Autor: Michael Holly

  • MOLLY’S GAME

    MOLLY’S GAME

    „I‚m the anti-wife.“, sagt der ehemalige US-Skistar Molly Bloom (Jessica Chastain) einmal. Schon auf der Piste ist der Körper ihr Kapital aber auch nachdem sie ihre Karriere wegen eines Unfalls beenden musste, weiß sie ihn geschickt einzusetzen. Neben Ehrgeiz, den sie von ihrem Vater und Trainer (Kevin Costner) geerbt hat, ist es ihr Scharfsinn, den sie unter ihrem Äußeren versteckt, das wie ein Schutzmantel funktioniert. Die Männer glauben, sie für ihre Interessen ausnutzen zu können aber in Wahrheit ist es umgekehrt. Bloom hat alles unter Kontrolle. Sie nutzt die Schwächen der anderen, ohne dass sie es bemerken. Eine clevere Art der Machtausübung. Doch letztlich geht es Bloom nur ums Überleben.

    Ein Zweig ändert das Leben von Molly Bloom. Um die Sicht bei der Freestyle-Abfahrt zu verbessern, werden Zweige auf der Piste verstreut. Ein vereistes Stück Holz öffnet ihre Bindung. Der Sturz ist schwer, die Karriere beendet. Das alles erklärt Regisseur und Drehbuchautor Aaron Sorkin, auch mittels etwas überfordernden grafischen Einblendungen, mit einer Rasanz, dass man sich im Kinosessel förmlich festhalten möchte. Per Zufall steigt Bloom in das Pokergeschäft ein. Erst als Buchhalterin und schon bald organisiert sie eigene Pokerrunden in den besten Hotels. „Molly’s Game“ hält das hohe Tempo. Bloom selbst erzählt ihre Geschichte mittels Voiceover. Eine Herausforderung an das Publikum, dem keine Verschnaufpause gegönnt wird. Es ist eine unglaubliche Geschichte und sie ist wahr. Bloom hat ein Buch darüber geschrieben: „Molly’s Game: The True Story of the 26-Year-Old Woman Behind the Most Exclusive, High-Stakes Underground Poker Game in the World“. Der Titel ist keine Übertreibung.

    Molly Bloom und die Russen.

    Die Pokerspieler legen immer höhere Summen auf den Tisch. Blooms Einsatz bleibt aber ihr charmantes Auftreten. Sie passt ihr Aussehen ihrer Klientel an. Den ganzen Film über sieht man sie stets elegant aber mit tiefem Ausschnitt. Selbst Kritikerinnen mokieren, Sorkin sei zu sehr in Chastains Dekolleté verliebt. Doch genau darum geht es. Blooms Auftreten ist strategisches Kalkül. Was im Film ganz offensichtlich ist, ruft beim Publikum jedoch ein zweites Mal die selbe Reaktion hervor. Man reduziert sie auf ihr Aussehen. Sorkin und seine Kamerafrau Charlotte Christensen halten nicht nur dem männlichen Publikum den Spiegel vor.

     

    Idris Elba als Charley Jaffey.

     

    Doch dann wird Bloom einmal selbst zum Einsatz. Sie führt Buch und achtet darauf, dass sie sich nichts zu Schulden kommen lässt. Als die Einsätze immer höher werden und längst Hollywoodstars am Tisch sitzen wird die Russenmafia auf sie aufmerksam. Was wiederum das FBI auf den Plan ruft. Bloom wird zum Spielball der Justiz. Nach anfänglicher Skepsis nimmt sich Anwalt Charlie Jaffey (Idris Elba) ihrem Fall an. Auch er lässt sich von Blooms Erscheinung täuschen, deren gesamtes Vermögen vom FBI beschlagnahmt wurde.

     

    Jessica Chastain hat lange gezögert, die Rolle anzunehmen. Das Frauenbild im Kino ist ihr ein großes Anliegen. Sorkins Zugang hat sie letztlich überzeugt. Bloom ist eine harte Geschäftsfrau, die sich den Respekt in der männerdominerten Pokerszene erst erkämpfen muss. Im Kontext der aktuellen Missbrauchsvorwürfe gewann der Film zusätzlich an Aktualität. „Molly’s Game“ ist ein hochspannender Thriller über Geschlechterverhältnisse geworden, erzählt aus der Sicht einer Frau.

    Eine einsame Oscar Nominierung hat Aaron Sorkin für das Drehbuch seines Regieerstlings bekommen.

    Aaron Sorkin | USA 2017 | 140 Min. | [usr 4]

    © Fotos: Constantin Film

  • OSCARS 2018: Stand up for your rights!

    OSCARS 2018: Stand up for your rights!

    Zum bereits 10. Mal wurde die Oscar-Verleihung im Gartenbaukino in Wien übertragen. Der Andrang war in diesem Jahr nicht so groß wie in manchen der vergangenen Jahre. Am Programm hat es sicher nicht gelegen. Mit „The Florida Project“ und „I, Tonya“ gab es direkt vor der Gala zwei Premieren. Ein Grund dürfte gewesen sein, dass die Oscars in diesem Jahr ohne österreichische Beteiligung von statten gingen. Mit der Einreichung von Michael Hanekes „Happy End“ für den Besten Fremdsprachigen Film wollte man auf Nummer sicher gehen. Die Koproduktion schaffte es aber nicht unter die Nominierten. Der Regieerstling „Die Beste aller Welten“ von Adrian Goiginger wäre für viele der logischere Kandidat gewesen.

    Sei es drum, die Oscars 2018 sind Geschichte. Anlässlich des 90. Jubiläums der Gala wurde in zahlreichen Ausschnitten an Höhepunkte vergangener Zeiten erinnert. Zwei Änderungen gab es im Regelement: In der Kategorie „Bester Animationsfilm“ durfen erstmalig alle Mitglieder der Academy abstimmen. Bisher war das einem kleinen Kreis vorbehalten. Dokumentationen dürfen nun nicht mehr aus mehreren Teilen bestehen. Eine Reaktion auf den Vorjahresgewinner „O.J.: Made in America“ mit einer Spielzeit von 467 Minuten.

    „The Shape of Water“ konnte sich in den Hauptkategorien durchsetzen. Guillermo del Toro kontrollierte das Kuvert für den Besten Film auf der Bühne nochmals höchstpersönlich. Mit lediglich vier von dreizehn möglichen Preisen blieb ein überragender Sieger in diesem Jahr aber aus. Die beiden Drehbuchpreise gingen an „Call me by your name“ und „Get out“. Eine Seltenheit, dass der Film des Jahres in dieser Kategorie leer ausgeht. „Dunkirk“ dominierte verdient die technischen Kategorien. Für „Blade Runner 2049“ konnte Kameramann Roger A. Deakins seine dreizehnte Nominierung nun endlich in Gold verwandeln.

    Auf „#metoo“ wurde erwartungsgemäß immer wieder verwiesen. Bereits zu Beginn ersuchte der Präsentator  Jimmy Kimmel jedoch, die Dankesreden kurz zu halten. Traditionell hat die Gala Probleme mit der Überlänge. So nahm sich erst Frances McDormand, Preisträgerin für ihre Rolle in „Three Billboards Outisde Ebbing, Missouri„, gegen Ende die Zeit auf die Problematik hinzuweisen. Sie bat alle weiblichen Gäste aufzustehen und die überwiegend männlichen Produzenten im Raum mit ihnen nicht anschließend auf den Parties über zukünftige Projekte zu sprechen, sondern die Tage danach in den jeweiligen Büros. Damit unterstrich McDormand, dass es auch für Frauen um ein ernstzunehmendes Geschäft geht und der Umgang miteinander auf Augenhöhe essenziell ist. Ein starkes Statement abseits von Aktionismus.

    Alle Gewinner im Überblick:

    The Shape of Water

    Best Picture – Guillermo del Toro and J. Miles Dale, Producers
    Directing – Guillermo del Toro
    Music (Original Score) – Alexandre Desplat
    Production Design –  Production Design: Paul Denham Austerberry; Set Decoration: Shane Vieau and Jeffrey A. Melvin

    A fantastic Woman

    Foreign Language Film Chile

    Coco

    Animated Feature Film

    Music (Original Song) – Remember me Music and Lyric by Kristen Anderson-Lopez and Robert Lopez

    Darkest Hour

    Actor in a Leading Role – Gary Oldman
    Makeup and Hairstyling – Kazuhiro Tsuji, David Malinowski and Lucy Sibbick

    Three Billboards outside Ebbing, Missouri

    Actor in a Supporting Role –  Sam Rockwell
    Actress in a Leading Role – Frances McDormand

    I, Tonya

     Actress in a Supporting Role – Allison Janney

     Call Me by Your Name

     

     Writing (Adapted Screenplay) – Screenplay by James Ivory

    Get Out

    Writing (Original Screenplay) – Written by Jordan Peele

    Icarus

    Documantary (Feature) – Bryan Fogel and Dan Cogan

    Dunkirk

    Film Editing – Lee Smith
    Sound Editing – Richard King and Alex Gibson
    Sound Mixing – Gregg Landaker, Gary A. Rizzo and Mark Weingarten

    Blade Runner 2049

    Cinematography – Roger A. Deakins
    Visual Effects – John Nelson, Gerd Nefzer, Paul Lambert and Richard R. Hoover

    Phantom Thread

    Costume Design – Mark Bridges

    Heaven Is a Traffic Jam on the 405

    Documentary (Short Subject) – Frank Stiefel

    Dear Basketball

    Short Film (Animated) – Glen Keane and Kobe Bryant

    The Silent Child

    Short Film (Live Action) – Chris Overton and Rachel Shenton

    Quelle: www.oscars.org
    © Foto: AMPAS

  • OSCARS 2018: Die Nominierten in der Kategorie BESTER FILM.

    OSCARS 2018: Die Nominierten in der Kategorie BESTER FILM.

    Im Gegensatz zur Kategorie Beste Regie ist das Rennen um den Film des Jahres heute Nacht noch offen. Zumindest für all jene, die nicht in „The Shape of Water“ den klaren Favoriten sehen. „Three Billboards outside Ebbing, Missouri“ ist ein starker Konkurrent und dahinter lauert „Get Out“, eine der großen Überraschungen des letzten Filmjahres. Die beiden Herausforderer duellieren sich auch um die Auszeichnung für das Beste Drehbuch. Mehr als nur ein Indiz für eine Überraschung?

    Hier sind die Links zu den Filmkritiken:

    © Fotos: Sony Pictures Filmverleih, UPI, Foxfilm, Universal Pictures International Austria, Warner Bros.

     

  • CALL ME BY YOUR NAME ★★★½

    CALL ME BY YOUR NAME ★★★½

    „Lovin’ you is easy ’cause you’re beautiful“ – keine Angst, das ist nicht zu hören aber die zwei Burschen, die hier eines schwülen Sommers Anfang der Achtzigerjahre in der norditalienischen Provinz aufeinandertreffen, sind zum dahinschmelzen.

    Der 17-jährige Elio (Timothèe Chalamet) verbringt die Ferien mit den Eltern in deren Landhaus. Der Vater (Michael Stuhlbarg) ist Archäologe und die Mutter (Amira Casar) Übersetzerin. In der Vorzeigefamilie wird Englisch, Französisch und Italienisch gesprochen und Elio hat nicht viel mehr zu tun als Bücher zu lesen und sich auf Liebschaften mit italienischen Mädchen einzulassen. Als eines Tages ein amerikanischer Student bei ihnen einzieht, um den Vater bei der Arbeit zu unterstützen, wird Elios Welt auf den Kopf gestellt.

    Anfangs ist Elio von Oliver (Armie Hammer) genervt. Er muss ihm sein Zimmer überlassend und findet ihn einfach nur überheblich. Doch bald kommen sich die beiden näher und beginnen ein heimliches Liebesabenteuer. Es ist für Elio der Sommer der ersten großen Liebe.

    Das Drehbuch von Regisseur Luca Guadagnino und James Ivory lässt sich viel Zeit für diese zuerst zaghafte und dann umso leidenschaftlichere und herzzereißende Liebe. Die Natürlichkeit und Selbstverständlichkeit mit der Homosexualität heute im Kino gezeigt werden kann und inmitten von Kriegsfilmen und anderen Dramen ihren Platz gefunden hat, ist eine große gesellschaftliche Errungenschaft. „Call me by your Name“ ist eine Liebeserklärung an die Jugend und das Leben, in der die Zeit stehen geblieben zu sein scheint. Lediglich Automodelle oder hin und wieder modische Eskapaden verweisen auf die frühen Achtziger.

    Atmosphäre, Lebensgefühl und zwischenmenschliche Beziehungen aus einer humanistischen Betrachtungsweise heraus sind die zentralen Themen. Die träge machende Hitze ist aber zeitweise auch im Kinosaal zu spüren. Bei einer Laufzeit von über zwei Stunden mäandert die Handlung vor sich hin.

    Das Herzstück dieser coming-of-age Geschichte, oder besser gleich zwei, hat man sich aber für den Schluss aufgehoben. Wenn der Vater Elio gesteht, von seiner Liebschaft gewusst zu haben und ihm einen Vortrag über das Leben hält, zeugt das von einer von Respekt geprägten Beziehung, die das Publikum tief berührt. In der letzten Einstellung, während der Abspann bereits läuft, blickt Elio nachdenklich minutenlang in die Kamera bis ihm die Tränen über das Gesicht fließen. Der gesamte Schmerz einer Liebe in einem Moment.

    Einzig etwas verwunderlich ist der Umstand, dass HIV kein Thema ist und dass gerade in einer so aufgeklärten und weltoffenen Familie. Die Zahl der Neuinfektionen stand gegen Mitte der Achtzigerjahre kurz vor ihrem Höhepunkt. Therapien wie heute lagen noch in weiter Ferne. Ob ein Film, der das vollständig ausklammert, vor zehn oder zwanzig Jahren möglich gewesen wäre?

    Bei den Oscars hat „Call me by your name“ als europäischster Film seit langem seinen Platz unter den Nominierten für den Besten Film gefunden. Timothèe Chalamet ist jetzt schon zumindest der Sieger der Herzen und für einen Drehbuch Oscar stehen die Chancen sogar ganz gut.

    An der Fortsetzung wird gerade gearbeitet und geht es nach Guadagnino, könnte Elio in die Fußstapfen von Francois Truffauts Alterego Antoine Doinel treten. Wie die literarische Vorlage von André Aciman soll die Fortsetzung etwa 15 Jahre nach der ersten Begegnung spielen.

    Luca Guadagnino | IT/FR/USA/BRA 2017 | 133 Min. | [usr 3.5]

    © Foto: Sony Pictures Filmverleih

  • Filmmuseum und Filmarchiv im März

    Filmmuseum und Filmarchiv im März

    Der März im Österreichischen Filmmuseum und METRO Kinokulturhaus.

    Im Metro Kinokulturhaus werden im Rahmen es Gedenkjahres im März unter dem Titel „Augenblicke der Geschichte. Historische Filmdokumente rund um den >>Anschluss<<“ bisher unveröffentlichte Amateuraufnahmen aus dem Jahr 1938 gezeigt.

    Die Fertigstellung der Restaurierung von Hans Karl Breslauers „Die Stadt ohne Juden“ (1924) wird von einer neuen Ausstellung begleitet: „Die Stadt ohne – Juden Muslime Flüchtlinge Ausländer.“ (tägl. 15:00-21:00). Der Stummfilm gilt als „weltweit erstes filmisches Statement gegen Antisemitisums“. Als das Programmheft vergangenes Wochenende dem Standard beigelegen ist, kam es zu einer Störaktion. Die Broschüren wurden an manchen Orten den Zeitungen entnommen und in den Müll geworfen (Link mit Foto). Ein trauriges Zeichen dafür, wie wichtig es ist, derartige Zeitdokumente zu erhalten und immer wieder der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

    Darüber hinaus beherbergt das Metro Kinokulturhaus in diesem Monat das Tricky Women Festival 2018.

    Im österreichischen Filmmuseum widmet man sich dem klassischen Hollywoodkino von John Huston und William Wyler. Gemeinsam mit der Maria Lassnig Stiftung wurde deren filmischer Nachlass digitalisiert und wird nun als Europapremiere präsentiert. In Gedenken an das Anschlussjahr 1938 zeigt auch das Filmmseum am 11. März Amateuraufnahmen aus dieser Zeit. Ein bewusster Kontrapunkt zum Propagandakino der Nationalsozialisten.

    Links:

    www.filmmuseum.at

    www.filmarchiv.at

    www.trickywomen.at

  • 1. PORN FILM FESTIVAL VIENNA von 1. – 4. März

    1. PORN FILM FESTIVAL VIENNA von 1. – 4. März

    Ab heute bis inklusive Sonntag findet das 1. Porn Film Festival Vienna statt. Das umfangreiche Programm entstand in einer Kooperation mit dem Pornfilmfestival Berlin. Bespielt werden das Filmcasino, Top, Schikaneder und Fortuna Kino. Letzteres ist Cinephilen vielleicht weniger bekannt und wenn eher nur von Außen oder auch nicht nur von Außen. Das Fortuna befindet sich in der Favoritenstraße und begeht demnächst den 100. Geburtstag. Seit den 1970er Jahren ist es ein Sexkino.

    Neben nationalen und internationalen Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilmen, gibt es Vorträge, Workshops, eine Ausstellung und Diskussionsrunden. Unter dem Motto „What is Porn?“ bringt das Festival, ähnlich wie das „Porny Days“ in Zürich oder das „Hacker Pornfest“ in Rom, unter der Leitung von Festivaldirektor Yavuz Kurtulmus Pornofilme in den öffentlichen Raum.

    Die Filme werden als soziales Phänomen verstanden und sollen sich klar von Mainstreamproduktionen absetzen. Ein künstlerischer und feministischer Anspruch sind ebenso Ziel, wie eine kritische Auseinandersetzung. Porno als Ermächtigung und jenseits von Gewalt und Ausbeutung.

    Als junges Festival versucht man sich im Crowdfunding. Goodie Packages können auf der Seite Indiegogo erworben werden.

    Links:

    www.pornfilmfestivalvienna.at

    www.indiegogo.com

    www.fortunakino.at

    www.hackerpornfest.com

    www.pornydays.ch

     

  • OSCARS 2018: LIVE PODCAST mit FLIP THE TRUCK am Freitag

    OSCARS 2018: LIVE PODCAST mit FLIP THE TRUCK am Freitag

    Flip the Truck lädt zur Einstimmung auf die Oscar-Nacht am Freitag den 2. März um 18:00 zu einem Live Podcast in das Café Sperlhof (Große Sperlgasse 41) im 2. Bezirk.

    Live vor Publikum wird über mögliche Gewinner und Verlierer gefachsimpelt. Persönliche Tipps können im Rahmen eines Gewinnspieles abgegeben werden.

    Wir sehen uns!

     

     

     

  • THE POST / Die Verlegerin

    THE POST / Die Verlegerin

    Als 1971 ein Hippiemädchen mit einem Schuhkarton in der Hand zwischen den Schreibtischen der Redaktion von „The Washington Post“ herumirrt, schenkt ihr kaum jemand Beachtung. Heute, in Zeiten eines „USA PATRIOT Act“ eine undenkbare Situation. Es war auch ein Anschlag der ganz anderen Art, den diese Schachtel auf die Regierung der USA verübt hat.

    Im Karton war ein Teil der „Pentagon Papiere“, eine geheime Studie, die der damalige US-Verteidigungsminister Robert McNamara fünf Jahre zuvor in Auftrag gegeben hatte. Darin werden auf über 7.000 Seiten die Beziehungen der USA gegenüber Vietnam ausgeführt. Brisant war nicht zuletzt das Detail, den Krieg nicht mehr gewinnen zu können. Durch den Whistleblower Daniel Ellsberg gelangten die Papiere an die Öffentlichkeit. Zuerst konnte die US-Regierung eine Veröffentlichung in „The New York Times“ per Gerichtsbeschluss verhindern. In Folge gelangten die Dokumente an die „Post“ und deren Herausgeberin Katharine Graham entschied sich in letzter Sekunde für den Druck.

    Die „Post“ stand kurz vor dem Börsegang und war zu diesem Zeitpunkt nicht mehr als eine Regionalzeitung. Katharine Graham (Meryl Streep) musste die Zeitung nach dem Tod ihres Mannes übernehmen und stand unter dem ständigen Druck des Vorstandes. Eine reine Männerrunde, die an ihren Fähigkeiten zweifelte. Sowohl Graham als auch ihr Chefredakteur Ben Bradlee (Tom Hanks) pflegten enge Kontakte zur politischen Elite. McNamara (Bruce Greenwood) war ein persönlicher Freund Grahams. Sie riskierten mit der Veröffentlichung den finanziellen Bankrott und eine Gefängnisstrafe. Der Oberste Gerichtshof entschied im Nachhinein jedoch im Sinne des 1. Zusatzartikels zur Verfassung der Vereinigten Staaten:

    1. Amendment

    Freedom of Religion, Speech, and the Press

    Congress shall make no law respecting an establishment of religion or prohibiting the free exercisethereof, or abridging the freedom of speech or of the press, or the right of the people peaceably to assemble and to petition the government for a redress of grievances.

    Der türkische Journalist und ehemalige Herausgeber der „Cumhuriyet“ Can Dündar, sieht in den „Pentagon Papieren“ eindeutige Parallelen zu seinem Bericht über illegale Waffenlieferungen der Türkei nach Syrien. Allerdings kann man in der Türkei nicht mehr von einer unabhängigen Justiz sprechen. Dündar kam ins Gefängnis. Ob in den USA oder in Österreich, vielerorts wird versucht, die Presse zu diskreditieren. Whistleblower Daniel Ellsberg ist sich nicht mehr so sicher, ob der Supreme Court heute gleich entscheiden würde. Donald Trump setzt immer wieder gezielte Attacken gegen die Presse. „The Post“ ist der Film der Stunde. Steven Spielberg erhielt das Drehbuch gerade erst vor einem Jahr im Februar 2017 und unterbrach sofort die Arbeiten an seinem nächsten Film. Ein paar Tage später waren Streep und Hanks mit an Bord und Ende Mai begannen die Dreharbeiten. Für Spielberg war klar, dass dieser Film, an dessen Beginn eine Lüge der US-Regierung steht, so schnell wie möglich auf die Leinwand musste.

    Im Kino bekommt man nun von der Druckerschwärze fast schwarze Finger. „The Post“ ist atmosphärisch dicht, stimmig und schön anzusehen. Streep und Hanks geben ein geniales Duo ab. Spielberg erzählt gewohnt routiniert und spannend von der Bedeutung der Wahrheit und Entscheidungen mit weitreichenden Folgen. Schon im Kinosaal hat man das Gefühl einen Klassiker zu sehen. Es ist ein Film der sich nostalgisch gibt, jedoch eine ganz klare und hochaktuelle Botschaft vermitteln möchte. Eine starke Zivilgesellschaft kann der Willkür von Regierungen Einhalt gebieten. Grundvoraussetzungen dafür sind Pressefreiheit und ein unabhängiges Justizwesen.

    Bleibt zu hoffen, dass es noch viele Grahams und Bradlees gibt, die nichts über ihre Ideale stellen und sich nicht selbst zensurieren. Der Weg zu Wahrheit und Gerechtigkeit ist ein langer. Richard Nixon wurde 1972 wiedergewählt und trat erst 1974 im Zuge der Watergate-Affäre zurück.

    „The Post“ erhielt Oscar Nominierungen in den Kategorien Bester Film und Beste Hauptdarstellerin. Der größte Konkurrent dürfte sich nicht einmal unter den diesjährigen Nominierten finden, sondern ist vielmehr „Spotlight“, der sich ebenso mit der Pressefreiheit auseinandersetzt und 2015 ausgezeichnet wurde.

    Steven Spielberg | USA 2017 | 117 Min. | [usr 4]

    © Fotos: Universal Pictures

     

  • OSCARS 2018: Warum in diesem Jahr kein Kriegsfilm gewinnt.

    OSCARS 2018: Warum in diesem Jahr kein Kriegsfilm gewinnt.

    In einer Woche ist es wieder soweit. Am 4. März werden im Dolby Theatre in Los Angeles zum 90. Mal die Oscars vergeben. Jetzt könnten wir natürlich ganz entspannt bis nächsten Montag warten und in der Früh das Radio einschalten. Nun gibt es aber genug Filmbegeisterte, die nicht nur eine Nacht durchmachen, um die Verleihung live zu erleben. Spekulationen im Vorfeld über mögliche Gewinner gehören genauso dazu. Wettquoten spielen dabei eine große Rolle. Es ist so gut wie auf jedem Wettportal möglich, auf den eigenen Favoriten zu setzen. Die Mitglieder der Academy müssen ihre Stimmen aber bereits bis spätestens heute Abend abgegeben haben. Kurioserweise kann man also auf etwas wetten, dessen Ergebnis bereits feststeht. Alles streng geheim natürlich. Dafür sorgen die Notare von PricewaterhausCoopers. Sie haben in diesem Jahr während der Gala übrigens Handyverbot, damit sie sich besser auf die Kuverts konzentrieren können.

    Ob der wichtigste Preis der Filmwelt tatsächlich die Höhepunkte des Jahres vereint, sorgt jedes Jahr für Diskussionen. Lobbyingarbeit spielt bis zuletzt eine große Rolle. Manche haben einen fixen Startplatz, wie Meryl Streep (21. Nominierung), der Fels in der Brandung der Schauspielkunst oder Steven Spielberg, der immer nominiert ist, wenn er sich einem ernsten Thema widmet. In diesem Jahr kommt hinzu, dass durch den Fall Weinstein und die darauffolgende #metoo Debatte sozialer Aktionismus groß geschrieben ist. Die Traumfabrik wurde von der Wirklichkeit eingeholt. Ob der neue Hashtag von größerem Erfolg gekrönt ist als #OscarsSoWhite, wird sich zeigen. Einfluss genommen hat #metoo jedenfalls schon bei der Auswahl der Nominierungen. James Franco wurde für „The Disaster Artist“ erst gar nicht nominiert. Casey Affleck verzichtet als Vorjahressieger auf die traditionelle Preisübergabe im Folgejahr. Dafür gilt Gary Oldman heuer als aussichtsreichster Kandidat obwohl ihm auch Gewalttätigkeiten vorgeworfen werden.

    Damit nicht genug. Die ambivalente Rolle von Sam Rockwell, aussichtsreicher Kandidat für einen Oscar als Nebendarsteller, als rassistischer Polizist in „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ ist für manche zu positiv angelegt, als ob es darum ginge, das Publikum zu belehren. Political Correctness als Totschlagargument. Dabei wurde das Drehbuch von Martin McDonagh bereits bei den Filmfestspielen in Venedig ausgezeichnet.

    Ob das Rockwell die Statuette noch abspenstig machen kann, ist eher unwahrscheinlich. Es lässt sich aber sagen, dass es selten so viele Diskussionen rund um die Oscars gegeben hat, die letzten Endes nichts mit der Qualität der Filme zu tun hatten. Produktionen mit sozialkritischem Hintergrund sind stark vertreten, auch in der Kategorie Bester Fremdsprachiger Film. Die Abrechnung mit dem linksintellektuellen Bildungbürgertums in „The Square“ zählt ebenso dazu, wie „Nelyubov“ von Andrey Zvyagintsev oder „Una mujer fantástica“. „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“, der große Gewinner der Golden Globes, passt in dieses Muster.

    Für Regisseur Guillermo del Toro und sein Wassermärchen „The Shape of Water“ wird es wohl ein Start-Ziel-Sieg werden. Die Preisverleihungen der letzten Monate geben zwar Trends vor. Den großen Gewinner wird es bei den Oscars, die eigentlich Academy Awards heißen, in diesem Jahr aber nicht geben. Trotz der 13 Nominierungen für „The Shape of Water“.

    In einem anderen Jahr wäre Christopher Nolan mit „Dunkirk“, seiner Ode an das Blockbusterkino, eine sichere Bank gewesen. In diesem Kontext hat es ein Antikriegsfilm jedenfalls schwer, sei er technisch auch noch so ausgereift. Da „Dunkirk“ auch ein Hörerlebnis ist, kann davon ausgegangen werden, dass der Film zumindest diesbezüglich honoriert wird.

    Bis sich der Saal im Dolby Theatre füllt, bleibt genügend Zeit, um sich über die (weltweit) teils skandalösen Umstände in der Branche zu empören. Eine Empörung als Profilierung von Wichtigtuern, ohne die Ursachen zu bekämpfen. Hollywood war schon immer gut darin, die Wirklichkeit zu überspielen. Die nächste Party wartet schon.

    © Foto: AMPAS

  • BERLINALE: Goldener Bär an TOUCH ME NOT.

    BERLINALE: Goldener Bär an TOUCH ME NOT.

    „Touch Me Not„ von Adina Pintille erhält bei der Berlinale unter dem Jury-Vorsitz von Tom Tykwer überraschenderweise den Goldenen Bären für den Besten Film. Der experimentelle Film der rumänischen Regisseurin ist ein Forschungsprojekt zum Thema Intimität und hat bei der Premiere sehr unterschiedliche Reaktionen hervorgerufen. Ruth Beckermann wird für „Waldheims Walzer“ mit dem Dokumentarfilmpreis ausgezeichnet (Österreichpremiere demnächst bei der Diagonale).
    Die weiteren Preisträger:
    Silberner Bär Großer Preis der Jury
    „Twarz“ von Malgorzata Szumowska
    Silberner Bär Alfred-Bauer-Preis
    „Las herederas“ von Marcelo Martinessi
    Silberner Bär für die Beste Regie
    Wes Anderson für „Isle of Dogs“
    Silberner Bär für die Beste Darstellerin
    Ana Brun in „Las herederas“
    Silberner Bär für den Besten Darsteller
    Anthony Bajon in „La prière
    Silberner Bär für das Beste Drehbuch
    Manuel Alcalá und Alfonso Ruizpalacios für „Museo“
    Silberner Bär für eine Herausragende Künstlerische Leistung
    Elena Okopnaya für Kostüm und Produktion Design in „Dovlatov“
    Details zu den Filmen:
    (c) Foto: Manekin Film