Autor: Michael Holly

  • BOOKSMART ★★★★½

    BOOKSMART ★★★★½

    What utter rubbish. Worst movie of this year, this decade, this millennium. In fact worst movie ever. If this is anything like what high school is these days then I truly weep for the future.“ Wer sich so im Netz äußert, muss einen Donald-Trump-Pappaufsteller in der Wohnung haben oder nein, mindestens eine aufblasbare Puppe des Präsidenten sein eigen nennen. Dieses homophobe Warzenschwein! Wobei, wenn uns Booksmart, der erste Spielfilm der Schauspielerin Olivia Wilde, eines lehrt, dann dass man mit allzu voreiligen Zuschreibungen vorsichtig sein sollte.

    Molly (Beanie Feldstein), eine hyperaktive Streberin vor dem Herrn und ihre beste Freundin Amy (Kaitlyn Dever), scheinbar unauffälliger aber wenn es um feministische Angelegenheiten geht nicht weniger energisch, stehen kurz vor dem Highschool-Abschluss. Jahre der Entbehrungen liegen hinter ihnen. Hatten sie doch ihr gesamtes Leben dem Schulerfolg untergeordnet. Am Tag vor der Abschlusszeremonie kommt das böse Erwachen. Selbst die am wenigsten ambitionierten MitschülerInnen schafften es, an Eliteunis aufgenommen zu werden. Panik macht sich breit.

    Also putzen sich die zwei heraus und versuchen in einer vermeintlich perfekten Nacht all das Versäumte nachzuholen. Booksmart nimmt uns mit auf eine abenteuerliche Reise, die nicht nur voller Überraschungen steckt sondern auch noch wahnsinnig unterhaltsam ist. Mit viel Liebe zu ihren Charakteren inszeniert Wilde eine Odyssee durch das nächtliche L.A. und lässt ihre Hauptdarstellerinnen auf der Suche nach der coolsten Party der Stadt von einer skurrilen Situation in die nächste stürzen. Feldstein und Dever geben dabei ein kongeniales Duo ab. Nur ein Höhepunkt von vielen ist eine Stop-Motion Barbie-Drogen-Halluzinations-Sequenz. Zum schreien komisch. Muss man gesehen haben.

    Dabei wird Diversität groß geschrieben. Die unterschiedlichsten sexuellen Orientierungen sind hier das Selbstverständlichste auf der Welt. Genderfragen werden fast beiläufig thematisiert. Das alles ist von einer erfrischenden Natürlichkeit, wie man es in High School Komödien bisher nicht gesehen hat. Der Film ist bis in die kleinesten Rollen fein besetzt, wartet mit einem spitzen Soundtrack auf (Dan the Automator) und überzeugt mit einer kreativen Kameraarbeit (Jason McCormick).

    Booksmart ist eine Geschichte über eine Freundschaft, bizarr und deftig und trotzdem intelligente Unterhaltung mit einem feministischen Unterton. Ein Wohlfühlfilm, der auch unter der Oberfläche einiges zu bieten hat.

    BOOKSMART | OLIVIA WILDE | USA 2019 | 105 Min. | [usr: 4,5]


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  • THE KOMINSKY METHOD – S2

    THE KOMINSKY METHOD – S2

    Sandy (Michael Douglas), der Schauspiellehrer und sein ehemaliger Agent und bester Freund Norman (Alan Armin) sind ein Glücksfall für die Serienwelt. Die beiden haben eigentlich nichts gemeinsam. Sandy ist ein Lebemann, ehemaliger Hollywoodschauspieler, drei Mal geschieden und genießt das Leben immer noch in vollen Zügen. Norman ist da konservativer. Ein Zyniker, für den das Leben durch den Tod seiner Frau nicht mehr viel zu bieten hat. Was sie verbindet sind die Widrigkeiten des hohen Alters. Bei jeder Gelegenheit kommen Themen zur Sprache, die in der Gesellschaft sonst eher keinen Platz haben, früher oder später aber doch jeden betreffen. Alles dreht sich um das körperliche Un-wohlbefinden und die Frage, ob man im hohen Alter noch eine Beziehung eingehen kann.

    In The Kominsky Method hat man schon im letzten Jahr von Beginn an gemerkt, dass die Darsteller einen großen Spaß bei der Arbeit haben und das schlägt sich natürlich auf die Stimmung der ganzen Serie nieder. Wer den Auftritt von Michael Douglas in den sozialen Medien kennt, der weiß, dass ihm der Schalk aus den Augen schaut.

    Wenn es einen nicht stört, zwei alten Männern dabei zuzuhören, wie sie sich immer wieder über ihren Harndrang auf dem laufenden halten, wird mit The Kominsky Method auch im zweiten Jahr eine Freude haben. Neben den pointierten Dialogen schlägt die Serie gegen Ende der zweiten Staffel aber auch ernste Töne an, allerdings ohne dabei den Pfad einer Comedyserie zu verlassen.

    Die Serie hat einige Stargäste zu bieten. Wer errät, wer der junge Mann ist, der am Ende der Staffel als Enkel von Norman seinen Auftritt hat?

    Ob es eine dritte Staffel geben wird, erfahren wir im Jänner 2020. Die Zeichen dafür stehen aber gut, vorausgesetzt die Darsteller erfreuen sich auch im echten Leben bester Gesundheit.


    THE KOMINSKY METHOD Staffel 1 + 2 – nach einer Idee von Chuck Lorre (Two and a Half Men, The Big Bang Theory) – jetzt bei Netflix.

  • MIDWAY – FÜR DIE FREIHEIT ★★½

    MIDWAY – FÜR DIE FREIHEIT ★★½

    Sommer 1996. Roland Emmerich sprengt das Weiße Haus in die Luft. Mit seinem Alien-Science-Fiction-Film Independence Day schafft der deutschstämmige Regisseur nicht nur den Durchbruch, sondern legt den Grundstein für eine Welle von Disastermovies mit patriotistischem Einschlag. Der Zerstörungswut ist Emmerich bis heute treu geblieben. Bei seinem neuesten Film Midway – Für die Freiheit muss man nicht lange warten, bis einem die Bomben um die Ohren fliegen.

    Die Midwayinseln liegen genau zwischen Kalifornien und Japan. Daher kommt der Name. Sie umfassen eine Fläche von nur 6.2 km2 und hatten bis Anfang der 1990er Jahre eine immer wieder unterschiedliche strategische Bedeutung. Die Schlacht um Midway wird einigen aufgrund des gleichnamigen Filmes aus dem Jahr 1976 ein Begriff sein. Damals schaffte ein Allstar Ensemble mit Henry Fonda, Charlton Heston, James Coburn und Robert Mitchum die entscheidende Wende im Pazifikkrieg. Nachdem Angriff auf Pearl Harbor kam es im Juni 1942 hier zu einem zweiten Aufeinandertreffen der amerikanischen Marine und der kaiserlichen Marine Japans. Obwohl die Amerikaner stark in der Unterzahl waren, konnten sie durch eine erfolgreiche Geheimdienstarbeit die Schlacht für sich entscheiden.

    Roland Emmerichs Erzählung setzt mit dem Moment des Überraschungsangriffes auf Pearl Harbor am 7. Dezember 1941 ein, der den Eintritt der USA in den Zweiten Weltkrieg markiert. General Chester Nimitz (Woody Harrelson) wird durch den Geheimdienstoffizier Edwin T. Layton (Patrick Wilson) darüber informiert, dass der Angriff vorhersehbar war, es in Washington aber niemand wahrhaben wollte. Folglich möchte Nimitz einen solchen Fehler in Zukunft vermeiden. Verschlüsselte Geheimdienstinformationen lassen auf einen Angriff auf die Midwayinseln schließen. Es ist aber einiges an Überzeugungsarbeit zu leisten, um die Zuständigen davon zu überzeugen. Der Film nimmt sich viel Zeit, um auf die Bedeutung der Geheimdienstarbeit für den Erfolg bei der Schlacht hinzuweisen.

    Die 138 Minuten von Midway – Für die Freiheit vergehen wie im Flug. Obwohl der Ausgang bekannt ist und sich nie so wirklich ein Spannungsbogen etablieren kann. Die Dialoge bleiben unauffällig, genauso wie die schauspielerischen Leistungen. Im Mittelpunkt steht der Kampfpilot Richard Best (Ed Skrein), der wie seine Kollegen aus vollster Überzeugung für Demokratie und Frieden seine Einsätze fliegt. Keine Sekunde wird ein Zweifel daran gelassen, dass es sich hier um einen Kriegsfilm handelt. Sogar der Gegner wird als jemand dargestellt, der heldenhaft kämpft und ehrenvoll mit dem eigenen Schiff untergeht.

    Der letzte Film, der sich mit einem militärischen Ereignis aus dem Zweiten Weltkrieg auseinandergesetzt hat, war Christopher Nolans Dunkirk. Beide Filme könnten unterschiedlicher nicht sein. Während Dunkirk das Publikum mit seiner Erzählweise und den spektakulären Aufnahmen in Atem hält, wirkt die Inszenierung der Kampfszenen in Midway wie aus einen Computerspiel. Das hängt auch damit zusammen, dass hier nichts echt ist und der Greenscreen somit allgegenwärtig. Offenbar reichen heute 100 Millionen Dollar nicht mehr aus, um einen halbwegs realistisch wirkenden Film dieser Größenordnung zu machen.

    Hinzu kommt, dass Midway in seiner Erzählweise in den 1990er Jahren steckengeblieben ist. Hier ist nichts innovativ. Es ist zu hoffen, dass diese Art von historischem Retrokino die Ausnahme bleibt. Bleibenden Eindruck hinterlässt Midway nämlich keinen und ist bei verlassen des Kinosaales schon fast wieder vergessen. Vielleicht wird es wieder Zeit, dass Roland Emmerich das Weiße Haus pulverisiert, eine Alieninvasion ist in nächster Zeit nämlich keine zu erwarten.

    ROLAND EMMERICH | USA 2019 | 137 Min. | [usr 2,5]


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  • VIENNALE 2019 | Rückblick | Als das Foyer im Gartenbaukino ganz Wien aufgeheizt hat.

    VIENNALE 2019 | Rückblick | Als das Foyer im Gartenbaukino ganz Wien aufgeheizt hat.

    Die 57. Viennale ist vorüber. Es war die Zweite unter der Direktorin Eva Sangiorgi. Als einprägsamste Veränderung ist die, schon im Vorjahr vollzogene, Programmzusammenlegung von Dokumentar- und Spielfilmen geblieben. Schriftzug, Programmheft und Logo sind noch immer so, wie man es seit vielen Jahren gewohnt ist. Sogar die Abneigung gegenüber den, für die mediale Berichterstattung nicht unwichtigen, Stargästen ist noch da. Die Festivalzentrale im Museumsquartier liegt immer noch weit abseits von jeglicher Spielstätte. Das Publikum ist der Viennale treu geblieben: 92.100 BesucherInnen kann das Festival in diesem Jahr verbuchen. Somit hält man das Niveau der letzten Jahre.

    Dabei ist die persönliche Auswahl der Filme schwierig geworden. Neben der oben erwähnten Vereinigung von Dokumentar- und Spielfilmen, fehlen im Programmheft jegliche Hinweise darüber, auf welchen Festivals die Filme bisher gelaufen sind und ob sie dort Auszeichnungen erhalten haben. Die Viennale ist kein Premierenfestival, sondern gibt einen Überblick über das aktuelle Filmjahr. Das ist gut so. Somit können die Vorstellungen von allen besucht werden. Möchte man sich aber nun jene Filme herauspicken, die andernorts erfolgreich waren, ist eine aufwendige Recherche gefragt. So lief beispielsweise der Gewinner des Locarno Film Festival Vitalina Varela von Pedro Costa einmal im Filmmuseum und dann noch zu Mittag im Gartenbaukino. Kann man übersehen.

    Für viele sind somit die Vorstellungen um 18:00 und 20:30 im Gartenbaukino die erste Wahl. Auch in diesem Jahr konnte man so zahlreiche Highlights genießen. Oft heiß ersehnte Filme, die jedoch ohnehin in den nächsten Wochen und Monaten regulär im Kino anlaufen, wie zum Beispiel Booksmart, The Lighthouse oder Jo-Jo Rabbit und ein paar andere mehr. Die meisten übrigens in der ersten Festivalwoche. Überwiegend Produktionen aus den USA. Es sind auch jene, die am ehesten überzeugen konnten. Abseits davon Filme für sich zu entdecken, die einen begeistern, ist bei einer Auswahl von rund 300 Vorstellungen schwierig geworden.

    Beilagen von Zeitungen, wie Falter oder Standard, schaffen zumindest einen Überblick. Manche Regisseure, wie Woody Allen oder Olivier Assayas bekommen Screenings zur Primetime, unabhängig von der Qualität der jeweiligen Arbeiten. Aber gerade Woody Allen ist immer noch ein Garant für einen vollen Saal und darauf möchte man nicht verzichten. Selbst wenn er dabei sämtliche Bemühungen, das Festival weiblicher zu machen, mit seinem Frauenbild konterkariert.

    Zum Schluss sei noch die größte Überraschung des diesjährigen Festivals erwähnt. Ein Regisseur, der schon seit Jahren mit seinem eigenwilligen visuellen Bildstil und transzendendalen Themen das Publikum immer wieder auf die Probe gestellt hat, ist ins Salzburger Land gekommen, um mit einer österreichisch-deutschen Allstar-Besetzung die letzten Monate des Franz Jagerstätter mit August Diehl in der Hauptrolle zu verfilmen. A Hidden Life von Terence Malick ist nicht weniger als ein Meisterwerk geworden. Nicht nur, dass Schauspieler wie Tobias Moretti oder Karl Markovics zur Höchstform auflaufen, nutzt Malick seinen unverkennbaren Stil diesmal um eine starke Geschichte mit Relevanz zu erzählen und zwar so, dass man sich am Ende denkt: so und nicht anders. Wie die Menschen selbst im entlegensten Bauerndorf die Gunst der Stunde nutzen, um gegeneinander zu hetzen ist und die Familie eines Mannes diffamieren, der den Eid auf Adolf Hitler verweigerte, ist erschreckend. Die Qualen der Ungewissheit, die seine zurückgelassene Frau Franziska (Valerie Pachner) aushalten muss, fängt die Kamera von – erstmals – Jörg Widmer beeindruckend ein. Die Szenen rund um die Hinrichtung des mutigen Franz Jagerstätters sind ganz großes Kino und werden für immer unvergessen bleiben.

    Die Viennale bleibt also der Ort, an dem man so manchen Höhepunkt des Filmjahres zu aller erst zu sehen bekommt. Man muss vielleicht länger danach suchen als früher.


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  • V’19 |VII|THE CLIMB

    V’19 |VII|THE CLIMB

    Kurzbericht von der Viennale 2019

    Zum Abschluss ein Film über eine ungewöhnliche Männerfreundschaft. Ungewöhnlich ist in The Climb aber nicht nur die Beziehung zwischen Kyle (Kyle Marvin) und Mike (Michael Angelo Convino), sondern die Entstehungsgeschichte ebenso wie die Umsetzung. Ausgehend von einer Idee für einen Kurzfilm, die nun der Beginn des Filmes ist, haben die beiden Freunde in zwei Monaten das Drehbuch zu The Climb geschrieben.

    Unterteilt in 8 Kapitel erstreckt sich die Handlung über mehrere Jahre, in denen wir Höhen und sehr viele Tiefen dieser Beziehung zu sehen bekommen. Wobei Mike hier die Rolle des impulsiven und unberechenbaren Parts über hat und man sich immer wieder fragt, warum Kyle überhaupt mit ihm befreundet ist. Etwa, nach dem Mike gleich zu Beginn gesteht, dass er mit seiner zukünftigen Frau geschlafen hat. Es wird nicht das letzte Mal sein, dass Mike sich zwischen Kyle und eine Frau stellt aber deren Beziehung scheint das auszuhalten.

    Der Film hat etwa 15 Szenen, die jeweils ohne Schnitt aufgenommen wurden. Die Kameraarbeit ist dabei sowohl präzise wie originell. Mal beobachtend und dann wieder mitten im Geschehen. Auch der Ton ist besonders hinsichtlich des Entstehungsprozesses sehr gelungen.

    Marvin und Convino standen nach der Vorstellung für ein Q&A zur Verfügung und es war einer jener Momente, wo diese halbe Stunde nicht nur aufschlussreich war, sondern den Film als solchen noch bereichert hat.

    Die beiden Filmemacher nennen Altman, Rohmer oder Sautet als Vorbilder. Sie lieben den französischen Film und Chansons. All diese Einflüsse sind zu spüren und doch haben sie mit The Climb etwas neues geschaffen, nämlich ein erfrischendes Buddymovie, der uns nicht nur zum Lachen bringt sondern auch ein autentisches Leinwandduo präsentiert, bei dem die Chemie einfach stimmt.

    [Ö-Start: 08.05.2020]


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  • V’19 |VI| A RAINY DAY IN NEW YORK | LA GOMERA

    V’19 |VI| A RAINY DAY IN NEW YORK | LA GOMERA

    Als Woody Allen Liebhaber hat man es nicht immer leicht. Eine Top-Besetzung und ein New York in warmen Herbstfarben täuschen hier nicht über teils haarsträubende Dialoge hinweg. Timothée Chalamet als Gatsby ist natürlich Allens Alter Ego und manche Gags wären tatsächlich witziger, kämen sie dem Regisseur selbst über die Lippen.

    A Rainy day in New York schwelgt in Nostalgie, die soweit führt, dass man fast glauben könnte, der Film spiele tatsächlich vor 50 Jahren. Das antiquierte Frauenbild passt jedenfalls in diese Zeit. Entweder sind es Prostituierte oder sie haben nicht immer die Kontrolle über sich. Die letzte Szene setzt dem ganzen die Krone auf.

    [Ö-Start: 5.12.2019]


    Nach und nach offenbart sich in diesem Neo-Noir-Polizeikrimi, warum der Polizist Cristi rund um die Uhr überwacht wird. Der Drogenfahnder kooperiert mit der Mafia und soll bei der Befreiung eines inhaftierten Geschäftsmannes helfen, der alleine über den Verbleib von 30 Millionen Euro Bescheid weiß. Dafür soll Cristi auf der Insel La Gomera die geheime Pfeifsprache der Inselbewohner lernen um so trotz Überwachung mit den Gangstern kommunizieren zu können. Dabei setzt sich die Geschichte mit der Zeit für das Publikum wie ein Puzzle zusammen. Am Ende führt die Reise nach Singapur in den Gardens by the Bay, wo man allabendlich ein schräges Klassikmedley über sich ergehen lassen kann.

    La Gomera ist der rumänische Beitrag für den Auslandsoscar 2020.

    [Ö-Start: 14.2.2020]


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  • V’19|V| JOJO RABBIT | MARRIAGE STORY

    V’19|V| JOJO RABBIT | MARRIAGE STORY

    Das war so nicht zu erwarten. Taika Waititis JoJo Rabbit ist eine Nazi-Persiflage, die nicht nur außerordentlich komisch ist, sondern noch dazu auf inhaltlicher Ebene überzeugt. Ob man über die Nazigräuel lachen darf, wurde schon oft diskutiert. Wer es nicht kann, sollte von dem Film die Finger lassen. Die es können, werden vor lachen fast vom Kinosessel fallen.

    Johannes „JoJo“ Betzler (Griffin Davis) ist ein Hasenfuß, gerade einmal zehn Jahre alt und ein überzeugter Nazi. Seine Mutter Rosie (Scarlett Johansson) verfolgt eine andere Agenda, die aber lange im Dunkeln bleibt. Jojo hat zwei beste Freunde. Einer davon ist Adolf Hitler (Taika Waititi), den er sich stets an seine Seite imaginiert. Jojo tut alles, um ein perfekter Nazi zu sein. Sam Rockwell als Nazi Captain und Tomasin McKenzie (bekannt aus Leave no Trace) als jüdisches Mädchen komplettieren das wunderbare Ensemble.

    Waititi wirft mit Vorurteilen jener Zeit nur so um sich, dass es eine Freude ist. Am Schluss setzt David Bowies Song „Helden“ dem ganzen die Krone auf.

    [Ö-Start: 23.1.2020 ]


    Mit Marriage Story kommt für kurze Zeit einer jener Filme des Jahres in die Kinos, bevor er im Dezember beim Streamingdienst Netflix abrufbar sein wird. Regisseur Noah Baumbach inszeniert, wie sich Scarlett Johansson und Adam Driver als Ehepaar durch ihre Scheidung verändern. Man sieht, wie die Situation sie dazu bringt, Dinge zu tun, die sie eigentlich gar nicht tun möchten. Mal ist es komisch und dann wieder niederschmetternd. Zu Beginn beschreiben sich die Beiden für den Therapeuten gegenseitig. Diese Beschreibungen am Anfang bringen den Kinosaal zum Lachen und genau diese werden das Publikum am Ende zu Tränen rühren.

    Hier passt einfach alles. Die Darsteller übertreffen sich gegenseitig, die Musik von Randy Newman bleibt in Erinnerung. Noah Baumbachs Drehbuch ist eine Chronologie dessen, wozu Menschen in einer Beziehung fähig sind, wenn die Liebe verschwunden ist. Als Beobachter ist man gleichzeitig in und her gerissen, wenn es darum geht, seine Sympathien für die beiden Hauptdarsteller zu verteilen.

    Marriage Story hat das Zeug zu einem Klassiker.

    [Ö-Start: 22.11.2019/Netflix: 6.12.2019]


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  • V’19|IV| THE LIGHTHOUSE | ZOMBI CHILD

    V’19|IV| THE LIGHTHOUSE | ZOMBI CHILD

    Kurzbericht von der Viennale 2019

    Mit betörend schönen Bildern und den finsteren Blicken seiner Hauptdarsteller lockt Regisseur Robert Eggers in sein zwei Personenstück. The Lighthouse wurde auf 35mm und in tiefstem Schwarzweiß gedreht. Das fast quadratische Filmformat 1.19:1 erlaubt kompakte Bildkompositionen, die jene in Cinemascope an Eleganz bei weitem übertreffen.
    In einem Leuchtturm auf einem Felsen arbeiten sich Willem Dafoe und Robert Pattinson bei Wind und Wetter an einander ab. Mangelnde Ernährung, Alkohol und Seefahrermythen tun das Übrige, um die Situation eskalieren zu lassen. Warum hat mich dieses intensive Kammerspiel trotzdem nicht berührt?

    [Ö-Start: 28.11.2019]



    Auf zwei Zeitebenen kombiniert Zombi Child die Kolonialgeschichte von Haiti und Frankreich mit der Offenheit der Bevölkerung des karibischen Inselstaats gegenüber dem Okulten. Im Haiti der 1960er Jahre werden Menschen mittels Vodoo in Zombies verwandelt und für die Arbeit auf den Zuckerrohrplantagen versklavt.

    In der Gegenwart versucht ein Mädchen aus Haiti in einem Pariser Eliteinternat für Angehörige von Legionären in der Klasse Anschluss zu finden. Es scheint eine Verbindung zum zweiten Erzählstrang zu geben. Alleine wollen sich diese zwei Ebenen leider nie zu einem Ganzen zusammenfügen.

    [Ö-Start: unbekannt/Stadtkino Filmverleih ]

  • DORA UND DIE GOLDENE STADT ★★★★

    DORA UND DIE GOLDENE STADT ★★★★

    Bei Verfilmungen von Fernsehserien oder anderer bereits bekannten Geschichten für Kinder, gibt es kaum welche, die sich insofern aufdrängen, als dass man sofort ins Kino laufen möchte. Man tut es dann den Kleinen zuliebe doch immer wieder. Oft bestätigen sich die Befürchtungen. Den Kindern gefällts aber der Gedanke, auch sie hätten besseres verdient, bleibt zurück. Regisseur James Bobin scheint das genau zu wissen und so startet Dora und die goldene Stadt genauso, wie man es erwartet. 

    Vielleicht hat man noch die positiven Filmkritiken im Hinterkopf aber die sind schnell vergessen. Die können sich alle nur irren oder wir sitzen im falschen Film. Völlig überdreht und comichaft rasst Dora durch den Dschungel. Dora (hier in einem Alter wie man sie aus dem Vorschulcartoon kennt: Madelyn Miranda als etwa 7-jährige) wendet sich dann, wie auch in der TV-Serie, schulfernsehmäßig direkt an das Publikum. Man schielt Richtung Notausgang. 

    In der, von Nickelodeon produzierten, Vorlage, werden die Kinder tatsächlich direkt angesprochen. Dabei sollen sie im Original spanische Vokabeln lernen und in der deutschen Version erste Erfahrungen mit der englischen Sprache sammeln. 

    Im Kino dauert der Schock nur kurz an. Alles gut. Voll erwischt. Ein Zeitsprung, zehn Jahre später, Dora, nun gespielt von Isabela Moner, stolpert geradewegs in ihr erstes Abenteuer im peruanischen Dschungel und der Film in eine völlig andere Richtung.

    Im Dschungel lebt sie mit ihren Eltern, den Forschern Cole (Michael Pena) und Elena (Eva Longoria). Als sie ihrem Ziel, der Entdeckung der titelgebenden goldenen Stadt, immer näher kommen, schicken sie ihre Tochter auf die High-School zu Verwandten nach L.A. Für ihren alten Jugendfreund dort ist sie die Peinlichkeit in Person. Dora kennt nichts anderes als das Leben im Dschungel, was für das Publikum einen großen Spass bedeutet. Bei einem Klassenausflug ins Museum kommt es zu einem Zwischenfall und Dora befindet sich mit ihren Klassenkameraden im nächsten Moment in einer Kiste auf dem Weg zurück nach Peru. Die Forschungsarbeit ihrer Eltern rief eine Bande finsterer Typen auf den Plan. 

    Die Kinoadaption der TV-Serie Dora (orig. Dora the explorer) ist ein großes Indiana Jones-Abenteuer für kleine Kinobesucher – und nicht nur die. Der Film nimmt sich nämlich selbst nicht all zu ernst und bietet durchaus Gags auf einer Metaebene. So ist auch für die Erwachsenen Unterhaltung garantiert. Das ist zum größten Teil das Verdienst von Isabela Moner. Sie erweckt die Zeichentrickfigur als sympathisches Energiebündel mit viel Freude und Elan zum Leben. Aufregend und doch kindergerecht ist Dora ein charmantes Kinoerlebnis geworden.

    JAMES BOBIN | USA 2019 | OT: DORA AND THE LOST CITY OF GOLD | 102 Min. | [usr 4]


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  • V’19|III| BACURAU

    V’19|III| BACURAU

    Kurzbericht von der Viennale 2019

    In der nahen Zukunft treffen brasilianische Dorfbewohner in diesem Science-Fiction-Mystery-Thriller auf weiße Suprematisten-Touristen, die eine ganz besondere Safari gebucht haben. Dann verschwindet das Dorf plötzlich auf Google Maps.

    Bacurau kommt leider sehr unentschlossen daher, outet sich erst zu spät und kommt dementsprechend langsam in Fahrt. Als Unterhaltungsfilm nicht wirklich lustig, nimmt sich der Film selbst zu ernst und taugt auch nicht als Gesellschaftskritik.

    Der Film wurde inzwischen von der politischen Realität eingeholt und mausert sich in Brasilien zum Kulthit. Die  Fortsetzung ist bereits in Planung.

    Mit Sõnia Braga und Udo Kier.

    [Ö-Start:. unbekannt]


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