Schlagwort: 2021

  • ARMY OF THE DEAD ★★★

    ARMY OF THE DEAD ★★★

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    In Zack Snyders neuestem Film Army of the Dead (Netflix) wird Las Vegas von Zombies beherrscht und steht kurz vor der atomaren Auslöschung. Für viele mag das Filmspektakel eine willkommene Abwechslung in der blockbusterlosen Zeit zu sein. Es war allerdings bereist ein Vorzeichen, dass auf den Filmpostern anstelle der Namen der Darstellerinnen einzig der des Regisseurs zu lesen war. Nach einer langen Durststrecke haben wir uns besseres verdient. Zum Glück müssen das Siegfried und Roy nicht mehr erleben.

    Darum geht es

    Ein von einem militärischen Konvoi schwer bewachter Container rollt durch die Wüste. Dann ein blöder Unfall und etwas entkommt. Ein mordendes Biest. Vor ihm liegt das in der Nacht hell erleuchtete Las Vegas. In Army of the Dead geht es schon im Vorspann richtig rund. Die ganze Stadt ist dem Untergang geweiht. Zombies töten jeden, der ihnen in die Quere kommen. Schon bevor der Filmtitel erscheint, ist Las Vegas, so wie man es kennt, Geschichte. Die Stadt durch eine Mauer aus Containern isoliert.

    Folglich wird der ehemalige Soldat Scott Ward (Dave Bautista) von Casinobesitzer Tanaka (Hiroyuki Sanada) beauftragt, ein Team zusammenzustellen, um sein eigenes Casino auszurauben. Darin befindet sich in einem Safe eine enorme Geldsumme, die nirgendwo registriert und somit nicht rückverfolgbar ist. Die Verlockung ist groß. Ward nimmt den Auftrag an. Gemeinsam mit seinem Team dringt er in die abgeriegelte Stadt ein. Dort haben bereits hochintelligente Zombies die Kontrolle übernommen und natürlich verläuft nicht alles nach Plan. Doch Ihnen bleibt nicht viel Zeit. Die Regierung hat beschlossen, die Stadt in wenigen Stunden mit einer Atombombe zu eliminieren.

    Teambuilding in Army of the Dead (2021)

    Kommentar

    Im Kern geht es in der Geschichte um einen klassischen Vater-Tochter-Konflikt (abgesehen davon, dass der Vater die von Zombies infizierte Mutter töten musste). Darum ist aber ein Filmmonstrum gebaut. Zack Snyder nimmt sich nach einem fulminanten Vorspann sehr viel Zeit um seine Charaktere einzuführen. Allen voran Scott Ward, gespielt vom Dave Bautista. Der schlägt sich in der Hauptrolle übrigens recht gut durch. Doch wer möchte das in einem Zombiefilm überhaupt sehen? Zudem weiss man am Ende trotzdem recht wenig über seine Wegbegleiterinnen. Sie sind durch die Bank recht unsympathisch. Erstaunlicherweise macht Matthias Schweighöfer in seiner recht dümmlich angelegten Rolle des deutschen Safeknackers Dieter noch die beste Figur.

    Mit dem Timing ist das also so eine Sache. Der überlange Film kann an den anfänglichen Höhepunkt nicht mehr anschließen. Der ist bunt, schrill und ein riesen Spaß. Einzig die begleitende Coverversion von Viva Las Vegas ist ein Graus. Das Setdesign ist durchwegs episch. Der weiße Zombietiger spektakulär. Die Splattereffekte sehr fein. Die Parallelhandlung mit einer Zombiekönigin vielversprechend aber unfertig. Um mehr auf die Handlung einzugehen, müsste man gar zu viel Spoilern. Nur soviel: am Ende wird man sich nicht nur Fragen: warum das Ganze? Die Geschichte verläuft ins Nichts. Da werden Andeutungen gemacht, auf die später nicht mehr eingegangen wird. Der Auftrag selbst ist höchst dubios. Im Netz gibt es den Gag, ein Teammitglied, das die Aktion für bescheuert hält und bereits am Anfang das Handtuch wirft, sei der intelligenteste Charakter im ganzen Film. Wie gelangt man eigentlich in ein abgeriegeltes Areal, in dem hochintelligente Zombies ihr Unwesen treiben? Bei Snyder geht man einfach durch die Tür.

    Isolation und Quarantäne kennt heute schon fast jeder. Diese nun ungewollten Parallelen in die Gegenwart gibt es jetzt nunmal. Politische Anspielungen mögen gewollt sein oder nicht. Die für das Zombiegenre typische Konsumkritik fällt in Las Vegas naturgemäß auf fruchtbaren Boden. Kuriosum am Rande: die Helikopterpilotin gespielt von Tig Notaro wurde erst nach den Dreharbeiten in den Film eingefügt. Kostenpunkt: mehrere Millionen Dollar.

    Matthias Schweighöfer hat übrigens bereit als Regisseur das Prequel Army of Thieves abgedreht. Darin ist er neuerlich in der Rolle von Dieter zu sehen und spielt an der Seite von Peter Simonischek. Was Zack Snyder und Simonischek verbindet, ist nun also auch für das nächste Filmquiz geklärt.

    Army of the Dead setzt den Weg moderner Zombiefilme fort. Ein rarer Blockbuster, der sein Potential bei weitem nicht ausspielen kann. Die Idee, das Genre mit dem Heist-Movie zu verknüpfen, kann der Film sicher auf der positiven Seite verbuchen. Übrigens: laut Netflix ist Zack Snyders Zombiedämmerung bereits der Snyder Cut.

    Army of the Dead

    Zombiefilm, USA 2021
    Regie
    Zack Snyder
    Drehbuch Zack Snyder, Shay Hatten, Jobs Harold
    Schnitt Dody Dorn
    Musik Junkie XL
    Mit Dave Bautista, Kate Ward, Omari Hardwick, Ana de la Reguera, Theo Rossi, Matthias Schweighöfer, Nora Arnezeder, Tig Notaro, Hiroyuki Sanada
    Länge 148 Min.
    Streamingplattform Netflix



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  • DIE MITCHELLS GEGEN DIE MASCHINEN ★★★★½

    DIE MITCHELLS GEGEN DIE MASCHINEN ★★★★½

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    Da hat sich Netflix den nächsten großen Fisch geschnappt. Sony Pictures sind im vergangenen Jahr die Kinos abhanden gekommen und so hat die Streamingplattform bei Die Mitchells und die Maschinen zugeschlagen. Das Science-Fiction Familienabenteuer ist das erste Highlight in diesem Kinojahr. Regiedebütant Mike Rianda lässt ein rasantes Gag- und Zitatefeuerwerk auf das Publikum los und spart dabei nicht mit Kritik an der Technologisierung unserer Wohnzimmer und Hosentaschen. Ein Spaß für Groß und Klein.

    Darum geht es

    Katie Mitchell (Abbi Jacobson) ist ein großes Talent. Gerade wurde sie an einer Filmschule in Kalifornien aufgenommen. Da sich ihre Fähigkeiten allerdings auf Handy und das Internet konzentrieren, bekommt ihre Familie, allen voran ihr Vater Rick (Danny McBride), nichts davon mit. Der hat nämlich eine regelrechte Technikphobie, nur Outdoor-Überlebensweisheiten im Kopf und hält seinen Schraubenzieher für das einzig wichtige Werkzeug überhaupt. Seine Tochter möchte von all dem nichts wissen und möchte nur mehr weg von ihrer Familie.

    Um das Familiengleichgewicht wieder herzustellen, beschließt Rick kurzerhand, dass sie Katie alle gemeinsam nach Kalifornien aufs College bringen werden. Sehr zum entsetzen der Tochter. Gerade als sie sich auf den Trip begeben, präsentiert der Entwickler Mark Bowman (Eric Andre) im Silicon Valley seine neueste Erfindung. Roboter sollen das Zusammenleben revolutionieren. Gleichzeitig erklärt er seine bisherige Kreation, die virtuelle Assistentin PAL (Olivia Coleman, außerordentlich in allem was sie tut), eine höchst fortschrittliche künstliche Intelligenz, für veraltet. Diese läßt sich das keineswegs gefallen und übernimmt kurzerhand das Kommando über die Roboter. Ihr Ziel: alle Menschen von der Erde zu verbannen. Die gesamte Welt stürzt in ein Chaos. Für die Mitchells beginnt eine Odyssee quer durch Amerika und der alles anderen als perfekten Familie kommt auf einmal bei der Rettung der Welt eine bedeutende Rolle zu.

    Der Vater fordert Familienzeit ein.

    Kommentar

    Es ist schon bewundernswert, was Regisseur und Drehbuchautor Mike Rianda (gemeinsam mit Jeff Rowe) da alles unter einen Hut bringt: Vater-Tochter-Beziehungsdrama, Roadmovie, Technologiekritik und Roboterapokalypse. Eine große Portion Nostalgie spielt hier mit, begleitet von einem 80er Jahre Syntiesoundtrack, ist nicht zuletzt die Terminator-Serie eine wesentliche Grundlage für die Geschichte. Dem jüngeren Publikum wird das natürlich nichts sagen. Der Spagat, den Die Mitchells gegen die Maschinen schafft, ist erstaunlich. Bereits mehrmals getestet: Der Film funktioniert für unter 10- jährige genauso wie für ein Publikum jenseits der 40.

    Animationsfilme sind bekannt dafür, dass sich die unterschiedlichsten Altersgruppen ansprechen. Rianda treibt das nun an die Spitze. Heute ist jedem Kind bewußt, welche Rolle neueste Technologien in unserem Leben spielen. Die Mitchells wirken zwar überdreht und chaotisch. Im Herzen aber schlagen sie sich mit den gleichen Problemen herum, wie die meisten Familien. Am Ende ist es die menschliche Fehlbarkeit, die ihre Stärke ausmacht.

    Unterfüttert ist die Geschichte mit unzähligen popkulturellen Zitaten. Unverkennbar steht die Marke mit dem angebissen Apfel in der Kritik. Deren intelligenter persönlicher Assistent hört bereits in vielen Wohn- und Schlafzimmern mit, ohne das dies wohl den meisten bewusst ist. Genauso wie das Produkt der Konkurrenz. Die Mitchells gegen die Maschinen verknüpft das alles auf eine sehr kluge Weise zu einem rasanten Abenteuer.

    Wie schon bei The Lego Movie, einem früherer Film der beiden Produzenten Phil Lord und Chris Miller, benötigt es mehrere Durchläufe, um alle Anspielungen und Gags fassen zu können. Auch Einflüsse ihrer Arbeit Spider-Man: Into the Spider-verse kann man hier wiedererkennen. Der Stilmix ist spannend. Virale YouTube Videos spielen eine wesentliche Rolle. Die Charaktere wirken wie mit handgezeichnet. Man erkennt Pinselstriche.

    Kostenloses Wi-Fi ist in dieser Welt sowas wie der heilige Gral. Für einen Internetzugang gibt man schon mal sein ganzes Leben auf. Ein Running-Gag, der sehr wohl auch nachdenklich stimmt. Soweit von der Realität sind die Mitchells nämlich nicht entfernt. Es beginnt bereits am familiären Esstisch zu Hause. Algorithmen bestimmen was wir zu lesen bekommen und schlagen uns vor, welchen Film wir uns am Abend anschauen sollten. Dass dies nun gerade von einem Konzern wie Netflix vermarktet wird, entbehrt nicht einer gewissen Ironie.

    Die Mitchells gegen die Maschinen (OT: The Mitchells vs. the Machines)

    Animationsfilm, USA 2021
    Regie
    Mike Rianda
    Drehbuch Mike Rianda, Jeff Rowe
    Schnitt Greg Levitan
    Musik Mark Mothersbaugh
    Länge 109 Min.
    Streamingplattform Netflix


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  • LOVE AND MONSTERS ★★★½

    LOVE AND MONSTERS ★★★½

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    Unglaublich aber war: es ist heute noch möglich, dass uns ein Monsterfilm als unerwarteter Spaß überrascht. Love and Monsters erhielt in diesem Jahr eine Oscar Nominierung für die Spezialeffekte und hätte die Auszeichnung mehr als verdient – und natürlich auch auf der großen Leinwand gesehen zu werden. Ohne Staraufgebot aber mit charmanten Darstellern gibt es auch für die jüngeren Monsterfans allerhand spektakulär riesige und schleimige Kreaturen zu sehen. Die Menschheit hat nämlich versucht mit Raketen einen die Erde bedrohenden Asteroiden abzuschießen, ohne sich über die Nebenwirkungen zu erkundigen. Sie fallen drastischer aus als Schmerzen an der Einstichstelle.

    Darum geht es

    Sieben Jahre sind vergangen seit der Monsterapokalypse. Joel Dawson (Dylan O’Brian) zählt zu den wenigen Überlebenden der Weltbevölkerung. Sie haben Zuflucht in Kolonien im Untergrund gefunden. Hier sind die Menschen vor den gigantischen Kreaturen sicher, die die Kontrolle über die Erde übernommen haben.

    Als man versuchte, einen Asteroiden, der auf die Erde zusteuerte, mit Raketen abzuschießen, hatte niemand an den radioaktiven Niederschlag gedacht. Alleine Insekten und Amphibien ist der wohlbekommen. Für die Menschheit hieß es fortan: ab in den Untergrund. Durch den Vorfall wurde Joel von seiner Geliebten Aimee (Jessica Henwick) getrennt. Als er über Funk kontakt zu ihr aufnehmen kann, beschließt er, trotz aller Warnungen seiner Mitbewohner, sich auf den Weg zu ihr zu machen. Völlig unerfahren begibt sich Joel auf das größte Abenteuer seines Lebens. Den einzigen Ratschlag den er mitbekommt ist: laufen!

    Warum man im Wald den weg nicht verlassen sollte …

    Kommentar

    Die stolze Anzahl von 13 Kreaturen bekommt man in Love and Monsters serviert. Keine muss sich im Dunklen verstecken und so können wir Tausendfüssler, Frösche oder Schnecken von enormer Größe in ihrem Detailreichtum und ihrer ganzen Pracht bewundern. Es wurde unter anderem mit Animatronics gearbeitet, also realen Modellen und nicht wie sonst üblich ausschließlich mit digitalen Effekten. Die Kreaturen wirken haptischer, erdiger und schleimiger als man es von den computergenerierten Monstern heute gewohnt ist.

    Als Sidekick bekommt Joel den Hund Boy mit auf den Weg, der sich in den sozialen Medien einer großen Anhängerschaft erfreut und für viele der heimliche Star des Film ist. Viel gelobt wurde der Film für seine Charakterentwicklung und seine feministische Note. Joel wird vom Nerd zum Kämpfer und die weibliche Nebenrolle ist nicht nur Staffage, sondern sorgt für einen Twist. Der Showdown mit einer gigantischen Krabbe wirkt allerdings etwas aufgesetzt aber überzeugt trotzdem mit seinen Schauwerten. Das Ende lässt eine Fortsetzung offen. Love and Monsters weiß gut zu unterhalten. Ein weiterer familienfreundlicher Monsterfilm, der sich selbst nicht all zu ernst nimmt, wäre sehr willkommen.

    Love and Monsters

    Abenteuerfilm, USA/AUS 2020
    Regie
    Michael Matthews
    Drehbuch Brian Duffield, Matthew Robinson
    Kamera Lachlan Milne
    Schnitt Debbie Berman, Nancy Richardson
    Musik Marco Beltrami, Marcus Trump
    Mit Dylan O’Brian, Jessica Henwick, Dan Ewing, Ariana Greenblatt,
    Länge 109 Min.
    Streamingplattform Netflix


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  • DIE BESTEN FILME 2020

    DIE BESTEN FILME 2020

    Das Zentrum der Filmwelt feiert sich traditionell am Ende der Saison am Hollywood Boulevard selbst. Vor dem Dolby Theatre im Hollywood & Highland Einkaufszentrum (zumindest hier ist die Academy mit der Zeit gegangen) wird dann der rote Teppich ausgerollt. Millionen sitzen vor den Fernsehgeräten und die Fotos der Stars füllen am nächsten Morgen die Zeitungen in aller Welt, wenn wieder einmal die Oscars vergeben werden. Dabei sind die Roben ebenso wichtig, wie die Filme, die präsentiert werden.

    (c) AMPAS

    In diesem Jahr ist natürlich alles anders. Stephen Soderbergh versprach, als Teil des diesjährigen Produzententrios, eine Show wie ein Film, in dem zufällig Preise verliehen werden, mit einer Besetzung, die sich sehen lassen kann. Der Opener, in dem Regina King in die Union Station schritt, währenddessen die Namen aller TeilnehmerInnen in großen Buchstaben eingeblendet wurden, geht vielleicht noch als Einstieg durch. Und dann? Das wars. Bereits davor wurde die einzige Live Perfomance gezeigt. Voraufgezeichnet auf dem Dach des Academy Museums of Motion Pictures, präsentierte H.E.R. ihren Song Fight for You, für den sie später den Oscar erhalten sollte. Die Zuspielung In Memoriam, sicher ein emotionaler Höhepunkt einer jeden Verleihung, in der die Verstorbenen des vergangenen Jahres noch einmal gewürdigt werden, wurde so schnell abgespielt, dass man die Namen zum Teil nicht lesen konnte (vermutlich war die Liste auch noch nie so lange). Das Ganze gipfelte darin, dass Anthony Hopkins als Bester Darsteller ausgezeichnet wurde. So überraschend, dass er selbst zu Hause in Wales bereits zu Bett gegangen war, die Regie rasch wegblendete und die Gala gar abrupt endete. Wenn das mit der Pandemie doch auch so einfach wäre! Eine dramaturgische Meisterleistung.

    Quelle: Wikipedia

    Fair war die Verteilung der Statuetten. Gleich sechs Filme erhielten zwei Oscars. Alleine Nomadland einen mehr. The Trial of the Chicago 7 ging sogar leer aus. Mank konnte seiner aufgrund von zehn Nominierungen angedichteten Favoritenrolle erwartungsgemäß nicht gerecht werden. Viele Überraschungen haben gezeigt, dass es verfrüht ist, die Oscars schon im Vorfeld als langweilig, weil vorhersehbar, abzustempeln. Keine der beiden Favoritinnen in der Kategorie Beste Hauptdarstellerin machte das Rennen, sondern eine ebenso überraschte, wie ein wenig genervte Frances McDormand. Selbst Entscheidungen in kleineren Kategorien, wie Bester Dokumentarfilm sorgten für Kopfschütteln (Oscar für Mein Lehrer, der Krake). Der Oscar für Another Round von Thomas Vinterberg, in einer der normalerweise stärksten Kategorien, viel da gar nicht mehr weiter auf.

    Erstmals waren zwei Frauen für den Regieoscar nominiert. Chloé Zhao gewann. Wie wäre diese Kategorie wohl aufgestellt gewesen, wären die Filme der männlichen Regiestars nicht zurückgehalten worden? Man kann es sich denken. Aber wie war nun das Filmjahr an sich aufgestellt? Es gab auffällig viele Debüts, von denen es nicht wenige in die Liste der Besten Filme geschafft haben. Das Sundance Filmfestival entpuppte sich als das bedeutendste Festival des Jahres: The Father, Minari, Never Rarely Sometimes Always, Palm Springs, Mein 40-jähriges Ich, Kajillionaire und Promising Young Woman feierten in Park City Premiere.

    Mehrere Filme basierten auf Theaterstücken. Regisseur Florian Zeller bekam für sein vom eigenen Stück adaptierten Drehbuch den Oscar für The Father.

    Nur ein Bruchteil der folgenden Filme lief 2020 im Kino. Die meisten davon waren nur bei der Viennale zu sehen. Der weitaus größere Anteil fällt auf die Streamingdienste. Sie waren auch bei den Oscars so stark wie noch nie vertreten. Eine Regeländerung machte dies möglich, da in diesem Jahr kein Kinostart nötig war, um Berücksichtigung zu finden. Zugelassen waren alle Filme bis inklusive 28. Februar 2021. Von den erfolgreichsten Filmen war Judas and the Black Messiah der einzige, der davon profitieren konnte (Sundance Filmfestival 2021).

    In den jeweiligen Filmbesprechungen befinden sich die Links zu den Filmen, sollten sie gerade verfügbar sein.

    ★★★★★

    David Byrne’s American Utopia

    Epicentro

    Hamilton

    Wolfwalkers

    ★★★★ ½

    The Assistant

    Aufzeichnungen aus der Unterwelt

    The Father

    First Cow

    Homemade (Serien-Anthologie)

    I’m no longer here

    Lovers Rock (Small Axe-Anthologie)

    Mangrove (Small Axe-Anthologie)

    Never Rarely Sometimes Always

    Nomadland

    One Night in Miami

    Palm Springs

    Promising Young Woman

    Der schwarze Diamant

    Sommer der Krüppelbewegung

    Soul

    Sound of Metal

    A Sun

    The Trial of the Chicago 7

    Vergiftete Wahrheit

    ★★★★

    3.30 PM

    Boys State

    The Climb

    Druk

    His House

    If Anything Happens I Love You (Animationskurzfilm)

    Kajillionaire

    Ma Rainey’s Black Bottom

    Mein 40-Jähriges Ich

    On the Rocks

    Onward – Keine halben Sachen

    The Outpost – Überleben ist alles

    Pieces of a Woman

    Quo Vadis, Aida?

    Über die Unendlichkeit

    Undine

    Was wir wollten

    The World to come

    Die Wütenden – Les Misérables



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  • OSCARS 2021

    OSCARS 2021

    Das Jahr war wie kein anderes zuvor und die diesjährige Oscars Gala in der Nacht von Sonntag auf Montag wird sich uns so präsentieren, wie wir es noch nie gesehen haben. Das Produzentinnentrio Stephen Soderbergh, Stacey Sher und Jesse Collins lässt keinen Stein auf dem anderen: Das Dolby Theatre ist nicht mehr der Hauptaustragungsort, sondern die Los Angeles Union Station und deren Umgebung. Es wird Live-Schaltungen nach London und Paris geben. Soderbergh verspricht einen Film, in dem zufällig die Oscars vergeben werden. Netflix, vor wenigen Jahren noch Schreckgespenst, ist mit gleich 35 Nominierungen vertreten.

    In der Kategorie Bester Film sind diesmal nur acht Filme vertreten. Wobei es eines der seltenen Jahre ist, in denen die Entscheidung so gut wie fix zu sein scheint. Das Gleiche gilt für die Beste Regie. Hier sind erstmalig zwei Frauen nominiert. Eine davon wird wohl mit mehr als nur einem Oscar nach Hause gehen. Die Academy gibt sich in diesem Jahr so divers wie noch nie. Das betrifft vor allem sämtliche Schauspielkategorien. Spannend bleibt vor allem die Kategorie Beste Hauptdarstellerin.

    Sound Editing und Sound Mixing wurden zur Kategorie Sound verschmolzen, obwohl beides etwas komplett anderes ist, was aber kaum jemand je verstanden hat. Das Pandemiejahr hinterlässt am ehesten noch seine Spuren in der Kategorie Visual Effects. Hier sind für gewöhnlich die Blockbuster vertreten. Bekanntlich gab es 2020 mit Christopher Nolans Tenet nur einen.

    Die Darbietungen der fünf nominierten Songs werden uns auch heuer garantiert nicht erspart bleiben. Sie wurden nämlich bereits auf dem Dach des noch immer nicht eröffneten Academy Museum of Motion Pictures voraufgezeichnet.

    David Finchers Mank führt mit 10 Nominierungen das Feld an und wird am Ende wohl zu den großen Verlierern gehören. Was vermutlich nicht viele stören wird. Immerhin wurde der Film von der Academy berücksichtigt. Filme wie First Cow haben unverständlicherweise erst gar keine Anerkennung erfahren.

    Da uns in diesem Jahr nichts anderes übrig bleibt, als die Verleihung daheim vom Sofa aus mitzuverfolgen, sind Tipps zum Wachbleiben heiß begehrt. Ganz klar bevorteilt sind jene, die sich die Bügelwäsche der letzten Wochen oder Monate (es ist nicht zu erwarten, dass die Oscars heuer viel kürzer ausfallen wird) aufgespart haben.


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  • BILLIE EILISH: THE WORLD’S A LITTLE BLURRY ★★★½

    BILLIE EILISH: THE WORLD’S A LITTLE BLURRY ★★★½

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    Kaum zu glauben, aber die Songs, die ein Mädchen da auf dem Bett sitzend im Zimmer ihres großen Bruders aufnimmt, werden sich einmal millionenfach verkaufen und sie zu einem der größten Popstars der Gegenwart machen. Die Dokumentation Billie Eilish: The World’s a little blurry gibt einen Einblick hinter die Fassade einer fulminanten Karriere und zeigt, dass es da keineswegs immer rosig zugeht.

    Den Traum einer musikalischen Karriere hat Billie Eilish schon früh. Bereits mit 11 Jahren begann sie eigene Songs zu schreiben. Die Dokumentation profitiert davon, dass die Sängerin im Zeitalter von Smartphones und Social Media aufgewachsen ist. Somit ist praktisch alles dokumentiert und das gibt Aufschluss über den Menschen hinter einer Inszenierung, der erfolgreiche KünstlerInnen oft ausgesetzt sind. So erfährt man, dass selbst Millionen von Followern bei Instagram natürlich nicht vor Einsamkeit und Depression schützen. Der Druck, dass jeder Schritt und jede Geste genau beobachtet werden, ist enorm. Stets freundlich muss sie sein. Alles andere führt zu negativen Schlagzeilen.

    Der Film umspannt die Monate rund um die Veröffentlichung des Albums When We All Fall Asleep, Where Do We Go? im Jahr 2019 und der Grammy Verleihung 2020. Tourstress, Liebeskummer und gesundheitliche Probleme plagen Billie Eilish. Ihren psychischen Zustand verarbeitet die Sängerin unmittelbar in ihren eigenen Songs. Mit ein Grund für den großen Erfolg.

    Billie Eilish und ihr Bruder Finneas O’Connell

    Bei all ihren Songs scheint ihr Bruder Finneas O’Connell als Produzent und Co-Songwriter auf. Die Szenen mit den beiden haben sie meist selbst mit dem Smartphone aufgenommen. Es gibt viele dieser intimen Momente, die sich Regisseur R. J. Cutler zu Nutze macht, um ein möglichst authentisches Bild der Künstlerin zu vermitteln. Auch Nick Broomfield hat das in der Dokumentation über Whitney Houston Whitney: Can I Be Me (2017) versucht. Allerdings damals ohne Unterstützung der Familie, für die der Film zu viele Einblicke in das tragische Leben der Sängerin lieferte. Das heile Bild, das ohnehin schon lange keines mehr war, sollte nach außen hin bewahrt werden.

    Von außen betrachtet mag man leicht vergessen, dass es sich hier um ein junges Mädchen aus relativ einfachen Verhältnissen handelt, das in diesem Alter unter gewöhnlichen Umständen wohl anderen Interessen nachgehen würde. Nun wird sie von Menschen bedrängt die sie nicht kennt und die ihre Nähe suchen, seien es Fans oder meist deutlich ältere männliche weisse Männer aus der Musik- und Medienbranche. Da können einem schon mal die Sicherungen durchbrennen.

    Die Familie ist bei Billie Eilish immer mit dabei. Sie ist bedacht, dass ihre Tochter nicht das gleiche Schicksal wie beispielsweise ihr großes Vorbild Justin Bieber erleidet und die Lösung ihrer Probleme in Alkohol und Drogen sucht. Ihr Kind davor zu beschützen scheint den Eltern bisher so weit geglückt zu sein. Billie Eilish: The World’s a little blurry erzählt auch davon, dass man sich in einer solchen permanenten Ausnahmesituation an den kleinen Dinge im Leben erfreuen kann, wie einem Haustier oder einem Donut. Für Billie Eilish gehört da auch dazu, mit einem breiten Grinsen in ihrem Traumauto durch die Straßen von Los Angeles zu kurven.

    Billie Eilish: The World’s a little blurry

    Dokumentation, USA 2021
    Regie
     R. J. Cutler
    Drehbuch R. J. Cutler
    Schnitt Lindsey Utz
    Musik Billie Eilish, Finneas O’Connell
    Mit Billie Eilish, Finneas O’Connell 
    Länge 140 Min.


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  • RAYA UND DER LETZTE DRACHE ★★★½

    RAYA UND DER LETZTE DRACHE ★★★½

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    Drachen erfreuen sich wie Dinosaurier einer ungebrochen Popularität. Mal als zerstörerische Waffe oder auch als treuer Begleiter. Mal monströs und dann wieder niedlich. Nun kommt mit Raya und der letzte Drache die My Little Pony-Version. Willkommen in der bunten, von Südostasien inspirierten Disney-Welt von Kumandra. Der Konzern verläßt sich auf altbekannte Rezepte. Eines kann man den Produzenten aber nicht vorwerfen, dass sie nämlich nicht mit der Zeit gehen. Der 59. Animationsfilm von Disney ist der erste für die Generation Instagram und präsentiert neuerlich eine Heldin in der Hauptrolle.

    Darum geht es

    Nachdem sich die Völker von Kumandra wegen eines magischen Artefaktes zerstritten haben und es zu Bruch gehen ließen, wird das Land von einem bösen Geist in Angst und Schrecken versetzt. Die Kriegerin Raya (Stimme: Kelly Marie Tan) macht sich auf den Weg, den letzten Drachen zu finden um mit dessen Hilfe das Land wieder zu vereinigen. Sie findet die Drachin Sisu (Awkwafina), doch bis die ihre Kräfte wieder zurückerlangt hat, haben die beiden noch einen langen Weg vor sich.

    Sisu, die Wasserdrachin

    Kommentar

    Vor fünf Jahren war Vaiana das Ergebnis der erfolgreichen Bemühungen, Disneyfilme diverser zu gestalten. Damals war die Geschichte in Ozeanien angesiedelt. Rajas Welt ist stark inspiriert von der Region Südostasiens. Dass man sich für die englische Originalfassung Schauspieler aus Ostasien genommen hatte, führte zu einer Kontroverse. Nun ist das eine geographische Differenzierung, die in unseren Köpfen keineswegs verankert ist. Asien ist Asien. Auch wenn es eine Aufteilung ist, die von Außen zugeschrieben wurde, besteht zwischen der VR China, Japan und Südkorea gegenüber Indonesien und den Philippinen im Süden doch ein gewaltiger Unterschied. So gesehen schafft diese Diskussion vielleicht das Bewusstsein, dass man die 4,4 Milliarden Menschen in Asien nicht über einen Kamm scheren kann. Immerhin glauben wir in Europa bereits innerhalb der Staatsgrenzen unüberwindbare Unterscheidungsmerkmale erkennen zu können. Für etwas Exotik muss man sich mitunter nur eine halbe Stunde ins Auto setzen.

    Bei Disney muss man sich nicht erst neu erfinden, um einen soliden Animationsfilm herauszubringen. Technisch ist man immer State-of-the-Art. Die prominentesten Darsteller stehen Schlange, um den HeldInnen ihre Stimme zu leihen und die Merchandiselawine rollt verlässlich bis in die entlegensten Kinderzimmer. Auf Raya und der letzte Drache trifft das ebenso zu.

    Das Detailreichtum ist erstaunlich und kommt zu Hause im TV bei weitem nicht zur Geltung. Bereits die grafisch wunderschön umgesetzte Eröffnungssequenz läßt die große Leinwand schmerzlich vermissen. Raya ist definitiv ein Film gemacht fürs Kino. Die Bilder genauso wie die Musik von James Newton Howard.

    Die Drehbuchautoren Qui Nguyen und Adele Lim (Crazy Rich Asiens) zitieren wild durch die Filmgeschichte und muten dem jungen Publikum ungewöhnlich viel zu. Neben der Abenteuergeschichte geht es in Raya um die Vereinigung zerstrittener Bevölkerungsteile. Wie kann es soweit kommen, dass eine Bevölkerung gespalten wird und sich vermeintliche Unterschiede etablieren, die Angst produzieren und die wiederum als Katalysator für Aggressionen und Gewalt wirkt.

    Raya ist eine mutige Kriegerin. Ihre Gegenspielerin ist ebenso eine Frau. Sisu ein weiblicher Drache. Männer kommen hier nur am Rande vor und spielen für das fortkommen der Geschichte so gut wie keine Rolle. Die Selbstverständlichkeit, mit der die Geschlechterrollen umgekehrt werden, ist eine Entwicklung die Disney schon länger verfolgt und dem Konzern hoch anzurechnen ist. Inwieweit die sehr erfolgreiche Vermarktung der Disney-Prinzessinnen (die in den letzten Jahren meist gar keine Prinzessinnen mehr waren) eine Rolle spielt, ist ein andere Frage.

    Disney macht hier nichts falsch aber riskiert auch nichts, was zur Folge hat, dass man Raya wohl bald wieder vergessen hat. Es bleibt das Gefühl, das alles schon einmal gesehen zu haben. Raya wirkt wie eine weichgespülte Version eines Filmes des japanischen Studio Ghibli. Im Tonfall bedient man sich teilweise ganz offensichtlich einer Jugendsprache. Es wird ein mühsamer Weg werden, das Zielpublikum einmal wieder weg von Laptop und Handy, wo Unterhaltung nur mehr in Clips konsumiert wird, zurück – oder auch gar erstmals – in die Kinos zu locken. Man darf nicht vergessen, wenn das alles vorbei ist, werden ein paar Jahrgänge noch nie einen Kinosaal von innen gesehen haben.

    Nachdem der Kinostart im Herbst verschoben werden musste, ist Raya und der letzte Drache, wie schon Mulan im vergangene Jahr, gegen eine extra Gebühr bei Disney+ verfügbar, bevor er in ein paar Wochen regulär im Programm landen wird.

    Animationsfilm, USA 2021
    Regie
     Paul Briggs, Dean Wellins
    Drehbuch Qui Nguyen, Adele Lim
    Schnitt Fabienne Rawley, Shannon Stein
    Musik James Newton Howard
    Mit Kelly Marie Tran, Awkwafina
    Länge 107 Min.
    Streamingdienst Disney+


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  • MALCOLM & MARIE  ★★★

    MALCOLM & MARIE ★★★

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    Es hätte der künstlerische Erfolg von Netflix in dieser Saison werden sollen: Malcolm & Marie von Sam Levinson mit Zendaya und John David Washington in den Hauptrollen. Ein Drama gedreht auf 35mm in betörend schönen Schwarzweißbildern. Doch dann kam alles anders. Die Resonanz war sehr durchwachsen. Mal wurde der visuelle Stil gelobt, dann die schauspielerischen Leistungen. Gleichzeitig wurde das Beziehungsdrama regelrecht seziert: Die Dialoge seien zu konstruiert und Levinson mit seiner kritischen Auseinandersetzung von weißer Filmkritik sich selbst in die Falle getappt. Aber kann man unter solchen Bedingungen, mit diesen zwei Schauspielern und diesem Set überhaupt etwas falsch machen?

    Darum geht es

    Der Regisseur Malcolm (John David Washington) und die Schauspielerin Marie (Zendaya) kommen von einer Filmpremiere nach Hause. Es war sein großer Abend, die Premiere ein voller Erfolg. Er ist noch immer emotional aufgewühlt und steckt voller Euphorie. Doch Marie kann die Freude nicht teilen und wirkt genervt. Etwas ist vorgefallen an diesem Abend, dass sie innerlich aufgewühlt hat und ihre Beziehung auf die Probe stellt. In dieser Nacht entladen sich zwischen den beiden aufgestaute Gefühle und sie lassen ihren Emotionen freien Lauf.

    Kommentar

    Vorweg: Malcolm & Marie ist ein visuelles Gustostück. Gedreht wurde im Caterpillar House in Carmel, Kalifornien, einem Bungalow aus Glas mitten in unberührter Natur. Das ist natürlich eine Spielwiese für Kameramann Marcell Rév. Gleich zu Beginn, nach einer Eröffnung, die an den Film Noir erinnert, gleitet die Kamera minutenlang außen vor der Fensterfront hin und her und verfolgt Malclom durch das Haus. Es zählt zu den Großen stärken des Filmes, einen Stoff, der offensichtlich auch auf einer Theaterbühne gut aufgehoben wäre, eine kinematische Note zu verpassen, die eine reine Freude ist und gleichzeitig Spannung zu erzeugen vermag.

    Der Rhythmus des Filmes ist durch das ständige hin und er der Auseinandersetzung zwischen den Beiden vorgeben. Mal gewinnt Malcolm die Oberhand und dann wieder Marie. Das wirkt an sich schon sehr konstruiert. Die eindringlichen Monologe sind regelrechte Anklagen, die man in der Realität einmal aushalten muss. Dabei wird Zwischenmenschliches auf eine höhere Ebene geholt. Es geht um die künstlerische Arbeit von Malcolm, die stark durch die Beziehung zu Marie beeinflusst ist und um Kritik an Kunstwerken an sich und über stereotype Zuschreibungen. Ein schwarzer Filmemacher wird mit anderen schwarzen Filmemachern verglichen, weil er schwarze Filme macht. Kunstkritik ist ein spannendes Feld. Meist urteilen Menschen über eine kreative Arbeit, die selbst nie einen kreativen Prozess durchgemacht haben (wenn man vom Schreiben selbst als einen solchen absieht). Nun geht es im Film um eine Filmkritikerin der L.A. Times, die Malcolms Film scharf kritisiert hat, was ihn in Rage bringt. Sie ist eine reale Person und hat dies in der Vergangenheit schon einmal mit einem Film von Levinson getan. Davon kann man halten was man will.

    Einige haben sich daran gestört, dass dieser Diskurs nun gerade von einem weißen Regisseur thematisiert wird, der schwarze Darsteller inszeniert. Aber bereits da beisst sich die Katze in den Schwanz. Gibt es nun eine Trennung von schwarzer und weißer Kunst? Die eigene Sozialisation wird im Schaffen immer eine gewisse Rolle spielen, genauso wie das eigene Geschlecht. Das ist aber eine Diskussion, mit der man sich bei Malcolm & Marie erst gar nicht lange aufhalten muss.

    Viel interessanter ist, wie hier Geschlechterrollen inszeniert werden und ob dieses Kammerspiel überhaupt einen Funken von Authentizität in sich birgt. Zendaya hat, so wie Washington, den Film mitproduziert und inszeniert sich quasi selbst als Verkörperung der puren Sexiness. Die Eleganz, die sie dabei ausstrahlt, sucht ihresgleichen. Nicht nur hier werden Anleihen von den goldenen Zeiten Hollywoods oder dem italienischen Kinos eines Antonioni genommen. Während sie sich immer mehr ihrer Kleider entledigt und sich um ein Uhr in der Nacht in der Badewanne eine Standpauke von Malcom anhören lassen muss, behält er Hemd und Krawatte fast die gesamte Spielzeit über an. Gleichzeitig kommt so etwas wie Intimität nie richtig auf. Liegt es am Glasbau oder an den Dialogen, bei denen immer eine Metaebene im Spiel ist?

    Als reines Beziehungsdrama taugt der Film mitnichten. Dafür sind die rund 100 Minuten viel zu sehr beladen mit schwülstigen Dialogen und ständig scheint es um alles zu gehen: um die Rolle der Frau in einer Beziehung, um das Schwarzsein an sich und eben wie andere vermeintlich nicht-weiße darauf reflektieren. Vielleicht ist das aber auch ein ganz normaler Abend unter – schwarzen – Hollywoodstars. Wer weiß.

    Selbst wenn die Figur Malcolm diese Interpretation für seinen Film ablehnt, ganz unpolitisch ist diese Auseinandersetzung nicht. Er hat schon recht: ist es überhaupt möglich, einen Film über Identität, Geschlechterrollen und vor allem rassistisch konnotierten Problematiken zu machen, ohne politisch zu werden?

    Die völlige Abwesenheit von jeglichem Humor verleiht Malcolm & Marie jedenfalls eine Ernsthaftigkeit, die dem Film nicht gut tut. Man bekommt den Eindruck, der Film möchte mehr sein, als er eigentlich ist. Als rufe er: schaut her, wie schön ich bin und was sich alles in mir verbirgt. Am Ende ist er genauso durchdesignt wie das Haus, in dem er spielt. Trotz wunderbarer schauspielerischer Leistungen fällt es schwer, diese zwischenmenschliche Beziehung nachzuvollziehen. Es fühlt sich einfach nicht echt an.

    Malcolm & Marie

    Drama, USA 2021
    Regie
     Sam Levinson
    Drehbuch Sam Levinson
    Kamera Marcell Rév
    Schnitt Julio Perez
    Musik Labrinth
    Mit Zendaya, John David Washington
    Länge 106 Min.
    Streamingdienst Netflix


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  • DIE AUSGRABUNG ★★★

    DIE AUSGRABUNG ★★★

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    Es ist ein historisches Detail mit großer wissenschaftlicher Tragweite. Die Ausgrabung handelt von der wichtigsten archäologischen Entdeckung Großbritanniens. Als zwei Seelenverwandte sind Carey Mulligan und Ralph Fiennes zu sehen, denen aus unterschiedlichen Gründen die Zeit davon läuft. Eingebettet in die wunderschöne Landschaft im Osten Englands erzählt der Historienfilm eine kleine Geschichte von der Vergänglichkeit.

    Darum geht es

    Es ist das Jahr 1939, als in Suffolk (im östlichsten Teil Großbritanniens gelegen) die Landbesitzerin und Archäologin Edith Pretty (Carey Mulligan) den lokalen Hobbyarchäologen Basil Brown (Ralph Fiennes) anheuert, um ein paar Erdhügel auf ihrem Grundstück zu untersuchen. Sie vermutet archäologischen Schätze darunter. Auch Brown hält das für möglich. Er hatte schon früh die Schule verlassen und für seine Theorie, die Hügel seien angelsächsischen Ursprungs und nicht Spuren der Wikinger (also bedeutend älter), wird er von seinen Kollegen belächelt.

    Und doch: er soll recht behalten. Unter einem Hügel befindet sich ein angelsächsisches Bootsgrab. Schnell zieht die Ausgrabungsstätte das Interesse des British Museum in London auf sich. Brown wird die Leitung durch den renommierten Archäologen Charles Phillips (Ken Scott) entzogen. In seinem Team befinden sich das Ehepaar Peggy (Lily James) und Stuart Piggott (Ben Chaplin). Die fotographische Dokumentation übernimmt Rory Lomax (Johnny Flynn). Zwischen ihm und Peggy entwickelt sich eine Romanze.

    Der Gesundheitszustand von Edith Pretty verschlechtert sich dramatisch und sie wird immer schwächer. Ihr letztes Anliegen ist es, dass Basil Brown die verdiente Anerkennung für seine Arbeit zu Teil wird. Gleichzeitig rückt der Kriegseintritt Englands immer näher.

    Peggy (Carey Mulligan) und Basil (Ralph Fiennes) sind zwei Seelenverwandte.

    Kommentar

    Peggy und Basil könnten unterschiedlicher nicht sein. Sie, eine wohlhabende Grundbesitzerin und er ein Schulabbrecher, der gegen einen geringen Lohn im nahen Provinzmuseum arbeitet. Sie verbindet die Leidenschaft der Erforschung vergangener Zeiten. Es ist ein Aufbegehren gegen das Vergessen. Was bleibt? Was hinterlassen wir? Für Basil spielt nicht die Vergangenheit jene Rolle, die man der Archäologie zuschreiben würde, sondern die Zukunft. Für die ist es von Bedeutung die eigenen Wurzeln zu kennen und zu wissen wo wir herkommen.

    Die Ausgrabung ist ein leiser und unaufgeregter Historienfilm. Die beiden Hauptdarsteller sind von Melancholie und Wehmut geprägt. Ihre gemeinsame Leidenschaft gibt ihnen alle Lebenskraft. Mulligan beeindruckt als schwerkranke Peggy. Fiennes wächst durch seine ruhige und liebenswürdige Art ans Herz. Sie sind die Stars des Films – und natürlich die englische Landschaft. Eingefangen von Kameramann Mike Eley und in warmes Licht getaucht, erinnern die Bilder ein wenig an dass Duo Malick/Lubezki. Auch die Dialoge aus dem Off, die öfter über die schweigenden DarstellerInnen gelegt werden, sind von Malicks schwer zugänglichen Filmen bekannt. Allerdings schlägt Die Ausgrabung nicht in diese Kerbe und ist leichte Kost. Auf die große Leinwand würde er aber allemal gehören.

    Es ist ein Film der kleinen Details und Zwischentöne. Dazu zählt zum Beispiel die Beziehung von Basil zu Ediths Sohn Robert (Archie Barnes). Trotzdem gerät der Film aber ins Stocken. Die erfundene Romanze als Nebenstory ist kein Gewinn und darauf zurückzuführen, dass die Geschichte allein auf einem archäologischen Bericht beruht. Das bleibt aber das Grundproblem des Filmes. Im Laufe der Zeit verliert der Film den Fokus auf seine beiden Hauptdarsteller und wir verlieren immer mehr das Interesse. Dem Score gelingt es auch nicht, die Erzählung zu intensivieren. Die Klavierklänge sind nicht mehr als nervend und meist unpassend.

    Die Ausgrabung ist ein schön anzusehender Film mit zwei großartigen Hauptdarstellern (und beachtlichen Leistungen in den kleineren Rollen). Mehr aber leider auch nicht. An anderer Stelle wurde bemerkt, dass der Stoff an James Ivorys Filme der 1990er erinnert, ihm aber die literarische Grundlage fehlt.


    Die Ausgrabung [Originaltitel: The Dig]

    Drama, USA/UK 2021
    Regie
    Simon Stone
    Kamera Mike Eley
    Schnitt Jon Harris
    Musik Stefan Gregory
    Mit Carey Mulligan, Ralph Fiennes, Lily James
    Länge 112 Min.
    Streamingdienst Netflix


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  • THE WHITE TIGER ★★★½

    THE WHITE TIGER ★★★½

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    Der erste vielversprechende und allgemein verfügbare Film im Jahr 2021 ist ohne große Überraschung bei Netflix im Programm. Die Bestsellerverfilmung The White Tiger, nach dem gleichnamigen Roman von Aravind Adiga aus dem Jahr 2008, ist eine Satire, die sich zu einem gesellschaftskritischen Drama entfaltet und neben einem erinnerungswürdigen Hauptdarsteller mit einem wunderbaren Ensemble aufwartet. Das Schicksal eines Chauffeurs im gegenwärtigen Indien, der dem Teufelskreis des Kastensystems entkommen möchte, unterhält nicht nur, sondern regt zu Diskussionen über dieses menschenverachtende System an aber auch darüber, wie dem ein Blick von außen überhaupt gerecht werden kann. Ein Film über eine Gesellschaft im Hühnerkäfig, wie es der Hauptcharakter versinnbildlicht. Nebenbei sollte langsam thematisiert werden, dass sich im wesentlichen zwei Streamingdienste den gesamten Filmmarkt aufteilen.

    Darum geht es

    Die Geschichte wird in Rückblenden erzählt. Balram (Adarsh Gourav) scheint ein gemachter Mann zu sein und erinnert sich zurück. Er stammt aus einem Dorf und seine Familie gehört der niedrigen Kaste an. Als eines Tages ein Großgrundbesitzer mit seinem Sohn in seinem Dorf auftaucht und Balram erfährt, dass sie einen Fahrer benötigen, fasst er einen Entschluss. Von seiner alles bestimmenden Großmutter (Kamlesh Gill) erbittet er Geld für die Führerscheinausbildung und folglich gelingt es ihm tatsächlich, in der wohlhabende Familie von Ashok (Rajkummar Rao) eine Stelle als 2. Chauffeur zu bekommen. Fortan steht er im Dienst von Ashok und seiner Frau Pinky. (Priyanka Chopra Jonas), die gerade aus den USA zurück in ihre Heimat gekommen sind. Seine Erziehung gebietet es, sich unterzuordnen und alle Erniedrigungen über sich ergehen zu lassen. Doch insgeheim möchte er sich nicht mit seinem Schicksal abfinden und schmiedet große Pläne.

    Balram (Adarsh Gourav) hat verstanden, das System für sich zu nutzen.

    Kommentar

    Man muss einen Schritt zurücktreten, die westliche Brille abnehmen, durch die hindurch wir die Welt sehen, deuten und zu verstehen versuchen, um The White Tiger zu beurteilen. Ganz klar: wunderschön gefilmt (Kamera: Paolo Carnera) und in kräftige Farben getaucht, gibt der Film ordentlich was her. Regisseur Ramon Bahrani hat sein ganzes Vertrauen in den unbekannten Adarsh Gourav gelegt und die Rechnung ging auf. Obwohl nicht auf den Mund gefallen und zahlreiche zitierwürdige Kommentare abgebend, ist es oft nur ein Ausdruck in seinem Gesicht, der Bände spricht. Als ZuseherIn weiß man immer ganz genau, was in ihm vorgeht. Egal ob sich Wut aufstaut oder er schon seinen nächsten Schritt plant. Seine Co-Darsteller haben ebenso stark ausgeprägte und überzeugende Rollen. Selbst kleinere Rollen, wie die des Balram ständig drangsalierenden Assistenten Ashoks, tragen ihres zu einem gelungenen Ensemble bei.

    Wie stark beeinflusst nun aber der Blick von außen einen Film, der mit einem jahrtausendealten Gesellschaftssystem derart hart ins Gericht geht? Zurecht möchte man meinen und The White Tiger liefert auch gleich mögliche Erklärungen, warum das Kastensystem auch heute noch so gut funktioniert. Es hat sich blendend an die kapitalistischen Strukturen angepasst. Für uns ist es schlicht unverständlich, wie eine Minderheit soviel Menschen über einen langen Zeitraum unter Kontrolle halten und letzten Endes brutal unterdrücken kann.

    Der Film beginnt mit dem Welthit Mundian To Bach Ke von Punjab MC aus dem Jahr 1998. Im Grunde gibt das schon die Tonalität der Geschichte vor. Indische Klänge werden mit Hip-Hop Rhythmen vermischt um sie massentauglich zu machen. Karan Madhok führt das in seiner Filmbesprechung Indian Tiger, foreign gaze für The Chakkar sehr eindrücklich aus. Gewissermaßen ist der ganze Film weichgespült und auf den westlichen Geschmack getrimmt. Madhok kritisiert weiters die englische comichafte Sprache mit indischem Akzent. Gerade so weit exotisch, dass keine Übersetzung notwenig ist und unerträglich lächerlich für indisch sprechende Menschen.

    The White Tiger gibt jetzt nicht vor authentisches Weltkino zu sein. Die Geschichte ist unterhaltsam und wird spannend erzählt. Sie wird den Großteil des Publikums zufriedenstellen. Trotzdem schadet es nicht, sich etwas mehr Gedanken darüber zu machen, wie gefiltert und zurechtgebogen uns die Welt präsentiert wird, genau so nämlich, wie wir sie gerne sehen möchten.

    THE WHITE TIGER | RAMIN BAHRANI | USA 2021 | 125 MIN. | [usr 3,5 ]


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