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  • SIEBZEHN

    SIEBZEHN

    Es gibt Tage, da ist der Schultag schon vor der ersten Stunde gelaufen. Wenn man gerade siebzehn ist und ein Herz mit eindeutigen Initialen auf der Tafel vorfindet, zum Beispiel.

    Siebzehn handelt von Paula (wunderbar: Elisabeth Wabitsch), die in Charlotte (Anaelle Dézsy) verliebt ist. Die ist jedoch gerade mit Michael zusammen. In einer unaufgeregten Weise behandelt Art dieses Begehren, denn in diesem Mikrokosmos vor den Toren Wiens spielt es keine Rolle ob Bub und Mädchen oder Mädchen und Mädchen eine Beziehung führen (wollen). Es geht ganz allgemein um Liebesnöte in diesem Alter. Die so aufkommende Verzweiflung einer unerwiderten Liebe fängt der Film immer wieder treffend ein.

    Man fühlt sich an La belle Saison (2015), wobei der von Siebzehn bei weitem übertroffen wird, oder vielmehr an La Vie d’Adèle (2013) erinnert. Allerdings wählt Art einen subtileren Umgang mit Erotik und verzichtet auf Nacktheit.

    Die Besetzung besteht aus Laien- und ProfidarstellerInnen und bei den Dreharbeiten wurde gemeinsam improvisiert. Das verleiht dem Film eine Leichtigkeit und Authentizität. Es gibt witzige Momente, auch wenn das Potential nicht voll ausgeschöpft wurde. Aber all die Unzulänglichleiten, die durch so eine Arbeitsweise aufteten, machen den Film nur sympathischer. Der Soundtrack dazu kommt unter anderem von Clara Luzia, Mo, Wanda und Bilderbuch.

    SIEBZEHN spielt im niederösterreichischen Lanzendorf. Endlich bekommt die österreichische Provinz einen würdigen Leinwandaufrtritt abseits von Mord und Totschlag. Die großen Dramen spielen sich hier genauso wie in Paris, New York oder der Toskana ab. Art, sie bekam in diesem Jahr für ihr Debüt den Max Ophüls Preis, setzt die Landschaft gekonnt in Szene, ohne viel Zeit für Totale zu verschwenden, bleibt meist nah an ihren Figuren.

    SIEBZEHN ist ein Film in den Farben des Sommers. Fortsetzung erwünscht. Man möchte mehr über die Zukunft der Charaktere erfahren und über mehr Anmachsprüche wie „Diese grüne Wand schaut voll arg aus.“ lachen können.

    Monja Art AUT 2017 109 Min

  • HELL OR HIGHWATER

    HELL OR HIGHWATER

    Eines der Filmhighlights des letzten Jahres läuft nun endlich auch bei uns an.

    Die Brüder Tanner (Ben Foster) und Toby Howard (Chris Pine) haben einen Plan. Um der schon Generationen übertragenden Armut zu entkommen und wenigstens Tobys Kinder etwas hinterlassen zu können, wollen sie ihr verbliebenes Stück Land von den darauf lastenden Schulden befreien.

    Der Plan sieht einen Raubzug durch Texas vor. Eine Zeit lang geht es gut, gerade jene Banken auszurauben, bei denen das Grundstück mit der Hypothek belastet ist. Zu Unrecht, wie die Howards finden. Auf Dauer kann das natürlich nicht gut gehen und sie beginnen Fehler zu machen. So nehmen die Dinge ihren Lauf.

    Foster und Pine geben ein grandioses Duo ab. Der Film hat aber noch ein weiteres Ass im Ärmel. Jeff Bridges spielt einen, kurz vor der Pensionierung stehenden, Texas Ranger und nimmt bald als letzte Amtshandlung die Verfolgung auf. Voll altersmüder Coolness und Sarkasmus glänzt Bridges in einer Performance, die seines gleichen sucht, liefert im Dialog mit seinem Deputy (Alberto Parker) Pointen, bei denen man sich fragt: Darf man da jetzt lachen?

    HELL OR HIGH WATER thematisiert die archaischen Strukturen in der Welt der letzten Cowboys im konservativ republikanisch geprägten West Texas und die Wirtschaftskrise als Misere der Provinz. In der weiten Welt sollen Werte und die innere Sicherheit verteidigt werden, auf die Menschen zu Hause hat man vergessen. Die Immobilienblase ist geplatzt, die Banken wollen an ihr Geld. Mangels Arbeit, Infrastruktur und Zukunftsperspektiven greifen die Protagonisten zur Waffe und versuchen, sich so Gerechtigkeit zu verschaffen.

    Der Western ist im 21. Jahrhundert angekommen. HELL OR HIGHWATER ist nicht nur spannendes Kino sondern auch sehr komisch. Eine klare Empfehlung.

    David Mackenzie USA 2016 102 Min.

     

  • GET OUT

    GET OUT

    Als 1982 E.T. the Extra-Terrestrial in die Kinos kam, wurde um das Aussehen des kleinen Außerirdischen ein großes Geheimnis gemacht. Nur auf der Leinwand konnte man sehen, wie er aussah. So eine PR-Aktion wäre heute leider undenkbar.

    Nun läuft ein Film in den Kinos und je weniger man über ihn weiß, umso größer ist der Unterhaltungsfaktor. Drehbuchautor und Regisseur Peele erzählt die Geschichte von Chris Washington (Daniel Kaluuya) und davon, dass man es als Afroamerikaner in der amerikanischen Gesellschaft nicht immer leicht hat und selbst die besten auch noch so liberalen Familien nicht vor Rassismus gefeit sind. Ein Wochenende bei der Familie der Freundin kann da schon mal stressig werden.

    Eine Gesellschaftssatire mit – naja, einfach mal ins Kino gehen, GET OUT ist eine absolute Empfehlung. Wer superneugierig ist oder den Film schon gesehen hat, darf natürlich weiterlesen.

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    Die Attribute, die GET OUT zugeschrieben werden, sind vielfältig. Allein die Biographien von Regisseur und Hauptdarsteller zeigen deren unterschiedliche Betätigungsfelder und so lässt sich auch ihr Film nicht so einfach zuordnen. Peele spielt mit dem unterschwelligen Rassismus mit dem Afroamerikaner in den USA tagtäglich konfrontiert sind. Auch Chris musste in der Vergangenheit negative Erfahrungen machen und hat sich daher ein kalmierend defensives Verhalten antrainiert, wenn er wieder einmal mit einer herablassenden Bemerkung konfrontiert wird. Peele hält dem Teil der Gesellschaft den Spiegel vor, die Barack Obama und Tiger Woods eh total super finden und trotzdem beispielsweise mit haarsträubenden genetischen Theorien daherkommen.

    GET OUT ist eine Komödie. Gerade weil diese Stereotype so abgedroschen sind, entstehen komische Situationen. Das kann aber schnell kippen, wenn sich herausstellt, dass diese Ansichten einer tiefsten Überzeugung entstammen und es nicht bei verbalen Ergüssen bleibt. GET OUT ist auch eine Thriller und die unangenehme Spannung, die Peele kontinuierlich aufbaut um an sein Zeil zu gelangen, ist beeindruckend.

    Aber das ist noch nicht alles. Gegen Ende fühlt man sich an Hannibal (2001) erinnert, auch wenn es nicht ganz so unappetitlich wird. Manches hat beim Abendessen bei Tisch einfach nichts verloren. GET OUT streut Horrorelemente ein, die sitzen. Chris muss schon einiges mitmachen an diesem Wochenende. Miss Armimage (großartig: Catherine Keener), die Mutter seiner Freundin, macht ihm das Leben schwer, was im schlimmsten Fall in massiven Kopfschmerzen enden kann.

    Jordan Peele USA 2017 104 Min.

  • TIGER GIRL

    TIGER GIRL

    „Ich muss gar nix außer schlafen, trinken, atmen und ficken“ texteten Grossstadtgeflüster vor ein paar Jahren. „Ich muss gar nix außer fremden Leuten die Fresse polieren“ beschreibt in etwa den neuen Film von Jakob Lass (Love Steaks), für den die Band Teile des Soundtracks beigesteuert hat.

    Das Mädchen Vanilla (Maria Dragus) träumt davon, in eine Polizeiuniform zu schlüpfen. Mangels Begabung landet sie aber bald in einer Ausbildung für Sicherheitskräfte, auch Securities genannt. Also vorbelastet.

    Anfangs konformistischen Zwängen unterlegen, belächelt und belästigt, trifft sie bald auf Tiger (Ella Rumpf). Ganz ohne Polizeiuniform zeigt sie den anderen, wo es lang geht und bahnt sich ihren Weg mit Hand, Fuß und Baseballschläger durch den Alltag auf der Straße in der Großstadt. Genug Anziehungspunkte für Vanilla und so ist das der Beginn einer intensiven Freundschaft. Getarnt als Securities rauben die zwei als partner in crime unschuldige Passanten aus und lassen ihrer Zerstörungswut freien Lauf. Alles für den Nervenkitzel. Am Ende steht die pure Freude an der Gewalt. Auch oder gerade weil diese nicht übertrieben ausartet, obwohl sie faschistoide Züge trägt, verfehlt sie ihre Wirkung nicht. Jeder Schlag sitzt.

    TIGER GIRL wirkt lange frisch, mit Ecken und Kanten und steht in der Tradition des dem US-Independent Kino entsprungenen Genres Mumblecore, in der Improvisation den Dogma Filmen nicht unähnlich, jedoch bei Lass visuell konstruierter und mit Profi DarstellerInnen.

    Mit der Zeit erschöpft sich Haudrauf-Schose dann aber doch. Über den Hintergrund und die Motivation der Protagonistinnen wird das Publikum im Unklaren gelassen. Für Lass steht allein die Destruktiviät im Zentrum. Mit mehr Tiefgang hätte aus TIGER GIRL ein großer Film werden können.

    Zum Schluss bekommt Vanilla ihre Polizeiuniform, ganz ohne Polizeischule. Dann ist sie nicht mehr das kleine Mädchen vom Beginn des Filmes, das sich von einem Jungen begrapschen lässt. Aber immer noch ohne rosige Zukunftsaussichten.

    Jakob Lass D 2017 90 Min.

  • KONG: SKULL ISLAND

    KONG: SKULL ISLAND

    King Kong der Riesenaffe ist seit seinem ersten Erscheinen auf der Leinwand im Jahr 1933 sowas wie eine Hollywoodlegende und ist bis heute Fixpunkt einer jeden Tour durch die Universal Studios. Zwischen zerstörerischem Monster und Affen mit menschlichen Zügen angesiedelt, ist er ein Synonym für den Drang der Menschheit, sich die Natur Untertan zu machen und deren Gier nach Sensationen.

    Eine Gier der ganz anderen Art, gepaart mit Ideenlosigkeit, bringt den King nun als Teil des MonsterVerse von Warner Bros. und Legendary Entertainment abermals ins Kino. Dieses Franchise hat ganz offensichtlich das Marvel Cinematic Universe zum Vorbild und stützt sich auf die Lizenzen für Kong und Godzilla. Weitere Filme und Monster folgen, Post Credit Szenen und exzellentes SchauspielerInnen Ensemble inklusive. Davon schaffen nur John C. Reilly und Samuel L. Jackson stimmige Charaktere. Brie Larson, John Goodman und Tom Hiddleston bleiben farblos. In manchen Szenen gewinnt man aber den Eindruck, als würde Hiddleston doch einen passablen neuen Bond abgeben.

    SKULL ISLAND ist aber nicht mehr als ein B-Movie, das sich selbst leider zu ernst nimmt, umgesetzt von einem relativ unerfahrenen Regisseur. Was nichts anderes bedeutet, als dass bei der Endfertigung des Filmes viele Hände im Spiel waren, vor allem im Schneideraum. Gut möglich, dass Kong dann irgendwann mit seinen Fäusten auf die Tastatur gehauen hat. Man kann es ihm nicht verdenken, aber so sieht es dann zum Schluss aus: Hau drauf Schnitte ohne Timing.

    Der Film spielt nach dem Ende des Vietnamkrieges und verbindet Kriegsfilmästethik und Retrolook. Die zahlreichen Versatzstücke aus Apocalypse Now, wie schon auf dem Filmplakat, nerven mit der Zeit. Die Überzeichnung mittels Splatterelementen hilft nur bedingt. Mittelmäßige Spezial Effekte und schwankende Proportionsverhältnisse rauben dem Edeltrash die bescheidensten Qualitäten.

    Trotzdem Kong die Größendimension eines Hochhauses erreicht hat, um im für 2020 angekündigten Film gegen Godzilla anzukommen, muss der King noch mehr wachsen. Mit „politisch verkommenen und menschenverachtenden Schrott“ findet der Spiegel deutliche Worte. Eine zeitlang mag KONG zu unterhalten, zum Schluß verläßt man das Kino aber wegen der lieblosen Umsetzung eher enttäuscht. In 3D, wie so oft aber völlig unnötig.

    Jordan Vogt-Roberts USA 2017

  • NERUDA

    NERUDA

    Oscar Peluchoneau (Gael Garcia Bernal) ist ein junger, gewissenhafter Inspektor. Es ist das Jahr 1948 in Chile, in dem es zum Bruch der Kommunisten mit dem faschistischen Präsidenten González kommt und der Kalte Krieg seine Hände auch nach dem südamerikanischen Land ausstreckt. Dichter und Senator Pablo Neruda (Luis Gnecco) lehnt sich gegen die Regierung auf und wird folglich zum Staatsfeind erklärt. Nachdem er mit seiner Frau Delia (Mercedes Morán) untergetaucht war, wird Peluchoneau mit seiner Festnahme beauftragt. NERUDA ist die Geschichte dieser Flucht, die zu einem humorvollen Katz-und Maus-Spiel zwischen Jäger und Gejagten wird.

    Neruda ist seinem Verfolger immer einen Schritt voraus. Bald findet er gefallen an dem jungen Mann, hinterlässt ihm Nachrichten. Einmal schreibt er, daß er es war, der ihn erst geschaffen hätte. Der Film spielt mit dieser Aussage und lässt offen, ob es sich bei der Person des Inspektors um eine Erfindung Nerudas handelt. Genauso kann sich das Publikum eine eigene Meinung darüber bilden, wer von den beiden nun der eigentliche Protagonist ist. NERUDA handelt auch von der Beziehung zwischen den beiden und der Sehnsucht nach Poesie, die in Peluchoneau geweckt wird. Dichter, Politiker, Frauenheld. Einer Faszination kann sich auch der Inspektor nicht erwehren.

    NERUDA ist kein typisches Biopic. Larraín schafft einen Genremix, in dem er biographische Elemente mit einer Detektivgeschichte im Stil des Film noir verbindet und sich dabei in ironischer Weise der Bildästhetik der 1940 Jahre bedient. Trotz des bekannten Ausgangs hält der Film die Spannung bis zum Schluss. Dem Regisseur gelingt das Kunststück, neben JACKIE innerhalb eines Jahres eine zweite hochgelobte Arbeit ins Kino zu bringen.

    Um eine weitere, allerdings fiktive Episode aus Nerudas Leben im italienischen Exil geht es in IL POSTINO (Der Postmann, Michael Radford, 1994), der vor kurzem auf Bluray erschienen ist. Die Geschichte über eine berührend poetische Freundschaft zwischen Neruda (Philippe Noiret) und einem Postmann, gespielt vom totkranken Massimo Troisi, ist ein herzzerreißendes Filmjuwel, das man sich nicht entgehen lassen sollte.

    Pablo Larraín  CHL/ARG/F/E 2016 107 Min

     

  • MOONLIGHT

    MOONLIGHT

    Einmal wird Chiron, die Hauptfigur in Jenkins‘ Filmdrama, nach einer Schlägerei im Klassenzimmer von der Polizei abgeführt. Ansich harmlos, hat man im vergangenen Jahr jedoch Dokumentationen wie 13TH gesehen, weiss man, was dies für Konsequenzen hat. Als Afroamerikaner kommt Chiron ins Gefängnis. Das erklärt auch den bitterbösen Blick Denzel Washintons während der Dankesrede von Casey Affleck bei der diesjährigen Oscar Verleihung. Auch wenn es bei Affleck wegen der Vorwürfe der sexuellen Belästigung zu keiner Verurteilung gekommen ist (man einigte sich außergerichtlich), als Schwarzer wäre er allein des Verdachts wegen ins Gefängnis gekommen.

    Doch diese gesellschaftspolitischen Gegebenheiten interessieren Jenkins nur am Rande. MOONLIGHT spielt anfangs im Drogenmilieu der Suburbs Miamis, liefert jedoch eine völlig neue Perspektive. Chiron ist homosexuell. Der Film zeigt aus der Sicht von Chiron, wie seine Umwelt damit umgeht und wie er selbst mit seinem Schicksal hadert. Gängige Klischees werden gesprängt, etwa wenn der eine Art Vaterrolle einnehmende Drogendealer (Mahershala Ali) dem kleinen Buben bedacht über seine Sexualität aufklärt. Später als Erwachsener hat sich Chiron nach Außen hin zu einem starken Kerl entwickelt. Hinter der Fasade sieht es jedoch anders aus. Der Soundtrack widerspiegelt diese innere Zerrissenheit Chirons, reicht von basslastigen Klassikelementen bis Rap. Da kann so manches Musical die Koffer packen. Zum Nachhören taugt der Soundtrack nur bedingt. Die Tracks werden nur angespielt und lieblos ausgeblendet.

    MOONLIGHT ist wie ein Triptychon aufgebaut und behandelt drei Lebensabschnitte. Titelgebend sind die jeweiligen Spitznamen Little, Chiron und Black. Daher wird Chiron auch von drei unterschiedlichen Darstellern verkörpert: der neunjährige Little von Alex R. Hibbert, der Teenager von Ashton Sanders und schließlich als Erwachsener mit harter Schale und weichem Kern von Trevante Rhodes. Diese dramaturgischen Brüche schmälern die aufkommende Empathie für den Charakter keineswegs. Die Kamera von James Laxton hat großen Anteil daran. Der subjektive Stil schafft eine besondere Nähe zu den Protagonisten.

    Mahershala Ali ist nach Hidden Figures abermals in einer einprägsamen, diesmal Oscar prämierten Nebenrolle zu sehen. Man darf auf seine erste Hauptrolle gespannt sein.

    MOONLIGHT gebührt Anerkennung. Die Academy hat dies erkannt. Im Oktober startete der Film in den USA in vier Kinos, im Februar lief er auf 1.014 Leinwänden. Mit einem Budget von 1.5 Mio. USD der günstigste Gewinner überhaupt und der erste Oscar für einen Film eines afroamerikanischen Regisseurs – bei der 89. Verleihung. Ein in vielerlei Hinsicht bedeutender Film.

    Barry Jenkins | USA 2016 | 115 Min.

  • The Beauty and the Beast

    The Beauty and the Beast

    Die Realverfilmung des Disney Klassiker aus dem Jahr 1991 ist ab 16 Jahren freigegeben – in Russland – aber dazu später.

    1991 schrieben die Disney Studios aus mehreren Gründen Filmgeschichte und da ist bei einer Neuverfilmung erst recht Skepsis angebracht. Nicht nur, dass der Film ein großer finanzieller Erfolg war, die Musik von Alan Menken bis heute unvergesslich und die Ballsaalszene ein Meilenstein der 3D Animation ist, der Grundstein für folgende Animationsfilme war gelegt, brachte der 30. abendfüllende Animationsfilm dem Studio bei den Oscars in der Kategorie „Bester Film“ eine Nominierung ein (damals beinhaltete die Liste lediglich fünf Nominierte). Belle war anders als die anderen Disney Schönheiten. Klug und dickköpfig lehnte sie sich gegen die dörflichen Strukturen auf und wollte vor allem die Erwartungen der männlichen Bewohner so gar nicht erfüllen. Eine frühe Feministin. Die Frage nach dem Warum der Neuverfilmung erübrigt sich aber lohnt sich ein Kinobesuch?

    Bei Disney ist man sich des Potenzials der eigenen Vergangenheit natürlich bewusst. Demensprechend nahe ist der aktuelle Film am „Original“: Gesangsnummern („Sei hier Gast“ ist fulminant choreographiert), Dialoge Passagen und Kostüme bleiben nahezu unverändert. Allerdings dauert die Realverfilmung gut 45 Minuten länger und um diese Zeit auszufüllen, haben sie sich durchaus etwas einfallen lassen. Nicht nur neue Musiknummern. Gerade in diesen Sequenzen beschreitet der Konzern neue Wege und wird politisch.

    Sowohl der Charakter der Belle (Emma Watson), als auch ihre Beziehung zum Biest (Dan Stevens, angeblich) bekommen mehr Raum und somit mehr Tiefe. Sie stellen das Bildungsbürgertum dar, vom Rest belächelt und gefürchtet. Gaston (Luke Evans) hetzt den Mob zuerst gegen Belles Vater (Kevin Kline) und folglich gegen das Biest auf. Xenophobie und Rassismus sind schnell geweckt. Thematiken, derer sich Disney bereits in ZOOTOPIA angenommen hat. Länder wie Russland und Malaysia stößt aber etwas ganz anderes sauer auf. Die Rolle von Gastons Handlanger Lefou (Josh Gad) trägt homosexuelle Züge – und nicht nur der aber das scheint noch nicht aufgefallen zu sein. Dies gipfelt in der finalen Tanzszene, in der für keine 3 Sekunden Lefou mit einem Mann das Tanzbein schwingt. Die potentielle Empörung muss dem Konzern im Vorfeld bewusst gewesen sein. Die Szenen umzuschneiden wird jedenfalls kategorisch ausgeschlossen.

    Wer den Zeichentrickfilm liebt, wird auch jetzt im Kino in dieser düsteren Version gut unterhalten. Im Gegensatz zu CINDERELLA (2015) bleibt etwas vom Zauber des Vorbildes erhalten. Dies ist zu einem großen Teil Emma Watson zu verdanken. Die Rolle scheint ihr auf den Leib geschrieben. Dass sich die Darsteller, wie in diesem Genre üblich, in animierten Bilderwelten bewegen, muss man nicht mögen. Die schon in CINDERELLA entfesselt Kamera ist bei HERR DER RINGE und Co. besser aufgehoben, entfernt man sich dadurch nur unnötig von den Charakteren. Die Geschichte selbst ist stark genug und benötigt keine Effekthascherei. In Österreich auch schon für Menschen ab sechs Jahren geeignet.

    Bill Condon USA 2017 130 Min.

  • DIE LANGEN GROSSEN FERIEN

    DIE LANGEN GROSSEN FERIEN

    Frankreich 1939. Colette (6) und ihr großer Bruder Ernest (11) fahren mit ihren Eltern über den Sommer aufs Land zu den Großeltern. Die Mutter muss bald aus gesundheitlichen Gründen in die Schweiz. Doch dann bricht der Krieg aus und der Vater muss an die Front.

    Die beiden Geschwister bleiben bei ihren Großeltern zurück. Was folgt sind Jahre der Abenteuer aber auch der Unsicherheit und der Angst. Die Serie wird aus der Sicht der beiden Kinder erzählt. Anfangs verstehen sie nicht was vor sich geht, warum das Essen knapp wird und Freunde in der Schule auf einmal einen gelben Stern tragen müssen. Dies ändert sich im Laufe der Jahre. Mit der deutschen Besatzung entsteht eine Widerstandsbewegung, der sich auch die Kinder anschließen.

    Die Zeichentrickserie DIE LANGEN GROSSEN FERIEN des französischen Studios Les Armateurs erzählt Zeitgeschichte spannend und kindergerecht. Es wird kaum ein Thema ausgespart aber auf visuelle Gewalt weitgehend verzichtet. Auch für Erwachsene ist die Serie sehr empfehlenswert.

    Bei Netflix ist die Miniserie in fünf Folgen zu je 48 Minuten zu sehen.

    Paul Leluc FR 2015

  • LA LA LAND

    LA LA LAND

    Es beginnt mit einer vielversprechenden Eröffnungssequenz, bei der mehr Autos demoliert werden als in Blues Brothers und im Grunde nimmt Damien Chazelle das große Finale eines klassischen Musicals vorweg. Ein Film wie eine Achterbahnfahrt. Allerdings geht es ständig bergab.

    Musical, Komödie, Drama und Romanze: Chazelle will alles aber am Schluss ist es nichts von alledem. Zuerst großes Musical, dann streckenweise durchaus witzig aber der Witz geht zur Hälfte hin verloren und übrig bleibt eine platte Liebesgeschichte zwischen einer angehenden Filmschauspielerin und einem aufstrebenden Jazzmusiker. Dass der Film kein völliges Desaster ist, verdankt er Stone und Gosling. Gosling aber das Prädikat als besten Darsteller im Jahr 2016 anzuerkennen, ist dann doch ein Armutszeugnis für das vergangene Filmjahr.

    Gut, der Song City of Stars ist ein Ohrwurm – obwohl Gosling nicht singen kann – und das Ende des Filmes entspricht erfrischender Weise eben nicht dem Hollywood-Klischee.

    Man wird jedoch den Eindruck nicht los, dass hier ein potentieller Oscar, bzw. Filmpreis Kandidat am Reisbrett entworfen wurde. Die aufkommenden Beziehungsprobleme, die dem Musical Tiefe verleihen sollen, wirken aufgesetzt. Stones Auditions Scene kann als Bewerbungsvideo für die Academie verstanden werden. Gut möglich, dass sie in diesem Jahr mit einer Statue nach Hause geht. Der Film wird mit Nominierungen übersät werden und die Chancen der Abräumer des Jahres zu werden, stehen nicht schlecht.

    Hollywood-Nostalgie pur in den Farben der französischen Filmmusicals der 1960er Jahre. In jedem Fall ist der Film eine gute Gelegenheit, um sich im Gartenbaukino bei einer Retrospektive den ein oder anderen, von Chazelle zitierten, Musical Klassiker auf der großen Leinwand anzuschauen.

    Damien Chazelle USA 2016 128 Min.