Autor: Michael Holly

  • SOUL ★★★★½

    SOUL ★★★★½

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    Mit ihrem 23. abendfüllenden Spielfilm beschreiten die Pixar Animation Studios in mehrerlei Hinsicht neue Wege. Soul startet bereits wenige Wochen nach Onward: Keine halben Sachen nun direkt auf der hauseigenen Streamingplattform Disney+ (ohne Zusatzkosten zum Abo von aktuell 6,99€ monatlich). Regisseur und Pixar Urgestein Pete Docter (Toy Story, Oben, Alles steht Kopf) verfasste ebenso das Drehbuch, gemeinsam mit Mike Jones und Kemp Powers, der nun auch als Co-Regisseur geführt wird. Sie schufen mit dem Lehrer und Jazzpianisten Joe Gardner die erste afroamerikanische Hauptrolle in der Firmengeschichte. Darüber hinaus haben wir es hier erstmals mit einem Animationsfilm zu tun, der sich mit einem grundlegenden philosophischen Anspruch in erster Linie an ein etwas älteres Publikum wendet.

    Darum geht es

    Joe Gardner (Jamie Foxx/dt:: Charles Rettinghaus) gelingt es als Musiklehrer nur bedingt seine große Leidenschaft zum Jazz auf die Kinder zu übertragen. Während dem Unterricht träumt er von einer Karriere als Jazzpianist. Eines Tages wird zumindest der Wunsch seiner Mutter (Phylicia Rashad/Marianne Groß) nach einer Vollzeitanstellung in der Schule Realität. Doch das soll nicht alles sein: Noch am gleichen Abend bekommt er das Angebot in einem Jazzclub als Pianist einzuspringen und das ausgerechnet bei der berühmten Dorothea Williams (Angela Bassett/Arianne Borbach). Nach einem nachmittäglichen Vorspiel bekommt er den Job. Voll Freude und Euphorie tänzelt er durch die Straßen von New York nach Hause und fällt dabei in einen offenen Schacht. Im nächsten Moment sieht er sich, losgelöst von seinem Körper, auf einem Förderband Richtung Jenseits auf ein gleissend weißes Licht zufahren, in dem andere vor ihm wie Insekten verpuffen.

    Panik macht sich breit. Nein, bereit zum Sterben ist Joe nicht. Er macht kehrt und als er versucht seinem Schicksal zu entkommen, landet er kurzerhand in einer Welt, in der Seelen auf ihren Einsatz auf Erden vorbereitet werden. Da wittert Joe seine Chance. Mithilfe von 22 (Tina Fey/Anna Carlsson), einer Seele, die sich bisher weigerte einen Körper zu bewohnen, möchte er doch noch seinen Traum verwirklichen.

    Joe im Davorseits

    Kommentar

    Bereits während des berühmten Intros mit dem Disney Schloss ist es nicht zu überhören. Hier geht es um Jazzmusik. Diese ist für Improvisationen bekannt und es sitzt hier vorerst kein Ton. Es ist Joes Klasse, die sich gerade an der Fanfare abarbeitet. Eine Klasse, die er nicht so recht überzeugen vermag, Zeitungsausschnitte und Fotos an der Wand, die von seinen Sehnsüchten erzählen und dann die Nachricht eine fixe Anstellung an der Schule zu erhalten. Im diesem Moment wird der Zwiespalt in Joe sichtbar. War es das nun mit der Karriere als Jazzpianist? Nach wenigen Minuten sind wir Teil der Gefühlswelt des Hauptdarstellers. Eine große Kunst, die gerade dem Animationsfilm eigen ist.

    Und wieder glaubt man einen Fortschritt in der Animationstechnik erkennen zu können. Der Detailreichtum und die Plastizität durch Licht und Schatten suchen ihresgleichen. Selbst bei einem Stil, der keinen Realismus vortäuschen will, erlangt man größtmöglichen Realismus in den Bewegungsabläufen, Oberflächen, einzelnen Gegenständen und in der räumlichen Wahrnehmung. Im sogenannten Davorseits entfernen wir uns von einer realen Welt. Die dortigen Seelenberater, sie heißen alle Jerry (weil mehr könnten unsere Hirne sowieso nicht begreifen), bestehen nur aus Linien, die an Zeichnungen von Pablo Picasso erinnern. Soul strotzt vor kreativer Originalität, deren Details auf den Fernsehbildschirmen leider mitunter verloren gehen.

    Nachdem Joe bereit im Vorspann ins Jenseits befördert wird, konzentriert sich Soul auf die Rückeroberung seiner Körpers. Ein paar Mystiker helfen ihm dabei. Der Twist am Ende des ersten Drittels soll hier nicht vorweg genommen werden, nur neu ist er leider nicht. Dem Spaß tut das aber keinen Abbruch. Die daraus resultierenden Slapstickeinlagen sind großartig. Die Botschaft des Films ist dann aber tiefgründiger und beschäftigst sich mit nicht weniger als mit dem Sinn des Lebens. Gibt es sowas wie ein Ziel oder eine Berufung? Soul hat sogar eine Antwort parat. Ein Ahornsamen wird dabei eine Rolle spielen.

    Auf der Erde gibt die Jazzmusik von Jon Batiste den Ton an und im Davorseits sind es die sphärischen Klangwelten von Trent Reznor und Atticus Ross. Disney veröffentlichte gleich zwei Alben mit den Soundtracks und sie sind es Wert öfters gehört zu werden.

    Pete Docter wurde innerhalb der Produktionszeit zum Künstlerischen Leiter bei Pixar. Nach Alles steht Kopf hat er sich zum zweiten Mal zur Aufgabe gemacht, das Nichtdarstellbare zu visualisieren. Soul verlangt aber nach einem dunklen Saal mit geschlossenen Türen und einer großen Leinwand, auf der sich der Detailreichtum auch vollends entfalten kann. Unter den jetzigen Umständen müsste man einen Animationsfilm, dem ein Produktionszyklus von gut fünf Jahren vorangeht, vermutlich neu denken. Soul ist ein gute Laune verbreitender Film, den wir gerade jetzt gut gebrauchen können.

    SOUL | PETE DOCTER/KEMP POWERS | USA 2020 | 100 MIN. | [usr 4,5]


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  • WAS WIR WOLLTEN ★★★★

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    Es gibt Themen, über die geschwiegen wird obwohl sehr viele der Menschen davon betroffen sind. Das gilt auch für jenen Fall, sollte es bei der Erfüllung eines Kinderwunsches nicht auf Anhieb klappen. Diverse Komplikationen sind dabei eine ebenso große psychische Belastung, wie die Zuhilfenahme medizinischer Mittel oder wenn der Kinderwunsch am Ende einfach nicht in Erfüllung geht. Regisseurin Ulrike Kofler nimmt sich in ihrem neuen Film Was wir wollten mit Lavinia Wilson und Elyas M’Barak in den Hauptrollen genau diesem Thema an. Der Film ist Österreichs Kandidat für den Auslandsoscar 2021.

    Darum geht es

    Das kleine Herz schlägt nicht mehr. Alice (Lavinia Wilson) und Niklas (Elyas M’Barek) sind beim Frauenarzt. Soeben erfahren sie von der Frauenärztin (Maria Hoffstätter), dass ein weiterer Versuch ein Kind auf dem Invitro Weg zu bekommen schon in einem frühen Stadium gescheitert ist. Das Verständnis der Ärztin ist ein trockenes medizinisches. Für Alice bricht in diesem Moment jedoch neuerlich eine Welt zusammen. Sie steht kurz vor ihrem 40. Geburtstag.

    Kurz darauf überrascht Niklas Alice zu ihrem Geburtstag mit einem Luxusurlaub auf Sardinien. Er findet, das ist genau was sie jetzt brauchen. Dort angekommen, beziehen sie einen Bungalow in einem Resort. Als nebenan eine Tiroler Familie mit Kindern einzieht, werden die Beiden neuerlich mit ihrer Situation konfrontiert. Christl (Anna Unterberger) und Romed (Lukas Spisser) sind, genauso wie deren kleine Tochter, sehr kontaktfreudig. So kommen bei Niklas und Alice in den kommenden Tagen einige Emotionen hoch, bis ihnen ein tragischer Zwischenfall neue Perspektiven eröffnet.

    Elyas M’Barek und Lavinia Wilson

    Kommentar

    Noch vor kurzem war von Wie wir wollten ein exklusiver Kinostart in Österreich angekündigt. In Deutschland und im Rest der Welt ist der Film schon seit November bei Netflix zu sehen. Da ein Starttermin nun frühesten in einem Monat möglich gewesen wäre, wollte man den Film nicht länger zurückhalten. Eine Vertriebspolitik, die zur Zeit zu Recht mit Argusaugen beobachtet wird, wirft auch ein Schlaglicht auf einen Umstand, den man nicht unterschätzen darf: Was wir wollten ist in dutzenden Ländern von Brasilien bis Österreich unter den Top 10 der Netflix-Charts. Auch wenn man die Zählmethode kritisieren kann (es wird bereits ab Minute 2 gewertet), so kann man auf jeden Fall davon ausgehen, dass den Film weitaus mehr Menschen gesehen haben als bei einer alleinigen Kinoauswertung im deutschsprachigen Raum. Der Film überzeugt mit seiner psychologisch nuancierten Geschichte ebenso, wie mit einer Bildsprache, die die große Leinwand sucht.

    Ulrike Köhlers erstem Langfilm Was wir wollten liegt eine Kurzgeschichte („Der Lauf der Dinge“) von Peter Stamm zu Grunde. Der Film spielt fasst ausschliesslich in einem Luxusresort auf Sardinien. Es ist eine Schrebergartensiedlung mit Meerblick. Die Nachbarn schauen bis ins Schlafzimmer. Es ist gerade diese räumliche Reduktion, die den Figuren größtmöglichen Raum lässt, um sich zu entfalten. Die Situation, in der sich das Paar dort wiederfindet, schwemmt schlummernde Konflikte an die Oberfläche.

    Es sind kleine Gesten, die auf das Verlangen nach körperliche Leidenschaft hindeuten oder beiläufige Bemerkungen, die die Anspannung und letzten Endes die Verdrängung gemeinsamer Probleme verdeutlichen und humoristische Elemente, die die Tonart des Filmes vorgeben. Was wir wollten ist ein feingliedriges Psychogramm, das trotz der ernsten Thematik nicht all zu schwerfällig ist. Dafür sorgt in erster Linie die Nachbarsfamilie. Sie übernimmt für die Protagonisten eine therapeutische Funktion, während sie für das Publikum durch die unmittelbare Nähe und ihr extrovertiertes Auftreten eine gewisse Leichtigkeit in die Geschichte mitbringt.

    Lavinia Wilsons Charakter ist die Verzweiflung ins Gesicht geschrieben. In sich gekehrt und letzten Endes mit ihrem Problem alleine. Denn ihr Partner verschließt sich vor ihr. Ohne große emotionale Ausbrüche gibt Wilson einen Einblick in die Gefühlswelt von Alice. Elyas M’Bareks neuerlicher Ausflug ins ernste Fach ist diesmal mehr als geglückt. Die Langsamkeit und zurückhaltende Inszenierung kommt ihm zu Gute.

    Ein großes Thema reißt Was wir wollten fast beiläufig an. Es zieht sich jedoch von der ersten Szene an durch den gesamten Film. Es ist die Fremdbestimmung von Frauen gerade auch in frauenspezifischen Angelegenheiten wie der Schwangerschaft. Aber nicht nur: die Männer hier glauben auch im Alltag besser zu wissen, was für ihre Frauen gut ist oder wie sie sie sich zu verhalten haben. Wobei den Männern selbst, gerade in der Öffentlichkeit, alles erlaubt ist.

    Lange passiert nichts oder viel mehr liegt es in der Luft, dass etwas passieren wird. Ulrike Kofler weiß aber um den Rhythmus eines Filmes und setzt das in Was wir wollten großartig um. Die Protagonisten bekommen die notwendige Zeit, um sich entfalten zu können. Am Ende sind es keine trostlosen eineinhalb Stunden, die man vor dem Bildschirm verbringt, weil Alice und Niklas mit ihrer Situation umzugehen lernen.

    Verleih

    Filmladen Filmverleih (ein Kinostart ist immer noch geplant)

    WAS WIR WOLLTEN | ULRIKE KOFLER | Ö 2020 | 100 MIN. | [usr 4 ]


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  • WOLFWALKERS ★★★★★

    WOLFWALKERS ★★★★★

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    Beinahe könnte man dieses Filmjahr aus dem Kalender streichen. Noch wissen wir nicht, welche Perlen irgendwo auf Festplatten schlummern (nun ja, viel romantischer ist es leider nicht), die wir irgendwann in den nächsten Jahren zu sehen bekommen werden. Der ein oder andere Film wird davor wohl noch den Besitzer wechseln, zumindest was den Vertrieb betrifft. Welche davon letzten Endes direkt im Fernsehen und auf Laptops in aller Welt landen werden, ist schwer vorherzusehen. Es war kein schlechtes Filmjahr, die Auswahl war nur sehr rar. Großartige Produktionen wie Nomadland liefen fast ausschließlich auf Festivals. Das Publikum muss sich auch noch gedulden, um Blockbuster wie James Bond 007: Keine Zeit zu Sterben oder Top Gun 2 sehen zu können. Kurz vor Jahreswechsel erreicht uns nun aber doch noch ein Filmjuwel: Wolfwalkers von Tom Moore und Ross Stewart ist ein Animationsabenteuer dessen mystische Erzählung und grandioser Animationsstil gleichsam beeindruckend sind. Auf AppleTV+ kann man sich jetzt davon überzeugen.

    Darum geht es

    Die Geschichte ist im Irland des 17. Jahrhunderts angesiedelt. Bill Goodfellowe (Sean Bean) wird von Lord Protector Cromwell (Simon McBurney) beauftragt, in den Wäldern vor der Stadt Kilkenny Wölfe zu erlegen. Die Stadt hat Cromwell durch sein strenges Regime fest im Griff, nur die wilde Natur vor den Stadtmauern ist ihm ein Dorn im Auge. Durch Angriffe der Wölfe schreiten die Rodungen nur langsam voran.

    Bills Tochter Robyn (Stimme von Honor Kneafsey) sucht das große Abenteuer und weil ihr ein Schicksal in der Küche blüht und sie als Kind die Stadt eigentlich nicht verlassen darf, zieht es sie hinaus in die Wälder. Dort steht sie bald einem Wolf gegenüber. Im Wald trifft sie auch auf Mebh (Eva Whittaker). Das Mädchen mit den feuerroten Haaren und den großen Augen ist eine der letzten Wolfwalker. Sie können mit Wölfen sprechen, leben mit ihnen gemeinsam Wald und können auch ihre Gestalt annehmen. Zwischen den beiden Mädchen entwickelt sich eine Freundschaft. In der Stadt sind ihr Vater uns sie Außenseiter.

    In der Zwischenzeit ist Robyns Vater weiter auf der Jagd. Der große Fang mag ihm jedoch nicht gelingen, was den Zorn des Lord Protectors auf sich zieht, der schließlich zu einer großen Schlacht gegen die Wölfe aufruft.

    Kommentar

    Schon die ersten Bilder sind von einer gewaltigen Schönheit. Es ist, als hätte sich ein Bilderbuch vor uns geöffnet, in das wir für die folgenden (ein klein bisschen zu langen) hundert Minuten eintauchen. Wolfwalkers ist im 2D Stil gehalten und wirkt wie von Hand mit Wasserfarben gemalt. Der Reiz liegt hier nicht in der realen und plastischen Perfektion der Animation, sondern im Charakter einer Handarbeit. Der urbanen Tristesse steht eine bunte, opulente und dynamische Wildnis gegenüber. Man spürt das Organische. Alles scheint zu fließen. Man kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus.

    Mit der Geschichte nimmt Drehbuchautor Will Collins Anleihen an der keltischen Mythologie. Dies schlägt sich auch im visuellen Stil nieder. Die mittelalterliche Stadt Kilkenny in Irland, in der auch Wolfwalkers spielt, ist Firmensitz des Animationsstudios Cartoon Saloon von Regisseur Moore. Das Regieduo Moore/Stewart thematisiert den imperialen Einfluss Englands auf Irland. Lord Protector Cromwell wurde aus England entsandt, um die irische Bevölkerung zu zähmen. Es ist der Abschluss einer irischen Trilogie von Cartoon Saloon, der Brendan und das Geheimnis von Kells (2009) und die Melodie des Meeres (2014) vorangingen.

    Im Spannungsverhältnis Mensch-Natur-Mythologie entfaltet sich ein Abenteuer, das durch die emotionale Komplexität der Figuren eine Tiefe gewinnt, wie sie so manchen Animationsfilmen eigen ist. Auch das Studio Ghibli und seine Filme von Hayao Miyazaki schlagen diese Richtung ein.

    Wolfwalkers bietet Spannung für die ganze Familie. Eine Seltenheit. Neben den Schauwerten sind die zahlreichen angesprochenen Themen wie Freundschaft, Mut, Umweltschutz und Fanatismus Andockpunkte für Groß und Klein. Am Ende möchte man den Film am liebsten gleich wieder von vorne starten. Jedenfalls gut vorstellbar, dass sich unsere Wege im Laufe der Jahre immer wieder kreuzen werden. Eine große Freude zum Jahresausklang.

    Wolfwalkers

    Animationsfilm, IRL/LUX/USA/FR 2020
    Regie
    Tomm Moore, Ross Stewart
    Drehbuch Will Collins
    Schnitt Richie Cody, Darren Holmes, Darragh Byrne
    Musik Bruno Coulais
    Länge 103 Min.
    Streamingplattform AppleTV+


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  • JINGLE JANGLE JOURNEY: ABENTEUERLICHE WEIHNACHTEN ★★★

    JINGLE JANGLE JOURNEY: ABENTEUERLICHE WEIHNACHTEN ★★★

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    Verlässlich wie ein warmes Hochdruckgebiet werden wir um diese Jahreszeit mit unzähligen Weihnachtsfilmen regelrecht bombardiert. Gerade Netflix versucht sich hier jedes Jahr zu überbieten. Die Auswahl ist unüberschaubar. Das Niveau im Gegensatz zum Wetter überwiegend tief. Vor einem Jahr konnte die Streamingplattform mit dem für einen Oscar nominierten Animationsfilm Klaus überzeugen. In diesem Jahr geht man einen anderen Weg: Jingle Jangle Journey: Abenteuerliche Weihnachten ist ein Musical, das Weihnachtsstimmung verbreiten möchte und dabei das Thema selbst bestenfalls streift. Regisseur David E. Talbert realisierte sein nostalgisches Weihnachtsmärchen mit einem vor und hinter der Kamera überwiegend schwarzen Team.

    Darum geht es

    Jeronicus Jangle (Forest Whitaker/Justin Cornwell) ist ein Erfinder und Spielzeugmacher, der mittels höherer Mathematik Spielsachen zum Leben erwecken kann. Als er kurz vor der Vollendung seiner größten Erfindung steht, dem Matador Don Juan Diego (Stimme: Ricky Martin, Motion Capture: Jonny Labey), kommt ihm seine Schöpfung abhanden: Sein Gehilfe Gustafson (Keegan-Michael Key/Miles Barrow) entwendet die Spielfigur und sämtliche Pläne und Skizzen. Für Jeronicus bricht eine Welt zusammen. Er verliert nicht nur den Glauben an die Magie, die in Dingen stecken kann, sondern kurz darauf auch seine Frau Joanne (Sharon Rose). Von seiner Tochter Jessica (Anika Noni Rose) entfernt er sich immer mehr, bis sie von ihm wegzieht.

    30 Jahre später ist Gustafson ein erfolgreicher Spielzeughersteller. Don Juan hat ihn reich gemacht. Jeronicus fürchtet um seine finanzielle Existenz und arbeitet in der Zwischenzeit an seiner neuesten Erfindung, dem Buddy 3000. Doch ohne die Gabe der grenzenlosen Fantasie und der Freude am Leben bleibt der Roboter nur ein Haufen Metall. Bis eines Tages seine Enkeltochter Journey (Madlen Mills/Phylicia Rashad) vor der Türe steht und sein Leben auf den Kopf stellt. Sie ist ein regelrechter Wirbelwind und scheint ähnliche Begabungen wie ihr Großvater zu haben.

    Journey (Madalen Mills) weckt in ihrem Großvater (Forest Whitaker) schlummernde Begabungen.

    Kommentar

    Mit viel Liebe zum Detail, einer prachtvollen Ausstattung und opulenten Kostümen sticht Jingle Jangle Journey: Abenteuerliche Weihnachten aus der Masse an saisonalen Unterhaltungsfilmen hervor. Die Vorgeschichte ist flott erzählt und vielversprechend. Allerdings ziemlich lange. Es dauert eine ganze Weile, bis die Hauptdarstellerin ihren ersten Auftritt hat. Leider kann der Film die Spannung nicht über die volle Länge halten. Dafür ist er mit über zwei Stunden Laufzeit genreuntypisch lange geraten. Das wäre nicht notwenig gewesen, zumal die Geschichte zusätzlich zum Prolog in eine unnötige Rahmenhandlung eingebettet ist.

    Der gesamte Film ist im Studio gedreht. Zum Teil atmet Jingle Jangle Journey den Geist alter Disneyfilme. Die künstlichen Sets erinnern an so manchen Klassiker. Tanzszenen durch verschneite Studiokulissen tun ihr übriges. Nur das dies heute eben bedeutet, große Teile im Computer zu generieren und dem Digitalen fehlt es an Charme. Alles ist hell, bunt und sauber. Die Darsteller wirken in dieser Welt allesamt etwas verloren. Einzig Hauptdarstellerin Madalen Mills ist ein Lichtblick in dieser viktorianischen Welt mit Hightech Elementen.

    Wir haben es hier mit einen fröhlichen und aufbauenden Musical mit einer schönen Botschaft zu tun. Es wird nicht groß auf die Tränendrüse gedrückt. Einzig der Tod der Mutter zu Beginn muss dafür herhalten. Bitterer Weise hat dies auf die weitere Handlung kaum Einfluss. Ihre Funktion war einzig die der Mutter und das ist doppelt tragisch.

    Ganz klar: Jingle Jangle Journey wagt weitaus mehr, als die Überzahl an Weihnachtsfilmen. Mit einer strafferen Story und Musiknummern, die etwas mehr ins Ohr gehen (Produzent: John Legend) hätte man aber noch mehr überzeugen können. Ob dies ein neuer Weihnachtsklassiker wird, wird die Zeit weisen.


    OT: JINGLE JANGLE: A CHRISTMAS JOURNEY | DAVID E. TALBERT | USA 2020 | 122 MIN. | [usr 3]


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  • MANK ★★★½

    MANK ★★★½

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    Während sich Filme aus Hollywood seit über 100 Jahren in aller Welt großer Beliebtheit erfreuen, ist in Tinseltown unter der kalifornischen Sonne vor allem eines besonders gern gesehen: Filme über sich selbst. Glücklicherweise bot das Zentrum der US-Filmindustrie dafür abseits der Leinwand immer schon genügen Stoff. So war die Metropole jüngst in Once Upon A Time In Hollywood von Quentin Tarantino oder La La Land von Damien Chazelle die Hauptdarstellerin. Neben zahlreichen weiteren Filmen setzte sich auch Billy Wilders Boulevard der Dämmerung mit den Dynamiken der Traumfabrik auseinander. Nun verfilmte Regisseur David Fincher mit Mank ein Drehbuch seines Vaters Jack Fincher über den Drehbuchautor Herman J. Mankiewicz (1897-1953). Er erlangte in den 1940er Jahren nicht zuletzt deshalb Bekanntheit, weil er das Drehbuch für Citizen Kane von Orson Welles verfasste. Dem Film liegt ein Drehbuchstreit zugrunde. Lange galt als ungeklärt, wie groß der jeweilige Anteil von Mankiewicz und Welles gewesen ist. Es war eine Zeit, in der Film nicht als Gemeinschaftsprojekt verstanden wurde, sondern der Regisseur als zentraler kreativer Urheber galt.

    Darum geht es

    Das junge aufstrebende Talent Orson Welles (Tom Burke) beauftragt Herman J. „Mank“ Mankiewicz (Gary Oldman) das Drehbuch für seinen nächsten Film zu schreiben. Dafür stellt er Mank, der durch einen Autounfall ans Bett gefesselt ist, ein Haus in der Mojave Wüste zur Verfügung. Dort soll er ungestört, weil dem Alkohol nicht abgeneigt, seiner Sekretärin Rita Alexander (Lily Collins) diktieren. Es ist das Jahr 1940 und die Handlung springt folglich immer wieder in die 1930 Jahre zurück.

    Dabei sehen wir vor allem Episoden, die Mank letzten Endes dazu gebracht haben, das Drehbuch zu Citizen Kane zu verfassen. Kanes reales Vorbild ist der Geschäftsmann und Herausgeber William Randolph Hearst (Charles Dance). Ihn lernt Mank über die Schauspielerin Marion Davies (Amanda Seyfried) kennen.

    In weiterer Folge kommt es zu mehrere Begegnungen zwischen Hearst und Mank. In Rückblenden wird die Studiolandschaft, vor allem mit MGM und Louis B. Mayer (Arliss Howard), genauso thematisiert, wie die Propaganda während des Wahlkampfs um den kalifornischen Gouverneur im Jahr 1934.

    Manks Alkoholsucht macht ihm immer mehr zu schaffen. Trotzdem vollendet er das Drehbuch binnen weniger Wochen. Obwohl es von Seiten des Produzenten bedenken gibt, da sowohl Hearst als auch Davies offensichtlich erkennbar sind, möchte Welles ihm sämtliche Rechte am Buch abkaufen. Mank verlangt jedoch, als Autor genannt zu werden. Es sollte die herausragendste Arbeit seiner Karriere sein.

    Mank und die folgenschwere Begegnung mit Marion Davies auf einem Filmset.

    Kommentar

    David Fincher gilt als Perfektionist, um nicht zu sagen als Pedant. Im Falle von Mank lässt es sich bereits im Trailer erahnen und schon beim Netflix Schriftzug zu Beginn ist es klar, er meint es ernst. In strahlendem, digital perfektem, Schwarzweiß präsentiert sich seine Hommage an das alte Hollywood. Der Ton ist leicht hallig, wie man es aus alten Filmen kennt. Bildfehler wurden nachträglich hinzugefügt. Genauso wie die Markierungen in der rechte oberen Ecke, die als Hinweis für Filmvorführer gedacht waren, damit sie wussten, wann sie während der Projektion die Filmrolle wechseln mussten. Vieles erinnert hier stilistisch an jene Zeit, in der die Handlung spielt. Einzige das Filmformat Cinemascope fällt buchstäblich aus dem Rahmen. Es wurde erst Anfang der 1950er Jahre eingeführt.

    Der Aufbau der Geschichte mit Rückblenden erinnert genauso an Citizen Kane, wie die Kamera von Erik Messerschmidt. Große Tiefenschärfe und extreme Blickwinkel von oben und unten erinnern stark an die Arbeit von Gregg Toland, dem damaligen Kameramann. Gedreht wurde Großteils im Studio. Dort sind auch die charakteristischen Autofahrten vor Leinwandprojektionen entstanden, wie man sie aus alten Filmen kennt.

    Auftritt Josef von Sternberg, David O. Selznick, Louis B. Mayer, Irving Thalberg, Charles Lederer und natürlich Orson Welles (wenn auch nur in kurzen Szenen). Es sind schon eine ganze Reihe an Hollywood-Legenden, die Manks Weg kreuzen. Die Geschichte funktioniert ohne großes Vorwissen. Freilich sind diese Namen einem breiteren Publikum heute nicht mehr bekannt. Ebensowenig die Studiolandschaft der damaligen Zeit von RKO bis MGM und die politischen Positionen. Wozu also der ganze Aufwand?

    Gary Oldman, nicht gerade bekannt für seine zurückhaltende Darstellungen, ist zurecht der Star des Films. Er hält alles zusammen. Sonst würde die Geschichte wegen der unzähligen oft nur kurzen Auftritte anderer Charaktere auseinanderfallen. Die gesamte DarstellerInnenrige ist durch die Bank gut besetzt. Seyfrieds Davies ist mehr als ein kleines Starlet. Die Dialoge sind eine regelrechte Freude. Freude, strahlen die Protagonisten jedoch nicht aus. Es sind keine glänzenden Hollywoodstars. Mank taugt daher auch nicht als Liebeserklärung an Hollywood.

    Die Passagen über den Wahlkampf um das Gouverneursamt sind unschwer als Verweis auf die Gegenwart zu verstehen, die Parallelen verblüffend. Die Manipulation gipfelt im Heraufbeschwören eines vermeintlich drohenden Kommunismus. Fincher gelingt es die Brücke zu schlagen und die Thematik mit der Haupthandlung zu verweben.

    Der Geschichte liegt ein Essay der Filmkritikerin Pauline Kael zugrunde. Sie hatte 1971 erstmals Welles‘ Anteil an der Urheberschaft am Drehbuch in Frage gestellt. Citizen Kane galt viele Jahrzehnte lang als bedeutendster Film aller Zeiten. Mank gelingt es das zu würdigen, obwohl bis zum Ende der Handlung noch keine Szene von Kane im Kasten sein wird. Ob die Geschichte auch nicht Filmfans fesseln kann, sei dahingestellt. Vermutlich wird es Mank selbst bei Cineasten schwer haben. Bei Netflix bleibt man jedenfalls der Linie treu, immer wieder Geschichten zu produzieren, die sonst wohl kaum mehr Chancen auf eine Umsetzung hätten. Gut möglich, dass damit neuerlich ein Prestigeprojekt geglückt ist. Das Publikum lässt man diesmal aber eher ratlos zurück.

    Die technische Perfektion und Detailverliebtheit ist jedenfalls beeindruckend. Wenn es Gründe braucht, die Kinos wieder aufzusperren: Mank ist einer davon.

    DAVID FINCHER | MANK | USA 2020 | 131 MIN. | [usr 3,5]

    Orson Welles bei Netflix

    Sie werden mich lieben, wenn ich tot bin (Dokumentation, 2018)


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  • HILLBILLY ELEGY ★★★

    HILLBILLY ELEGY ★★★

    Der neueste Film von Regisseur Ron Howard basiert auf dem autobiographischen Roman Hillbilly Elegy: A Memoir of a Family and Culture in Crisis von J. D. Vance aus dem Jahr 2016. Es war das Jahr, in dem Donald Trump überraschenderweise die Präsidentschaftswahl für sich entscheiden konnte. Der Roman wurde zum Beststeller und retrospektiv dazu herangezogen, besser verstehen zu können, was da genau passiert war. Hillbilly Elegy ist eine Familiengeschichte aus dem Rust Belt, der ehemals ältesten und größten Industrieregion der USA, die vom Strukturwandel der letzten Jahrzehnte besonders betroffen war und dem Lager der Trump Unterstützer zuzurechnen ist. Die abfällig auch Hilbillys genannten Bewohner der Apalachen, jenem Gebirgszug, der sich von Norden nach Süden durch den ganzen Osten der USA erstreckt, interessieren sich sich herzlich wenig für die Themen der Weltpolitik. Es geht vielmehr um das tägliche Überleben. Im Falle von J.D. Vance ist es geprägt von schwierigen familiären Verhältnissen und dem Wunsch, dem Teufelskreis immer wiederkehrender Gewaltausbrüchen zwischen den Generationen zu entkommen. Eine Filmkritik, keine Literaturkritik.

    Darum geht es

    Zu Beginn, es ist das Jahr 1997, ist J. D. Vance (gespielt von Owen Asztalos als Jugendlicher und 13 Jahre später von Gabriel Basso) mit seiner Familie im Sommer auf Verwandtschaftsbesuch in Kentucky. Schon vor vielen Jahren ist die Familie Richtung Norden nach Ohio gezogen. Der Arbeit wegen. Doch jetzt liegt alles danieder. Die Arbeitslosigkeit ist hoch. Geschlossene Läden prägen das Straßenbild und spiegeln die wirtschaftlich triste Lage wider. J. D.s Mutter Bev (Amy Adams) hat die Arbeit als Krankenschwester drogenkrank gemacht. Der Junge sucht Zuflucht bei der Oma Bonnie (Glenn Close), die ihrerseits Anteil daran hat, dass ihre Tochter mit dem Leben nicht fertig wird.

    Die Handlung springt zwischen zwei Zeitebenen hin und her: 13 Jahre später studiert J. D. auf der Yale University. Als Kriegsveteran tat sich ihm diese Möglichkeit auf. Er führt mit seiner Freundin Usha (Frida Pinto) ein Leben fernab seiner Vergangenheit. Um sein Studium zu finanzieren, hat er gleich mehrere Jobs. Dann ereilt ihm just in der Woche wichtiger Vorstellungsgespräche ein Anruf seiner Schwester Lindsay (Haley Bennett). Die Mutter ist rückfällig geworden. Er begibt sich auf eine zehnstündige Autofahrt zurück in seine alte Heimat.

    J D. (Owen Asztalos) sucht Zuflucht bei der Oma (Glenn Close).

    Kommentar

    Man hatte hohe Erwartungen an die Verfilmung von Hillbilly Elegy. Während sie beim Publikum recht gut angekommen ist, wurde das Familiendrama von der Kritik regelrecht in der Luft zerrissen: Das Potential der Buchvorlage wurde nicht ausgenutzt und überhaupt hatte man das alles schon einmal woanders gesehen und würden nur Klischees bedient. Das mag stimmen. Die Perspektive ist aber neu. Nicht von außen, sondern von mitten drinnen stammt dieser Bericht über die Widrigkeiten der von Arbeitslosigkeit gebeutelten Menschen im Rust Belt. Armut macht krank. Arbeitslosigkeit macht krank. Niemand wird hier verurteilt und es ist auch kein Blick von oben herab. Hillbilly Elegy begegnet seinen Figuren auf Augenhöhe.

    Trotz der tragischen Geschichte ist Hillbilly Elegy keine schwere Kost, allerdings gleichzeitig ziemlich humorlos. Das Drehbuch stammt von Vanessa Taylor, die für The Shape of Water mit einem Oscar nominiert wurde. Der Film springt geschickt zwischen den zwei Zeitebenen hin und her. Man behält den Überblick.

    Ohne Zweifel sind Glenn Close und Amy Adams die Stars von Hillbilly Elegy. Dick aufgetragen ist an manchen Stellen aber nicht nur das Make-up. Jedoch zeigt der Nachspann, welch gute Arbeit beim Casting gemacht wurde. Sämtliche Darsteller sind den realen Vorbildern sehr ähnlich.

    Inszeniert ist das ganze recht konventionell. Eine eigene Handschrift von Ron Howard ist schwer auszumachen. Der Regisseur war in der Vergangenheit im Action Genre genauso erfolgreich wie im kleinen dramatischen, fast kammerspielartigen Fach. Das mag für manche zu beliebig sein. Ecken und Kanten sucht man hier vergebens. Politische Statements fehlen ebenso. Kurzweilig ist Hillbilly Elegy trotzdem und am Ende kann man zumindest erahnen, wie die Menschen in dieser Region ticken.

    Streamingplattform

    Netflix


    HILLBILLY ELEGY | RON HOWARD | USA 2020 | 116 MIN. | [usr 3]


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  • ONWARD: Keine halben Sachen ★★★★

    ONWARD: Keine halben Sachen ★★★★

    Wenige Tage nach dem Filmstart von Onward im März mussten die Kinos schließen. Die Filmplakate hingen noch für Monate in der Stadt. Das hatte einen gewissen apokalyptischen Touch. Als wäre damals die Welt still gestanden und irgendwie war das auch so. Seit kurzem ist die Pixar Produktion beim hauseigenen Streamingdienst Disney+ verfügbar. Eine gute Gelegenheit die Geschichte über zwei Elfenbrüder, die ihren verstorbenen Vater mit einem Zauber für einen Tag zurückholen möchten, nachzuholen.

    Darum geht es

    In der Fabelwelt der Elfenbrüder Ian und Barley Lightfoot geht mit der fortschreitenden Technisierung die Magie immer mehr verloren. Doch auf einmal steht Ian vor der Möglichkeit, ihren früh verstorbenen Vater mittels magischem Zauber für einen Tag zurück ins Leben zu holen. Bei dem Versuch geht aber etwas gehörig schief. Die Materialisierung gelingt nur von den Schuhen bis zum Hosenbund. Die beiden Brüder begeben sich mit dem halben Vater auf eine „Quest“, eine Reise, um ein magisches Artefakt zu finden. Damit soll es ihnen gelingen, den Zauber zu beenden. Es beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, denn der Vater wird beim nächsten Sonnenuntergang wieder vollkommen verschwunden sein. Ihnen dicht auf den Fersen sind die besorgte Mutter und deren neuer Lebenspartner, ein Polizei-Zentaur.

    Ian hört auf Kassette die Stimme seines Vaters.

    Kommentar

    Es ist immer wieder erstaunlich, was man sich bei Pixar alles einfallen lässt. Die Grundthemen sind in den Filmen immer wieder zu finden: Familie, Freundschaft, Erwachsenwerden und große Abenteuer. Kombiniert mit einer State of the Art Animationstechnik, ist die Tochter Firma von Disney ganz klar Marktführer. So wie es Disney über Jahrzehnte selbst gewesen ist. Onward ist nur die logische Fortführung dieser sich nur marginal verändernden Konzepte. Dabei werden hier erkennbar animierte Elemente mit einer Teils hyperrealen Welt verschmolzen.

    Besonders erwähnenswert ist, wie die Geschichte am Ende aufgelöst wird. Man würde meinen, dass es Ian selbstverständlich gelingt, den Vater rechtzeitig zurückzuholen, um noch einmal Zeit mit ihm verbringen zu können. Ganz so einfach macht man es sich damit aber nicht. Der Fokus der Vater-Sohn-Geschichte verschiebt sich im Laufe der Handlung auf die Beziehung der zwei Brüder. Es ist ein herzzerreißendes Finale, soviel sei verraten.

    Für die älteren Zuseher ermöglicht Onward ein heiteres Zitateraten. Regisseur und Drehbuch Autor Dan Scanlon (Die Monster Uni) hat unzählige Verweise an die Filmgeschichte eingebaut. Der Ideenreichtum bei Pixar scheint grenzenlos zu sein. Obwohl der Film nicht in deren oberster Liga des Studios mitspielt, kann man mit ihm trotzdem eine gute Zeit verbringen. Da ist für jeden etwas dabei.

    Streamingdienst

    Disney+


    DAN SCANLON | OT: ONWARD | USA 2020 | 105 MIN. | [usr 4]


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  • DU HAST DAS LEBEN NOCH VOR DIR ★★★½

    DU HAST DAS LEBEN NOCH VOR DIR ★★★½

    Über ein Jahrzehnt nach ihrer letzten Filmrolle hat Sophia Loren in Du hast das Leben noch vor dir noch einmal einen großen Auftritt. Eine andere legendäre Schauspielerin der 20. Jahrhunderts zog sich bereits Ende der 1970er Jahre vollständig aus der Öffentlichkeit zurück. Marlene Dietrich wollte sich als glamouröser Filmstar im kollektiven Gedächtnis erhalten. Sie starb 1992 in völliger Einsamkeit. Loren hält es damit ganz anders. Mit 86 Jahren spielt sie nun unter der Regie ihres Sohnes Edordro Ponti eine fast 100-jährige Holocaust-Überlebende und darf sich, geht es nach KritikerInnen in den USA, Chancen auf einen dritten Oscar ausrechnen.

    Darum geht es

    Die ehemalige Prostituierte Madame Rosa (Sophia Loren) hat sich in ihrer kleinen Wohnung in Bari schon vieler kleiner Kinder ihrer Kolleginnen angenommen. Eines Tages nimmt sie etwas widerwillig Momò (in seiner ersten Rolle: Ibrahima Gueye) aus dem Senegal bei sich auf. Gerade noch hatte der Junge sie auf der Straße ausgeraubt. Während sie ein anderes Kind mit dem jüdischen Glauben vertraut macht, bringt sie den muslimischen Ladenbesitzer Hamil (gespielt von Regisseur Asghar Farhadi) dazu, Momò seine Kultur näher bringen kann. Doch der Junge verdingt sich weiterhin seinen Lebensunterhalt als Drogendealer und das äußerst erfolgreich.

    Das Verhältnis zwischen Momò und Rosa ist nicht das beste. Immer wieder zieht sich Rosa in ihren Keller zurück, den sie notdürftig eingerichtet hat. Das Verhalten und die Ängste, die sie plagen, sind für Momò unverständlich. Als sich Rosas Gesundheitszustand verschlechtert, kommen kommen sich die beiden doch näher.

    Ibrahima Gueye und Sophia Loren

    Kommentar

    Gedreht wurde diesen Sommer, also mitten in der Pandemie. Zumindest vor der Kamera ist davon nichts zu bemerken. Unter solch erschwerten Bedingungen eine Produktion auf die Beine zu stellen, ist schon alleine eine starke Leistung.

    Ein Flüchtlingskind im Süden Italiens und eine Holocaust-Überlebende: diese Konstellation hat das Potential zum großen Drama. Romain Gary, dem Autor des dem Film zugrundeliegenden gleichnamigen Romans aus dem Jahr 1975, interessierte aber viel mehr die Beziehung seiner zwei Protagonisten und weniger die Details ihrer Biografien. Der junge Gueye meistert sein Debüt bravourös aber wir sind nur wegen einer hier: der Loren. Trotz jahrelanger Leinwandabstinenz füllt die italienische Schauspiellegende mit ihrer Aura immer noch jede Szene aus. Jeder Auftritt von ihr, auch jenseits der Kamera, ist eine große Inszenierung. In Du hast das Leben noch vor dir übt sie sich allerdings in Zurückhaltung und zeigt ihrem Publikum eine alte Frau in all ihrem Leid und ihrem Glanz und resolut wie man sie aus ihren Filmen kennt.

    Du hast das Leben noch vor dir ist ein kein Film, der sich lange mit den Themen Migration und Vergangenheitsbewältigung aufhält. Der Film plätschert so dahin und gegen Ende wird dann doch noch auf die Tränendrüse gedrückt. Es ist ein kleiner aber feiner Film, der ganz auf seine Hauptdarstellerin zugeschnitten ist und sie alleine ist es Wert, sich ihn anzusehen.

    Streamingdienst

    Netflix


    EDOARDO PONTI | OT: LA VITA DAVANTI A SÉ | IT 2020 | 94 MIN. | [usr 3.5]


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  • REBECCA ★★★

    REBECCA ★★★

    Den titelgebenden Klassiker hat die britische Schriftstellerin Daphne du Maurier im Jahr 1938 mit nur 21 Jahren verfasst. Bereits zwei Jahre später gelang Alfred Hitchcock eine sehr erfolgreiche Verfilmung des Romans. Es folgte eine Opernfassung in den 1980er Jahren und ein Musical von Silvester Levay und Michael Kunze in Wien im Jahr 2006. Spät aber doch gibt es nun eine Neuverfilmung von Rebecca. Regisseur Ben Wheatley hat den romantischen Thriller für die Generation Netflix auf Hochglanz poliert und für die Streamingplattform inszeniert.

    Darum geht es

    Monte Carlo in den 1930er Jahren. Eine namentlich nicht genannte junge Frau (Lily James) reist als Begleiterin einer schrulligen alten Dame durch Europa. Im gleichen Hotel abstiegen ist Maxim de Winter (Armee Hammer), ein in der besseren Gesellschaft bekannter wohlhabender junger Mann aus England. Maxim leidet offenbar unter dem Tod seiner jüngst verstorbenen Frau Rebecca. Trotzdem kommen sich die Beiden unter den neugierigen Blicken der anderen Gäste näher. Einladungen zu Ausflügen, auf kleine Zettelchen geschrieben, verkünden das Interesse des Witwers. Ein Heiratsantrag folgt prompt und das Paar reist auf das feudale Anwesen Manderlay in England. Dort erwartet sie die Haushälterin Mrs. Danvers (großartig finster: Kirstin Scott Thomas). Bald stellt sich heraus, dass der Tod Rebeccas wie ein dunkler Schatten über dem Anwesen liegt. Die neue Mrs. de Winter ist mit Wutausbrüchen ihres Mannes konfrontiert, immer dann wenn er sich an seine verstorbene Frau erinnert fühlt. Mrs. Danvers‘ Verehrung für Rebecca zeigt manische Züge. Rebeccas Zimmer scheinen einem Museum gleich unberührt geblieben zu sein. Die junge Frau gerät immer mehr in Bedrängnis. Die Verzweiflung wächst und eines Nachts steht Mrs. de Winter am offenen Fenster, Mrs. Danvers im Rücken, ihr ins Gewissen redend, dass sie keine Chance gegen die immer noch bestehende Liebe zwischen Maxim und Rebecca haben kann. Doch der Landsitz Manderlay verbirgt ein düsteres Geheimnis.

    Lily James als Mrs. de Winter und Armie Hammer als Maxim de Winter. (C) KERRY BROWN/NETFLIX

    Kommentar

    Der Stoff ist großartig, dass muss man sagen und die Verfilmung glamourös. Sie vereint den klassischen Roman mit zeitgemäßem Chic à la Der große Gatsby (2013) von Buz Luhrmann. Die aktuelle Version hält sich näher an der Vorlage als Hitchcock das konnte, was auch den damaligen gesellschaftlichen Konventionen geschuldet ist. Nach 80 Jahren muss man einen Film aber nicht zwangsläufig mit seinem Vorgänger vergleichen. Die Wenigsten, die die neue Verfilmung erreichen wird, würden sich wohl an den Oscar prämierten Klassiker in schwarzweiss mit Joan Fontaine und Laurence Olivier in den Hauptrollen heranwagen.

    Hier haben wir es mit einer Interpretation zu tun, die für das Zielpublikum geradezu maßgeschneidert ist. Opulente Sets und Garderoben und zwei junge Leinwandstars, die es verstehen, mit der Kamera zu flirten. Dass die Geschichte dabei kaum Identifikationsmöglichkeiten bietet, liegt am Ausgangsmaterial. Regisseur Wheatley (High Rise) gelingt es in diesem Mystery-Thriller mittels Traumsequenzen nur zeitweise eine bedrohliche Atmosphäre zu schaffen (hervorzuheben ist eine schöne Ballsequenz). Dafür sind die Farben von Rebecca dann doch zu kräftig und die Darsteller abseits von Kirstin Scott Thomas doch zu leichtgewichtig. Spätestens, wenn die Geschichte von Manderlay in einen dörflichen Gerichtssaal wechselt, kann die Grundstimmung nicht gehalten werden. Rebecca wird seinen Zweck erfüllen und ein junges Publikum ansprechen. Ein großer Wurf ist aber nicht gelungen.

    Streamingplattform

    Netflix


    REBECCA | BEN WHEATLEY | GB 2020 | 122 MIN. | [usr 3]


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  • DIE VIENNALE 2020 – DAS WAR’S VORERST

    DIE VIENNALE 2020 – DAS WAR’S VORERST

    Die zehn Tage der 58. Viennale sind vorüber. Vieles war diesmal anders, auf der Leinwand und abseits davon. Großer Respekt gebührt dem Team des Filmfestivals von der künstlerischen Leitung unter Eva Sangiorgi bis hin zu jenen zahlreichen HelferInnen, die einen reibungslosen Ablauf der Vorstellungen ermöglichten. War es genug der Prävention? Das werden wir erst in 2-3 Wochen wissen. Jedenfalls glänzte Bundesminister für Kunst und Kultur Werner Kogler durch Abwesenheit, als Bundespräsident Alexander van der Bellen bei der Eröffnung wertschätzende Worte für die Filmbranche fand. Auch zum Ende der wohl einzigen Großveranstaltung in Wien in diesem Herbst herrschte Stille. So sieht offenbar die Kulturpolitik im Jahr 2020 aus. Was soll man machen. Die Festivalleitung schreibt: „Trotz der um drei Tage verkürzten Dauer und der massiven Verringerung der Sitzplatz-Kapazitäten konnte die Viennale 42.000 Besucher*innen in den Kinosälen begrüßen. Das entspricht einer Auslastung von 74%.“

    Das Festival war kürzer, dafür waren fünf neue Kinos mit dabei: der Viennale Circuit. Leider wieder kein Multiplex Kino. Schon vor ein paar Jahren wurde das angedacht, um das Festival einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Gerade in diesem Jahr ist auch der Marktführer in Österreich bemüht, die Versorgung mit neuen Filmen zu gewährleisten. Platz wäre jedenfalls genügend gewesen.

    Produktionen aus den USA haben zum Teil gefehlt, ebenso wie Produktionen diverser Streamingdienste, allen voran der Marktführer Netflix, die sich in den letzten Jahren einen fixen Platz im Festivalzirkus errungen haben. Trotzdem: die Viennale bleibt der Ort, an dem man sensationelle Entdeckungen machen kann. Aus meiner Sicht war sie heuer weniger vorhersehbar und hat sich mir erst von Tag zu Tag erschlossen, was die ein oder andere Überraschung ermöglichte.

    14 Filme waren es in diesem Jahr. Davon zwei Kurzfilme, ein ungewöhnlich hoher Anteil an Dokumentationen und erfreulicherweise auch österreichischen Produktionen. Hier folgt Teil 2 des Überblicks (-> Teil 1 hier zum Nachzulesen):

    Kajillioniare (Miranda July, USA 2020)

    Kajillionaire ist erst der dritte Spielfilm der Autorin, Filmemacherin, Multimedia- und Perfomancekünstlerin Miranda July. Zwischenmenschliche Beziehungen sind bei July nichts weniger als bizarr. Eine Familie, bestehend aus Vater Robert (Richards Jenkins), Mutter Theresa (Debra Winger) und deren Tochter Old Dolio (Evas Rachel Wood) schlägt sich als betrügerisches Trio durchs Leben. Das Verhältnis zueinander ist gelinde gesagt distanziert, die Tochter hochgradig verhaltensgestört. Ein Überfall auf eine Postfiliale gleich zu Beginn trägt starke Züge von Perfromancekunst und gibt einen ironischen Ton vor. Trotz Armut und trostloser kalifornischer Industrieviertel ist Kajillionaire nämlich äußerst unterhaltsam. Bei einer Betrügerei gesellt sich Melanie (Gina Rodriguez) zur Familie und stell deren Leben auf den Kopf, natürlich ausgehend von einer an sich schon mehr als schrägen Konstellation.

    Nicht schrecklich nett, sondern schräg ist diese Familie (Kajillionaire .

    3.30PM (Ludwig Wüst, A 2020)

    Ein ebenso vielseitiger Künstler ist Ludwig Wüst. Seine Filme kommen mit minimalsten Mitteln aus und brechen mit unseren Sehgewohnheiten. Da kann ein Film schon mal aus einer fixen Kameraeinstellung bestehen. So geschehen in Tape End aus dem Jahr 2011. In seiner neuesten Arbeit 3.30PM verzichtet er gleich auf eine konventionelle Kamera und steckt einem seiner zwei Hauptdarsteller eine Spycam ins Knopfloch. Zwei Männer treffen sich nach vielen Jahren wieder in Wien und verbringen ein gemeinsames Wochenende. Beginnend auf einer der letzten Gstättn mitten in der Stadt, verfolgen wir die beiden bei einer lockeren Plauderei in den Prater und dann aufs Land.. Wüst vermag es mit seinen Geschichten trotz dieser stilistischen Reduktion zu fesseln. Neben den beiden Darstellern war nur noch der Tontechniker bei den Dreharbeiten mit dabei. Der Regisseur musste seinem Team – nach einem halben Tag Vorbereitung – komplett freie Hand lassen. Eine spannende Kinoerfahrung.

    Kamera abgelegt in 3:30PM von Ludwig Wüst.

    Effacer l’historique (Benoît Delépine/Gustave Kervern, F/BEL 2020)

    Eine Gruppe der Generation 40plus ist in dieser Komödie der zunehmenden Digitalisierung unseres Alltags nicht gewachsen. Die Digital Naiven, wie der deutsche Titel heißt, sagen Google & Co darauf den Kampf an. Eine Satire, bei der der Saal zweigeteilt war. In der linken Hälfte vielen manche vor lachen fast vom Sessel, recht herrschte Schweigen. Ich saß rechts.

    Effacer l’historique, Die digital Naiven, Delete History.

    Nomadland (Chloé Zhao, USA 2020)

    Fern (Frances McDormand) hat alles verloren. Ihren Mann, ihre Arbeit, ihren Wohnort. Nach der Schliessung einer Fabrik, wird die Postleitzahl der Kleinstadt Empire einfach ausgelöscht. Die Frau lebt nun in einem Van und verdingt sich als Tagelöhnerin. Das Jahr wird durch den Kreislauf diverser Jobs beistimmt. Vor Weihnachten arbeitet sie bei Amazon. Sie ist nicht allein: es gibt eine ganze Gruppe von Menschen, die wie Nomaden leben, ohne soziale Kontakte und ohne festen Wohnsitz. Im Laufe des Jahres kommt man dort und da zusammen, auch um der tristen Einsamkeit zu entgehen. Sie alle sind Opfer der in den USA vorherrschenden Rezession. Es ist ein eng mit der Natur verbundenes Leben. Die kalten, rauen und weiten Landschaften Nordamerikas spielen neben der großartigen McDormand ebenso eine Hauptrolle. Nach ihrem bereits beeindruckenden letzten Film The Rider (USA 2017), wird Zhao in dieser Award Saison hoffentlich endlich für ihre Arbeit gewürdigt. Den Goldenen Löwen in Venedig hat sie diesen Herbst schon erhalten.

    Eine Grußbotschaft von Chloé Zhao und Frances McDormand

    Epicentro (Hubert Sauper, A 2020)

    1898 explodiert der US-Zerstörer USS Maine im Hafen von Havanna. Für Hubert Sauper ist das der Ausgangspunkt seiner ungewöhnlichen Dokumentation über Kuba. Der Vorfall blieb lange ungeklärt, lieferte jedoch den Vorwand für den Krieg zwischen Spanien und den USA und prägt bis heute das Verhältnis der Karibikinsel und den USA. Sauper verknüpft die Geschichte Kubas mit jener der Kinematographie und im speziellen der des Propagandafilmes. Nicht nur die Beziehung zwischen den beiden Ländern, sondern das Leben auf der Insel selbst war und ist durch Propaganda bestimmt. Im Zentrum der Dokumentation stehen Kinder im Volksschulalter, die über die Geschichte ihres Landes reflektieren und darüber hinaus auch über die aktuellen politischen Verhältnisse in den USA erstaunlich gut Bescheid wissen. Der Film beschäftigt sich einerseits mit der realen Lebenssituation der Menschen, öffnet darüber hinaus mehrere Erzählebenen, die beispielsweise den Tourismus thematisieren und uns zahlreiche kleine Geschichten offenbaren. Es ist ein berührender Film über Träume und bittere Lebensrealitäten und es wäre keine Überraschung, wenn es Sauper ein weiteres Mal im Rennen um den Oscar auf die Shortlist für den besten Dokumentarfilm schaffen würde.

    Epicentro von Hubert Sauper.

    The Truffle Hunters (Michael Dweck/Gregory Kershaw, I/USA/GR 2020)

    In The Truffle Hunters prallen zwei Welten aufeinander: die alten Trüffelsammler, die um nichts in der Welt ihre geheimen Sammelplätze preisgeben möchten und die Händler, die um ihr Geschäft bangen. Ein melancholisch witziger Film über das Altwerden, über die Beziehung alter Männer zu ihren Hunden und dem drohenden Verschwinden einer alten Tradition in den Wäldern Norditaliens. Für Eva Sangiorgi ein Film, der exemplarisch zeigt, was die Viennale ausmacht.

    The Truffle Hunters bei der Arbeit


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