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  • ISLE OF DOGS ★★★★

    ISLE OF DOGS ★★★★

    Einmal mehr erinnert eine parabelhafte Erzählung daran, wie leicht eine moderne fortschrittliche Gesellschaft in den Totalitarismus abrutschen kann. Feindbilder werden geschaffen um vom eigenen Unvermögen abzulenken, sich nicht den wahren Herausforderungen des Zusammenlebens stellen zu können. In Wes Andersons zweitem Stop-Motion-Trickfilm geht es den Hunden einer Megastadt im Japan der nahen Zukunft an den Kragen. Ein politischer Trickfilm für Groß und Klein.

    Die Hundegrippe breitet sich unter den treuesten Freunden des Menschen aus. Der korrupte Bürgermeister Kobayashi von Megasaki City verbannt die Hunde kurzerhand auf Trash Island, eine riesige Mülldeponie in der Bucht vor der Stadt. Spot, der Hund seines Ziehsohnes Atari wird als erster deportiert. Ein paar Monate später, die Insel ist in der Zwischenzeit von verwahrlosten Hunden bevölkert, macht sich Atari auf die Suche nach seinem geliebten Gefährten. Dabei trifft er auf ein Rudel Mischlingshunde (gesprochen von Andersons All-Star Cast), die ihn auf seiner Reise begleiten.

    Trotz Kommunikationsproblemen. Während das Bellen der Hunde zum besseren Verständnis (so steht es im Vorspann) ins Englische übersetzt wurde, spricht Atari Japanisch. Atari weiß noch nicht, dass seine Reise weitreichende Konsequenzen mit sich bringen wird. Als die Öffentlichkeit in der Stadt von Ataris Vorhaben erfährt, formiert sich Widerstand gegen das Regime.

    Die Insel selbst gleicht einem Internierungslager: hinter Zäunen türmen sich graue Müllberge auf, überall verwahrloste und halbverhungerte Hunde. Diese an sich düstere Welt wird durch den zum Markenzeichen von Anderson gewordenen visuellen Stil und seinem schrulligen Humor konterkariert. Wie gewohnt sind die an Tableau vivants erinnernden Bilder bis ins kleinste Detail durchkomponiert. Es sind die Detailverliebtheit und die große Empathie, die Anderson für seine Charaktere aufbringt, die seine Arbeiten zu einem Genuss werden lassen. 144.000 Standbilder waren notwendig, um den Film mit einer Laufzeit von rund 100 Minuten fertigzustellen. Die längste Einstellung dauert 80 Sekunden und dafür wurden 15 Wochen Arbeit aufgewendet. Stop-Motion ist immer mit Superlativen verbunden.

    Die Entscheidung, die Geschichte in Japan spielen zu lassen, hat Anderson einiges an Kritik eingebracht. Seine Sichtweise sei von Stereotypen geprägt und gerade die historische Perspektive des Verhältnisses von USA und Japan eine sensible Angelegenheit. Mag sein, dass in seiner Darstellung des japanischen Archipels wenig Platz für eine differenzierte Betrachtungsweise ist. Das Anderson-Universum war aber immer ein märchenhaftes, wie zuletzt die Republik Zubrowka, irgendwo südlich des  Sudetenwaldes in The Grand Budapest Hotel (2014).

    Ein schwermütiger Trommelrhytmus durchdringt den gesamten Film und bleibt auch danach im Gedächtnis. Alexandre Desplats Soundtrack ist eindringlich, bedrohlich und witzig zugleich. Egal was dieses Jahr noch bringen wird, bei den Oscars 2019 werden die Trommler wieder zu hören sein.

    Während durch Spektakelfilme anderswo Ressourcen verschwendet werden, konzentriert Wes Anderson kreative Kräfte um seinen unverwechselbaren Stil zu schaffen. Isle of Dogs hat zu Recht als erster Animationsfilm die diesjährige Berlinale eröffnet. Eine Ode an Freundschaft und Toleranz.

     

    Wes Anderson | USA/D 2018 | 101 Min | [usr 4]

    © Fotos 20th Century Fox

  • TRANSIT ★★★★

    TRANSIT ★★★★

    Transit ist ein bedeutendes Stück Exilliteratur. Die Autorin Anna Seghers verarbeitete darin 1941/42 ihre eigene Flucht vor den Nazis nach Mexiko. Der deutsche Regisseur Christian Petzold hat sich nun dem Stoff angenommen und bedient sich bei der Umsetzung eines kühnen Kniffes.

    Georg (Franz Rogowski) sitzt in einem Pariser Café. Draußen ist die Welt in Aufruhr. Polizeiautos brausen durch die Gassen. Menschen werden auf der Straße zusammengetrieben. Die Situation ist angespannt. Georg entgeht nur knapp einer Verhaftung. Er ist auf der Flucht vor einem totalitären Regime.

    Was die Bilder von der ersten Einstellung an verraten – wir scheinen uns im hier und jetzt zu befinden. Petzold hat die Handlung ins Frankreich der Gegenwart transferiert.  Er wollte diesmal keinen Historienfilm machen und eigentlich muss man sagen, Transit ist zeitlos.

    Die Zeit als Feind

    Über den Zeitpunkt der Handlung werden keine näheren Angaben gemacht (Auf hinweisgebene Gegenstände wie Smartphones hat Petzold bewusst verzichtet). Das verleiht dem Film eine universelle und zeitliche Allgemeingültigkeit. Eine brillante Idee. Für Menschen auf der Flucht scheint Zeit ein unendlich dehnbarer Begriff zu sein. Das lange Warten auf Transitvisa für eine Schiffspassage nach Übersee, wie es auch Georgs Fluchtplan ist, ist zermürbend. Zum Nichtstun verdammt und den Feind im Nacken muss er die Vergangenheit hinter sich lassen und sich auf eine unsichere Zukunft gefasst machen. Transit ist ein langer Augenblick der Ungewissheit.

    Identitäten

    Mit einer falschen Identität in der Tasche flüchtet Georg weiter in die Hafenstadt Marseilles. Mit den Dokumenten des toten Schriftstellers Weidel scheinen die Transitvisa gesichert.  Dort trifft er auf dessen Ehefrau Marie (Paula Beer), die nichts vom Tod ihres Mannes weiß. Die Zwei kommen sich näher. Eine Begegnung mit schicksalhaften Folgen.

    Fluchtrouten

    Irgendwann ist für Georg die Flucht nicht mehr vorrangig. Im Abspann ist Road to Nowhere von den Talking Heads zu hören. Die Flüchtlinge sind Gespenster im Transitraum Niemandsland. Keiner interessiert sich für sie. Die Fluchtrouten sind steinig und nicht offen für alle. Heute mehr den je nicht aber das war auch zu Zeiten Seghers so. Das sollten Politiker einmal nachlesen. Der Schutz von Flüchtlingen hat seit jeher nur solange gegolten, wie sich nicht allzu viele von ihnen auf den Weg gemacht hatten.

    Shootingstar

    Petzold hat die Parallelen von Seghers Roman zur Gegenwart erkannt. Einzig die abrupt einsetzende, aus der Buchvorlage stammende, Erzählstimme ist gewöhnungsbedürftig. Ein Barkeeper erzählt in der dritten Person und soll Georg stellvertretend für alle Flüchtenden eine Stimme verleihen. Franz Rogowski ist jedenfalls der Shootingstar des deutschen Kinos und nicht zuletzt er macht den Film sehenswert.

     

    Christian Petzold | D/F 2018 | 102 Min. | [usr 4 ]

    © Foto: Stadtkino Filmverleih

  • THE DEATH OF STALIN ★★★★★

    THE DEATH OF STALIN ★★★★★

    1953 in der Nähe von Moskau. Die mächtigsten Männer der Sowjetunion stehen verzweifelt im Kreis. Auf dem Boden vor ihnen liegt in einer Urinlache ihr Führer Stalin (Adrian McLoughlin). Auch wenn der nicht mehr aufstehen wird, ist tiefste Untergebenheit geboten. Keiner kann dem anderen trauen. Ein falsches Wort könnte als Verrat ausgelegt werden und hätte die sofortige Erschießung zufolge.

    Ein Arzt muss her. Leider wurden fast alle bereits im Zuge der Ärzteverschwörung, einem Auswuchs des Antisemitismus, erschossen. Das ist die Ausgangslage für Armando Iannuccis („Veep“) geniale Satire über das sowjetische Politbüro rund um Stalins Tod. Es ist eine Gradwanderung zwischen der exzessiven Gewalt in Form von permanenten Erschießungen und wahnwitzigen Momenten, die Iannucci gekonnt zu meistern weiß.

    Die Listen

    Lawrenti Beria (Simon Russell Beale), Geheimdienstchef und Herr über die Todeslisten, ist der erste, der die Macht an sich reißen möchte und unterstützt zu diesem Zweck den legitimen Nachfolger Georgi Malenkow (Jeffrey Tambor), um gleichzeitig die völlige Kontrolle über ihn zu erlangen. Da wären noch Wjatscheslaw Molotow (Michael Palin) und Anastas Mikojan (Paul Whitehouse) mit von der Partie, allesamt verantwortlich für Deportationen und Massenmorde, den Tod von hunderttausenden Menschen also. Nur Nikita Chruschtschow (Steve Buscemi) bleibt außen vor. Er ist ein kühler Taktierer.

    In „The Death of Stalin“ werden sie zu parasitären Witzfiguren degradiert. Allerdings: die noch so skurril anmutenden Situationen beruhen auf wahren Begebenheiten. Selbst Stalins Wunsch nach einem Mitschnitt eines Live im Radio übertragenen Konzerts, das für die Aufnahme folglich unmittelbar wiederholt werden musste, ist keine Erfindung.

    Jedes Wort wird auf die Wagschale gelegt und verliert dadurch gleichzeitig an Bedeutung. Als Stalins versoffener Sohn eine Rede bei dessen Begräbnis ankündigt, hat Malenkow keine Einwände. Nur um sich dann zu korrigieren: „When i said No problem what i meant was No. Poblem!„

    Verklärung der Vergangenheit

    Nikita Chruschtschow entschied das Rennen um Stalins Nachfolge bekanntlich für sich. Er leitete die Entstalinisierung ein und vollzog einen gemäßigteren Kurs.

    Ist Stalin eine Ikone oder war er ein Massenmörder? In Russland ist diese Frage noch nicht beantwortet worden. Das Publikum in Russland wird den Film nicht zu sehen bekommen. Kurz vor dem Start wurde „The Death of Stalin“ vom Kulturministerium verboten. Für manche liegt in der Satire dann doch zuviel Wahrheit.

    Die Bloßstellung führt zur Enttarnung des unfassbar Bösen und macht die Willkür und den Irrsinn eines jeden Totalitarismus greifbar. Regisseur und Drehbuchautor Armando Iannuccis tiefschwarze Komödie ist urkomisch und nachdenklich stimmend zugleich. Ein Höhepunkt des Kinojahres. Und eine Warnung.

    Armando Iannucci | UK, F 2017 | 106 Min | [usr 5 ]

    © Foto: Filmladen

  • A BEAUTIFUL DAY ★★★★

    A BEAUTIFUL DAY ★★★★

    Joaquin Phoenix, im vergangenen Jahr bei den Filmfestspielen in Cannes für seine Rolle ausgezeichnet, ist Joe. Regisseurin und Drehbuchautorin Lynne Ramsay (Drehbuchpreis in Cannes) lässt das Publikum zu Beginn im Ungewissen darüber, wer er eigentlich ist und was er so tut. Joe scheint ein Auftragsmörder zu sein. Aber ist das die ganze Wahrheit?

     

    „You were never really here“, wie der Film im Original nach einem Roman von Jonathan Rames heisst (für gewöhnlich hängt eine derartige Namensänderung mit dem europäischen Urheberrecht zusammen), erschließt sich durch Rückblenden, die messerscharf die Handlungsebene durchpflügen. So erfährt man nach und nach, dass Joe eine traumatische Kindheit hatte und sich grausame Erlebnisse während seiner Zeit als Soldat in seiner Erinnerung eingebrannt haben. Es stellt sich heraus, dass er es sich zur Aufgabe gemacht hat Kinder aus der Gewalt von Menschenhändlern und Pädophilenringen zu befreien. Als er sich auf die Suche nach Nina (Ekaterina Samsonov), der Tochter eines Senators, begeben soll, gerät die Rettungsaktion außer Kontrolle.

     

    Joe ist kein Mann der großen Worte und scheut vor exzessiver Gewaltanwendung nicht zurück. Ramsay interessiert sich aber mehr für seine Person, denn für seine Taten. Phoenix‘ körperbetonte Performance ist eine vielschichtige Charakterdarstellung. Joe lebt immer noch mit seiner Mutter (Judith Roberts) zusammen. In dieser geschützten Umgebung kommt ein direkt kindliches Gemüt zu Tage. Aber diese Sicherheit ist trügerisch.

     

    Selbst die Straßen von New York wirken hier bedrohlich. Der Verkehrslärm ist dröhnend laut. Es ist die Umgebung, in der sich Joe bewegt und unter deren Oberfläche sich ein moralischer Sumpf auftut. Verbrechen, mit Verstrickungen in höchste politische Kreise. Jonny Greenwood Filmmusik ist verstörend und wirkt deplaziert, unterstreicht aber die ambivalente Gefühlswelt des Hauptcharakters.

     

    „A Beautiful Day“ ist eine düstere und intensive Kinoerfahrung. Ramsay ist durch ihre kompakte und präzise Inszenierung ein handwerkliches Meisterwerk gelungen. Pures energetisches Kino mit einem großartigen Joaquin Phoenix.

     

    Lynne Ramsay | F/USA/GB 2017 | 90 Min | [usr 4.0]

     

    © Foto: Constantin Film

  • LADY BIRD ★★★★

    LADY BIRD ★★★★

    Christine McPherson (Saoirse Ronan) möchte dorthin, wo das kulturelle Leben ist und Schriftsteller im Wald leben. Also weit weg von ihrer Heimatstadt Sacramento, die sie so sehr hasst. Am liebsten gleich an die Ostküste. Im letzten Jahr auf der katholischen Highschool steht sie mit ihren 17 Jahren kurz vor einem neuen Lebensabschnitt.

    „Its my given name. It’s given to me by me.“

    Es ist das Jahr 2002 und die USA befinden sich in der 9/11 Schockstarre. Die Kirchen sind voll. Es wird viel gebetet. Das Leben findet zwischen Wohnzimmer, Schule und Supermarkt statt. Christine nennt sich selbst Lady Bird, sieht sich als Fremdkörper in ihrer Umgebung und hält sich für etwas besonders. Ihre Begabungen wurden nur eben noch nicht entdeckt. Traum und Wirklichkeit klaffen auseinander und schaffen Reibungspunkte mit den Vorstellungen und Lebensrealitäten der Mutter Marion (Laurie Metcalf). Die Familie befindet sich in einer kritischen finanziellen Situation. Das führt zu Spannungen. Die Mutter-Tochter Beziehung steht im Zentrum von „Lady Bird“, Greta Gerwigs sensationellem Solo-Regie-Debut, zu dem sie auch das Drehbuch verfasst hat.

    Die Gefühlswelt wird durch die erste große Liebe durcheinandergebracht. Noch dazu kommt Danny (Lucas Hedges) aus besseren Verhältnissen. Als Lady Bird Thanksgiving mit ihm verbringt, ist ihre Mutter verletzt. Für sie ist es nicht nur Verrat sondern auch die Ohnmacht, ihrer Tochter kein besseres Leben zu ermöglichen. Ihre Tochter möchte aber einfach nur raus aus ihrer Welt.

    Digitale Unschuld

    In den Nullerjahren waren Smartphones und WLAN nur eine Idee am Horizont. Zu Hause gab es wenn überhaupt einen Computer. In einer Szene surft Lady Bird im Internet und der Rest der Familie schaut ihr dabei über die Schulter. Weil das Gerät im Zimmer des Bruders steht, gibt es eine Computer „shut off time“. Eine für heute unvorstellbare Situation. Dabei sind gerade einmal 15 Jahre vergangen. Auch das ist „Lady Bird“: Das Portrait einer bestimmten Zeit und der letzten Generation, die ohne Social Media und Co. aufgewachsen ist.

    Gerwig bringt diese Zeit und die Konflikte von Jugendlichen ungeschminkt und authentisch auf die Leinwand. Sie ist humorvoll, ohne sich über die Charaktere lustig zu machen. Darin liegt der große Erfolg ihrer Arbeit. Lady Bird ist nicht immer sympathisch aber in ihrer Natürlichkeit eben glaubwürdig.

    Der Vater (Tracy Letts), arbeitslos, ist die tragische Figur, die für die selbe Stelle vorspricht wie sein eigener Sohn. Die gute Seele, nur zu sagen hat er in der Familie nichts mehr. Die ganze Verantwortung liegt bei seiner arbeitenden Frau.

    Ob Liebeskummer oder Abschlussball, „Lady Bird“ erzählt von einer Lebensphase, in der die Tragik im Moment liegt und die Zukunft reinste Träumereien sind. Das bedeutet aber nicht, dass das Leben eine unendliche Warteliste ist und sie nicht doch wahr werden.

    Bei den Oscars erhielt der Film Nominierungen in allen 5 Hauptkategorien.

     

    Greta Gerwig | USA 2017 | 93 Min | [usr 4]

    © Foto: Universal Pictures

  • 3 TAGE IN QUIBERON ★★★

    3 TAGE IN QUIBERON ★★★

    Wenn Romy Schneider (Marie Bäumer) vom Hotelbalkon aus hinaus aufs Meer schaut, wirkt sie ganz in sich gekehrt aber in ihrem Inneren tost es wie an der Brandung am nicht weit entfernten Strand. Das Rauschen des Meeres wird über weite Strecken des Films allgegenwärtig sein. Es ist März 1981 und noch weiß niemand, dass es die letzten Monate von Romys bewegtem Leben sind und ein schwerer Schicksalsschlag noch bevor steht. Als sie sich in einer Szene nicht in der Lage sieht, den Anruf ihres Sohnes entgegenzunehmen, liegt darin rückblickend eine Tragik, genauso wie in ihrem strahlenden kindlichen Lächeln, das sich mit Tränen und tiefer Verzweiflung abwechselt.

    Für ihren 14-jährigen Sohn befindet sich Romy zur Entgiftung in einem Kurhotel in Quiberon. Alleinsein hält sie nicht aus. So bestellt sie nicht nur ihre beste Freundin Hilde (Birgit Minichmayr) aus Wien, sondern auch den Stern-Journalisten Michael Jürgs (Robert Gwisdek) und Robert Lebeck (Charly Hübner), den Fotografen ihres Vertrauens, nach Frankreich.

    Regisseurin Emily Atef hat die berühmt gewordenen Fotografien von Lebeck und das Stern-Interview als Inspiration genommen und rundherum eine Geschichte konstruiert. Die Fotos zeigen den Menschen hinter einem der größten Stars des europäischen Kinos. Mal traurig, mal lachend auf dem Boden kugelnd und in Schwarzweiß wie nun auch im Film.

    Hilde merkt bald, dass Romy unter dem Einfluss von Alkohol und Tabletten die Situation nicht unter Kontrolle hat und sie von den beiden Männern für eine gute Story benutzt wird. Doch die hat längst beschlossen, sich vollkommen zu öffnen. Dass Hilde auf sie einzuwirken versucht, hilft da nichts mehr.

    Die Koproduktion „3 Tage in Quiberon“ geht mit 10 Nominierungen in das Rennen um den Deutschen Filmpreis 2018. Bemerkenswert ist, dass alle vier Darsteller nominiert sind. Eine Würdigung der großartigen Ensembleleistung. Es ist für Marie Bäumer die Rolle ihres Lebens. Die ähnliche Physiognomie ist erstaunlich. Den Preis hätte sie sich verdient.

    Ein Interview macht aber noch keinen ganzen Film. Die stimmigen Schwarzweißbilder und das tolle Schauspiel dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Geschichte, die rund um das Interview gebaut wurde, trotz Romys ambivalentem Charakter, wenig glaubwürdig ist. Michael Jürg erinnert sich heute an die Tage in Quiberon (Link siehe unten). Die dramaturgischen Überhöhungen tun dem Film nicht unbedingt gut.

    Die Interviewsituation gibt auch einen Einblick in die damalige journalistische Arbeit. Kein Star würde sich heute in solch eine Lage begeben. Vieles ist heute undenkbar, auch die Berichterstattung, die Romy über die Jahre begleitet hat und aus ihrem Leben einen Skandal machte. Die Auflösung liefert der Film erst zum Schluss und zeigt die Abmachung, die eigentlich am Anfang gestanden ist und ohne die Romy dem Interview nicht zugestimmt hätte.

     

    Emily Atef | D/Ö/F 2018 | 115 Min | [usr 3]

    Link zum Nachhören.

    „War ich wirklich so ein Kotzbrocken?“ Michael Jürg erinnert sich an seine damalige Begegnung mit Romy Schneider und erzählt wie es wirklich war.  → Talksendung im NDR

     

  • READY PLAYER ONE ★★★½

    READY PLAYER ONE ★★★½

    Der DeLorean DMC-12 poppt auf wie aus dem Nichts an seinen Startplatz zu einem spektakulären Autorennen, in dem es vor futuristischer Kulisse einen T-Rex und King Kong zu überwinden gilt. Kennzeichen: Parzival. Der Fahrer ist ein Avatar, wie alle Charaktere in dieser virtuellen Welt, die sich OASIS nennt. Ein Multiplayer Online Game. Eingefallen ist das alles Ernest Cline, der mit der Buchvorlage 2011 einen Bestseller landete. Der Autor dieser Zeilen kennt die Vorlage nicht. Sie dürfte kein Meisterwerk sein, erlangte jedoch Kultstatus. Tonnenweise Referenzen an die Achtzigerjahre erweckten das Interesse von Steven Spielberg, der selbst einige seiner größten Erfolge als Vertreter der New Hollywood Era in diesem Jahrzehnt feierte.

    Der heilige Gral

    Die Story ist schnell erzählt: In gar nicht all zu ferner Zukunft ist aus der Erde ein dystopischer Ort geworden, an dem sich kein Mensch länger als notwenig aufhalten möchte. So flüchtet jung und alt in den Cyperspace. Genauer gesagt in das von James Halliday (Mark Rylance) erschaffene OASIS. Mit einer VR Brille auf dem Kopf kann so jeder in einen Avatar schlüpfen und in der virtuellen Welt im ultimativen Videospiel das große Abenteuer suchen. Als Halliday das zeitliche segnet, verlautbart er der Cummunity, dass er drei Schlüssel zu einem sogenannten Easter Egg in der virtuellen Welt versteckt hält. Wer sie zu erst findet, erlangt die volle Kontrolle über OASIS. Wade alias Parzival (Tye Sheridan) macht sie wie viele andere auf die Suche nach dem heiligen Gral.

    Um Wade bildet sich bald ein bunter Haufen von Gesinnungsgenossen. In OASIS stößt Wade auf Samantha alias Art3mis (Olivia Cooke) und verliebt sich prompt. Dass sie in der Realität eine alternative Widerstandskämpferin im Untergrund ist, mag aufgesetzt wirken. RP1 wartet jedoch mit einem so hohen Tempo auf, dass kaum Zeit bleibt, um genauer darüber nachzudenken. Schon geht es weiter in die nächste Welt, als wäre der Film die neueste Attraktion in einem Vergnügungspark. Das kann mitunter recht anstrengend sein. Vor allem 140 Minuten in IMAX 3D sind fordernd.

    Back to the 80s

    Dabei muss zu 80er Popmusik gegen Chucky, Freddy Kruger, Michael Myers und durch das aus Shining bekannte Overlook-Hotel gekämpft werden. Teilweise im stakkatoartigen Sekundentakt. Der verklärte Blick auf die 1980er Jahre täuscht jedoch. Nicht Nostalgie war die Motivation von Autor Cline. Er ist schlicht ein Geek, der im realen Leben einen DeLorean sein eigen nennt und auch sonst in popkulturelle Versatzstücke dieser Zeit vernarrt ist. In RP1 hat er sie alle zusammengewürfelt und eine Geschichte um sie gebaut. Sie ist nicht sonderlich gut, weil sie zu viele Fragen aufwirft aber sie unterhält. Und wie! Wem das zu verdanken ist? Ganz klar Steven Spielberg. Nicht auszudenken, wenn sich ein anderer Regisseur an die Umsetzung gewagt hätte. Der Film wäre wohl vorzeitig auf einem Cyberschrottplatz gelandet. Spielberg versteht aber sein Handwerk souverän und so ist es ein opulentes Spezialeffektfeuerwerk geworden, bei dem keine Langeweile aufkommt.

    Virtuelle Identitäten

    Der Film wirft aktuelle Fragen über virtuelle Identitäten auf, die wir uns gerade dabei sind zu schaffen. Ob wir wollen oder nicht. Eine Verweigerung ist kaum mehr möglich. Am Ende steht die Erkenntnis, dass die reale Welt der Künstlichen doch zu vorzuziehen ist. Nicht zuletzt, weil Konzerne, hier in Form von Innovative Online Industries und Nolan Sorrento (Ben Mendelsohn), versuchen die totale Kontrolle über jeden Einzelnen an sich zu reißen.

    Spielbergs Lieblingsschauspieler seit „Bridge of Spies“ hat hier nun endgültig bewiesen, dass er alles spielen kann. Mark „Would it help?“ Rylance war Spion und Riese. Nun verkörpert er einen Nerd in den 20ern und Gandalf in einem Film. Schauspielerisch hat RP1 sonst nicht viel zu bieten. Aber immerhin.

    Aber an welches Zielpublikum richtet sich RP1? Dem jungen Publikum ab 12 wird viel entgehen. Um den vollen Spaß aller Anspielungen genießen zu können, muss man kein Kind der 80er sein. Es hilft allerdings sich gut auszukennen. Mit einem Zemeckis-Würfel, dem Overlook-Hotel und Beetlejuice wird man sonst nicht viel anzufangen wissen.

    RP1 ist eine spektakuläre Schatzsuche, die zeitweise wie ein Werbeclip für ein Computerspiel anmutet, bei der man sich jedoch gut unterhalten kann und mehr will der Film auch gar nicht.  Es ist also nicht zwingend notwenig, sich mit Ungereimtheiten (T-Rex, King Kong und The Iron Giant?) auseinanderzusetzen. Zurücklehnen, festhalten, hineinkippen und sich auf einen rasanten Trip einlassen. It’s a lot of fun.

    Steven Spielberg | USA 2018 | 140 Min. | [usr 3.5]

    Foto © Warner Bros.

  • LUCKY ★★★★

    LUCKY ★★★★


    Lange vor Harry Dean Stantons letzter Hauptrolle, formulierte der US-Filmkritiker Roger Ebert die „Stanton-Walsh Regel“, nach der ein Film, in dem Harry Dean Stanton oder M. Emmet Walsh eine Nebenrolle spielen, nicht völlig schlecht sei kann. Diese Weisheit lässt sich bedenkenlos auf „Lucky“ übertragen. John Carrol Lynch ist ein grandioses Regiedebüt geglückt.

    Irgendwo in einer Kleinstadt im Südwesten der USA lebt der 90-jährige Lucky den stehts gleichen Tagesablauf bestehend aus Yoga, Spieleshows im Fernsehen, Barbesuch zu Fuß und Zigaretten. Als er eines Morgens zusammenbricht, ist das zwar kein Grund um seine Routinen zu ändern, nachdenklich stimmt ihn das aber dann doch. Sentimentaler Mensch ist er aber keiner. Genauso wenig wie Harry Dean Stanton selbst. Der Film wurde ihm auf den Leib geschrieben oder vielmehr wurde um die reale Person eine Geschichte konstruiert.

    Realismus als Konzept

    Als Lynch anfragte, ob Stanton interessiert sei, meinte der nur, wenn sie das zusammen bekommen, macht er es. Vielleicht fühlte er sich doch geschmeichelt. „Lucky“ überblendet Stanton mit einem fiktiven Charakter. Es gibt sehr wohl Unterschiede. Die Vorliebe für Gameshows, ein tägliches Workout und der leere Kühlschrank entsprechen aber dem realen Stanton. Ebenso seine philosophischen Auseinandersetzungen mit dem eigenen Ich. Er konfrontierte die Menschen mit Lügen und Heuchelei. Tatsächlich betrat Stanton oft den Raum und rief: „You are nothing!“:

    „The old eastern concept, one guy phrased it, ‘To realise you’re notfhing is wisdom. To realise you’re everything is love. Or pure intelligence or pure awareness. Ultimately that can’t be defined in words, it’s beyond words, beyond consciousness. And that’s a hard sell, but it’s true.”,

    meint Stanton dazu. Eine Erkenntnis, die es ihm ermöglichte, bis zuletzt seiner großen Leidenschaft zu fröhnen. „Ich esse nur, damit ich rauchen kann“ – für den Arzt ist Lucky ein Naturwunder, das es zu bestaunen und erforschen gilt. „Lucky“ ist auch ein Film über Körperlichkeit und eine Humorvolle Auseinandersetzung mit dem Altern.

    Die Besetzung ist durch die Bank exzellent. David Lynch übernahm dank der engen Verbindung zu Stanton eine wunderbare Rolle in besagter Bar und trauert dort seiner entlaufenen Schildkröte Roosevelt nach. Eine schöne Metapher zum Tempo des Films und den Gemütern seiner Charaktere. Auch um Tom Skerritt und Ed Begley jr. zu gewinnen, brauchte es nicht mehr als einen Telefonanruf. John Carrol Lynch betrieb ein one phone call casting. Für mehr war einfach kein Geld vorhanden.

    „From Paris to Texas. The Man in the Moonshine.“

    Es ist ein Glücksfall, dass Stanton, der zuletzt viele Angebote abgelehnt hatte, die Rolle angenommen hat. „Lucky“ ist nicht nur ein Tribute an einen großartigen Charakterdarsteller, sondern auch ein Abschied. Harry Dean Stanton verstarb letzten September mit 91 Jahren.

    Für das Filmhaus am Spittelberg ist „Lucky“ ein Neubeginn. Das Filmcasino eröffnet dort mit dem Film diese Woche eine zweite Spielstätte.

    John Carrol Lynch | USA 2017 | 88 Min | [usr 4]

    Foto © Polyfilm

    Quelle Zitat: https://flashbak.com/the-zen-of-harry-dean-stanton-surrender-to-the-void-to-nothingness-386512/

  • LOVELESS / NELYUBOV ★★★★

    LOVELESS / NELYUBOV ★★★★

    Aljoscha (Matwei Nowikow) versteckt sich hinter der Wohnzimmertür und stößt einen stummen Schrei aus. Tränen rinnen ihm über das Gesicht. Der Bub musste gerade einen Streit zwischen seinen kurz vor der Scheidung stehenden Eltern mitanhören. Als wäre das nicht schon schlimm genug, muss er erfahren, dass sie ihn beide nicht wollen. Vielmehr erfährt man über Aljoscha nicht. Bald darauf ist er verschwunden.

    Un-Liebe

    Zhenya (Mrjana Spiwak) hat bereits einen neuen Freund. Ihr Mann Boris (Alexei Rosin) hat ebenso eine neue, hochschwangere Freundin. „Loveless“ beginnt da, wo eigentlich alles zu Ende ist. Das kann auch ein Neuanfang sein. Zumindest aus Sicht des Publikums scheint das nicht möglich zu sein, so sehr wie die beiden von Kälte und Hass zerfressen sind. Aljoscha war kein Wunschkind und ein Kompromis wie die ganze Beziehung. Beide Eltern haben mit ihrem gemeinsamen Leben abgeschlossen. Nichts zeugt von einer vergangenen Zweisamkeit. Der Originaltitel „Njeljubow“ bedeutet eigentlich Un-Liebe.

    Dann ist der Sohn auf einmal Weg und keiner bemerkt es. Erst die Lehrerin, nachdem Aljoscha den zweiten Tag hintereinander nicht in der Schule erscheint. Nicht einmal dann sind Zhenya und Boris dazu in der Lage, für einen Moment zusammen zu finden. Es ist eine Atmosphäre der Trostlosigkeit und Hoffnungslosigkeit, die Regisseur Andrei Swjaginzew in kühlen blaustichigen Bildern erzeugt. Die Polizei interessiert sich nicht weiter für den Fall. So engangieren die Eltern einen professionellen Suchtrupp aus freiwilligen Helfern. Der Film schildert die folgende Suchaktion am Rande Moskaus mit pathologischer Genauigkeit.

    Entfremdung von Staat und Gesellschaft

    Die Mutter gibt sich ganz der materiellen Welt hin. Mit dem Handy in der Hand ist ihre reale Umgebung schlicht nicht existent. Zhenyas Empathielosigkeit erklärt sich, als sie mit den Helfern ihrer Mutter einen Besuch abstatten. Auch sie ist ein ungewolltes Kind und ihre tief gläubige Mutter hat nichts als Grausamkeiten für sie übrig. Liebe hat sie von ihr nie erfahren. Boris‘ Chef ist ein Ultrakonservativer, der von seinen Mitarbeitern das russische Ideal einer aufrechten Ehe mit Kindern verlangt. Die Scheidung muss er verheimlichen und für eine neues Kind mit seiner Freundin bleibt nicht viel Zeit.

    „Loveless“ ist nicht nur eine verstörende Charakterstudie. Das Russland, das hier gezeigt wird, ist vom von der Orthodoxie aufoktroyierten Konservatismus durchzogen und interessiert sich abseits der Normvorstellungen für seine Bürger wenig. Die ständigen Fernsehnachrichten zeugen viel mehr vom Interesse der territorialen Expansion und verbreiten patriotische Parolen. Es sind zermürbende zwei Stunden und der Film entlässt die Zuseher entsprechend niedergeschlagen. Swjaginzew ist neuerlich ein Meisterwerk geglückt.

    Andrei Swjaginzew | RUS/F/BEL/D 2017 | 127 Min. | [usr 4]

    Foto: © Polyfilm

  • JIM KNOPF UND LUKAS DER LOKOMOTIVFÜHRER

    JIM KNOPF UND LUKAS DER LOKOMOTIVFÜHRER

    Die Geschichte beginnt mit einem postalischen Versehen. Ein von der Wilden 13 entführtes und an einen Drachen verkauftes Baby landet irrtümlich anstatt in Kummerland auf der klitzekleinen Insel Lummerland. Als König Alfons der Viertel-vor-Zwölfte (Uwe Ochsenknecht) die örtliche Bahnstrecke Jahre später wegen Überbevölkerung und Platzmangel einstellt, begibt sich der Bub (Solomon Gordon), der von den vier Bewohnern liebevoll Jim Knopf genannt wird, mit dem Lokomotivführer Lukas (Henning Baum) und der Lokomotive Emma auf eine abenteuerliche Reise.

    Nach den bekannten Adaptionen der Augsburger Puppenkiste und einer Zeichentrickserie kommt nun eine Realverfilmung von Michael Endes 1960 erschienen weltberühmten Roman in die Kinos. Knallbunt ist sie geworden und voll schräger Figuren. Dem Regisseur Dennis Gansel ist die Bedeutung früherer Adaptionen bewusst und so scheint sein Lummerland der Augsburger Puppenkiste entsprungen zu sein. Natürlich ist Jim Knopf auch großes Spezialeffekte-Kino um die phantasievolle Welt Endes entsprechend umsetzen zu können.

    Zumindest bezüglich der Werktreue wäre Michael Ende diesmal wohl zufriedengestellt gewesen. Die Verfilmung von „Die unendliche Geschichte“ hatte ihn noch dermaßen aufgeregt, dass er die Produktionsfirma verklagte und seinen Namen aus dem Vorspann streichen ließ. Die kapitelweise Abarbeitung der einzelnen Abenteuer im Laufe des Filmes bringt ihn allerdings um seinen finalen Höhepunkt. Die Konfrontation mit dem Drachen Frau Mahlzahn ist dann nur mehr eine Station von vielen.

    Für die Kinder im Publikum bedeutet das aber durchwegs Hochspannung. Nach dem düsteren Intro sind die sonnigen Szenen auf Lummerland ein guter Einstieg in die Geschichte. Sobald das eigentliche Abenteuer losgeht, leben die Kleinen im Kinositz regelrecht mit. Jim Knopf ist dabei eine ideale Identifikationsfigur. Die einzelnen Sequenzen, wie die stürmische See oder das einstürzende Tal der Dämmerung, verlangen nach einer Schulter zum Anlehnen. Zumindest für Kinder unter 8 Jahren. Je nach Kinoerfahrungen ist der Film wohl auch erst ab diesem Alter geeignet. Schließlich stehen auch die Soundeffekte denen von Actionfilmen für Große um nichts nach.

    Henning Baums Lukas ist ein liebenswerter Brummbär alla Bud Spencer und eine väterliche Figur für Jim. Eine Szene im fernen Mandala ist eine Hommage an die damaligen Faustkämpfe und die Stereowatschen. Frau Waas (Annette Fries) ist die Ziehmutter und neben Herrn Ärmel (Christoph Maria Herbst) eine weitere Bewohnerin von Lummerland. Uwe Ochsenknecht kann sich als verwirrter König sichtlich vergnügt austoben.

    Jim Knopf ist ein Plädoyer für Weltoffenheit und Neugierde und kommt daher gerade recht. Figuren wie der Scheinriese Tur Tur (Milan Peschel), der in weiter Ferne riesig erscheint aber aus der Nähe klein ist, zeigen, dass Andersartige zu Unrecht gefürchtet werden. Aus der Welt der Volldrachen ausgeschlossene Halbdrachen verdeutlichen rassistische Mechanismen. Jims Hautfarbe wird letztlich von ihm selbst und der Frage nach seiner Herkunft thematisiert. Im Deutschland der 1960er waren schwarzafrikanische Kinder keine Seltenheit. Eine Folge der amerikanischen Besatzungszeit. Die Kinder wurden vielfach in den USA zur Adoption frei gegeben. Heute ist die Situation anders. Für die Rolle des Jim Knopf musste andernorts gecastet werden. Fündig wurde man mit Solomon Gordon in Großbritannien.

    Dennis Gansel | D 2018 | 110 Min. | [usr 3.5]

    Foto © Warner Bros