Kategorie: Filmkritik

  • WEST SIDE STORY (2021) ★★★★ ½

    WEST SIDE STORY (2021) ★★★★ ½

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    Einer der größten Regisseure unsere Zeit erfüllt sich einen lange gehegten Traum. Steven Spielberg inszeniert nach 60 Jahren einen der ganz großen Hollywoodklassiker neu. Wie so viele andere hat ihn die Geschichte von Kind auf geprägt und nicht mehr losgelassen. Die erste Verfilmung von West Side Story von Robert Wise und Jerome Robbins aus dem Jahr 1961 erhielt 10 Oscars. Große Fußstapfen also. Bei Spielberg muss man sich aber keine großen Sorgen machen, dass er sie ausfüllt. Drehbuchautor Tony Kushner hat das Musical fit für das 21. Jahrhundert gemacht.

    Darum geht es

    In den 1950er Jahren entwickelte der Choreograf Jerome Robbins in Anlehnung an Shakespeares Romeo und Julia eine Geschichte zweier rivalisierender Banden in New York City. Die Jets sind weiße Amerikaner und die Sharks eine Gruppe von Einwanderern aus Puerto Rico. Die Musik stammt von Leonard Bernstein und die Liedtexte von Stephen Sondheim. Dabei verschmelzen territoriale Auseinandersetzungen mit ethnischen Konflikten. Tony von den Sharks verliebt sich in Maria, dessen Bruder Bernardo der Anführer der Sharks ist. Es ist eine Liebe, die von niemandem geduldet wird und wenige Tage später zu einen folgenschweren Kampf der zwei Banden führt. Schauplatz ist die Upper West Side in New York City, wo zu dieser Zeit ein ganzer Stadtteil abgerissen wird, an dessen Stelle das Lincoln Center errichtet werden soll. Dies führt zusätzlich zu sozialen Spannungen.

    Tonight. Maria und Tony auf der Feuerleiter.

    Kommentar

    Es scheint das Jahr der Musicals zu werden. Cyrano, In the Heights, Tick, Tick…Boom, Annette und West Side Story. Wie der Western taucht auch das Musical alle paar Jahre aus der Versenkung auf. Mitunter durchaus erfolgreich. Vor allem bei Preisverleihungen räumen Musicals ordentlich ab, da sie naturgemäß zusätzlich in den Kategorien Musik und Ton stark sind. Bei Steven Spielberg hört man sogar das Surren der Neonreklamen. Zuerst aber ist da das schon aus der ersten Verfilmung bekannte Schnippen zu hören. Der Flug über den Stadtteil in der Eingangssequenz, in dem die Geschichte spielt, gibt auch schon einen anderen Ton vor. Häuser werden abgerissen. Ein neuer Stadtteil soll hier entstehen. Konflikte sind vorprogrammiert.

    Hier leben sozial Benachteilige. Weiße Jugendliche, deren Eltern es nicht geschafft haben, sich woanders ein besseres Leben aufzubauen und Einwanderer, die sich die Realität in den USA auch anders vorgestellt haben. So unterschiedlich ist ihre Situation nicht, wie Lieutenant Schrank einmal richtig bemerkt (Grundsätzlich ist aber ein kritischer Blick auf die Polizei ein weiteres Merkmal des Stücks). Bereits Leonard Bernstein ging es um ethnische Konflikte aber im Vordergrund standen mehr territoriale Streitereien zwischen zwei Jugendbanden. Spielberg und Drehbuchautor Tony Kushner legen den Fokus nun mehr auf den Migrationskonflikt. Das macht West Side Story nicht nur zeitgemäßer sondern auch ruppiger. Sogar Transgender bekommt fast beiläufig seinen Platz. Anybody, gespielt von der nichtbinären Iris Menas, hat Schwierigkeiten, bei den Jets aufgenommen wozu werden, die sich mit allem schwer tun, was ihnen fremd ist und was sie nicht kennen.

    Die Bilder, die in den schönsten Farben erstrahlen und die Sonne im Gegenlicht blinzeln lassen, sind betörend schön. Jede Mülltonne ist hier platziert und Wäsche die über eine Leine gezogen wird, übernimmt schon einmal den Filmschnitt. Es ist eine technische Glanzleistung, das New York der 1050er Jahre derart realitätsnah wiederauferstehen zu lassen. West Side Story wirkt manchmal wie ein tatsächlich vor gut einem halben Jahrhundert gedrehter Film, allerdings immer mit der heutigen technischen Finesse (Da die Dreharbeiten bei hohen Temperaturen stattfanden, mussten gar nachträglich Schweißtropfen in den Gesichtern entfernt werden). Ein nicht unwesentlicher Teil der Dialoge ist auf spanisch – allerdings ohne Untertitel. Es spielt keine Rolle, wenn wir nicht jedes Wort versehen, Spielberg hat den Film fest im Griff. Emotionen und Gesten zeigen uns alles, was wir wissen müssen.

    Rita Moreno bekam 1962 einen Oscar für ihre Rolle der Anita. Nun schrieb Tony Kushner für die Neuverfilmung eigens eine Rolle für sie. Sie spielt Valentina, die Witwe von Doc, dem ehemaligen Besitzer des Drogeriemarktes Doc’s aus der ersten Verfilmung. Nun ist sie die gute Seele der Geschichte. Eine sehr nette Idee. Etwas in der Kritik steht das Casting des Protagonistenpaares. Rachel Zegler als Maria ist die Entdeckung des Jahres. Spielberg entschied sich bereits am ersten Tag des Castings für sie, damals war sie 17. Ihr Partner Ansel Elgort (Baby Driver) ist um 7 Jahre älter. Dass Frauen unverhältnismäßig jung gecastet werden und ältere Filmpartner bekommen, ist ein grundsätzliches Problem in der Branche.

    West Side Story ist ein sowohl technisch, als auch erzählerisch ein Meisterwerk. Die Tanzszenen sind, wie schon in der alten Fassung, fulminant. Die sanfte Modernisierung hat der Geschichte gut getan und macht sie zeitgemäßer. Was wäre wohl gewesen, wenn man die Geschichte gleich in die Gegenwart transferiert hätte? Es wäre jedenfalls schade auf die schöne New Yorker Kulisse der 1950er Jahre verzichten zu müssen.

    West Side Story
    Musical, USA 2021

    Regie Steven Spielberg
    Drehbuch Tony Kushner
    Kamera Janusz Kamińsky
    Schnitt Sarah Broshar, Michael Kahn
    Musik Leonard Bernstein, David Newman
    Länge 157 Min.
    Mit Ansel Elgort, Rachel Zegler, Ariana DeBose, David Alvarez, Mike Faist, Rita Moreno


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  • LAST NIGHT IN SOHO ★★★½

    LAST NIGHT IN SOHO ★★★½

    Ein Besuch in Soho darf bei keiner Londonreise fehlen. Das Viertel im Zentrum der Stadt erfreut sich ungebrochener Beliebtheit und ist Grundlage für zahlreiche Projektionen. Denn heute haben die schmalen Gassen einiges von ihrem Flair eingebüßt. Seine Hochblüte hatte des Viertel im Swinging London der 1960er Jahre. Welcher Musik- und Modeliebhaber von heute wäre damals nicht gerne durch die Gassen gezogen. Sofort entstehen Bilder im Kopf, wie es zu dieser Zeit wohl zugegangen ist. Genau mit solchen Vorstellungen und Erinnerungen spielt Edgar Wright in seinem neuen Film Last Night in Soho und räumt in drastischen Bildern mit jeglicher romantischen Verklärung auf. Es war eine schöne Welt aber eine heile war es nicht. Begleitet wird sein Horror-Thriller von einem mörderisch guten Soundtrack.

    Darum geht es

    Ellies (Thomasin McKenzie) Leidenschaft gehört den Swinging Sixties, wie man anhand ihrer Zimmerdekoration deutlich sehen kann. In der Gegenwart kommt sie für ihr Modestudium gerade nach London und bezieht ein Dachzimmer bei der Vermieterin Mrs. Collins (Diana Rigg). Bereits daheim erschien Ellie in Visionen ihre verstorbene Mutter. Nun aber reist sie jede Nacht in ihren Träumen zurück in das London der 1960er Jahre. Dort trifft sie auf die Nachwuchssängerin Sandy (Anya Taylor-Smith). Ellie bewundert ihr selbstsicheres Auftreten. Sandy steht kurz vor ihrem ersten Bühnenauftritt, den ihr Jack (Matt Smith) organisiert, ihr vermeintlicher Freund und Manager. Ellie beobachtet, dass keine guten Absichten hinter seinem Engagement stecken. Das Geschäft in den Nachtclubs ist hart und von Ausbeutung geprägt. Bald muss Ellie erfahren, dass sich damals eine große Tragödie ereignet hat. Im Laufe der Zeit nehmen ihre Visionen immer furchterregendere Züge an und Ellie erkennt plötzlich Plätze aus ihren Träumen im realen London wieder. Die Spuren des Dramas ziehen sich bis in die Gegenwart, sogar bis in ihr eigenes Zimmer.

    Spieglein, Spieglein an der Wand …. (Thomasin McKenzie, Anya Taylor-Smith)

    Kommentar

    Bereits die Ankunft in London steht für Ellie (von Eloise, wie der gleichnamige Song von Barry Ryan) unter keinem guten Stern. Sie fühlt sich durch die Blicke und Kommentare des Taxifahrers bedrängt und verlässt das Taxi fluchtartig. Edgar Wright kommt hier gleich zur Sache. Das Anprangern von Sexismus, vor allem in Zusammenhang mit der romantischen Verklärung einer ganzen Epoche, zieht sich durch den gesamten Film. Eine Revue in einem Nachtclub zur Musik von Puppet on a String von Sandie Shaw, vor lauter in schwarz gekleideten Männern, ist einer der unangenehmsten Momente, in denen deutlich wird, dass es hier kein Platz für Unterhaltung ist. Drogen, Prostitution und Ausbeutung werden hinter der Bühne sichtbar. Auf der Bühne: aggressiver Showtanz, bei dem keine Sekunde das Gefühl von Ästhetik aufkommt.

    Ellie muss scherzhaft erkennen, dass sich am Ort ihrer Sehnsüchte Abgründe auftun. Die Poster von Twiggy & Co in ihrem Zimmer haben ihr nicht die ganze Wahrheit erzählt. Die anfängliche Bewunderung für Sandy weicht bald der Erkenntnis, dass Ellie sich aufmachen muss, sie zu retten. Ihre Reisen in die Vergangenheit werden immer wieder durch das Läuten des Weckers am Morgen unterbrochen. Wright hält sich hier nicht mit Erklärungen darüber auf, was da eigentlich gerade passiert und warum. Gleichzeitig verschwimmen die Grenzen zwischen beiden Frauen. Ellie passt ihr Äußeres an Sandy an.

    Edgar Wright hat in diesem Jahr bereits mit seiner Dokumentation The Sparks Brothers für Aufsehen gesorgt. Last Night in Soho, ein weiterer Nachzügler aus dem Jahr 2020, wurde weitaus weniger euphorisch besprochen. Vielleicht hat sich Wright mit seinem kritischen Zeitreisethriller mit Horrorelementen zu viel vorgenommen (In der Kritik steht unter anderem die Rolle von Ellies Freund John, gespielt von Michael Ajao oder der wunderbare aber unausgegorene Auftritt von Terence Stamp als mysteriöser Fremder). Die Form steht bei Wright aber ohnehin im Vordergrund. Überrascht hat er uns mit dem Genrewechsel jedoch auf jeden Fall. Sehr gelungen sind die Geister der Vergangenheit, die an Gemälde von Gottfried Helnwein erinnern. Ihre Gesichter sind unkenntlich und verwaschen. Bedrohliche anonyme Fratzen in grauen Anzügen, deren wahre Bedeutung sich uns erst am Ende erschießt.

    Erwähnt sei der großartige rund 20 Nummern umfassende Soundtrack mit unter anderem Land of 1000 Dreams, You’re my World, Downtown (in einer Version von Anya Taylor-Joy), dem titelgebenden Song von Dee Dee, Dozy, Beaky, Mick &Tich und natürlich Eloise. Diana Rigg ist postum in ihrer letzten Rolle zu sehen. Ellie Großmutter wird von Rita Tushingham gespielt. Vieles atmet hier den Geist der 1960er. Last Night in Soho ist reich an Zitaten. Der nostalgische Traum wendet sich aber bald zu einem Alptraum. Mehr soll über den Inhalt nicht verraten werden.


    Last Night in Soho
    Horror-Thriller, USA/UK 2021

    Regie Edgar Wright
    Drehbuch Krusty Wilson-Cairns, Edgar Wright
    Kamera Chung Chung-hoon
    Schnitt Paul Machliss
    Musik Steven Price
    Mit Thomasin McKenzie, Anya Taylor-Smith, Matt Smith, Terence Stamp, Diana Rigg


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  • GHOSTBUSTERS: LEGACY ★★★½

    GHOSTBUSTERS: LEGACY ★★★½

    Als der erste Teaser-Trailer von Ghostbusters: Legacy vor Monaten (Jahren?) im Netz die Runde machte, wurde es warm um die zwischenzeitlich etwas gealterten Fanherzen. Regisseur Jason Reitman spielte von Anbeginn mit nostalgischen Elementen und pries seine Fortsetzung als eine Huldigung an das Original. Dieser Ankündigung ist Reitman auf jeden Fall treu geblieben. Wer sich nach Marshmallowmännern und Ektoplamsa sehnt und gerne in Erinnerungen schwelgt, ist hier auf jeden Fall richtig.

    Darum geht es

    Callie (Carrie Coon), Egon Spenglers Tochter, zieht mit ihren Kindern Trevor (Finn Wolfhard) und Phoebe (Mckeena Grace) von Chicago aufs Land in das Haus, dass ihr der Vater hinterlassen hat. Die Aussicht auf ein Leben in der Provinz stößt auf wenig Begeisterung. Die experimentierfreudige Phoebe stellt aber bald fest, dass es im Haus des Großvaters spukt. Dann findet sie auch noch eine Geisterfalle und in der Scheune verstaubt ein komischer alter Krankenwagen. Phoebe zeigt die Falle ihrem neuen Lehrer Mr. Grooberson (Paul Rudd), der gerade eine Serie von ungewöhnlichen Erdbeben in der Gegend untersucht. Die Dinge nehmen ihren Lauf. Der kürzlich verstorbene Egon (Harold Raimi) wurde offenbar von einem Geist getötet. Die Kinder machen sich daran, zu vollenden, was dem Großvater nicht gelungen ist.

    Wer hat die Geister losgelassen?

    Kommentar

    Der Kinostart von Ghostbusters: Legacy (im Original mit dem Titel Ghostbusters: Afterlife) bietet natürlich Gelegenheit um auf die 37-jährige Geschichte der Serie zurückzublicken. Mit Ghostbusters – Die Geisterjäger (1984) ist dem Regisseur Ivan Reitman in Zusammenarbeit mit Dan Aykroyd und Harold Ramis zweifellos ein Klassiker gelungen. Zu verdanken ist das nicht zuletzt dem wunderbaren Geisterjäger-Quartett bestehend aus Dan Aykroyd, Harold Ramis, Ernie Hudson und Bill Murray. ECTO-1, der umgebaute Krankenwagen, ist ebenso legendär wie die Feuerwache, das Logo und die Titelmelodie von Ray Parker jr. Die Spezialeffekte waren up-to-date.

    Weniger gern erinnert man sich an den fünf Jahre später veröffentlichten Aufguss Ghostbusters II. Bill Murray wollte fortan nichts mehr mit den Geisterjägern zu tun haben und so war dann eine Weiterführung der Geschichte für Jahrzehnte aus der Welt. Paul Feig startete 2016 einen neuerlichen Versuch und ging in Ghostbusters mit Melissa McCarthy einen anderen Weg. Der Film war nicht als Fortsetzung konzipiert und sollte für sich stehen. Letzten Endes spaltete der Film sowohl KritikerInnen als auch das Publikum. Im Zentrum der Debatte standen Vorwürfe von Sexismus und Frauenfeindlichkeit, da der im Grunde weniger geglückten Umsetzung eine Welle der Ablehnung entgegenschwappte, die von einigen auf die weibliche Besetzung zurückgeführt wurde.

    Nun versucht sich wenige Jahre später also Jason Reitman, Ivans Sohn, an dem Stoff und versprach im Vorfeld, den originalen Film ausreichend zu würdigen. Das passt in die immer noch vorherrschende 80er Retrowelle, wenngleich der Film selbst in der Gegenwart angesiedelt ist. Die Rechnung ging auf. Beim Publikum kamen die zahlreichen Verweise in der dritten Fortsetzung gut an. Ghostbusters: Legacy trieft vor Nostalgie. Reitman hat es sogar geschafft, die Truppe (fast) komplett auf die Leinwand zu bekommen (Harold Ramis verstarb 2014 und wurde mittels Archivmaterial in den Film eingefügt). Während des großen Finales bleibt wohl kein Auge trocken. Dass Reitman hier auf die richtigen Knöpfe drückt, ist neben dem Clou, Kinder zu den Protagonisten zu machen und dem gelungenen Humor, sicher auf der Habenseite zu verbuchen. Die dem zugrunde liegende Story ist allerdings wieder nur ein Aufguss des Originals aus den 1980er Jahren. Hier wollte man nach dem Misserfolg des Vorgängers wohl doch kein all zu großes Risiko eingehen. Rückblickend in Anbetracht der momentanen Situation vermutlich auch die richtige Entscheidung.

    Ghostbuster: Legacy unterhält gut und ist auch für eine jüngeres Publikum geeignet. Gerade für die Zielgruppe unter 12 Jahren ist es ohnehin eine Seltenheit, spektakuläre und aufregende Stoffe zu finden, die nicht all zu brutal geraten sind. So hat der Film auf jeden Fall sein Nische gefunden, auch wenn es neuerlich nicht der große Wurf geworden ist.


    Ghostbusters: Legacy (OT: Ghostbusters: Afterlife)
    Science-Fiction-Komödie, 2021

    Regie Jason Reitman
    Drehbuch Gil Kenan, Jason Reitman
    Kamera Eric Steelberg
    Schnitt Dana E. Glaubermann, Natan Orloff
    Musik Rob Simonsen
    Mit Carrie Coon, Paul Rudd, Fin Wolfhard, Mckenna Grace, Logan Kim


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  • TITANE ★★★★

    TITANE ★★★★

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    Der zweite Film der französischen Autorenfilmerin Julia Ducournau (Raw) präsentiert sich so kompromisslos wie ein Auto, das ungebremst auf einen Baum zurast. Geschichten, wie jene die Titane erzählt, erfreuen sich nur selten einer breiteren Aufmerksamkeit. Bodyhorror in Kombination mit Genderfragen und Science-Fiction ist, keine Frage, speziell. Bei den Filmfestspielen in Cannes erhielt Julia Ducournau mit der Goldenen Palme eine der höchsten Auszeichnungen, die die Filmwelt zu vergeben hat. Die unkonventionellste Regieentscheidung seit gut einem Jahrzehnt. Ein außergewöhnlicher Film für außergewöhnliche Zeiten.

    Darum geht es

    Als kleines Mädchen erhält Alexia (Agathe Rousselle) nach einem schweren Autounfall ein Titanpräparat in den Kopf gesetzt. Fortan fühlt sie sich zu Autos körperlich hingezogen. Als Erwachsene verdient sie ihr Geld als Tänzerin auf Autoshows. Und sie ermordet Menschen auf brutalste Weise. Sie hat Sex mit einem Lowrider Showauto und wird davon schwanger. Auf der Flucht vor der Polizei nimmt sie die Identität eines vor langer Zeit verschollenen Buben an. Dessen Vater Vincent (Vincent Lindon), ein Feuerwehrhauptmann, nimmt sie bei sich auf, ohne groß Fragen zu stellen.

    Die Haarnadel von Alexia bekommt eine tragende Rolle.

    Kommentar

    Alexia ist auf der Suche. Befriedigung findet sie weder in Beziehungen zu Männern, noch zu Frauen. Sie arbeitet sich an ihrem eigenen Körper ab. Das ist schmerzhaft. Selbst beim Zuschauen. Die Phase der Schwangerschaft, in der die Frau die Kontrolle über ihren eigenen Körper zu verlieren scheint, wird bei Julia Ducournau noch einmal intensiviert. Gewalt nicht nur beim morden, sondern auch am eigenen Leib.

    Genauso auf der Suche ist Vincent. Als nach mehr als einem Jahrzehnt scheinbar eine Möglichkeit besteht, seinen Sohn zurückzubekommen, verschließt er die Augen vor jeglicher Unsicherheit. Zusammen geben die beiden eines der ungewöhnlichsten Paare der Filmgeschichte ab. Eine Vater-Sohn/Tochter Beziehung.

    Es ist ein genialer Einfall der Regisseurin, den zweiten Teil des Filmes in einem zutiefst männlichen Umfeld anzusiedeln. Vincent und seine Truppe von hormongetriebenen Feuerwehrmännern sind eine gute Tarnung für Alexia. Gleichzeitig provoziert Ducournau auch hier Geschlechterfragen.

    Man kann in Titane nach Lust und Laune in Metaebenen abtauchen oder sich von den Bildern von Rubens Impens und dem Soundtrack verführen lassen. Wie zum Beispiel in der Sequenz auf der Automesse gleich zu Beginn, in der sich Alexia zur Musik von Doing It To Death von The Kills auf einem Boliden räckelt und aus der das großartige Titelbild entstammt.

    In Cannes wird der Hauptpreis nicht selten nach sozialkritischen Gesichtspunkten vergeben. So ist die heurige Juryentscheidung unter dem Vorsitz von Spike Lee nur auf den ersten Blick ungewöhnlich. Titane fügt sich wunderbar in die Reihe ruhmreicher Vorgänger wie Shoplifters und Parasite ein. Mit dem Unterschied, dass es hier ein Vertreter eines sonst eher im Abseits stehendes Subgenres ganz nach oben geschafft hat. Ein Beispiel dafür, was im Kino alles möglich ist.

    Titane
    Drama, F/BE 2021

    Regie Julia Ducournau
    Drehbuch Julia Ducournau
    Kamera Ruben Impens
    Schnitt Jean-Christophe Bouzy
    Musik Jim Williams
    Mit Agathe Rousselle, Vincent Lindon
    Länge 108 Min


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  • THE POWER OF THE DOG ★★★★½

    THE POWER OF THE DOG ★★★★½

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    Nach Aufführungen bei der diesjährigen Viennale sind wir vorerst um einen, wenn auch zeitlich stark eingeschränkten, Kinostart umgefallen. Daher kommt The Power of the Dog, das neue Meisterwerk von Jane Campion nun alleine via Netflix weltweit seit 1. Dezember 2021 fast frei Haus. Darin brilliert Benedict Cumberbatch als Cowboy im Montana der 1920er Jahre, unterstützt von einem starken Ensemble. Diese Romanverfilmung ist aber mehr Psychogramm als klassischer Western, das Schicht für Schicht seine Figuren dekonstruiert. Lasset es Oscars regnen.

    Darum geht es

    Das Leben der Brüder Phil (Benedict Cumberbatch) und George (Jesse Plemons) wird gehörig durcheinander gebracht, als George die Restaurantbesitzerin Rose (Kisten Dunst) kennen und lieben lernt. Phil ist wenig begeistert und spottet über ihren Sohn Peter (Kodi Smit-McPhee) und mobbt ihn regelrecht aus dem gemeinsamen Haushalt.

    Für Rose wird die ablehnende Haltung Phils und die allgemein giftige Atmosphäre immer mehr zur Belastung. Während George darüber hinwegzusehen versucht, scheint Peter längst einen folgenschweren Plan verfasst zu haben.

    Eine ungewöhnliche Annäherung (Benedict Cumberbatch, Kodi Smit-McPhee)

    Kommentar

    Gäbe es den Ausdruck subtil nicht, man müsste ihn für Jane Campions neuen Film erfinden. So sehr sich in der Nachbetrachtung von The Power of the Dog alles fein zusammenfügt, so schwer zu durchschauen sind die Vorgänge im ersten Moment. Es ist die letzte Einstellung, die allerletzten Sekunden, die bei vielen Klarheit schafft und andere gleichzeitig zum Grübeln bringt. Es ist schon eine Weile her, dass ein Film derart zu Diskussionen eingeladen hat. Wobei, zu diskutieren gibt es dann gar nicht so viel, so schlüssig ist die Erzählung, bis in die kleinsten Details. Es ist nur große Aufmerksamkeit gefragt und dass ist bei einem Film, der über zwei Stunden gemächlich vor sich hin fließt, nicht so einfach!

    Die große Überraschung ist zuallererst einmal Benedict Cumberbatch. Nicht, dass uns entgangen wäre, was für ein großer Schauspieler er ist. Es ist viel mehr die außergewöhnliche Rollenwahl. Phil, der wie die anderen ProtagonistInnen gesellschaftlich höher gestellt ist, verbringt seine Zeit lieber auf dem Rücken seines Pferdes, als beim Smalltalk in feiner Gesellschaft. Auf uns wirkt er wie ein Sonderling: unfreundlich, miesepetrig und distanziert. Wie sooft prallen in Western der jüngeren Vergangenheit (siehe auch Neues aus der Welt, ebenfalls Netlfix) Welten aufeinander, die sich in der Psychologie ihrer Helden manifestieren. Sie sind Sinnbild für sich verändernde Zeiten. Nicht die weite Landschaft und Konflikte im Großen stehen im Vordergrund, sondern das Innerste der Protagonisten wird nach und nach nach außen gekehrt. Phil braucht seinen Bruder George, mit dem er sich in ihrem großen Haus ein Zimmer teilt und diese Beziehung ist in großer Gefahr. Cumberbatch steuert womöglich mit großen Schritten auf einen neuerlichen Karrierehöhepunkt zu.

    Ihm zu Seite steht Kodi Smit-McPhee (der Junge aus The Road, 2009) als Peter. Er ist der Eindringling. Nicht nur Rose bekommt die Abscheu von Phil zu spüren, sondern auch ihr Sohn. Mit Peter scheint Phil leichtes Spiel zu haben. Der Junge wirkt fragil und ist ebenso ein Außenseiter. Doch dann kommt alles anders und es ist nur einer der Hacken, die die Handlung schlägt. Die von Verzweiflung und Angst geplagte Kirsten Dunst und ein gutmütiger aber hilfloser Jesse Plemons komplettieren dass Ensemble und manchen aus The Power of the Dog eine schauspielerisch intensive Erfahrung.

    Jonny Greenwood legt hier neben Spencer in diesem Jahr ein zweites Mal einen wunderbaren Soundtrack vor, der so gar nicht den Hörgewohnheiten entspricht und sie in voller Schönheit gegen den Strich bürstet. In Jane Campions erstem Spielfilm seit über 10 Jahren kann der blaue Himmel noch so strahlen, insgeheim sind längst dunkle Wolken aufgezogen und wir warten angespannt drauf, dass der Blitz einschlägt. Er wird einschlagen, aber er wird uns von hinten überraschen. 1994 musste sich Campion bei den Oscars mit Das Piano (1993) gegen Schindlers Liste (1993) geschlagen geben. Zumindest eine neuerliche Nominierung als Beste Regisseurin scheint gesichert. Wenn sich noch die Möglichkeit bieten sollte, The Power of the Dog auf einer großen Leinwand zu sehen, sollten man sie wahrnehmen.

    The Power of the Dog
    Drama, USA 2021

    Regie Jane Campion
    Drehbuch Jane Campion
    Kamera Ari Wenger
    Schnitt Peter Sciberras
    Musik Jonny Greenwood
    Mit Benedict Cumberbatch, Kirsten Dunst, Jesse Plemons, Kodi Smit-McPhee
    Länge 128 Min.
    Streamingplattform
    Netflix


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  • THE FRENCH DISPATCH  ★★★½

    THE FRENCH DISPATCH ★★★½

    (… of the Liberty, Kansas Evening Sun)

    Der fahrende Gaukler Wes Anderson ist wieder einmal mit seinem Guckkasten auf Tournee. Sein 10. Spielfilm ist eine Liebeserklärung an den New Yorker und dessen Gründer Harold Ross. In den üppigen Filmsets ist wie immer alles adrett auf seinem Platz. Ein Hochamt der Symmetrie. Die Unordnung entsteht erst durch das rasante Erzähltempo.

    Darum geht es

    Wes Anderson hatte bereits angekündigt, dass sein neuestes Werk inhaltlich schwer zu fassen sei: Ein amerikanischer Journalist, der in einer französischen Kleinstadt in der Mitte des 20. Jahrhunderts ein Magazin herausgibt, das irgendwie an den New Yorker erinnert. Man muss sich das so vorstellen, als hielte man ein Magazin in Händen. Drei Kurzgeschichten, erzählt von den jeweiligen Reporter:innen werden eingerahmt von einem Prolog und einem Epilog. In The Concrete Masterpiece berichtet J.K.L. Berensen (Tilda Swinton) von einem inhaftierten Maler (Benicia del Toro), seiner Muse Simone (Léa Seydoux) und dem Kunsthändler Julien Cadazio (Adrien Brody). In Revisions to a Manifesto ist der junge Revolutionär Zeffirelli das Objekt der Begierde der Journalistin Lucinda Kremetz (Frances McDormand). Sie erzählt von Studentenprotesten in der Kleinstadt. In The Private Dining Room of the Police Commissioner löst der Küchenchef und Polizeibeamte Lt. Nescaffier (Stephen Park) einen Fall von Kidnapping. Der Sohn des Kommissars (Mathieu Amalric) ist verschwunden. Roebuck Wright (Jeffrey Wright) berichtet.

    Kommentar

    Es scheint sich eine allgemeine Wes Anderson-Müdigkeit einzustellen. Schon wieder diese überladenen Bilder. Mehr Filmstars als auf einem Plakat Platz haben und alles so furchtbar manieriert und retro. So lauten die Kommentare. Dabei wird völlig ausser Acht gelassen, dass Anderson seinen eigenen Stil perfektioniert hat, wie kein zweiter. Dem Publikum öffnet sich eine Wunderkammer, in der es mehr zu entdecken gibt, als im ersten Moment fassbar ist. Die Detailverliebtheit steht dem schnellen Erzähltempo gegenüber. Fokussiert man sich auf ein Objekt oder frönt den immer wieder beeindruckenden Bildkompositionen, hat man womöglich bereits die nächste Pointe verpasst.

    Neu ist hier das Format des Episodenfilms. Drei Jahre nach Isle of Dogs – Ataris Reise präsentiert uns der Regisseur in seinem 10 Spielfilm eine Ode an die freie Presse. Jede der drei Geschichten folgt einem anderen Stil. Gemeinsam ist ihnen ein romantisch verklärter Blick auf ein Frankreich der Mitte des vergangenen Jahrhunderts. So wie es sich der Betrachter von außen eben vorstellt. Oder doch ein paar Jahrzehnte früher oder später? So genau ist das bei Anderson nicht. Es ist jedenfalls eine Welt, die im Untergehen begriffen ist. Ein gedrucktes Magazin mit ausführlichen ausufernden Reportagen wird in nicht allzu ferner Zukunft der Vergangenheit angehören.

    The French Dispatch ist ein handwerklich einwandfreier Film. Hochgradig artifiziell. Ennui-sur-Blasé (Andersons Wortkreationen kennen kein Limit) ist der Name des Ortes, in dem The French Dispatch spielt. Wie im Minimundus ist hier alles auf engstem Raum hineingepackt. Dorf und Großstadt zugleich. Ein Konglomerat aus großen Namen, Stilmitteln und Verweisen. Es ist aber eine Überfrachtung die beim erstmaligen Anschauen überfordert. Wie bei einem Wimmelbild, nur dass man nicht entscheiden kann, wie lange man in einer Szene verweilen darf und auch zurückblättern ist nicht möglich. Nach dem Trailer fragt man sich, wie das alles wohl in einem einzigen Film zusammenkommen soll. Nach knappen 107 Minuten erkennt man, was für ein schwieriges Unterfangen das tatsächlich ist.


    THE FRENCH DISPATCH of the Liberty, Kansas Evening Sun ★★★½
    Komödie, 2021

    Regie Wes Anderson
    Drehbuch Wes Anderson
    Kamera Robert D. Yeoman
    Schnitt Andrew Weisblum
    Musik Alexandre Desplat
    Mit Bill Murray, Tilda Swinton, Frances McDormand, Timothée Chalamet, Jeffrey Wright, Owen Wilson, Adrien Brody, uvm.


    NEUESTE BEITRÄGE VON THE REEL THERAPIST


    2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024 2025 2026 Aktuelles Amazon Disney Feature Filme Filmfestival Filmkitik Filmkritik Kino aus Österreich Kommentar Netflix Oscar Radar Oscars Review Streaming Viennale Vorschau

  • THE WOLF OF SNOW HOLLOW ★★★½

    THE WOLF OF SNOW HOLLOW ★★★½

    Auf DVD erhältlich

    Zwei Jahre nach seinem gefeierten Durchbruch Thunder Road ist Regisseur und Drehbuchautor Jim Cummings zurück mit einem Film, der sich nicht recht zwischen Komödie und Horrorfilm entscheiden kann. Nichtsdestotrotz: The Wolf of Snow Hollow ist ein stimmiger Werwolf-Film inmitten der wunderschönen winterlichen Landschaft Utahs geworden und der letzte Auftritt des großartigen Robert Forster.

    Darum geht es

    Der Wintersportort Snow Hollow wird von einer Mordserie in Atem gehalten. Rund um eine Vollmondnacht werden bestialisch verstümmelte Frauenleichen gefunden. Der gesundheitlich angeschlagene Sheriff Hadley (Robert Forster) rückt mit seiner Mannschaft aus, um den Täter auszuforschen. Bald wird ihm die rohe Gewalt, mit der der Mörder vorgeht zu viel und sein Sohn Officer Marshall (Jim Cummings) übernimmt gemeinsam mit seiner Kollegin Officer Robson (Riki Lindhome). Hinweise deuten auf eine tierähnliche Kreatur hin. Marshall will das nicht so recht glauben, bis er selbst Zeuge eines Angriffs wird.

    Robert Foster in seiner letzten Filmrolle als alternder Sheriff.

    Kommentar

    Der Werwolf ist ein 2000 Jahre alter Mythos, der immer wieder die Fantasie der Menschen beflügelt hat. Die Liste der Werwolf-Filme ist lang. Kaum ein Jahr vergeht, in dem nicht ein neuer Film veröffentlicht wird. The Wolf of Snow Hollow reiht sich auf jeden Fall unter die besseren Vertreter des Genres ein.

    Schon von den ersten Einstellungen im Vorspann an (Kamera: Natalie Kingston) trägt die Winterlandschaft einen großen Teil zur Atmosphäre der Filmes bei. Die Tage sind kurz, der Himmel wolkenverhangen und der Schnee blutgetränkt. Die Kälte ist richtiggehend spürbar. In der Mitte ist Jim Cummings‘ charismatischer Charakter, in dem er seine Rolle als Polizist mit persönlichen Problemen aus Thunder Road weiterführt. Die Ausarbeitung seiner Charaktere ist die große Stärke von Cummings. In Rückblenden erfährt man von seiner Alkoholsucht und in der Gegenwart macht ihm seine Ex-Frau und die Tochter zu schaffen. Dies alles sehen wir nur aus der männlichen Perspektive und Gedanken darüber, in wie weit seine Situation selbstverschuldet ist, kommen erst gar nicht auf. Das macht The Wolf of Snow Hollow zu einem sehr männerdominierten Film und macht bis hierher auch nichts (Wobei seine Partnerin Lindhome ihre Momente hat). Der Twist am Ende verändert diese Sichtweise drastisch: Der Werwolf als Symbol männlicher Gewalt gegen Frauen.

    The Wolf of Snow Hollow ist stilistisch ausgeprägter als der Vorgängerfilm Thunder Road. Es ist nur so, dass die Pointen für eine Komödie rar sind und gegen Ende wird es zu knapp. Man hätte gerne mehr über Officer Marshall erfahren. Es bleibt aber Zeit für eine letzte Ehrerbietung für Robert Forster, der bereits ein Jahr vor der Veröffentlichung des Films starb.

    Fans werden von Cummings neuem Film vermutlich mehr erwartet haben aber es ist ein solider Horrorfilm geworden, der mit Charakteren, denen wir gerne zusehen und einem spannenden Ende aufwarten kann.


    The Wolf of Snow Hollow
    Horror-Komödie, USA 2020


    Regie Jim Cummings
    Drehbuch Jim Cummings
    Kamera Natalie Kingston
    Musik Ben Lovett
    Mit Jim Cummings, Robert Foster, Riki Lindhome, Chloe East
    Länge 83 Min.


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  • KEINE ZEIT ZU STERBEN ★★★½

    KEINE ZEIT ZU STERBEN ★★★½

    Das Warten hat ein Ende. Produktionsverzögerungen und die Pandemie ließen gut 2 Jahre verstreichen. Mit Keine Zeit zu Sterben geht nun die fünfzehn Jahre und fünf Filme andauernde Ära von Daniel Craig als James Bond-Darsteller zu Ende. Keiner der legendären Vorgänger hat den Charakter so für sich vereinnahmt und derart geprägt wie Craig. Sowohl in der Charakterentwicklung des Agenten als auch hinsichtlich des antiquierten Frauenbildes ist das Autorenduo Purvis & Wade völlig neue Wege gegangen. Das Publikum hat es dem Produktionsteam gedankt. Der enorme Erfolg (Mit Skyfall spielte erstmals ein Film der Reihe mehr als eine Milliarde Dollar ein) hat Daniel Craig zum mit Abstand bestbezahlten Schauspieler aller Zeiten gemacht. Es ist ein langer und für die Serie ungewöhnlich emotionaler Abschied geworden.

    Darum geht es

    Wie alle Filme seit Ein Quantum Trost (2008) schließt auch Keine Zeit zu Sterben nahtlos an seinen Vorgänger an. James Bond (Daniel Craig) ist mit Madeleine Swann (Léa Seydoux), der Tochter von Quantum Anführer Mr. White (Er nahm sich in einer Hütte am Altausseer See das Leben), in Italien untergetaucht. Die Vergangenheit holt den Agenten aber bald wieder in die Realität zurück. Bond ließ Ernst Stavro Blofeld (Christoph Waltz) am Ende von Spectre (2015) am Leben. Der delegiert seine Handlanger nun vom Hochsicherheitstrakt aus und die kommen Bond gefährlich nahe. Dann ist da auch noch Lyutsifer Safin (Rami Malek), der den Tod seiner Eltern rächen möchte und nebenbei die Weltherrschaft an sich reißen will.

    Felix Leiter (Jeffrey Wright) heuert seinen alten Freund Bond an, um mit ihm und dem CIA den gekidnappten MI6 Wissenschaftler Valdo Obruchev (David Dencig) ausfindig zu machen. Wieder einmal steht das Schicksal der gesamten Menschheit auf dem Spiel. Dass es dabei selbst für James Bond persönlich um viel geht, weiß er zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht.

    Lashana Lynch ist 007 und Léa Seydoux bringt Bond gehörig aus dem Konzept.

    Kommentar

    Eigentlich hätte der leider sehr schwache Spectre den Abschied für Daniel Craig bedeuten sollen. Sehr eindringlich machte Craig damals klar, nicht mehr für die Rolle zur Verfügung zu stehen. Aber: Sag niemals nie. Sean Connery wusste, wovon die Rede ist. Was solls, die Rolle bleibt ohnehin mit einem jeden Schauspieler bis an sein Lebensende verbunden.

    Was das Autorenteam Purvis &Wade und Cary Joji Fukunaga unter Zuhilfenahme von Phoebe Waller-Bridge da nun auf die Leinwand gebracht haben, sucht seines Gleichen. Noch nie wurde eine etablierte und erfolgreiche Marke derart dekonstruiert. Viele aus dem jüngeren Publikum heute kennen die meisten der 24 Filme der vergangenen sage und schreibe 59 Jahre nicht mehr (plus 2: Sowohl Casino Royal von 1962 als auch Sag niemals nie, 1983, zählen offiziell nicht dazu). Für James Bond-Fans dürfte Keine Zeit zu Sterben allerdings ein gewisser Schock sein. Von vielem, was die Serie charakterisierte hat man sich in den letzten Filmen zusehends verabschiedet. Bereits bei ihrem ersten Auftritt als M in Goldeneye im Jahr 2005 nannte Judy Dench den Agenten „A sexist, misogynist dinosaur. A relic of the Cold War.“

    Mit Daniel Craig in Casino Royal elf Jahre später waren die legendären Bondgirls, die als bloßer optischer Aufputz dienten, Geschichte. Craig lief ständig mit schrammen im Gesicht herum, wurde gefeuert und offiziell für tot erklärt. Die letzten Jahre waren nicht leicht für den berühmtesten aller Geheimagenten. Herumschwirrende Kugeln konnten ihm immer noch nichts anhaben aber unter der Haut war er verletzlich geworden. Mit Vesper Lynd (Eva Green) erhielt Craigs Bond gleich zu Beginn eine Partnerin, die mehr als eine flüchtige Affäre war. Wie schon Diana Rigg als Teresa in Im Geheimdienst ihrer Majestät (mit George Lanzenby), die Bond ehelichte und Blofeld wenige Stunden später ermordete. Nun gibt es genau auf diesen Film in Keine Zeit zu Sterben zahlreiche Verweise, wie den Aston Martin und die unvergessliche Nummer We have all the time in the world von Louis Armstrong. Selbst mit der Filmmusik verließ man bekanntes Terrain. Hans Zimmer webt zwar geschickt zahlreiche klassische Bond Motive in seinen Score ein. Darüber hinaus weicht die Musik aber stark vom Gewohnten ab.

    „007 is only a number.“

    Keine Zeit zu Sterben (2021)

    Neben Im Geheimdienst ihrer Majestät gab es noch einen zweiten Film, der sich mit dem Charakter und der Vergangenheit von Bond auseinandersetzte: Skyfall, im 50. Jubiläumsjahr 2012. Der gleichnamige Familiensitz war Ort eines Traumas. Hier wurde Bond zum Waisen und hier starb auch M, gespielt von Judy Dench. Rückblickend wurde damals klar, dass M nur ein Buchstabe ist. Dench wurde durch Ralph Fiennes ersetzt. Jetzt ist es die Agentin Nomi (Lashana Lynch), die vorübergehend als 007 agiert.

    In Keine Zeit zu Sterben dominieren die dialoglastigen ruhigen Momente. Es gibt aber immer noch genug Raum für Stunts und Action (leider führte, wie so oft in den letzten Jahren, ein weiteres Mal mit Fukunaga jemand Regie, der mit dem Action Genre nicht sehr vertraut ist). Der Charakter wirkt jedoch losgelöst vom Agentendasein. Selbst Shaken, not stirred ist vergessen. Mehr sei hier nicht verraten.

    Die große Frage, die sich stellt: wie geht es von hier aus weiter? Unverkennbar hat man mit Mission: Impossible Anleihen an einem anderen maßgeblichen Franchise genommen. Mit Q (Ben Whishaw), M , Ms. Moneypenny (Naomi Harris) und Nomi greifen weitere Charaktere aktiv ins Geschehen ein. Ana de Armas assistiert Bond auf Blofeld Geburtstagsfeier als CIA Agentin und löste mit ihrem kurzen Auftritt nicht nur in den Sozialen Medien eine Welle der Euphorie aus. Bond ist hier kein Einzelgänger mehr.

    Die Produzenten Barbara Broccoli und Michael G. Wilson werden sich die Frage stellen müssen, was die Alleinstellungsmerkmale von James Bond nun sind. Eines scheint klar: nach Keine Zeit zu sterben steht ein radikaler Neustart an. Gut möglich, dass dies mehr als das Ende für Daniel Craig bedeutet und uns ein neuer Bond für eine neue Generation erwartet. Für diesen Abschied hat die Marke James-Bond-007 jedenfalls einen hohen Preis bezahlt.


    Keine Zeit zu sterben (OT: No time to die)
    Agententhriller, GB 2021

    Regie Cary Joji Fukunaga
    Drehbuch Purvis & Wade, Cary Fukunaga, Phoebe Waller-Bridge
    Kamera Linus Sandgren
    Schnitt Eliott Graham, Tom Gross
    Musik Hans Zimmer
    Mit Daniel Craig, Léa Seydoux, Ralph Fiennes, Ben Whishaw, Naomi Harris, Jeffrey Wright, Christoph Waltz, Rami Malek, Ana de Armas
    Länge 163 Minuten


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  • THE GREEN KNIGHT ★★★½

    THE GREEN KNIGHT ★★★½

    Es gibt Filme, bei denen sich bei mir nach dem ersten Mal Ansehen nicht die große Begeisterung einstellt, wenngleich nicht zu bestreiten ist, dass es da etwas gibt, das sie zu etwas besonderem macht. Das war bei David Lowerys A Ghost Story (Viennale, 2017) so und gestaltet sich ähnlich bei seinem neuen Film The Green Knight, einer Geschichte rund um die Artus Legende. Diesmal muss man eine gehörige Portion Geduld mitbringen, um bis zum Ende durchzuhalten und die volle Schönheit dieses Fantasy-Dramas erfahren zu können.

    Darum geht es

    Der König (Sean Harris) hat Zahnweh. Die glorreiche Zeit ist längst vorüber. Den Weihnachtsabend verbringt er gemeinsam mit seinen Rittern an der runden Tafel. Als ein mysteriöser Reiter erscheint und ihm zum Duell auffordert, muss er passen. Der Geist ist willig, allein der Körper macht nicht mehr mit. Die Bedingung des Fremden: Man darf einen Schlag gegen ihn ausführen. Sollte er jedoch überleben, muss sein Gegner ihn in genau einem Jahr in seiner grünen Kapelle aufsuchen und wiederum einen Schlag über sich ergehen lassen. Gawain (Dev Patel), des Königs Neffe, stellt sich dem Fabelwesen, hab Mensch, halb Baum. Das Duell mutet mehr wie eine Hinrichtung an. Dann passiert gar seltsames und der Reiter zieht davon. Gawain hält es für ein Spiel. Fast ein Jahr vergeht, bis ihn König Artus an sein Versprechen erinnert und ihn auf eine Reise in den Norden schickt, um die Grüne Kapelle aufzusuchen und zu beenden, was ein Jahr zuvor begonnen hatte. Gawain, zufrieden mit seinem lasterhaften Leben und seiner Romance mit einer Lady (Alicia Vikander), macht sich widerwillig auf den Weg.

    Dev Patel und Alicia Vikander

    Kommentar

    Es gibt großartige Momente in The Green Knight, eingefangen in wunderschönen Bildern von Kameramann Andrew Droz Palermo. Zum Beispiel als Gawain im Wald ausgeraubt wird, gefesselt auf dem Boden liegt und verrottet, nur um in einer 360 Grad Kamerafahrt eine Wiederauferstehung zu erfahren. David Lowerys Erzählung strotzt vor visuellen Ereignissen. Er hat eine eigene mittelalterliche Welt erschaffen. Sie ist nicht nur finster, wie wir dieses Zeitalter ohnehin kennen, sondern voll Metaphorik, eingehüllt in Nebel, umgeben vom feuchten Duft von Erde und Moos. Es sind Stimmungen, die lange in Erinnerung bleiben werden.

    Is it wrong to want greatness for you?

    König Artus zu Gawain.

    Gleichzeitig verlangt er dem Publikum einiges ab. Das Erzähltempo ist bedächtig und es ist keineswegs immer klar, was hier vor sich geht. Es dauert eine ganze Weile, bis sich Gawain endlich auf den Weg machen muss. Lowery hat sich von der Ritterromanze Sir Gawain and the Green Knight aus dem 14. Jahrhundert inspirieren lassen. Die ursprüngliche Form der Erzählung ist im Film spürbar. Wir haben es mit keinem Abenteuer- oder Actionfilm zu tun, sondern mit einer Reise, die mehrmals vom Pfad des körperlichen Daseins abkommt.

    Jede Bewegung des grünen Ritters (kommt leider viel zu kurz vor, eine sehr spannende Figur!) wird von einem Knirschen und Knacken begleitet, das die Nähe der Natur in dieser Geschichte unterstreicht. Vikander hält einen eindringlichen Monolog über den Kreislauf der Natur. Gawain ist der Welt völlig ausgesetzt, hat sein behütetes Nest wohl noch nie verlassen. Seine Ängstlichkeit und Unsicherheit überträgt sich auf das Publikum, dem allerhand Interpretationsspielraum gegeben wird. Etwas, das viel zu selten ist, bekommen wird doch heute oftmals die Erklärung sofort und manchmal gleich doppelt geliefert. Auch so gesehen ist David Lowery ein erfrischender Film gelungen.


    The Green Knight
    Fantasie-Drama, 2021

    Regie David Lowery
    Drehbuch David Lowery
    Kamera Andrew Droz Palermo
    Schnitt David Lowery
    Musik Daniel Hart
    Mit Dev Patel, Alicia Vikander, Joel Edgerton, Sean Harris


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  • DUNE ★★★

    DUNE ★★★

    Es ist nicht zu bestreiten. In den vergangenen Wochen schlich sich eine gewisse Vorfreude ein. Endlich stand wieder ein Kinofilm an, bei dem neben dem Popcornfaktor auch mit Qualität zu rechnen war. Der Regisseur Denis Villeneuve hatte sich schon erfolgreich der Blade Runner Fortsetzung Blade Runner 2049 angenommen und bereits davor mit Arrival gezeigt, das er Fans von Science-Fiction durchaus zufriedenstellen kann. Nun wagte er sich an die Verfilmung des Dune-Zyklus von Frank Herbert. Die meisten bisherigen Versuche verschwanden in der Versenkung, bis überhaupt ein Kader gedreht worden war. David Lynch ist mit Der Wüstenplanet (1984) grandios gescheitert und übt sich seitdem in transzendentaler Meditation um die Schmach zu lindern. Für Villeneuve und sein Team nun Standing Ovation bei den Filmfestspielen von Venedig. Das ist schon großes Kino, was uns hier geboten wird. Die Euphorie liegt aber wohl eher im wunderbaren Aperol Spritz unter der italienischen Sonne begründet.

    Darum geht es

    Irgendwann in ferner Zukunft braucht man sich über die Klimaerwärmung keine großen Gedanken mehr zu machen. Statt über das Wetter zu Reden, sorgt man sich eher um gigantische Sandwürmer. Herzog Leto Atreides (Oscar Isaac) hat gerade die Verwaltung des Wüstenplaneten Arrakis, auch unter dem Namen Dune bekannt, übernommen. Er ist die einzig Quelle der wertvollsten Substanz des Universums, dem Spice. Nicht zuletzt ermöglicht sie das Überwinden großer Entfernungen. Für Reisen durch das Universum unerlässlich. Obwohl die Sache nicht ganz risikofrei ist, reist Leto mit Konkubine Lady Jessicas (Rebecca Ferguson), seinem Sohn Paul (Timothée Chalamet) und Gefolgschaft von seinem Heimatplaneten Caladon an. Die Vorahnungen bestätigen sich, und Leto gerät in einen Hinterhalt des Hauses Harkonnen unter Wladimir Harkonnen (hat auch schon besser ausgesehen: Stellan Skarsgård). Paul und Jessica fliehen zu den Einwohnern von Arrakis, den in der Wüsten lebenden Fremen.

    Paul und Jessica blicken einer ungewissen Zukunft entgegen.

    Kommentar

    Bei der Pressekonferenz nach der Premiere bei dem Filmfestspielen von Venedig meinte Denis Villeneuve, dass Autor Frank Herbert in den 1960er Jahren die Welt des 20. Jahrhunderts im Sinn hatte aber Dune aus heutiger Sicht fast eine prophetische Beschreibung der Gegenwart darstellt. Religion ist spätestens seit 9/11 als Kategorie in der Politik nicht mehr wegzudenken. Umweltfragen stehen ohnehin auf er täglichen Agenda, oder sollten es zumindest. Über allem schweben die Nachwehen des Kolonialismus und die damit einhergehende Ausbeutung von Ressourcen. Das Spice auf dem Wüstenplanet ist auf der Erde Kobalt, unverzichtbar für die Herstellung von Smartphones.

    Dieser Themenkomplex verleiht Dune also eine gewisse Aktualität. Es ist nur so, dass hier ein junger auserwählter weißer Mann in der Gestalt von Paul nun das Wüstenvolk retten soll. Ob das gegenwärtig der richtige Weg ist, um Kolonialismus zu thematisieren, darf bezweifelt werden. Weiters sind die unendlichen Weiten des Wüstenplaneten der unverkennbare Verweis auf die Problematik der Erderwärmung.

    Die Vorzüge von Villeneuves Dune liegen aber ohnehin woanders. Die Kamera von Greig Fraiser reiht ein imposantes Bild an das Nächste. Eines schöner als das Andere. Das Setdesign trägt sein übriges dazu bei: viel Beton und große Räume stehen der der kargen Wüste gegenüber. Der Sand scheint ständig im fließen begriffen, vor allem wenn sich die Sandwürmer annähern. Die Kreaturen liefern auch die einzigen größeren dramatischen Spannungsmomente.

    In David Lynchs Version der Geschichte zeichneten Toto und Brian Eno für den Soundtrack verantwortlich. Nun ist es Hans Zimmer, der mit einem mystisch orientalischen Klangteppich die Daumenschrauben anzieht. Understatement sieht anders aus. Aber dann wäre es auch nicht Hans Zimmer.

    Dune wartet mit einen regelrechten Starensemble auf. Wobei wir einzig Paul etwas näher kennenlernen. Viele anderen haben kurze Auftritte oder verschwinden bald wieder im Treibsand. Und dass, obwohl sich Villeneuve und seine Co-Autoren Eric Roth (A Star is Born) und Jon Spaihts (Prometheus) sehr viel Zeit lassen. Zu viel Zeit. Der Film hat nämlich kein Ende. Nach gut 2 1/2 Stunden werden wir ins Ungewisse entlassen.

    This is only the beginning

    Chani (Zendaya) von den Fremen hat in Dune das letzte Wort.

    Es ist schon ein gewagtes Unterfangen, einen Film mit dem Untertitel „Part 1“ zu versehen und eine Geschichte nicht fertig zu erzählen, ohne zu Wissen, ob es überhaupt eine Fortsetzung geben wird. Das hängt naturgemäß vom Einspielergebnis im Kino und auf der Streamingplattform von Warner ab und ist in der jetzigen Situation mehr als ungewiss. Das sollte man wissen, bevor man sich für einen Kinobesuch entscheidet. „Fortsetzung folgt nicht“, sagte Edgar Böhm in den 1980er Jahren im österreichischen Kinderfernsehen. Damals allerdings um Spannung zu erzeugen und Kinder zum Lesen zu motivieren. Hier könnte das schnell in Frust ausarten. Dune wirkt wie der hundertfünfundfünfzig Minuten Trailer zu Dune 2, in dem nicht all zu viel passiert. Sollte es eine Fortsetzung geben, wird man erst danach die Filme als gesamtes beurteilen können. Nach unzähligen Monaten ohne vergleichbare Blockbusternahrung scheint es Dune jedenfalls leicht zu haben, eine gewisse Euphorie zu verbreiten.

    Dune
    Science-Fiction, USA 2021

    Regie Denis Villeneuve
    Drehbuch Denis Villeneuve, Eric Roth, Jon Spaihts
    Kamera Greig Fraiser
    Schnitt Joe Walker
    Musik Hans Zimmer
    Mit Timothée Chalamet, Rebecca Ferguson, Oscar Isaac, Josh Brolin, Stellan Skarsgård, Dave Bautista, Zendaya

    Foto: Copyright: © 2020 Warner Bros. Entertainment Inc. All Rights Reserved. Credit: Chiabella James.


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