des vergangenen Jahres und hat das Zeug zum Lieblingsfilm.

    PALM SPRINGS | MAX BARBAKOW | USA 2020 | 90 MIN. | [usr 4,5]


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  • ARMY OF THE DEAD ★★★

    ARMY OF THE DEAD ★★★

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    In Zack Snyders neuestem Film Army of the Dead (Netflix) wird Las Vegas von Zombies beherrscht und steht kurz vor der atomaren Auslöschung. Für viele mag das Filmspektakel eine willkommene Abwechslung in der blockbusterlosen Zeit zu sein. Es war allerdings bereist ein Vorzeichen, dass auf den Filmpostern anstelle der Namen der Darstellerinnen einzig der des Regisseurs zu lesen war. Nach einer langen Durststrecke haben wir uns besseres verdient. Zum Glück müssen das Siegfried und Roy nicht mehr erleben.

    Darum geht es

    Ein von einem militärischen Konvoi schwer bewachter Container rollt durch die Wüste. Dann ein blöder Unfall und etwas entkommt. Ein mordendes Biest. Vor ihm liegt das in der Nacht hell erleuchtete Las Vegas. In Army of the Dead geht es schon im Vorspann richtig rund. Die ganze Stadt ist dem Untergang geweiht. Zombies töten jeden, der ihnen in die Quere kommen. Schon bevor der Filmtitel erscheint, ist Las Vegas, so wie man es kennt, Geschichte. Die Stadt durch eine Mauer aus Containern isoliert.

    Folglich wird der ehemalige Soldat Scott Ward (Dave Bautista) von Casinobesitzer Tanaka (Hiroyuki Sanada) beauftragt, ein Team zusammenzustellen, um sein eigenes Casino auszurauben. Darin befindet sich in einem Safe eine enorme Geldsumme, die nirgendwo registriert und somit nicht rückverfolgbar ist. Die Verlockung ist groß. Ward nimmt den Auftrag an. Gemeinsam mit seinem Team dringt er in die abgeriegelte Stadt ein. Dort haben bereits hochintelligente Zombies die Kontrolle übernommen und natürlich verläuft nicht alles nach Plan. Doch Ihnen bleibt nicht viel Zeit. Die Regierung hat beschlossen, die Stadt in wenigen Stunden mit einer Atombombe zu eliminieren.

    Teambuilding in Army of the Dead (2021)

    Kommentar

    Im Kern geht es in der Geschichte um einen klassischen Vater-Tochter-Konflikt (abgesehen davon, dass der Vater die von Zombies infizierte Mutter töten musste). Darum ist aber ein Filmmonstrum gebaut. Zack Snyder nimmt sich nach einem fulminanten Vorspann sehr viel Zeit um seine Charaktere einzuführen. Allen voran Scott Ward, gespielt vom Dave Bautista. Der schlägt sich in der Hauptrolle übrigens recht gut durch. Doch wer möchte das in einem Zombiefilm überhaupt sehen? Zudem weiss man am Ende trotzdem recht wenig über seine Wegbegleiterinnen. Sie sind durch die Bank recht unsympathisch. Erstaunlicherweise macht Matthias Schweighöfer in seiner recht dümmlich angelegten Rolle des deutschen Safeknackers Dieter noch die beste Figur.

    Mit dem Timing ist das also so eine Sache. Der überlange Film kann an den anfänglichen Höhepunkt nicht mehr anschließen. Der ist bunt, schrill und ein riesen Spaß. Einzig die begleitende Coverversion von Viva Las Vegas ist ein Graus. Das Setdesign ist durchwegs episch. Der weiße Zombietiger spektakulär. Die Splattereffekte sehr fein. Die Parallelhandlung mit einer Zombiekönigin vielversprechend aber unfertig. Um mehr auf die Handlung einzugehen, müsste man gar zu viel Spoilern. Nur soviel: am Ende wird man sich nicht nur Fragen: warum das Ganze? Die Geschichte verläuft ins Nichts. Da werden Andeutungen gemacht, auf die später nicht mehr eingegangen wird. Der Auftrag selbst ist höchst dubios. Im Netz gibt es den Gag, ein Teammitglied, das die Aktion für bescheuert hält und bereits am Anfang das Handtuch wirft, sei der intelligenteste Charakter im ganzen Film. Wie gelangt man eigentlich in ein abgeriegeltes Areal, in dem hochintelligente Zombies ihr Unwesen treiben? Bei Snyder geht man einfach durch die Tür.

    Isolation und Quarantäne kennt heute schon fast jeder. Diese nun ungewollten Parallelen in die Gegenwart gibt es jetzt nunmal. Politische Anspielungen mögen gewollt sein oder nicht. Die für das Zombiegenre typische Konsumkritik fällt in Las Vegas naturgemäß auf fruchtbaren Boden. Kuriosum am Rande: die Helikopterpilotin gespielt von Tig Notaro wurde erst nach den Dreharbeiten in den Film eingefügt. Kostenpunkt: mehrere Millionen Dollar.

    Matthias Schweighöfer hat übrigens bereit als Regisseur das Prequel Army of Thieves abgedreht. Darin ist er neuerlich in der Rolle von Dieter zu sehen und spielt an der Seite von Peter Simonischek. Was Zack Snyder und Simonischek verbindet, ist nun also auch für das nächste Filmquiz geklärt.

    Army of the Dead setzt den Weg moderner Zombiefilme fort. Ein rarer Blockbuster, der sein Potential bei weitem nicht ausspielen kann. Die Idee, das Genre mit dem Heist-Movie zu verknüpfen, kann der Film sicher auf der positiven Seite verbuchen. Übrigens: laut Netflix ist Zack Snyders Zombiedämmerung bereits der Snyder Cut.

    Army of the Dead

    Zombiefilm, USA 2021
    Regie
    Zack Snyder
    Drehbuch Zack Snyder, Shay Hatten, Jobs Harold
    Schnitt Dody Dorn
    Musik Junkie XL
    Mit Dave Bautista, Kate Ward, Omari Hardwick, Ana de la Reguera, Theo Rossi, Matthias Schweighöfer, Nora Arnezeder, Tig Notaro, Hiroyuki Sanada
    Länge 148 Min.
    Streamingplattform Netflix



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  • LOVE AND MONSTERS ★★★½

    LOVE AND MONSTERS ★★★½

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    Unglaublich aber war: es ist heute noch möglich, dass uns ein Monsterfilm als unerwarteter Spaß überrascht. Love and Monsters erhielt in diesem Jahr eine Oscar Nominierung für die Spezialeffekte und hätte die Auszeichnung mehr als verdient – und natürlich auch auf der großen Leinwand gesehen zu werden. Ohne Staraufgebot aber mit charmanten Darstellern gibt es auch für die jüngeren Monsterfans allerhand spektakulär riesige und schleimige Kreaturen zu sehen. Die Menschheit hat nämlich versucht mit Raketen einen die Erde bedrohenden Asteroiden abzuschießen, ohne sich über die Nebenwirkungen zu erkundigen. Sie fallen drastischer aus als Schmerzen an der Einstichstelle.

    Darum geht es

    Sieben Jahre sind vergangen seit der Monsterapokalypse. Joel Dawson (Dylan O’Brian) zählt zu den wenigen Überlebenden der Weltbevölkerung. Sie haben Zuflucht in Kolonien im Untergrund gefunden. Hier sind die Menschen vor den gigantischen Kreaturen sicher, die die Kontrolle über die Erde übernommen haben.

    Als man versuchte, einen Asteroiden, der auf die Erde zusteuerte, mit Raketen abzuschießen, hatte niemand an den radioaktiven Niederschlag gedacht. Alleine Insekten und Amphibien ist der wohlbekommen. Für die Menschheit hieß es fortan: ab in den Untergrund. Durch den Vorfall wurde Joel von seiner Geliebten Aimee (Jessica Henwick) getrennt. Als er über Funk kontakt zu ihr aufnehmen kann, beschließt er, trotz aller Warnungen seiner Mitbewohner, sich auf den Weg zu ihr zu machen. Völlig unerfahren begibt sich Joel auf das größte Abenteuer seines Lebens. Den einzigen Ratschlag den er mitbekommt ist: laufen!

    Warum man im Wald den weg nicht verlassen sollte …

    Kommentar

    Die stolze Anzahl von 13 Kreaturen bekommt man in Love and Monsters serviert. Keine muss sich im Dunklen verstecken und so können wir Tausendfüssler, Frösche oder Schnecken von enormer Größe in ihrem Detailreichtum und ihrer ganzen Pracht bewundern. Es wurde unter anderem mit Animatronics gearbeitet, also realen Modellen und nicht wie sonst üblich ausschließlich mit digitalen Effekten. Die Kreaturen wirken haptischer, erdiger und schleimiger als man es von den computergenerierten Monstern heute gewohnt ist.

    Als Sidekick bekommt Joel den Hund Boy mit auf den Weg, der sich in den sozialen Medien einer großen Anhängerschaft erfreut und für viele der heimliche Star des Film ist. Viel gelobt wurde der Film für seine Charakterentwicklung und seine feministische Note. Joel wird vom Nerd zum Kämpfer und die weibliche Nebenrolle ist nicht nur Staffage, sondern sorgt für einen Twist. Der Showdown mit einer gigantischen Krabbe wirkt allerdings etwas aufgesetzt aber überzeugt trotzdem mit seinen Schauwerten. Das Ende lässt eine Fortsetzung offen. Love and Monsters weiß gut zu unterhalten. Ein weiterer familienfreundlicher Monsterfilm, der sich selbst nicht all zu ernst nimmt, wäre sehr willkommen.

    Love and Monsters

    Abenteuerfilm, USA/AUS 2020
    Regie
    Michael Matthews
    Drehbuch Brian Duffield, Matthew Robinson
    Kamera Lachlan Milne
    Schnitt Debbie Berman, Nancy Richardson
    Musik Marco Beltrami, Marcus Trump
    Mit Dylan O’Brian, Jessica Henwick, Dan Ewing, Ariana Greenblatt,
    Länge 109 Min.
    Streamingplattform Netflix


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  • GRETEL & HÄNSEL ★★★½

    GRETEL & HÄNSEL ★★★½

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    Sky go | Prime Video

    Märchen gehören wohl zu den bekanntesten und einflussreichsten Erzählungen überhaupt. Die Märchensammlung der Brüder Grimm aus dem 19. Jahrhundert bietet die Ausgangslage für zahlreiche Interpretationen und ist nicht zuletzt Grundlage für den Erfolg von Disney. Dort bedient man sich der klaren Strukturen und macht sich die immer wiederkehrenden Motive zu nutze. An ein älteres Publikum richtete sich 2013 Hänsel und Gretel: Hexenjäger. Darin werden aus dem Geschwisterpaar Kopfgeldjäger. Nun gibt es mit Gretel & Hänsel eine bildgewaltige Variante, die Horrorelemente in den Vordergrund rückt. Der Titel verrät es bereits: der Fokus ist hier anders gelegt.

    Darum geht es

    Nach dem Tod des Vaters begibt sich Gretel (Sophia Lillis) mit ihrem kleinen Bruder Hänsel (Sammy Leakey) auf Arbeitssuche. Der Hunger ist groß und als sie im Wald zu einem Haus kommen, aus dem es nach Essen duftet, kann sich Hänsel nicht mehr zurückhalten und stürzt sich auf den reich gedeckten Tisch. Dabei wird er von der Hausherrin Hulda (Alice Krige) erwischt. Diese zeigt sich jedoch gastfreundlich. Sie bietet den beiden Essen und ein Bett an. Tag für Tag ist der Tisch reich gedeckt. Die Fülle an Speisen macht Gretel zunehmend misstrauisch. Bald plagen das Mädchen nächtliche Visionen. Die Alte Frau möchte Gretel in die Künste der Hexerei einführen. Doch als ihr kleiner Bruder verschwindet, macht sie im Keller des Hauses eine erschreckende Entdeckung.

    Kommentar

    Bei aktuellen Verfilmungen von Geschichten für Kinder, treten seit ein paar Jahren die weiblichen Figuren als Heldinnen in den Vordergrund. Pionierin ist hier die lose auf einem Märchen von Hans Christian Anderson basierende Eiskönigin (Die Eiskönigin – Völlig unverfroren, 2013). Auf Plakaten und Filmtiteln waren die berühmten Vorgängerinnen schon seit eh und je vertreten. Neu war, dass sie, wie zuletzt Raja und der letzte Drache, ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen durften und nicht auf ihren Prinzen warten mussten.

    Nur konsequent, dass sich nun Drehbuchautor Rob Hayes dem bekanntesten und düstersten Märchen der Brüder Grimm annimmt, um aus dem Kind Gretel eine 16-jährige Jungendliche zu machen. Ihr Bruder bleibt ein kleiner Bub und ist mehr Beiwerk und schon gar keine Hilfe für die große Schwester. Dieser feministische Ansatz ist eine der neuen Ideen von Gretel & Hansel. Es beginnt damit, dass die Hexe selbst eine Hintergrundgeschichte bekommt. Das wird für den Schluss wichtig sein. Hulda ist dadurch nicht weniger gruselig, dafür sorgt Alice Krige. Gretel wird erst gar nicht in die Opferrolle gedrängt. Hulda sieht in ihr vielmehr eine Gleichgesinnte. Es macht die Situation für das Geschwisterpaar dadurch aber auch nicht weniger gefährlich. Kinderliebe ist der Alten mehr als fremd.

    Neben dem beeindruckenden visuellen Stil (das Hexenhaus mit den spitzen Dach kann sich sehen lassen, verbirgt es doch in seinem Inneren mehr, als es von Außen den Anschein macht) bleibt vor allem der Synthie-Soundtrack des französischen Musikers Rob im Gedächtnis. Wer einen Eindruck von der Atmosphäre des Filmes bekommen möchte, sollte hier einmal reinhören.

    Leider verläßt sich Gretel & Hansel zu sehr auf seine Grundprämisse. Für einen erwachsenen Horrorfilm ist er über weite Strecken zu harmlos um tatsächlich einer Altersfreigabe von 16 Jahren gerecht zu werden. Gerade die unerwarteten Perspektivenwechsel bedürften einer tiefgehenderen Ausarbeitung. Vielleicht ist der Film dafür zu kurz geraten. Im Gegenzug wirken die 88 Minuten gar recht lange.

    Oz Perkins‘ Version des Märchenklassikers ist eine kluge und bildgewaltige Neuinterpretation, die aber nicht so recht zünden möchte.

    Gretel & Hänsel

    Horrorfilm, USA 2020
    Regie
    Oz Perkins
    Drehbuch Rob Hayes
    Kamera Galo Olivares
    Schnitt Josh Ethier, Julia Wong
    Musik Robin Coudert
    Mit Sophia Lillis, Sammy Leakey, Alice Krige
    Länge 88 Min.
    Streamingplattform Sky Go, Prime Video


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  • NOMADLAND ★★★★½

    NOMADLAND ★★★★½

    Jetzt nur im Kino

    Es kommt immer wieder vor, dass am Ende einer mit der Oscar-Verleihung endenden Filmsaison (Sie wurde in diesem Jahr auf den 25. April verschoben), ein Film hervorsticht, auf den sich so gut wie alle einigen können. In diesem Jahr sieht es ganz so aus, als wäre es Nomadland von Chloé Zhao. Mit der großartigen Frances McDormand in der Hauptrolle, trifft der Film fast prophetisch Mitten ins Herz einer Krise, in der immer mehr Menschen unter die Räder kommen und sich unter widrigen Bedingungen über Wasser halten müssen.

    Darum geht es

    Fern (Frances McDormand) hat alles verloren. Ihren Mann, ihre Arbeit, ihren Wohnort. Nach der Schliessung einer Fabrik, wird die Postleitzahl ihrer Heimatstadt Empire einfach ausgelöscht. Die Frau lebt nun in einem Van und verdingt sich als Tagelöhnerin. Das Jahr wird durch den Kreislauf diverser Jobs bestimmt. Vor Weihnachten macht sie Station bei Amazon. Sie ist nicht allein: es gibt eine ganze Gruppe von Menschen, die wie Nomaden leben, abgeschieden und ohne festen Wohnsitz. Im Laufe des Jahres kommt man da und dort zusammen, auch um der tristen Einsamkeit zu entgehen.

    Nomadland (2020)

    Kommentar

    Man muss sich vorstellen, dass Nomadland natürlich vor der derzeit vorherrschenden Pandemie entstanden ist. Inspiriert von dem 2017 erschienenen Buch Nomadland: Surviving America in the Twenty-First Century von Jessica Bruder und dem Antikapitalsten Bob Wells (im Film spielt er sich selbst) fanden die Dreharbeiten bereits im Jahr 2018 statt. Der Film wurde am 11. September 2020 bei den Filmfestspielen von Venedig und dem Toronto Filmfestival mit gleichzeitigen Filmvorführungen erstmals dem Publikum präsentiert. In Venedig wurde der Film mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet.

    Frances McDormand ist in der Rolle ihres Lebens zu sehen. Fern ist trotz aller Schicksalsschläge ein lebensfroher und großherziger Mensch. Die Leichtigkeit in McDormands Schauspiel ist beeindruckend. Neben David Strathairn als David spielen LaiendarstellerInnen, deren Rollen an ihr eigenes Leben angelehnt sind und sie lassen die Grenzen zwischen Spielfilm und Dokumentation verschwimmen. Das war bereits in Zhaos beeindruckenden letzten Film The Rider (USA 2017) so, in dem sich ein Rodeoreiter selbst spielte.

    Jeder der schon einmal in den USA war kennt sie, die im Dienstleistungssektor arbeitende Generation 60 plus. Eigentlich schon zu alt um noch zu arbeiten aber gleichzeitig zu arm um ihren Ruhestand genießen zu können. In den letzten Jahren hat sich eine eigene Gruppe von Menschen gebildet, die in Vans und Wohnwägen wie Nomaden durchs Land ziehen und deren Wege sich immer wieder kreuzen. Nicht zuletzt die Finanzkrise 2008 hat sie in diese Lage gebracht.

    Sie erleben ein Freiheitsgefühl und vielleicht ist es nur die Illusion von Unabhängigkeit aber diese Menschen sind nicht verarmt oder gar verwahrlost und haben sich sehr wohl für diese Lebensart entschieden. Gerade die Besitzlosigkeit empfinden sie als befreiend. Chloé Zhao gelingt die Gratwanderung Menschen zu zeigen, die ihre Freiheit lieben, ohne ihre prekäre Situation zu romantisieren. Denn gerade die medizinische Altersversorgung ist katastrophal.

    Im Grunde leben diese Nomaden ein für den Planeten verträglicheres Leben als wir alle, eng in Einklang mit der kalten, rauen und weiten Landschaft Nordamerikas. Zhao wirft einen längst notwenigen Blick auf die Auswüchse eines kapitalistischen Systems, in dem die Reichen immer reicher werden und andere sich keine Wohnung mehr leisten können. Die Regisseurin macht das ohne diese Menschen als Opfer zu brandmarken. Ihre Filme sind von einer triefen Humanität geprägt.

    Dieser Text wurde im Rahmen der Viennale 2020 verfasst.


    Bei der Oscar-Verleihung 2021 wurde Nomadland vier Mal ausgezeichnet:

    BESTER FILM für Molly Asher, Dan Janney, Frances McDormand, Peter Spears und Chloé Zhao

    BESTE REGIE für Chloé Zhao

    BESTE HAUPTDARSTELLERIN für Frances McDormand


    Nomadland

    Drama, USA 2020
    Regie, Drehbuch und Schnitt
    Chloé Zhao
    Kamera Joshua James Richards
    Musik Ludovico Einaudi
    Länge 108 Min
    Streamingplattform Derzeit in Österreich nicht verfügbar


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  • QUO VADIS, AIDA? ★★★★

    QUO VADIS, AIDA? ★★★★

    Bis 28. April verfügbar auf der Seite des

    goEast> Filmfestival

    Es gilt als das schwerste Kriegsverbrechen in Europa seit dem 2. Weltkrieg. 2020 jährte sich das Massaker von Srebrenica zum 25. Mal. Die Regisseurin Jasmila Žbanić zeigt die Tage rund um das Massaker aus der Perspektive der Lehrerin und Dolmetscherin Aida. Die internationale Koproduktion mit der Beteiligung von coop99 und dem Film und Fernsehabkommen des ORF wurde auch vom Filmfonds Wien unterstützt. Quo Vadis, Aida? lief im Wettbewerb der Internationalen Filmfestspiele von Venedig und ist bei den Oscars 2021 als Bester Fremdsprachiger Film nominiert. Polyfilm bringt den Film voraussichtlich kommenden Sommer in die österreichischen Kinos.

    Darum geht es

    Es ist Juli 1995. Der Krieg am Balkan dauert nun schon über drei Jahre an. Die bosnisch-serbische Armee hat die Kontrolle über die Republik Bosnien und Herzegowina übernommen. Es sind die Tage und Stunden vor dem Massaker von Srebrenica, bei dem über 8000 Bosniaken ermordet wurden. Das Verbrechen wurde unter der Führung von Ratko Mladić von der Armee der Republika Srpska, der Polizei und serbischen Paramilitärs verübt. 

    Die Lehrerin Aida (Jasna Đuričić) ist als Übersetzerin in der UN-Schutzzone tätig. Der niederländische Offizier Thomas Karremans (Johan Heldenbergh) hat das Kommando über die leicht bewaffnete Schutztruppe der Vereinten Nationen. Die Lage ist sowohl für die Schutzbedürftigen als auch die Soldaten prekär, da die Versorgungslinien abgeschnitten wurden. Aida versucht ihre Familie, die vor einem UN-Stützpunkt auf Einlass wartet, in Sicherheit zu bringen. Als Übersetzerin ist sie anwesend bei den Verhandlungen zwischen der UN und Mladić (Boris Isakivić). Sie weiß längst, das der General die Staatengemeinschaft an der Nase herumführt.

    Als die feindliche Armee näher rückt, fordert Karremans Verstärkung an. Diese wird von der Generalversammlung nicht gewährt. Die Soldaten können nur tatenlos zusehen, wie tausende Menschen unter dem Kommando von Mladić in Bussen abtransportiert werden.

    Paramilitärische Einheiten fordern Einlass in die UN-Schutzzone (Quo Vadis, Aida?)

    Kommentar

    Aida ist das Entsetzen ins Gesicht geschrieben. Schon Tage vor dem 11. Juli 1995 scheint klar zu sein, welche Katastrophe sich in der Kleinstadt Srebrenica anbahnt. Tausende Menschen sind seit Tagen von der Versorgung abgeschnitten. Hilfslieferungen werden von der Armee der Republika Srpska und deren Handlanger abgefangen. Der Präsident der Republik Srpska Radovan Karadžić hatte den Befehl gegeben, die Region auszuhungern. Die Rolle der UN-Einheit unter dem Kommando von Thomas Karremans ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Klar ist, dass sie gegen einen Angriff der Armee nicht gerüstet waren. Von Mladićs Schergen angefertigte Videoaufnahmen belasten die UN jedoch schwer. Das Nichteinschreiten der Vereinten Nationen hat den Ruf der Institution nachhaltig beschädigt.

    Die Kamera ist bei General Mladić für Propagandazwecke immer mit dabei. Am Ende der Dokumentation Himmel über Srebrenica (YouTube-Link), stossen der UN-Offizier Karremans und Mladić mit einem Schnaps an und verabschieden gemeinsam den Abzug der UN-Truppen. Der General kümmere sich nun selbst um die bosnischen Männer, Frauen und Kinder. In Quo Vadis, Aida kommen genau diese Szenen zwar nicht vor, doch Regisseurin Žbanić schafft es mit ihrer fast dokumentarischen Herangehensweise, das Geschehen mit einer gewissen analytischen Distanz – sofern dies überhaupt möglich ist – aufzuarbeiten. Einzig das Schicksal von Aida und ihrer Familie ermöglichen einen emotionalen Zugang.

    Der technokratische Zugang ist auf beiden Seiten gleich. Mladić verfolgt klar ein Ziel und auch die Soldaten bewegen sich keinen Millimeter weg von den Vorgaben, auch als bereits klar zu sein scheint, welche Katastrophe sich hier anbahnt und Männer in unmittelbarer Nähe des Lagers erschossen werden. Die Gräueltaten hinterlassen ihre Spuren einzig auf der Tonspur. Zeigen tut sie Žbanić nicht. Das kommt dem Film zugute, da keine Bilder dem Schrecken gerecht werden können.

    Der Umstand, dass die Hauptdarstellerin Jasna Đuričić Serbin ist, hat eine zumindest kleine Diskussion hervorgerufen. Ist gerade eine Serbin dafür geeignet, sich in das Leid der Bosniaken hineinzuversetzen? Für Đuričić sind alle Frauen gleich. Melisa Erkurt meint dazu, dass sie es gerade damals aber nicht waren. (Quelle: Falter/Erkurt, 15/21) Würde umgekehrt ein Jude einen Nazischergen spielen? Die Debatte ließe sich weiterspinnen. Nun ist Đuričić ganz klar das Herz des Filmes geworden. Die große Mehrheit des Publikums wird die Hintergründe nicht kennen und letzlich sind sie für den Film belanglos. Schließlich gibt es keine Sippenhaftung.

    Quo Vadis, Aida? ist ein Kriegsdrama, dass sich weit weg von Kampfhandlungen abspielt und die humanitäre Katastrophe in den Fokus rückt, die oft im Verborgenen bleibt. Der Wahnsinn wird auf ein Schicksal, auf eine feministische Perspektive heruntergebrochen. Eine dramaturgische Überhöhung ist nicht notwendig. Ein Film, der unter die Haut geht.

    Quo vadis, Aida?

    Drama, BIH, AT, NL, DE, u.a. 2020
    Regie/Drehbuch
    Jasmila Žbanić
    Kamera Christine A. Mayer
    Schnitt Jarosław Kamiński
    Mit Jasna Đuričić, Izudin Bajrović, Boris Ler, Dino Bajrović, Boris Isakivić, Johan Heldenbergh
    Länge 104 min
    Streamingplattform bis 28. April 2021 auf der Seite des goEast Filmfestival verfügbar


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  • DAVID BYRNE’S AMERICAN UTOPIA ★★★★★

    DAVID BYRNE’S AMERICAN UTOPIA ★★★★★

    Jetzt verfügbar bei

    diversen Anbietern VOD

    Im vergangenen Jahr hat neben Hamilton noch eine zweite Broadwayproduktion den Weg auf die Bildschirme gefunden und das ebenso mit einer Eindringlichkeit, die man so von einer Bühnenproduktion nicht erwarten konnte. American Utopia ist ein Solo-Album von David Byrne aus dem Jahr 2018. Für die Bühnenshow adaptierte Byrne das Album und erweiterte es mit Songs seiner Karriere. David Byrne’s American Utopia feierte im September 2020 beim Toronto International Film Festival Premiere.

    David Byrne im Herbst 2019 auf der Bühne des Hudson Theatre in New York.

    In einer atemberaubenden Choreographie von Annie-B Parson steht Byrne mit 11 MusikerInnen mit kabellosen und portablen Instrumenten in stahlgrauen Anzügen barfuß auf der Bühne. Die Show ist reich an politischen Statements, in denen Byrne über die Wahlen, Black Lives Matters, Polizeigewalt und über die Rolle des Individuums in der Gesellschaft an sich reflektiert. Während der Coverversion von Janelle Monáe’s Hell You Talmabout zeigt uns Spike Lee die Gesichter von Opfern von Polizeigewalt.

    Spike Lee gelingt es, dem Publikum vor den Bildschirmen die Show aus dem Hudson Theatre in New York unmittelbar näher zu bringen. American Utopia ist eine aussergewöhnliche Bühnenperformance und eine große Empfehlung für alle, die Musik und Theater lieben. Ein Geschenk in einem Jahr, in dem die Theatertüren so lange verschlossen geblieben sind.

    David Byrne im Gespräch mit Spike Lee

    American Utopia

    Konzertfilm, USA 2020
    Regie
    Spike Lee
    Drehbuch David Byrne
    Choreographie Annie-B Parson
    Kamera Ellen Kuras
    Schnitt Adam Gough
    Länge 105 Min.
    Streamingplattform diverse Anbieter VOD


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  • SHAUN DAS SCHAF – UFO-ALARM ★★★½

    SHAUN DAS SCHAF – UFO-ALARM ★★★½

    Jetzt verfügbar bei

    diversen Anbietern als VOD

    Die populäre Serienfigur Shaun das Schaf von Aardman Animations erlebt in Shaun das Schaf – UFO-Alarm seinen zweiten Leinwandauftritt nach dem Debüt im Jahr 2015. Den ersten Auftritt hatte die Figur 1995 im Kurzfilm Wallace & Gromit – Unter Schafen. Ursprünglich eine Nebenfigur, ist Shaun, der vor Langeweile immer auf die verrücktesten Ideen kommt, heute wohl der beliebteste Stop-Motion Charakter überhaupt. Wie schon der erste Teil wurde der Film in der Kategorie Best Animated Feature für einen Oscar nominiert.

    Darum geht es

    Eines Tages verirrt sich ein extraterrestrisches Wesen auf der Erde und landet just in Mossy Bottom. Seltsames passiert und die Scheune gerät in helle Aufruhr. Einzig der abenteuerlustige Shaun muss den eigenartigen Vorkommnissen natürlich auf den Grund gehen. Gleichzeitig ist eine geheime Spezialeinheit dem Neuankömmling dicht auf den Fersen. Als sich UFO Sichtungen häufen und die Bevölkerung immer mehr in Verzückung gerät, beschließt der Farmer einen UFO-Freizeitpark unter dem Namen Farmageddon zu eröffnen. Shaun versucht in der Zwischenzeit dem kleinen Außerirdischen mit den ungewöhnlichen Fähigkeiten dabei behilflich zu sein, sein UFO zu finden, damit der zurück zu seiner Familie gelangen kann.

    Da prallen zwei Welten aufeinander.

    Kommentar

    Spätestens seit Wallace & Gromit – Alles Käse (1989) ist Aardman Animations einem breiten Publikum bekannt. Seitdem versorgt uns das Team um Peter Lord und Nick Park mit erstklassiger Stop-Motion Unterhaltung. Mit dem Verzicht auf Dialoge, dafür technischer Perfektion, liebevollen Details und allerhand Anspielungen auf die Filmgeschichte eroberte das Studio die Herzen einer großen Fangemeinde.

    Das neueste Werk Shaun das Schaf – UFO-Alarm ist da keine Ausnahme. Perfektes Timing und Verweise auf Akte-X, Odyssee im Weltraum und natürlich E.T. – Der Außerirdische sorgen nicht nur bei den Kleinsten für Lacher. Auch ein junges Zielpublikum hat sich clevere Unterhaltung verdient und das hat man bei Aardman Animations schon lange erkannt.


    Shaun das Schaf – UFO-Alarm (OT: A Shaun the Sheep Movie: Farmageddon)

    Animationsfilm, USA 2019
    Regie
     Richard Phelan, Will Becher
    Drehbuch Mark Burton, Jon Brown
    Schnitt Sim Evan-Jones
    Musik Tom Howe
    Länge 87 Min.
    Streamingplattform VOD bei diversen Anbietern


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