Schlagwort: Filmkritik

  • „HAMNET“ Filmkritik: Bewegendes Drama um William Shakespeare aus der Sicht seiner Ehefrau.

    „HAMNET“ Filmkritik: Bewegendes Drama um William Shakespeare aus der Sicht seiner Ehefrau.

    ★★★★

    Mit Jessie Buckley, Paul Mescal Regie Chloé Zhao
    Ab 14 Länge 125 Min

    Chloé Zhao verfilmt einen Roman von Maggie O’Farrell aus dem Jahr 2020, indem der Pesttod eines Kindes von William Shakespeare und seiner Ehefrau Anne in den fiktiven Kontext der Entstehungsgeschichte von Hamlet gesetzt wird. Sehr berührend und großartig gespielt von Jessie Buckley und Paul Mescal.

    Szene aus Hamnet

    Kurzkritik

    Über William Shakespeares Leben sind relativ wenige Fakten überliefert. Viel Wissen beruht auf Vermutungen, was nicht ungewöhnlich ist für einen Mann des 16. Jahrhunderts, der zu Lebzeiten natürlich nicht die Berühmtheit hatte so wie heute. Mal abgesehen davon, dass es Debatten darüber gibt, ob sein Werk nicht überhaupt einem Künstlerkollektiv zuzuschreiben ist.

    Nicht eindeutig überliefet ist naturgemäß auch die Ehe mit Anne Hathaway, mit der er vermutlich drei Kinder hatte, wovon eines mit 11 Jahren an der Pest starb. Nichts desto trotz hat Maggie O’Farrell um den Sohn Hamnet diese berührende Geschichte konstruiert.

    Shakespeare hat sich in dieser Zeit bereits in London befunden. Seine Familie blieb im Geburtsort Stratford-upon-Avon zurück. Als der Sohn stirbt ist der Vater nicht da. Ein erschütternder Moment (noch verstärkt durch einen dramaturgischen Kniff). Die Mutter ist natürlich verzweifelt. Das hält sie ihm dann auch vor und versteht nicht, wie er in London leben kann. Selbst in ihrer Gegenwart kann er seine Trauer nicht ausleben.

    Als Anne erfährt, dass William das Stück „Hamlet“ aufführen wird, begibt sie sich doch nach London, um ihren Mann im Globe Theatre auf der Bühne zu sehen. In diesem Moment versteht sie, wie er die Trauer um den Sohn in jeder Zeile Text verarbeitet hat.

    HAMNET beschäftigt sich nicht nur mit den Themen Trauer und Verlust, sondern auch damit, wie sie in der Kunst verarbeitet werden. Der Film zeigt Anne als naturverbundenen Menschen – sie bringt das erste Kind im Wald zur Welt – der in einer anderen Welt lebt als ihr Mann, den es in die Stadt zieht. Am Land haben sie ein großes Haus. In London wohnt Shakespeare in einer Dachkammer. Am Ende kommen sie über das Theater zusammenkommen. Das ist ein schöner Gedanke.

    Dank der beiden großartigen Hauptdarsteller Buckley und Mescal driftet die Geschichte trotz aller Spekulationen nicht all zu sehr in Kitsch ab. Wir fühlen mit ihnen, auch wenn die beiden das spielen was wir schon kennen, sie aber einfach am Besten können. HAMNET zielt messerscharf auf unsere innersten Gefühle und gerade gegen Ende wird wohl kaum ein Auge trocken bleiben.

    Hamnet (UK 2025)
    Ab 14 Länge 125 Min.
    Regie Chloé Chaos Drehbuch Chloé Zhao, Maggie O’Farrell Kamera Łukasz Żal Schnitt Affonso Gonçalve, Chloé Zhao Musik Max Richter Mit Jessie Buckley, Paul Mescal, Emily Watson

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  • „O AGENTE SECRETO“ Filmkritik: Wagner Moura als verfolgter Wissenschafter im Brasilien der 1970er Jahre.

    „O AGENTE SECRETO“ Filmkritik: Wagner Moura als verfolgter Wissenschafter im Brasilien der 1970er Jahre.

    ★★★★ ½

    Mit Wagner Moura Regie Kleber Mendonça Filho
    Ab 16 Länge 158 Min.

    Es beginnt mit einer Leiche an einer Tankstelle. Die Polizei scheint sich nicht sonderlich für sie zu interessieren. Dafür vielmehr für einen sehr verunsicherten Armando (Wagner Moura) und seinen gelben VW Käfer, der gerade einen Tankstop eingelegt hat. Bereits nach wenigen Minuten wird klar, dass die Polizei im Brasilien von 1977 nicht dein Freund und Helfer ist. In Kleber Mendonça Filho in Cannes ausgezeichneten O AGENTE SECRETO ist Armando auf dem Weg nach Recife zu seinem Sohn. Die Situation ist angespannt.

    O Agente Secreto, Kleber Mendonça Filho, 2025

    Kurzkritik

    Angst vor Verfolgung, Korruption und Gewalt bestimmen das Leben von Menschen wie Armando, die dem Regime nicht genehm sind. Auch wenn man auf seine Forschungen als Wissenschafter nicht verzichten möchte.

    Armando begibt sich auf den langen Weg von Sao Paolo nach Recife um zu seinem Sohn zu gelangen und dann das Land zu verlassen. Noch wenige Tage trennen sie von gefälschten Pässen, die ihnen die Ausreise ermöglichen sollen. Doch der ehemalige Präsident eines des staatlichen Energiekonzerns hat zwei Auftragskiller auf Armando angesetzt, die ihm dicht auf den Fersen sind.

    Wagner Moura, den wir viel zu selten zu sehen bekommen, ist ein Glücksfall für das Kino. Er erweckt stellvertretend für viele Verfolgte eine (fiktives) Einzelschicksal zum Leben und hält uns für mehr als zweieinhalb Stunden im Bann. Einen kurzen Auftritt hat der wunderbare Udo Kier in einer seiner letzten Rollen.

    Kamerafrau Evgina Alexandrova erzeugt mit anamorphen Kameralinsen einen speziellen farbintensiven Grindhouse-Look, der O AGENTE SECRETO einen besonderen Charakter verleiht. In Kombination mit bemerkenswerten Kostümen entstand ein schön anzusehendes Period Piece in erdigen sommerlichen Farbtönen. Sie stehen im Kontrast zur Brutalität der dramatischen Handlung. Trotzdem schlägt O AGENTE SECRETO auch satirische Untertöne an.

    Mit Walter Salles‘ I’M STILL HERE aus dem vergangenen Jahr verbindet ihn nicht nur das historische Setting, sondern auch der zutiefst humanistische Zugang eines Polit-Thrillers und die Bezugnahme beider Regisseure zur aktuellen politischen Situation in Brasilien.

    O Agente Secreto (A Secret Agent), BRA/FR/NL/D 2025
    Ab 16 Länge 158 Min.
    Regie Kleber Mendonça Filho Drehbuch Kleber Mendonça Filho Kamera Evgenia Alexandrova Schnitt Matheus Farias, Eduardo Serrano
    Musik Mateus Alves, Tomaz Alves Souza Mit Wagner Moura, Maria Fernanda Cândido, Gabriel Leone, Carlos Francisco, Alice Carvalho, Udo Kier

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  • „BUGONIA“ Filmkritik: Von Dinosauriern, Aliens und Bienen

    „BUGONIA“ Filmkritik: Von Dinosauriern, Aliens und Bienen

    ★★★★ ½

    Mit Emma Stone, Jesse Plemons, Aidan Delbis, Alicia Silverstone Regie Yorgos Lanthimos
    Ab 14 Länge 118 Minuten

    Teddy (Jesse Plemons) ist überzeugt davon, dass die Menschheit durch eine außerirdische Spezies kontrolliert und unterdrückt wird. In Yorgos Lanthimos‘ tiefschwarzer Satire BUGONIA macht sich der Hobbyimker daran, mutmassliche Vertreter der Andromedans gefangen zu nehmen und dazu zu zwingen, einen Kontakt mit deren Anführern herzustellen. Michelle (Emma Stone) ist Managerin einer Pharmaunternehmens und sein jüngstes Opfer. Gemeinsam mit seinem Cousin Don (Aidan Delbis) sperrt er sie in den Keller und vermutet bald, dass es sich bei ihr um eine Vertreterin der Königlichen Familie der Andromedans handeln muss. Teddy wittert seine große Chance, endlich an sein Ziel zu kommen.

    Emma Stone, Aidan Delbris und Jesse Plemons in BUGONIA.

    Kurzkritik

    Nicht weniger verstörend als die Geschichten von Yorgos Lanthimos ist, dass es im Jahr 2025 immer noch Menschen gibt, die glauben, die Erde sei flach oder reptiloide Politiker würden die Welt beherrschen. Es hat den Anschein, als würde sich Lanthimos über Verschwörungstheoretiker lustig machen. Doch hat Teddy berechtigte Gründe, Michelle zu hassen? Sympathieträgerin ist sie freilich keine. Als CEO hat sie sehr wohl unmenschliche Züge. Dazu muss man aber noch lange kein Alien sein.

    BUGONIA ist ein Remake des südkoreanische Films SAVE THE GREEN PLANET (2003) von Jang Joon Hwan und der Stoff ist aktueller den je. Lanthimos ist ein Meister des absurden Kinos und sein neuester Film ist wieder etwas zugänglicher als der Vorgänger KINDS OF KINDNESS. Trotzdem sei das Publikum gewarnt. Kenner seiner Filme überrascht es nicht aber man muss sich hier wieder mit einer ungeheuren Brutalität auseinandersetzen. Zum Erfolgskonzept gehören aber auch außergewöhnliche schauspielerische Leistungen. Es ist die vierte Zusammenarbeit mit Emma Stone und mit Jesse Plemons hat Lanthimos offenbar einen neuen partner in crime gefunden. Als Teddys Cousin wurde der Laiendarsteller Aidan Delbis gecastet, der wie seine Rolle eine Autismus-Spektrum-Störung hat und den Film durch seine spezielle Art besonders bereichert.

    So exzellent die Filme von Yorgoss Lanthimos sind, ist es immer schwer ob und wem man seine Filme empfehlen kann. Im Fall von BUGONIA (der Ausdruck kommt von einem antiken Ritual, in dem größere Lebewesen zum Wohle der Bienen geopfert werden) bekommt man aber beste Unterhaltung geboten und das bis zum großen Finale. Wobei einem die letzten Bilder doch auch auf den Magen gehen können. Es zahlt sich aber durchaus aus, sich auf den Film einzulassen. Sicherlich einer der Höhepunkte des heurigen Kinojahres. Weiterführende Informationen hier.

    BUGONIA, IRL/KOR/USA 2025
    Thriller-Komödie Ab 14 Länge 118 Minuten
    Regie Yorgos Lanthimos Drehbuch Will Tracy Kamera Robbie Ryan Schnitt Yorgos Mavropsaridis
    Musik Jerskin Hendrix Mit Emma Stone, Jesse Plemons, Aidan Delbis, Alicia Silverstone

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  • „A HOUSE OF DYNAMITE“ Filmkritik: Angriff auf die USA.

    „A HOUSE OF DYNAMITE“ Filmkritik: Angriff auf die USA.

    ★★★★

    Mit Rebecca Ferguson, Idris Elba, Tracy Letts Regie Kathryn Bigelow
    Ab 14 Länge 112 Minuten

    In den Jahren seit dem 2. Weltkrieg stand die Welt mehrmals kurz vor dem Abgrund und eine globale Katastrophe konnte gerade noch abgewendet werden. Ein paar Männer mit zu großen Ego waren dann doch einsichtig und pfiffen ihre Militärs wieder zurück. In A HOUSE OF DYNAMITE spielt Regisseurin Bigelow das Worst Case Szenario gleich drei Mal durch: Eine Rakete steuert auf die USA zu. Herkunft unbekannt. Bis zum Einschlag verbleiben wenige Minuten.

    Idris Elba steht als US-Präsident vor einer schwerwiegenden Entscheidung,

    Kurzkritik

    Aus drei Perspektiven schildert Regisseurin Kathryn Bigelow die letzten 19 Minuten vor dem Einschlag einer Interkontinentalrakete auf Chicago. Zuerst aus der Sicht einer Beamtin (Rebecca Ferguson) im White House Situation Room, folglich jener eines Generals (Tracy Letts) auf einer Militärbasis in Nebraska und schließlich aus der Sicht des US- Präsidenten (Idris Elba). Als Zuseher*innen werden wir mit zwei Stunden permanenter Hektik konfrontiert. Unterschiedliche Interessen prallen aufeinander, in einer Stresssituation, auf die der Verteidigungsapparat bedingt aber jeder Einzelne überhaupt nicht vorbereitet ist. Für strategische Überlegungen bleibt keine Zeit mehr. Die Rakete wurde zu spät entdeckt.

    Mit A HOUSE OF DYNAMITE ist Kathryn Bigelow und Drehbuchautor Noah Oppenheim ein exzellent konstruierter Thriller gelungen. Zum Durchatmen bleibt kaum Zeit, als befänden wir uns in einem Uhrwerk, in dem eine unübersichtliche Anzahl an Zahnrädchen ineinandergreifen. Gehen wir einmal davon aus, dass das was wir sehen authentisch ist. Dann bekommen wir einen spannenden Einblick in das Krisenmanagement im Weißen Haus.

    Einzig sind die drei Teile etwas repetitiv, da die Positionen bereits in Teil 1 klar definiert sind und der Ausgang natürlich immer gleich ist. In diesem Fall bieten die drei Perspektiven für das Publikum kaum einen Mehrwert. Trotzdem packt uns die Verzweiflung und Ausweglosigkeit, der das Land in diesen Minuten trotz eines enormen Verteidigungsapparates ausgesetzt ist.

    A HOUSE OF DYNAMITE, USA 2025
    Thriller Ab 14 Länge 112 Minuten
    Regie Kathryn Bigelow Drehbuch Noah Oppenheim Kamera Barry Akkroyd Schnitt Kirk Baxter
    Musik Volker Bertelmann Mit Rebecca Ferguson, Idris Elba, Tracy Letts

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  • „THE MASTERMIND“ Filmkritik: 1970 – als es auch schon einfach war, ein Museum auszurauben.

    „THE MASTERMIND“ Filmkritik: 1970 – als es auch schon einfach war, ein Museum auszurauben.

    ★★★★
    Mit Josh O’Connor, Alana Haim Regie Kelly Reichardt
    Ab 14 Länge 110 Minuten

    Ein Familienvater organisiert im Massachussets des Jahres 1970 einen Museumsraub. Die Filmgeschichte hat uns gelehrt, dass man dabei mitunter nicht alles unter Kontrolle halten kann und so ist es auch in Kelly Reichardts THE MASTERMIND. So leicht die Tat von der Hand gehen mag, danach ist nichts mehr so wie es war.  Josh O‘Connor spielt an der Seite von Alana Haim in diesem in Brauntönen gehaltenen, von Freejazz untermalten und Vintage-Liebhaber*innen verzückenden Heist-Movie.

    Josh O’Connor in THE MASTERMIND

    Kurzkritik

    Im Live Gespräch nach einem Screening im Stadtkino Wien erzählt Regisseurin Kelly Reichardt davon, wie sie mit dem Umstand zu kämpfen hatte, dass jedes noch so lächerliche Outfit, dass sie für die Hauptrolle mit der Kostümdesignerin ausgesucht hatte, an Josh O‘Connor einfach super stylish aussah. Davon kann man sich jetzt im Kino und in Zukunft auf der Streamingplattform Mubi überzeugen.

    In tristen Brauntönen erzählt THE MASTERMIND davon, wie ein Mann das gemeinsame Leben seiner Mittelklassefamilie aufs Spiel setzt, indem er mit Komplizen Bilder von Arthur Dove, dem ersten abstrakten Maler der USA, entwendet. Der Filmtitel ist hier ironisch gemeint, denn so gut überlegt hat sich J.B. Mooney sein Vorhaben nicht. Reichardt spricht vom „personal freedom“ den Mooney anstrebt, der aber immer auf Kosten von anderen geht – in diesem Fall seiner Familie. Die 1970er wählte sie für ihre Geschichte, da es damals noch ziemlich einfach war, aus einem Museum Kunstgegenstände zu rauben und auch, weil sich die USA Ende der 1960er im Umbruch befand. Das wiederum passte gut, um den Charakter von J.B. Mooney eine Form zu geben.

    Die Industriestädte Massechussetts‘ schaffen eine stimmige Kulisse. Das gemächliche Tempo unterstreicht die missliche Lage, in der sich Mooney befindet, ebenso wie der für die Regisseurin ungewöhnliche Einsatz von Filmmusik, hier in Gestalt der leidenden Freejazz Trompete von Rob Mazurek.

    Kelly Reichardt, die nicht probt und ihren Darstellerinnen großes Vertrauen schenkt, kam der spektakuläre Raub im Louvre just zum Kinostart sicherlich nicht ungelegen. THE MASTERMIND hat sich zusätzliche Publicity verdient.

    THE MASTERMIND,, USA 2025
    Krimi Ab 14 Länge 110 Minuten
    Regie/Drehbuch/Schnitt Kelly Reichardt Kamera Christopher Blauvelt
    Musik Rob Mazurek Mit Josh O’Connor, Alana Haim

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  • „THE SMASHING MACHINE“ Filmkritik: Dwayne Johnson in der Rolle seines Lebens.

    „THE SMASHING MACHINE“ Filmkritik: Dwayne Johnson in der Rolle seines Lebens.

    ★★★★

    Mit Dwayne Johnson, Emily Blunt Regie Benny Safdie
    Ab 12 Länge 123 Minuten

    Emily Blunt

    In den 1990ern steckt der Ringsport noch in den Kinderschuhen. Einzig in Asien sind die Sportler Superstars. Einer von ihnen ist der US-Amerikaner Mark Kerr, heute 56 Jahre alt. In THE SMASHING MACHINE porträtiert Dwayne Johnson an der Seite von Emily Blunt einen der Pioniere des Ringens. Johnson, dessen Leben sich durch die Filmrolle nach eigenen Aussagen verändert hat, präsentiert sich uns auf der Leinwand, wie wir ihn noch nie gesehen haben.

    Emily Blunt und Dwayne Johnson in Benny Safdies THE SMASHING MASCHINE

    Kurzkritik

    Das Make-Up aufzutragen dauerte Stunden und noch dazu waren mehr als 20 Prothesen notwendig, damit sich Dwayne Johnson in Mark Kerr verwandeln konnte. Damit nicht genug: der Actionstar, früher selbst Wrestler im Ring und einer der größten Stars des WWE, versuchte Gang und Stimme von Kerr zu imitieren. Das scheint im offenbar außerordentlich gut gelungen zu sein. Das bestätigt selbst Kerrs Familie.

    Zu verdanken haben wir diesen Imagewechsel Emily Blunt, die Dwayne Johnson mit Regisseur Benny Safdie zusammengebracht hat. Safdie, einer der angesehensten Regisseure seine Generation, bekam für THE SMASHING MACHINE den diesjährigen Filmfestspielen von Venedig den Preis der Jury zugesprochen. Bei den zahlreichen Kampfszenen, die der damaligen Zeit entsprechend äußerst brutal inszeniert sind, bleibt er auf Distanz. Wie sonst auch was den Sport betrifft und für Neulinge hält der Film daher wenig an Hintergrundwissen parat. Alles ist auf Johnson zugeschnitten. Zudem spielt der Regisseur mit Erwartungshaltungen. Es kommt immer anders als man es aus Sportfilmen kennt. Bis hin zum Finale und der letzten Szene, in der er den realen Kerr zeigt. Im Ring sehen wir reale Ringer. Die Grenzen zwischen Realität und Fiktion verschwimmen. Das hebt den Film von klassischen Biopics ab und verleiht ihm eine spezielle Note. Die großen emotionalen und heroischen Momente gibt es nicht. Das mag für das Publikum zu wenig sein. Es ist der größte Flop in Johnsons Karriere (das dürfte aber auch dem falschen Marketing geschuldet sein). Der Film ist aber allemal sehenswert. Nicht zuletzt ist er ein schönes Period Piece.

    Einen der größten Stars der Gegenwart fast unkenntlich zu zeigen, noch dazu in einer ungewohnten Rolle, ist jedenfalls ein geniale Coup. Dwayne Johnson hat großes Potential, nicht nur auf der Leinwand. Einen Sportler kann er mehr als glaubwürdig verkörpern. Schon vor vielen Jahren wurden im realistische Chancen eingeräumt, würde er für das Amt des US-Präsidenten kandidieren. Ausgeschlossen hat er es jüngst nicht. Er scheint jemand zu sein, der alles erreichen kann. Wir dürfen gespannt sein, womit er uns als nächstes überraschen wird.

    THE SMASHING MACHINE, USA 2025
    Sport-Drama Ab 12 Länge 123 Minuten
    Regie Benny Safdie Drehbuch Benny Safdie Kamera Maceo Bishop Schnitt Benny Safdie
    Musik Nala Sinephro Mit Dwayne Johnson, Emily Blunt

    Neu in Wien: Die FILMED ON LOCATION Audiotour führt dich an Drehorte von Filmen wie „Der Dritte Mann“, „Before Sunrise“ oder „James Bond 007: Der Hauch des Todes“. Höre spannende Hintergrundgeschichten über ihre Entstehung und tauche ein in die spannende Welt des Filmemachens. Buche direkt auf der Webseite: www.filmed-on-location.com.


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  • „ONE BATTLE AFTER ANOTHER“ Filmkritik: „Viva la revolutión!“ – Die USA auf dem Scheideweg.

    „ONE BATTLE AFTER ANOTHER“ Filmkritik: „Viva la revolutión!“ – Die USA auf dem Scheideweg.

    ★★★★
    Mit Leonardo DiCaprio, Teyana Taylor, Benicio del Toro, Chase Infiniti, Sean Penn Regie Paul Thomas Anderson
    Ab Länge 162 Min.

    Es ist eine nur immer ersten Moment schräg anmutende Geschichte, die Paul Thomas Anderson nach einem Roman von Thomas Pynchon in das Drehbuch zu ONE BATTLE AFTER ANOTHER gepackt hat. Etwa 16 Jahre zurück befreit eine Widerstandsgruppe in den USA Migranten aus einem Internierungslager nahe der mexikanischen Grenze aus der Polizeigewalt von US-Marshals unter dem Kommando von Colonel Steven J. Lockjaw (Sean Penn). Der Colonel trifft dabei auf die Aktivistin Perfidia Beverly Hills (Teyana Taylor) und fühlt sich von ihr sexuell angezogen. Eigentlich lebt Perfidia mit dem Sprengstoffexperten Bob Ferguson (Leonards DiCaprio) zusammen, doch sie macht sich die Hörigkeit des Colonels zu nutze, um mit ihrer Gruppe weiterhin Aktionen durchführen zu können.

    In der Gegenwart lebt der versoffene und verwahrloste und nun ehemalige Revoluzzer Bob Ferguson mit seiner Tochter Willa zurückgezogen im Wald. Perfidia ist in der Zwischenzeit untergetaucht und Bob lebt unter der ständigen Angst, doch noch von Colonel Lockjaw ausgeforscht zu werden. Als Lockjaw dem „Christmas Adventurers Club“, eine Gruppe weißer rassistischer Katholiken, beitreten möchte, muss er davor sicher stellen, nicht der Vater eines Mischlingskindes zu sein und macht sich auf die Suche nach Willa. Bobs Alptraum wird war und er muss seine alten Kontakte aus dem Widerstand wieder aufnehmen, um seine Tochter zu retten, was ihm einiges an Schwierigkeiten bereitet, da er sich zu lange seiner Leidenschaft nach Alkohol und Drogen hingegeben hat und sich an die Codewörter zur Kontaktaufnahme nicht mehr erinnern kann …

    Colonel Steven J. Lockjaw (Sean Penn) als Paradeexemplar der Alt-Right Bewegung in den USA.

    Kurzkritik

    Eines war bereits vor dem Kinostart klar: Paul Thomas Anderson konnte sich der Vorschusslorbeeren nicht entziehen. Sowohl Kritiker*innen als auch Regiekollegen waren sich einig, dass sein neuester Film nicht nur an seine großen Erfolge anschließt, sondern gar ein moderner Klassiker werden würde. Ein Film der tief in die Seele eines ideologisch geteilten Landes blicken lässt. Ein Land, in dem Polizeigewalt vorherrscht und klerikale Extremisten ihre rassistischen Pläne umzusetzen versuchen. In diesem Jahr wurde ONE BATTLE AFTER ANOTHER noch dazu von der Realität eingeholt. Die USA bewegen sich in großen Schritten Richtung Autokratie, die im Hintergrund von fundamentalen faschistischen und religiösen Ideen geprägt ist.

    Die politische Aktualität ist es jedoch nicht alleine. Leonardo DiCaprio spielt wieder einmal die beste Rolle seines Lebens (vielleicht kann man endlich einmal akzeptieren, dass DiCaprio einfach ein guter Schauspieler ist). Sean Penn ist als stocksteifer, stolzer, weißer Colonel mit dem Haarschnitt eines Paradiesvogels eine Witzfigur aber brandgefährlich zugleich (die Chancen auf einen dritter Oscar stehen nicht all zu schlecht) und Chase Infiniti kann sich in ihrer ersten Filmrolle gegenüber der starken Leinwandpräsenz ihrer Kollegen überzeugend behaupten. Interessant sind zudem die Identitätsfragen, die Fragen ihr Charakter im Kontext des Films aufwirft. Was macht eine typische US-Amerikanerin heute aus?

    ONE BATTLE AFTER ANOTHER macht eine Genrezuschreibung schwierig. Sie reicht von Action-Komödie und Thriller bis Screwball-Comedy. Es dauert etwas, bis die Geschichte in die Gänge kommt. Ab dem Zeitsprung wird es aber sehr unterhaltsam. Das macht die lange Laufzeit vergessen. Die Geschichte gipfelt in einer spektakulär inszenierten und viel gelobten Verfolgungsjagd auf einem hügeligen Highway, bei der die Autos immer wieder aus dem Blickfeld verschwinden und durch die Langsamkeit der Sequenz Spannung erzeugt wird.

    Paul Thomas Anderson ist eine absurde Komödie mit einem starken Ensemble gelungen. Es ist nur fraglich, ob sein bisher teuerster Film sein Publikum in einem Ausmaß finden wird, dass er auch ein kommerzieller Erfolg werden wird. Zumindest in den USA wird sich die Spaltung des Landes auch am Boxoffice bemerkbar machen. Man merkt es bereits an den Kommentare, wenn es heißt, wie Hollywood gerade jetzt eine linksradikale Gruppierung auf die Leinwand bringen kann. Freilich von Leuten, die den Film nie gesehen haben. Aber Nichtwissen und Urteilen ist längst auch abseits der Sozialen Medien salonfähig geworden. Was die Einnahmen betrifft, wird es wohl PTAs erfolgreichster Film bisher werden.

    Vom Blockbuster Mainstream ist die Satire weit entfernt. Stephen Spielberg fühlt sich an DR.. STRANGELOVE OR: HOW I LEARNED TO STOP WORRYING AND LOVE THE BOMB erinnert. Dieser Vergleicht trifft auch ziemlich gut zu. Ähnlich wie Alex Garland‘s CIVIL WAR zeigt ONE BATTLE AFTER ANOTHER ein Land, das zwischen die Fronten geraten ist. Wenn auch auf humorvolle Weise aber trotzdem mit dem Bewusstsein, das die kruden Ideen extrem rechter Ideologen längst Realität geworden sind. Bei CIVIL WAR war es noch eine Zukunftsvision und das ist erst wenige Monate her.

    –

    TITEL: ONE BATTLE AFTER ANOTHER, USA 2025
    Action,, Komödie, Thriller Ab Länge 162 Min.
    Regie Paul Thomas Anderson Drehbuch Paul Thomas Anderson Kamera Michael Bauman Schnitt Andy Jurgensen
    Musik Jonny Greenwood Mit Leonardo DiCaprio, Teyana Taylor, Benicio del Toro, Chase Infiniti, Sean Penn


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  • „CAUGHT STEALING“ Filmkritik: Schwarzer Humor, Thrills, Twists und eine Katze

    „CAUGHT STEALING“ Filmkritik: Schwarzer Humor, Thrills, Twists und eine Katze

    ★★★★
    Mit Austin Butler, Matt Smith, Regina King, Zoë Kravitz, Liev Schreiber, Vincent D’Onofrio Regie Darren Aronofsky
    Ab 16 Länge 107 Minuten

    Im New York der späten 90er lebt Hank Thompson (Austin Butler), ein ehemaliger Baseball-Liebling mit gebrochenen Träumen. Jetzt arbeitet er als Barkeeper, trinkt zu viel und hofft auf ein wenig Normalität – bis ihn sein Punk-Nachbar Russ (Matt Smith) um Hilfe bittet: Hank soll nur wenige Tage auf dessen Katze aufpassen. Was als Gefallen beginnt, entwickelt sich rasch zu einem Albtraum: Russische Gangster, korrupte Polizist:innen, orthodoxe Gangster – alle wollen eine bestimmte Sache, die Russ versteckt hat. Hank gerät in einen Strudel aus Gewalt, Druck und gefährlichen Geheimnissen. 

    Matt Smith und Austin Butler in CAUGHT STEALING von Darren Aronofsky.

    Kurzkritik

    Der Trailer zu CAUGHT STEALING lässt nicht ganz eindeutig erkennen, was uns im jüngsten Film von Darren Aronofksy erwartet. Neugierig macht er aber dann doch und unsere Neugier wird belohnt werden. Die größten kunstlerischen Erfolge von Darren Aronofsky liegen schon etwas zurück. Und wer eine innovative Inszenierung und Metaebenen wie bei BLACK SWAN oder THE WRESTLER erwartet, wird womöglich enttäuscht werden. CAUGHT STEALING wartet allerdings mit einer gelungenen Kombination aus schwarzem Humor, Thrills und Plottwists auf, verpackt in eine spannende Geschichte, die uns kaum Zeit zum Durchatmen lässt.

    Das New York der ausgehenden 1990er unter dem Regime von Bürgermeister Rudolph Giuliani scheint von Banden und der Mafia regiert zu werden, zumindest jenes Milieu, in dem sich der Protagonist bewegt. 

    Wir sehen eine heruntergekommene grindige Stadt, in der hinter jeder Ecke Gefahr lauern kann und schon mal eine Hochzeitsfeier mit automatischen Waffen gestürmt werden kann. Dieses dystopisch anmutende Moloch ermöglicht aber wunderbare Setpieces, seien es die Wohnungen der Charaktere oder die Straßenszenen in einer anonymen Großstadt, in der man niemandem über den Weg trauen kann. Zeigt uns CAUGHT STEALING am Ende gar einen Blick in die Zukunft? Manche Szenerien erinnern an Science-Fiction-Filme der 1990er, die die damals eine dunkle urbane Zukunft zeigten. Aronofsky lässt in all dem Schmerz dieser Gewaltspirale, die Hank durchlebt, jedoch einen Funken der Hoffnung durchblitzen. 

    Die Mischung aus Gangstertum und schwarzer Komödie (Liev Schreiber und Vincent D‘Onofrio sind super gefährlich, zu allem entschlossen und dabei ur komisch) ist auf allen Ebenen gelungen. Als Running Gag dient eine Katze, der zu Dialogzeilen wie „Get the cat into the car!“ inmitten eines Schusswechsels führt.

    Austin Butler muss, als mit seiner Vergangenheit hadernder Ex-Baseball-Spieler, einiges an Qualen durchleben. Matt Smith als Nachbar und Auslöser der Geschichte, konnte man nicht gegensätzlicher als zu seiner Rolle als Prinz Philipp in der TV-Serie THE CROWN besetzen. Dem Musikgeschmack seines Charakter haben wir jedenfalls den großartige Soundtrack der Idles zu verdanken.

    CAUGHT STEALING ist ein rasantes und witziges Kinoerlebnis, dass über die volle Länge gut unterhält. Eine Empfehlung, bevor in den kommenden Wochen die Kinohochsaison startet.

    TITEL Caught Stealing, USA 2025
    Thriller Ab 16 Länge 107 Minuten
    Regie Darren Aronofsky Drehbuch Charlie Huston Kamera Matthew Libatique Schnitt Andrew Weisblum
    Musik Idles Mit Austin Butler, Matt Smith, Regina King, Zoë Kravitz, Liev Schreiber, Vincent D’Onofrio


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  • „EMILIA PÉREZ“ Filmkritik: Jacques Audiard gelingt mit seinem Gender-Gangster-Musical ein wahres Kunststück.

    „EMILIA PÉREZ“ Filmkritik: Jacques Audiard gelingt mit seinem Gender-Gangster-Musical ein wahres Kunststück.

    ★★★★★

    Mit Karla Sofia Gascón, Zoë Saldaña, Selena Gomez, Édgar Ramírez Regie Jacques Audiard
    Ab 14 Länge 130 Min.

    Der französische Regisseur Jacques Audiard ging gemeinsam mit seinen drei großartigen Hauptdarstellerinnen Karla Sofia Gascón, Zoë Saldaña und Selena Gomez ein großes Risiko ein: In EMILIA PÉREZ verhandeln sie die Themen Transgender und Geschlechtsumwandlung genauso, wie die Kartellkriminalität und dem damit verbundenen Verschwinden zehntausender Menschen in Mexiko und verpacken es in ein Thriller-Musical. Das war so nicht zu erwarten. Nun treten sie einen Siegeszug um die Welt an und könnten sogar Filmgeschichte schreiben.

    Kurzkritik

    Im mexikanischen Kartellboss Manitas del Monte schlummern seit seiner Kindheit Gefühle, die der brutale Gangster tief in seinem Innersten verborgen hält. Nicht auszudenken, käme heraus, dass er lieber eine Frau wäre. Mit Hilfe der smarten Anwältin Rita Moro gelingt es ihm als Emilia ein neues Leben zu beginnen. Beide Male gespielt von Karla Safia Garscón, die in ihrer unglaublichen Wandlungsfähigkeit immer wieder den Kartellboss durchscheinen lässt und ihn im nächste Moment wieder vergessen macht.

    Zoë Saldaña ist als Anwältin Rita Teil des Kartellsystems und von Gewissensbissen geplagt. Manitas Entscheidung verändert nicht nur ihr Leben, sondern auch das dessen Frau Jessi, gespielt von Selena Gomez, der Dritten im Bunde. Sie und die Kinder sind nicht in die Pläne Manitas eingeweiht.

    Changing the body, changes society

    changing society, changes the soul

    changing the soul, changes society

    changing society, changes it all.

    Rita Moro in EMILIA PÉREZ.

    Es sind eine Vielzahl an Themen, die hier verhandelt werden: die Frage nach der eigenen Identität, die Gewalt und Korruption in Mexiko und die damit verbundene enorm hohe Zahl an Vermissten im Land. Damit das alles in 130 Minuten passt, ist das Erzähltempo hoch. Ermöglicht wird das aber erst durch die zahlreichen Musiknummern, von denen nicht wenige ins Ohr gehen und die die Handlung vorantreiben. Manchmal schrammt Audiard haarscharf am Kitsch vorbei aber alles in allem ist das nichts, was man dem Film vorwerfen könnte (Man könnte anmerken, dass der Film in einer Soundstage in Frankreich gedreht wurde und ohne mexikanische Darstellerinnen auskommt und es wäre natürlich interessant, wie der Film in Mexiko aufgenommen wurde.).

    Die grandiose Choreografie (nur ein Höhepunkt ist eine Szene, in der Schnellfeuerwaffen im Rhythmus zusammengebaut werden) stammt von Damien Jalet, der sich mit Musikvideos von Madonna einen Namen gemacht hat und auch für die Choreografie von Luca Guardagninos SUSPIRIA verantwortlich zeichnet.

    EMILIA PÉREZ wurde in Cannes ausgezeichnet, räumte beim Europäischen Filmpreis ab und ist für 10 Golden Globes nominiert. Es könnte der nicht englischsprachige Film mit den meisten Oscar Nominierungen aller Zeiten werden. Was wäre, wenn wenige Wochen, nachdem Donald Trump seine zweite Amtszeit angetreten hat, mit Karla Safia Garscón erstmalig eine Transgender Frau als Beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet werden würde? Ist Hollywood soweit? Was hätte das für Folgen? Nicht nur deshalb ist EMILIA PÉREZ der Film der Stunde.


    EMILIA PÉREZ, Frankreich 2024
    Musical, Thriller Ab 14 Länge 130 Min.
    Regie und Drehbuch Jacques Audiard Kamera Paul Guilhaume Schnitt Juliette Welfling
    Musik Camille, Clément Ducol Mit Karla Sofia Gascón, Zoë Saldaña, Selena Gomez, Édgar Ramírez


    EMILIA PÉREZ ist ab 12 Jahren freigegeben. Da bei THE REEL THERAPIST ein besonderes Augenmerk darauf gelegt wird, welche Filme für ein jüngeres Publikum geeignet sind, werden offizielle Freigaben immer wieder noch oben oder unten korrigiert. Dieser Film ist selbst für Kinder, die schon einiges gesehen haben und ihre Erfahrungen im Kino sammeln konnten, aufgrund der Komplexität der angesprochenen Themen und der Brutalität nicht ab 12 Jahren geeignet. Daher die Empfehlung ab 14 Jahren.


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  • „DER WILDE ROBOTER“ Filmkritik: Tiefschwarzer Humor zwischen Natur und Technik

    „DER WILDE ROBOTER“ Filmkritik: Tiefschwarzer Humor zwischen Natur und Technik

    ★★★★★
    Mit Lupita Nyong’o, Pedro Pascal Regie Chris Sanders
    Ab 6 Länge 102 Min.

    Der Serviceroboter Rozzum 7134 strandet auf einer unbewohnten Insel. Unbewohnt? Nicht ganz. Fernab jeglicher Technologie ist der Ort ein Tier- und Naturparadies, indem sich der Roboter erst zurecht finden muss. Roz erlernt Tiersprachen und wird unverhofft zur Adoptivmutter für eine Ente. DER WILDE ROBOTER ist einer der schönsten und unterhaltsamsten Animationsfilme der jüngsten Zeit.

    The Wild Robot. Chris Sanders, USA 2024

    Kurzkritik

    Es ist ein leidiges Thema: das Filmangebot für die Jüngsten ist frustrierend. Nicht, dass die Kleinen schlecht unterhalten werden aber als Erwachsener hat man nunmal höhere Ansprüche. Und wenn der x-te 60-minütige Serienableger in die Kinos kommt und als Kinofilm verkauft wird, kommt man sich veräppelt vor. Dann gibt es aber wieder Lichtblicke und DER WILDE ROBOTER ist so einer. Einmal mehr zeigt sich, dass der Animationsfilm das kann, was dem Realfilm nur selten gelingt, nämlich Jung und Alt gleichermaßen gut zu unterhalten. Im Grunde auch das Geheimnis der Erfolgsgeschichte, wie ich meine.

    „Wird man Zeuge eines Todes, ist das eigene Leben gleich viel schöner.“

    Dann können schon mal solche Zeilen vorkommen wie in DER WILDE ROBOTER. Der strotz nämlich nur so vor schwarzhumorigen Pointen. die tun den Kindern nicht weh, so sie überhaupt ankommen und für uns sind sie einfach ur komisch. Zudem ist es eine sehr berührende Geschichte. Es ist immer wieder erstaunlich, wie es einer Maschine gelingen kann, derartige Emotionen bei uns hervorzurufen.

    Daneben werden wir mit einem wunderschönen Animationsstil belohnt, der hier nicht versucht, hyperrealistische Bilder zu erzeugen, sondern teils eher an die Ursprünge des Zeichentrickfilms erinnert und das in Kombination mit heutiger Technologie. Regisseur und Drehbuchautor Chis Sanders hatte dabei sowohl Hayao Miyazaki im Sinn, wie auch die Malerei von Claude Monet. Die Mischung ist auf allen Ebenen gelungen.

    DER WILDE ROBOTER (OT: THE WILD ROBOT ), USA 2024
    Animationsabenteuer Ab 6 Länge 102 Min.
    Regie und Drehbuch Chis Sanders Schnitt Mary Blee
    Musik Chris Bowers Mit Lupita Nyong’o, Pedro Pascal


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