Autor: Michael Holly

  • SHOPLIFTERS ★★★★

    SHOPLIFTERS ★★★★

    Gleich vorweg: Shoplifters offenbart nach und nach ein Geheimnis. Es wurde viel zu viel über den Inhalt geschrieben, denn Regisseur und Drehbuchautor Hirokazu Kore-Eda gibt nur sehr langsam Preis, worin der Kern dieser berührenden Geschichte liegt. Nicht zuletzt davon lebt diese Erzählung von einer Familie am Rande der Gesellschaft, die auf engstem Raum in einer kleinen Hütte umringt von Hochhäusern ihr Dasein fristet und dabei eigentlich recht glücklich ist. Also Finger weg vom Trailer!

    Rasante soziokulturelle Transformationen machen auch vor japanischen Gesellschaft nicht halt. Betroffen davon ist nicht zuletzt das für uns ungewöhnliche Bild der Familie. Der Begriff ist in Japan sehr weit gefasst und meint viel mehr als die Kernfamilie und die Verwandtschaft. Hinzu kommen Traditionen, wie dass das Ehepaar bei den Eltern des Mannes wohnt und die immer noch strikte hierarchische Struktur. Der Druck ist enorm und führt zu allerhand Betrügereien. Da wird schon einmal dem Staat das Ableben der Großmutter verschwiegen um weiterhin deren Pension zu kassieren. Hirokazu hat dies neuerlich zum Anlass genommen um seinem Land den Spiegel vorzuhalten. Das ist in Japan nicht gerade wohlwollend aufgenommen worden, bietet uns aber die Möglichkeit für einen tiefen Einblick in eine völlig fremde Kultur. 

    Shibata Osamu (Lily Franky) und sein Sohn Shota (Kairi Jyo) geben beim Ladendiebstahl ein eingespieltes Duo ab. Auf dem Heimweg finden sie in einer kalten Winternacht das verwahrloste Mädchen Yuri (Miyu Sasaki) und nehmen es mit nach Hause. Es bleibt nicht bei einer wärmeren Suppe. Die Familie behält Yuri kurz entschlossen. Ihre Eltern scheinen sie nicht zu suchen. Unter einem Dach wohnen darüber hinaus noch Osamas Ehefrau Nobuyo (Sakura Andô), die Großmutter Hatsue (Kilin Kiki) und die Halbschwester Aki (Mayu Matsuoka). Das Glück währt solange, wie die Familie ihr Geheimnis bewahren kann. Erst durch den Tod der Großmutter kommen die Dinge ins Rollen.

    Die Familie Osamu lebt auf wenigen Quadratmetern und es gelingt Hirokazu und seinem Kameramann Ryûto Kondô diese Enge auf die Leinwand zu übertragen. Es gibt keine Rückzugsmöglichkeit, kein Platz für Privatsphäre.

    Die Geschichte ist lebensbejahend, herzzerreißend und erschütternd zugleich. Hirokazu erzählt aber ohne Pathos mit einer Leichtigkeit die ihresgleichen sucht ohne groß auf die Tränendrüsen drücken zu müssen. Als Zuseher kommt einem immer wieder ins Bewusstsein, wie tragisch diese Geschichte eigentlich ist und in welchen prekären Verhältnissen die Familie lebt aber da man sieht, wie die Familie ihr Leben meistert, kommt weder auf noch vor der Leinwand große Verzweiflung auf.

    Shoplifters – Familienbande, so der deutsche Verleihtitel,  wurde bei den Filmfestspielen Cannes 2018 verdientermaßen mit der Goldenen Palme ausgezeichnet und ist außerdem die japanische Einreichung zum Oscar in der Kategorie „Bester fremdsprachiger Film“.

    Hirokazu Kore-Eda | JPN 2018 | OT: Manbiki Kazoku | 121 Min. | [usr 4]

    Foto (c) Filmladen Filmverleih

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  • MOGLI : LEGENDE DES DSCHUNGELS ★★

    MOGLI : LEGENDE DES DSCHUNGELS ★★

    Mogli liegt verwundet in einem Käfig. Kinder bewerfen ihn mit Steinen und das Essen wird ihm wie einem Tier zugeschoben. Das was Regisseur Andy Serkis, der Meister der Motion-Capture-Technik (Sensoren erfassen menschliche Bewegungen, zum Beispiel der Gesichtsmuskulatur und diese dienen als Grundlage für digitale Effekte) hier serviert, hat so gar nichts mit der bekannten Disney Version zu tun sondern orientiert sich an der Buchvorlage von Rudyard Kipling. Zwei Jahre nach dem großen Erfolg von Jon Favreaus The Jungle Book  scheitert er damit kläglich. 

    Die Sterne über dem Dschungel standen schon lange schlecht. Warner Bros. sagte den für Herbst geplanten Kinostart ab und verscherbelte das 3D-Abenteuer kurzerhand an den Streaming-Dienst Netflix. Ein Schicksal, dass in Zukunft so manchem Film widerfahren könnte, wenn eine entsprechende Vermarktung nicht möglich ist oder zu befürchten ist, dass die ersten Rezensionen nicht nach Wunsch ausfallen.

    Nach so kurzer Zeit hätten sich wohl nicht neuerlich die Massen in die Kinos begeben. Damit konnte ein vorprogrammierter Flop abgewendet werden. Zumal Mogli mit dem gleichen Problem kämpft, wie schon sein Vorgänger: Zu düster für Kinder und nicht erwachsen genug für ein älteres Publikum. Die Disney-Neuverfilmung konnte nicht nur auf die beliebten Hits zurückgreifen sondern setzte technische Maßstäbe und war somit auch ein künstlerischer Erfolg. 

    Bei Mogli wird aber schon nach wenigen Minuten klar, dass hier nicht der große Wurf gelungen ist. Die Effekte bleiben hinter den Erwartungen zurück. Die Tiere wirken wie aus einem Computerspiel und dadurch noch befremdlicher. Emotionale Bindung kann sich so keine Aufbauen. Trotz eines Allstar-Cast mit Christian Bale, Benedict Cumberbatch, Cate Blanchett, Frida Pinto und Andy Serkis als Balu.

    Der Charakter des Balu ist eine der größten Änderungen zu Disney Version. Er trainiert die jungen Wölfe und bereitet sie auf das Leben in der Wildnis vor. Von Gemütlichkeit nicht die Spur. Es weht ein rauer Ton. Balu ist kein großer Sympathieträger. Die Handlung ist aber interessanter. Visuell spannend umgesetzte Momente, wie das erste Zusammentreffen von Mogli und Shir Khan, können jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Film von der Technik förmlich überrollt wird und die Menschlichkeit dabei auf der Strecke bleibt.

    Dass dieser Film überhaupt existiert, ist alleine den Ambitionen von Andy Serkis zu verdanken und zumindest der Umstand die Geschichte so zu erzählen wie sie Kipling einst erzählt hatte, ist ihm hoch anzurechnen. Es zeigt sich aber auch wie schwer es ist gegen eine Version der Erzählung anzukommen, die sich seit über 50 Jahren in den Köpfen festgesetzt hat. Netflix muss aufpassen, nicht zum Resteverwerter zu werden. Vor allem, weil das Programm der Studios der Plattform nach und nach abhanden kommt.

    Andy Serkis | USA 2018 | OT: Mowgli: Legend of the Jungle | 104 Min. | [usr 2]

    Foto (c) Netflix

  • SPIDER-MAN: A NEW UNIVERSE ★★★★

    SPIDER-MAN: A NEW UNIVERSE ★★★★


    Kurz vor Jahresende spuckt Hollywood noch ein paar Superheldenfilme aus. Das gehört eigentlich zur Routine. Irgendwo entsteht in einer Soundstage bereits der Nächste. Zu Weihnachten frei? Eher unwahrscheinlich aber es geht während des  Dreharbeiten sicher mindestens so spaßig zu, wie in den fertigen Filmen. Man kennst sich schließlich schon eine ganze Weile. Spiderman gehört da natürlich dazu. Irgendwie. Rechtemäßig ist das nicht so einfach aber Paul McCartney hält bekanntlich auch nicht die Rechte an seinen Beatles Songs. Die gehören Sony. Genauso wie Spider-Man. Zumindest Sony und Marvel haben sich arrangiert, damit alle etwas vom Kuchen haben. Nun also ein Animationsfilm, der bewusst abseits des Marvel Cinematic Universe (MCU) angesiedelt ist. Gute Idee, weil Spider-Man: A New Universe ist richtig gelungen und fügt dem Francise eine neue Facette hinzu

    Wobei ganz ohne Außenseiterdasein und Spinnenbiss geht es nicht. Miles Morales, einer von Spider-Mans Fans, erleidet das gleiche Schicksal wie schon Peter Parker vor ihm. Der gerät auch arg in Bedrängnis und so sieht sich Miles gezwungen, nach und nach in seine neue Rolle hineinzuwachsen. Kingpin, der böse, ist auf Rache aus und versucht mittels Teilchenbeschleuniger eine Dimensionenkoppelung, um sich seine Familie zurückzuholen. Dabei saugt er gleich mehrere Spider-Men und Spider-Women in die Welt von Miles. Darunter ein Spider-Man Noir und ein Spider-Ham.

    Die Story ist unterhaltsam und die Figuren sind liebevoll ausgearbeitet. Nach Black Panther betritt mit Miles der zweite afroamerikanische Charakter die Bühne der Superhelden. Dazu ein obligatorischer Hip-Hop Soundtrack (The Notorious B.I.G.!). Der wahre Knaller ist aber die Animation. Es ist als hätte sich ein Comic auf der Leinwand aufgeschlagen. Man kann das Papier richtig spüren. Bildteiler und Textfelder spielen mit der typischen Ästhetik von Comics. Alles ist anders, als man es von Animationsfilmen gewohnt ist. Das Ganze ist ziemlich spektakulär und atemberaubend schön.

    Nur für Kinder ab 6 Jahren , wie vom Verleih vorgegeben, ist der Film sicher nicht geeignet. Wohl eher ab 10 Jahren, wie in Österreich empfohlen. Das hohe Tempo und die anspruchsvolle visuelle Umsetzung führt, neben der für die Jüngsten verwirrenden Geschichte, selbst in 2D schnell zu einer Überforderung.

    Marvel ist sicher nicht ganz undankbar darüber, dass es jetzt Paralleluniversen gibt, weil sich im MCU gerade ein paar Helden und mit ihnen die halbe Menschheit in Staub aufgelöst haben. Vielleicht zeigt dieser Spider-Man, zu einem Zeitpunkt, als kaum jemand geglaubt hätte, einen weiteren Film ertragen zu können, einen Blick in die Zukunft des Genres. Zumindest ist man einmal ein gewisses Risiko eingegangen, in dem man dem Regietrio freie Hand ließ. Hier kann jeder ein Superheld sein. Die Rechnung ist voll aufgegangen.

    Bob Persichetti / Peter Ramsey / Rodney Rothman | OT: Spider-man: Into the Spider-Verse | USA 2018 | 117 Min. | [usr 4]

    (c) Foto Sony Pictures

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  • WIDOWS ★★★★

    WIDOWS ★★★★

    Regisseur Steve McQueen verdichtet eine britische TV Serie aus den frühen 1980ern zu einem Spielfilm, verlegt die Handlung ins heutige Chicago und stattet seinen Heist-Movie mit einem (Frauen)Ensemble aus, das seines gleichen sucht. Dabei steht nicht allein der Raub im Zentrum sondern McQueen greift soziale, ethnische und politische Konflikte auf.

    Es sind vertauschte Rollen, denn in Widows – Tödliche Witwen (so der irreführende deutsche Verleihtitel) kommen die Männer der Protagonistinnen bei einem Überfall allesamt ums Leben und hinterlassen ihren Frauen einen Haufen Schulden. Allen voran Veronica (Viola Davis) sieht sich gezwungen das Geld aufzutreiben und kann bald die anderen Frauen Alice (Michelle Rodriguez), Linda (Elisabeth Debicki) und Belle (Cynthia Ervio) davon überzeugen, einen bereits geplanten finalen Coup ihrer Männer umzusetzen um so die Schulden begleichen zu können.

    Dass es McQueen nicht vordergründig um die Action geht, bekommt man gleich zu Beginn mit, wenn sich Autostunts bei einer Verfolgungsjagd nur im Hintergrund abspielen. Überhaupt setzt der Regisseur in seiner Inszenierung durchwegs interessante Kontrapunkte zum sonst Genreüblichen.  Er interessiert sich viel mehr für soziale Spannungen und Politik. Die Frauen kommen aus den unterschiedlichsten sozialen Schichten und sind gezwungen zu kooperieren. Denn nur so können sie ihr Ziel erreichen.

    Der korrupte Politiker Jack (Colin Farrell) befindet sich im Wahlkampf, der ihn in die unterschiedlichsten Vierteln der statt führt. Steve McQueen veranschaulicht das mit einer Autofahrt von einem Wahlkampfauftritt zu ihm nach Hause. Die Kamera lässt er seitlich über das Auto blicken und binnen weniger Minuten Fahrt kommt man von einem armen Viertel in eine Villengegend. Die Kameraarbeit ist durchwegs durchdacht und unkonventionell.

    Komplettiert wird das Ensemble – Widows ist in erster Linie eine exzellente Ensembleleistung – durch Robert Duvall als Jacks Vater Tom, Liam Neeson als Violas Mann Tom, Jacki Weaver als Lindas Mutter Angieska und  Daniel Kaluuya (in diesem Jahr mit Get out für einen Oscar nominiert) als kaltblütiger Killer Jatemme. Kaluuya weiß in seinen kurzen Auftritten zu überzeugen und dominiert jede seiner Szenen.

    Steve McQueen vollzieht in seinem erst vierten Spielfilm neuerlich einen radikalen Genrewechsel und beweist sein handwerkliches Können.

    Steve McQueen | USA/UK 2018 | 130 Min | [usr 4]

    Foto © Twentieth Century Fox

  • CLIMAX ★★★½

    CLIMAX ★★★½

    Wer die Filme von Gaspar Noé kennt, weiß, dass man nach seinen Filmen nicht einfach so den Saal verlässt und so tut als wäre nichts gewesen. Es sind intensive Kinoerfahrungen die nicht jedem gefallen mögen und über die sich nur schwer diskutieren lässt, weil, entweder man findet es toll oder eben nicht. Ob das Publikum heute noch zu hunderten den Saal verlassen würde, wie vor sechzehn Jahren bei Irreversible, sei dahingestellt. Exzessive Gewalt ist heute schon fast Mainstream geworden. Noès Filme sind aber viel mehr als bloße explizite Gewaltdarstellungen. Sie erheben durchaus künstlerischen Anspruch.

    Sein neuester Film Climax beginnt zwar neuerlich mit dem Ende, wird darüber hinaus aber chronologisch erzählt. Zu Beginn werden die Darsteller in einem Prolog vorgestellt. Sie sprechen aus einem alten Fernsehgerät umrahmt von Videokassetten und Büchern, die den Regisseur bei seinem folgenden Trip offensichtlich beeinflusst haben oder er möchte das dem Publikum jedenfalls glauben machen. Das Ganze strapaziert etwas die Geduld, was danach kommt ist aber großes Kino.

    Eine Tanzkompanie probt ein letztes Mal vor einer großen Tournee in einem Veranstaltungssaal. Der gesamte Film wird in diesem Raum und den angrenzenden Gängen und Zimmer spielen. Die Choreografie ist berauschend gut, die Kamera fliegt durch den Raum, dass es eine Freude ist und der Soundtrack dazu ist eine Wucht. Alles in einer einzigen ungeschnittenen Einstellung. Noés Filme sind immer ein Rausch und man ist bereits mitten drinnen. Was folgt ist aber ein Trip in die Hölle.

    Die Probe ist zu Ende und die Party kann beginnen. Irgendwann kommen die Credits. Wie immer bunt und groß. An dieser Stelle könnte man das Kino verlassen. Sangria fließt in strömen. Die Stimmung kippt. Jemand hat Drogen in die Bowle gemischt. Bei gleichbleibend wummerndem Soundtrack wird jetzt auch noch geschrien. Panik macht sich breit. Ein Kind ist involviert. Noè geht aufs Ganze, in allem was er tut. Das mag dick aufgetragen sein, andererseits ist es nur konsequent. Dass dies kein Kindergeburtstag ist, hat man schon in der ersten Szene gesehen.

    Bei Noé geht es nicht ohne unschöne Bilder aber visuell ist das alles brillant. Die Musik spielt in Climax eine wesentliche Rolle. House, Disco, Techno: Supernature im Remix, Born to be alive und eine tolle Instrumentalversion von Angie. Ein Höhepunkt jagt im wahrsten Wortsinn den nächsten. Ein opulenter Drogentrip den man nicht verpassen sollte, wenn man bis hier her gelesen hat und das alles nicht schon im Vorhinein für unerträglich hält.

    Gaspar Noé | F 2018 | 96 Min | [usr 3.5]

    Foto © Thimfilm

  • ROMA ★★★★★

    ROMA ★★★★★

    Der mexikanische Regisseur Alfonso Cuarón hat seinen bisher persönlichsten Film gedreht. Aus Sicht seines Kindermädchens porträtiert er in atemberaubenden schwarzweiß Bildern den Alltag von Mexiko City in den sechziger und siebziger Jahren.

    Es gibt viele Möglichkeiten einen Film zu beginnen. Alfonso Cuarón zeigt Abwaschwasser, das schwallweise in einen Kanal rinnt. Minutenlang. Ein Flugzeug am Himmel spiegelt sich in der Pfütze und die Kamera öffnet sich zu einer Totalen, gefolgt von einem dieser langen Schenks, die in diesem Epos immer wieder kehren werden. Cleo reinigt die Einfahrt des gutbürgerlichen Hauses im Titel gebenden Stadtteil in Mexico City. In der engen Zufahrt parkt der Vater Antonio (Fernando Grediaga) jeden Abend mit fanatischer Genauigkeit millimetergenau sein Auto ein, während seine Frau Sofía (Marina De Tavira) mit deren vier Kindern geduldig und sehnsüchtig wartet. Eine heile Welt, wenn sich die Tore der Garage schließen.

    Cloe, gespielt von Yalitza Aparicio, ist Haus- und Kindermädchen mixtekischer Abstammung. Die Geschichte wird aus ihrer Sicht erzählt. Sie stellt Cuaróns einstiges Kindermädchen dar, das ihn in den sechziger und siebziger Jahren großgezogen hat. Nach dem Überraschungserfolg von Y Tu Mamá También in Venedig 2001 und dem technischen 3D-Meisterwerk Gravity 2013 kehrt der Regisseur zuerst für die Dreharbeiten in seine Heimat und dann nach Venedig zurück und holt sich in diesem Jahr seinen dritten Goldenen Löwen ab.

    Roma ist ein liebevolles Porträt von gesellschaftspolitischer Dimension. Zu Hause spielt sich bald ein Familiendrama ab. Cloe ist wie ein Hausgeist mittendrinnen und wird, obwohl selbst vom Schicksal nicht verschont, von der Familie völlig ignoriert, sobald sie selbst mit ihren eigenen Problemen zu sehr beschäftigt ist. Mitten durch das Wohnzimmer verläuft eine scharfe soziale Trennlinie.

    Cuarón beherrscht die leisen Töne und verleiht ihnen eine enorme Wucht, stellt dem Alltag historische Ereignisse gegenüber. Cloe wird während eines Einkaufes Zeugin des Corpus-Christi-Massakers, bei dem 120 Studenten von Militärs getötet wurden. Dabei bleibt die Kamera konsequent bei der Hauptdarstellerin und verleiht dem Moment eine unglaubliche Eindringlichkeit. Im quälend langsamen Kameraschwenks fühlt man sich als Zuschauer selbst wie gelähmt im Angesicht des tragischen Ereignisses.

    Cuarón spielt mit der Aufmerksamkeit des Publikums. In einer Szene in einem Kinosaal leitet er sie vom Geschehen im Vordergrund direkt auf den Film auf der Leinwand. Aufeinmal ist man mitten in einer Kriegskomödie. Im Zentrum des Filmes steht später eine herzzerreißend Spitalsszene mit Cloe. Eine schier endlos lange Kameraeinstellung, die kein Wegschauen zulässt und für viele ein Schock sein dürfte. Gegen Ende kommt es dann zu einer Wende, die an Dramatik kaum zu überbieten ist. Ebenfalls eine einzige Einstellung, im tosenden Meer.

    Der Sound ist neben den prächtigen durchkomponierten schwarzweiß Bilder in Cinemascope ein weiteres bemerkenswertes Detail. Wie oft kommt es in Zeiten von ausgeklügeltsten Surround Sounds schon vor, das man sich umdreht, weil man in den hinteren Reihen störende Plaudertaschen vermutet? Roma ist nicht nur ein erzählerisches Meisterwerk, sondern auch ein technisches.

    Alfonso Cuarón war der erste mexikanische Regisseur, der einen Regie-Oscar bekommen hatte. Gut möglich, dass er im nächsten Jahr wieder Geschichte schreiben wird. Roma geht für Mexiko ins Rennen um den Besten Fremdsprachigen Film. Dort darf er als Favorit gelten und obwohl die Nominierungen erst im Jänner bekannt gegeben werden, führt er bei den Buchmachern bereits die Kategorie Beste Regie an. Dabei zeichnet sich Cuarón noch für das Drehbuch, die Kamera und den Schnitt (mit Adam Gough) verantwortlich. Roma ist ein Ausnahmefilm. Gut möglich, dass sich das auch bei der Preisvergabe niederschlägt.

    Netflix hat die Produktion und den Vertrieb übernommen. In den nächsten Tagen kommt es zu einem limitierten Kinostart, bevor der Film nächste Woche auf der Streaming Plattform abrufbar sein wird. Ein Screening auf der großen Leinwand sei dringend empfohlen. Paradoxerweise kann sich gerade Roma nur dort richtig entfalten. In Italien kam es wegen der Restriktionen im Verleih zu einem Boykott durch Kinobetreiber. Eine besondere Situation, da der Film im Rahmen der staatlich subventionierten Filmfestspiele gelaufen ist und nun nicht flächendeckend verwertet werden darf. Das Kino befindet sich also im Umbruch. Mit Roma an der Spitze sind die Zeiten so schlecht nicht.

    Alfonso Cuarón | MEX/USA 2018 | 135 Min | [usr 5]

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  • THE BALLAD OF BUSTER SCRUGGS ★★★½

    THE BALLAD OF BUSTER SCRUGGS ★★★½

    Die Coen Brüder bestreiten in ihrem 18. Leinwandabenteuer neue Wege. Nicht nur, dass es bekanntlich gar kein Leinwandabenteuer im buchstäblichen Sinn mehr ist, auch in der Erzählweise und der Produktion gibt es große Veränderungen. Für das Publikum bedeutet das erstmal: ab auf die Couch.

    Eine Projektion auf der großen Leinwand blieb nämlich dem Publikum bei den Filmfestspielen von Venedig vorbehalten, wo der Film vergangenen August seine Premiere feierte. Im Gegensatz zu Alfonso Curóns Roma machte Netflix hier keine Ausnahme. The Ballad of Buster Scruggs wanderte direkt auf die Streaming Plattform. Eines darf als sicher gelten: dort haben Ethan und Joel Coen mit den Sehgewohnheiten von uns Couchpotatoes zu kämpfen. Ihr neuestes Werk setzt sich aus sechs Kurzfilmen zusammen. Der Abschaltimpuls dürfte daher hoch liegen. Dabei sollte man sich die Geschichtensammlung, in der sich die Coens als Gebrüder Grimm des Wilden Westens versuchen, auf jeden Fall bis zum Schluss anschauen.

    Ein blutroter Faden zieht sich durch die Geschichten von unterschiedlichster Länge. Das Regieduo hat seine tragikomischen Helden schon in der Vergangenheit immer wieder auf die skurrilste Weise sterben lassen. Der Kreativität scheinen auch jetzt keine Grenzen gesetzt. Es wird fleißig gestorben und wenn nur durch einen klassischen Schuss, dann verleiht die Vorgeschichte auch diesem jähen Ende eine zusätzliche Ebene der Betroffenheit.

    Auch in der technischen Umsetzung gingen die Coens neue Wege und drehten erstmals mit einer Digitalkamera. Vieles ist also neu. Dass ursprünglich eine Serie geplant war, spielt aber keine Rolle. Die Geschichten sind zwar nicht alle von gleicher Qualität, fügen sich aber schön zu einem Ganzen zusammen. Mit Tom Waits, Liam Neeson und James Franco versammelt sich das gewohnte Starensemble vor der Kamera. Wegen der Erzähltechnik sind alle aber nur in kurzen Rollen zu sehen. Tom Waits als Goldgräber sticht hier besonders hervor. Als er auf der Suche nach einer Goldader singend ein verlassenes Tal betritt, ergeifen sämtliche Tiere sogleich die Flucht. Die Figuren mögen oft dem Untergang geweiht sein und ihr Leben kurz, die Coens hegen ihnen gegenüber aber eine geradezu liebevolle Zuneigung, die sich auf dem Schirm(!) bemerkbar macht.

    Die letzte Episode „The Mortal Remains“ wurde, im Gegensatz zu den anderen, zur Gänze in einer Soundstage, also im Studio, gedreht. Die Kutschenfahrt hat nur scheinbar ein offenes Ende. Es ist genau das wonach es aussieht. Und wieder ist die Sammlung der Coens um einen Abgang reicher. Ein Ende, das viele Zuschauer nicht mehr sehen werden. Schade, sie haben etwas verpasst.

    Ethan and Joel Cohen | USA 2018 | 133 Min. | [usr 3,5]

    © Foto: Netflix

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  • STYX ★★★★

    STYX ★★★★

    Meldungen über Flüchtlinge, die auf ihrem Weg nach Europa Schiffbruch erleiden, erreichen uns nahezu jede Woche. Erreichen sie uns nicht, dann nur weil etwas anderes gerade wichtiger erscheint und kein Platz ist für die immer wiederkehrenden gleichen Nachrichten.  Manche mögen es nicht mehr hören können und andere sind jedes Mal aufs Neue erschüttert. Eines ist bei uns allen gleich: Es ist alles bald wieder vergessen. Doch eigentlich geht es uns alle an. Was wäre, wenn sich plötzlich vor unseren eigenen Augen eine Flüchtlingstragödie abspielen würde und wir zum Handeln gezwungen wären? Mit diesem Gedankenexperiment beschäftigt sich der niederösterreichische Regisseur Wolfgang Fischer und zeigt in seinem neuen Film, wo wir als Gesellschaft heute stehen. 

    Rike (Susanne Wolff) ist eine deutsche Notärztin und hat alles fest unter Kontrolle. Selbst als sie sich allein auf einer 11 Meter Jacht auf dem Atlantik Richtung Süden und der Insel Ascension begibt, sitzt jeder Handgriff. Bei ruhiger See genießt sie die scheinbar unendliche Freiheit und als sich ein Unwetter ankündigt, bewahrt die Ruhe. Doch nicht für jeden ist das Meer ein einziges Glücksgefühl. Für manche ist es ein tödliches Hindernis.

    Als sie auf ein mit Flüchtlingen völlig überladenes Fischerboot trifft, ist auf einmal nichts mehr so wie es gerade noch war. Von einem Moment auf den anderen geht es um existenzielle Fragen. Rike ist klar, dass gehandelt werden muss. Nur ist sie überhaupt in der Lage dazu? Als Notärztin geht ihre eigene Sicherheit vor. Sie nimmt Kontakt mit der Küstenwache auf und dann steht da plötzlich der junge Kingsley (Gedion Odour Wekesa) auf ihrem Boot.

    Fischer erzählt dieses tragische Ereignis nüchtern und unaufgeregt und genau das ermöglicht es dem Publikum, sich in diese Lage zu versetzen. Dabei geht es nicht um moralisierende Belehrungsversuche sondern um Fragen, die sich jeder Einzelne stellen muss und um die Verantwortung, die zu tragen ist.

    Styx vermittelt das Gefühl, allein auf einem Boot zu sein so authentisch, wie wir das vor einiger Zeit schon bei Robert Redford in All is lost gesehen haben. Wind und Wetter werden spürbar, das Meeres rauscht und die Seile knarzen. Jeder der noch nie auf einem Segelboot war, weiß danach zumindest, wie es sich dort anhört. Aber auch das Gefühl, den Gewalten der Natur ausgesetzt zu sein, wird nachvollziehbar.

    Der Filmtitel bezieht sich auf die griechische Mythologie. Styx ist der Fluss der Ober- und Unterwelt von einander trennt oder auch die Lebenden von den Toten. Das mag pathetisch klingen, wird aber im Film nicht extra thematisiert und darüber hinaus ist dieses Bild gar nicht abwegig. Die Flüchtlinge trennen tatsächlich ein paar hundert Meter Wasser vor ihrer Rettung. Die Insel Ascension im Südatlantik, das Ziel der Hauptfigur, ist das erste künstliche erschaffene und sich selbst erhaltene Ökosystem. Erdacht und umgesetzt von Charles Darwin. An Symbolik ist der Film also nicht arm. In der ersten Sequenz zeigt Fischer Berberaffen in Gibraltar. Neben dem Menschen die einzige in Europa freilebende Primatenart. Eingewandert aus Afrika und das schon vor Jahrhunderten.

    Styx ist so ein Film der Stunde.

    Wolfgang Fischer | D/AT 2018 | 94 Min. | [usr 4]

    © Foto: Filmladen Filmverleih

  • SUSPIRIA ★★★½

    SUSPIRIA ★★★½

    Dario Argento gelang mit Suspiria im Jahr 1977 der Durchbruch. Publikum und Kritiker waren sich einig, hier einen einzigartigen Horrorfilm vor sich zu haben. Jahrzehntelang stand der Film in Deutschland auf dem Index und durfte nur unter dem Ladentisch gehandelt werden, was sicher dazu beitrug, dass er zu einen Kultklassiker avancierte. Für die Behörde war die Geschichte rund um eine von Hexen geführte Ballettschule zu grausam. Dabei besticht Suspiria durch seinen markanten visuellen Stil und den wunderbaren Soundtrack der eigens gegründeten Band Goblin. Zum 40. Jahr Jubiläum erschien eine restaurierte Fassung und anlässlich des Kinostarts der Neuverfilmung ist der Film nun auch wieder in Sondervorführungen auf der Leinwand zu sehen. Vergessen sind alle Vorbehalte. Suspiria ist längst Kulturgut.

    Es ist ein Langzeitprojekt von Regisseur Lucca Guardagnino, der 2017 mit Call me by your Name einen großen Erfolg feierte und sich mit seiner Version einem Stück italienischer Filmgeschichte annimmt. Dabei handelt es sich weniger um ein Remake, sondern vielmehr um eine Neuinterpretation. Die Rahmenhandelung ist gleich geblieben: Die junge US-Amerikanerin Susie Bannion (Dakota Johnson) kommt nach Deutschland, diesmal nach Berlin, um an der berühmten Markos Akademie vorzutanzen. Zufällig wurde gerade ein Platz frei. Das kundige Publikum weiß warum. Dass die Ballettschule von einem Hexenzirkel geführt wird, der vor exzessiver Gewalt nicht zurückschreckt, ist heute kein großes Geheimnis mehr.

    Ansonsten versucht sich Guardagnino bewusst vom Original fernzuhalten. Nichts ist geblieben von Argentos satten Farben. Blasse Farben und Brauntöne verhelfen den Film zu einem eigenständigen Look. Die Handlung wird nun auch aus der Tanzschule getragen. Der Deutsche Herbst ist allgegenwärtig. Guardagnino fängt die Atmosphäre in der geteilten Stadt, wo die Nazivergangenheit noch in greifbarer Nähe ist, gekonnt ein und integriert sie in die Geschichte.

    Der Psychotherapeut Josef Klemperer (Guardanino zeigt den Schauspieler Lutz Ebersdorf in seiner ersten und letzten Rolle) erfährt über seine verstörten Patientinnen von der Akademie und wird misstrauisch, ob der höchst seltsamen Vorgänge dort. Dabei wird er mit seiner eigenen Vergangenheit konfrontiert und wir einmal mehr mit der Geschichte Deutschlands.

    In der Neufassung wird dem Tanz selbst eine viel größere Rolle einberaumt. Ballettmeisterin Madame Blanc (Tilda Swinton) probt gerade das Stück Volk. Erster Höhepunkt ist ein aggressiver Tanz von Susie, der unmittelbare physische Auswirkungen auf Olga (Elena Fokina) in einem anderen Tanzsaal hat. Eine in Ungnade gefallenen Tänzerin. Diese Montage fährt dem Publikum im buchstäblichen Sinn in die Knochen. Verstörend und beeindruckend zugleich.

    Der Cast besteht ausschließlich aus Frauen. Ja, Guardagnino und Swinton haben sich mit dem Publikum einen kleinen Spaß erlaubt! Mit dabei sind auch die beiden deutschen Schauspielerinnen Ingrid Caven und Angela Winkler. Für den brillianten Soundtrack zeichnet sich Radiohead Frontmann Thom Yorke verantwortlich. Er steht dem Original um nichts nach.

    Guardagnino braucht eine Stunde länger als Dario Argento um seine Geschichte zu erzählen. Das ist nicht ganz nachvollziehbar und mildert den sonst stimmigen Filmgenuss. Am Ende ließ Argento Spielraum für Interpretationen. Guardagnino feiert ein finales Orgienmysterientheater mit opulent inszenierten Blutfontänen und lässt nichts offen.

    Lucca Guardagnino | I/USA 2018 | 152 Min | [usr 3,5]

  • SIE WERDEN MICH LIEBEN, WENN ICH TOT BIN ★★★★

    SIE WERDEN MICH LIEBEN, WENN ICH TOT BIN ★★★★

    Orson Welles, einer der großen des US-Kinos, hatte Zeit seines Lebens zahlreiche Filme nie fertig gestellt. Das ist die Geschichte der Odyssee seines letzten Filmes The Other Side Of The Wind mit John Houston in der Hauptrolle. Die Netflix-Produktion ist ein Portrait einer tragischen Figur, die Hollywood erst zu fest umarmt und dann fallen gelassen hatte.

    Was macht man, wenn sich einer der bedeutendsten Filmregisseure Hollywoods im eigenen Haus verschanzt und es dabei fast abfackelt? Peter Bogdanovich (The Last Picture Show, What’s up, Doc, Paper Moon) hatte seinem Freund Orson Welles sein Haus für die Dreharbeiten von The Other Side Of The Wind zu Verfügung gestellt, nachdem ihm das Geld für die Finanzierung ausgegangen war. Welles sollte mehr als drei Jahre bleiben.

    Die Dreharbeiten zogen sich von 1970 bis 1976 und der Schnitt bis in die 1980er. Für den Regisseur der wichtigste Teil des Filmemachens. Welles konnte den Film nie fertig stellen. Er starb 1985. Genauso wenig wie viele seiner anderen Filme, die unvollendet blieben, auch weil er an seinen Ambitionen scheiterte. Diese Dokumentation versucht dem nachzugehen. Welles war nicht nur Perfektionist, er konnte sich darüber hinaus nicht von seinen Projekten trennen. Der Schluss war für ihn immer traurig, außer man hörte auf zu erzählen, bevor die Geschichte zu Ende war.

    Mit nur 26 Jahren dreht er den Film, der von vielen als der beste aller Zeiten gesehen wird: Citizen Kane. Die Geschichte vom Zeitungsmagnaten mit dem berühmten letzten Wort lastete schwer auf seinen Schultern (David Fincher verfilmte in Mank die Entstehungsgeschichte). Das verbindet ihn mit Peter Bogdanovich. Auch er hatte seine größten Erfolge in jungen Jahren. Später wurde beiden nicht mehr die Anerkennung zu teil, die sie verdient hätten. Welles fühlte sich verraten. Citizen Kane bezeichnete er als den größten Fluch seines Lebens.

    In den 1980er endete die Produktion von The Other Side Of The Wind in einem Rechtsstreit. Durch eine Initiative von zahlreichen Filmschaffenden wie Wes Anderson und Noah Baumbach wurde er nun doch noch fertig gestellt. Diese Dokumentation ist nicht zufällig eine Netflix-Produktion. Der Streaming Dienst hat sich an die Vollendung von Orson Welles letztem Film gemacht. Ob Welles damit seine Freude gehabt hätte, sei dahingestellt. Das aus über 1000 Fragmenten zusammengesetzte Puzzle ist zumindest ein muss für jeden Cineasten (Filmbesprechung folgt). They’ll love me, when i’m dead, wie die Dokumentation im Original heißt, gibt auf jeden Fall einen spannenden Einblick in das Wesen eines passionierten Giganten der Filmgeschichte, für den jeder Tag, den er nicht auf einem Set verbrachte, ein verlorener war.

    Morgan Neville | USA 2018 | 98 Min | [usr 4]


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