Kategorie: Kommentar

  • OSCARS 2018: Warum in diesem Jahr kein Kriegsfilm gewinnt.

    OSCARS 2018: Warum in diesem Jahr kein Kriegsfilm gewinnt.

    In einer Woche ist es wieder soweit. Am 4. März werden im Dolby Theatre in Los Angeles zum 90. Mal die Oscars vergeben. Jetzt könnten wir natürlich ganz entspannt bis nächsten Montag warten und in der Früh das Radio einschalten. Nun gibt es aber genug Filmbegeisterte, die nicht nur eine Nacht durchmachen, um die Verleihung live zu erleben. Spekulationen im Vorfeld über mögliche Gewinner gehören genauso dazu. Wettquoten spielen dabei eine große Rolle. Es ist so gut wie auf jedem Wettportal möglich, auf den eigenen Favoriten zu setzen. Die Mitglieder der Academy müssen ihre Stimmen aber bereits bis spätestens heute Abend abgegeben haben. Kurioserweise kann man also auf etwas wetten, dessen Ergebnis bereits feststeht. Alles streng geheim natürlich. Dafür sorgen die Notare von PricewaterhausCoopers. Sie haben in diesem Jahr während der Gala übrigens Handyverbot, damit sie sich besser auf die Kuverts konzentrieren können.

    Ob der wichtigste Preis der Filmwelt tatsächlich die Höhepunkte des Jahres vereint, sorgt jedes Jahr für Diskussionen. Lobbyingarbeit spielt bis zuletzt eine große Rolle. Manche haben einen fixen Startplatz, wie Meryl Streep (21. Nominierung), der Fels in der Brandung der Schauspielkunst oder Steven Spielberg, der immer nominiert ist, wenn er sich einem ernsten Thema widmet. In diesem Jahr kommt hinzu, dass durch den Fall Weinstein und die darauffolgende #metoo Debatte sozialer Aktionismus groß geschrieben ist. Die Traumfabrik wurde von der Wirklichkeit eingeholt. Ob der neue Hashtag von größerem Erfolg gekrönt ist als #OscarsSoWhite, wird sich zeigen. Einfluss genommen hat #metoo jedenfalls schon bei der Auswahl der Nominierungen. James Franco wurde für „The Disaster Artist“ erst gar nicht nominiert. Casey Affleck verzichtet als Vorjahressieger auf die traditionelle Preisübergabe im Folgejahr. Dafür gilt Gary Oldman heuer als aussichtsreichster Kandidat obwohl ihm auch Gewalttätigkeiten vorgeworfen werden.

    Damit nicht genug. Die ambivalente Rolle von Sam Rockwell, aussichtsreicher Kandidat für einen Oscar als Nebendarsteller, als rassistischer Polizist in „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ ist für manche zu positiv angelegt, als ob es darum ginge, das Publikum zu belehren. Political Correctness als Totschlagargument. Dabei wurde das Drehbuch von Martin McDonagh bereits bei den Filmfestspielen in Venedig ausgezeichnet.

    Ob das Rockwell die Statuette noch abspenstig machen kann, ist eher unwahrscheinlich. Es lässt sich aber sagen, dass es selten so viele Diskussionen rund um die Oscars gegeben hat, die letzten Endes nichts mit der Qualität der Filme zu tun hatten. Produktionen mit sozialkritischem Hintergrund sind stark vertreten, auch in der Kategorie Bester Fremdsprachiger Film. Die Abrechnung mit dem linksintellektuellen Bildungbürgertums in „The Square“ zählt ebenso dazu, wie „Nelyubov“ von Andrey Zvyagintsev oder „Una mujer fantástica“. „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“, der große Gewinner der Golden Globes, passt in dieses Muster.

    Für Regisseur Guillermo del Toro und sein Wassermärchen „The Shape of Water“ wird es wohl ein Start-Ziel-Sieg werden. Die Preisverleihungen der letzten Monate geben zwar Trends vor. Den großen Gewinner wird es bei den Oscars, die eigentlich Academy Awards heißen, in diesem Jahr aber nicht geben. Trotz der 13 Nominierungen für „The Shape of Water“.

    In einem anderen Jahr wäre Christopher Nolan mit „Dunkirk“, seiner Ode an das Blockbusterkino, eine sichere Bank gewesen. In diesem Kontext hat es ein Antikriegsfilm jedenfalls schwer, sei er technisch auch noch so ausgereift. Da „Dunkirk“ auch ein Hörerlebnis ist, kann davon ausgegangen werden, dass der Film zumindest diesbezüglich honoriert wird.

    Bis sich der Saal im Dolby Theatre füllt, bleibt genügend Zeit, um sich über die (weltweit) teils skandalösen Umstände in der Branche zu empören. Eine Empörung als Profilierung von Wichtigtuern, ohne die Ursachen zu bekämpfen. Hollywood war schon immer gut darin, die Wirklichkeit zu überspielen. Die nächste Party wartet schon.

    © Foto: AMPAS

  • „Turn it up!“ – THX

    „Turn it up!“ – THX

    Der Hintergedanke von THX Ltd. war das Hörerlebnis, unabhängig von der technischen Ausstattung, so zu gestalten, wie es sich die Tontechniker in Hollywood vorstellten. Optimale Akustik und die Beseitigung von Störgeräuschen waren das Ziel.

    In Wien entsprachen im Apollo Kino drei Säle dem Standard. Wegen zu hoher Lizenzkosten verzichteten immer mehr Kinos nach 2000 auf eine Zertifizierung. Die Marke THX ließ sich schlecht verkaufen und im allgemeinen wurde angenommen, dass mit der Digitalisierung ohnehin eine Verbesserung der Tonqualität einherging.

    Was aber nicht die alleinige Intention des Standard war. So hielt neulich mancher Kinosaal einer Vorführung von Blade Runner 2049 nicht stand. Vibrationen erzeugten permanent Störgeräusche.

    „Turn it up!“ muss Grandpa heute auch nicht mehr rufen. Oft ist die Lautstärke zu hoch eingestellt.

    THX Clip Simpsons

     

  • DIE TOP FILME 2016

    DIE TOP FILME 2016

    Es war ein schönes Kinojahr, darum ist die Liste lang. Hier sind die TOP 20 von 2016, in alphabetischer Reihenfolge.

    ARRIVAL
    Science Fiction intelligent, spannend und mit Amy Adams.

    L’AVENIR
    ELLE
    Isabelle Huppert prägt durch ihr kühles präzises Schauspiel in diesem Jahr gleich zwei Filme und wird entgültig zur Filmikone.

    EVERYBODY WANTS SOME!!!
    Die 80er sind zurück. Ein komisches Hit- und Ausstattungsfeuerwerk.

    FORUSHANDE (The Salesman)
    Unglaublich vielschichtiges Drama, bei dem die Systemkritik nicht zu kurz kommt und zwar so, dass es die Zensur nicht bemerkt.

    DIE GETRÄUMTEN
    Ein Raum. Zwei Schauspieler lesen Briefe. Kino auf ein Minimum reduziert, mit maximaler Wirkung.

    THE HAPPY FILM
    Sehr witziger Selbstversuch als Teil eines Gesamtkunstwerks.

    HELL OR HIGH WATER
    Der Western ist im 21. Jahrhundert angekommen, greift gesellschaftspolitische Themen auf und ist überraschend unterhaltsam. Jeff Bridges einfach brilliant.

    HIDDEN FIGURES
    Die Anfänge der US-Raumfahrt aus der Perspektive von afroamerikanischen Wissenschaftlerinnen. Erschütternd und gleichzeitig komisch.

    I, DANIEL BLAKE
    Ken Loach klagt das britische Sozialsystem an. Nichts hat im vergangenen Jahr mehr berührt, als das Schicksal des Daniel Blake.

    KUBO AND THE TWO STRINGS
    Ganz großes Abenteuer in beeindruckender Stop-Motion Technik.

    MANCHESTER BY THE SEA
    Genialer Hauptdarsteller, geniales Drehbuch.

    MIDNIGHT SPECIAL
    Der Science Fiction Blockbuster als Roadmovie getarnt. Das große Spektakel spielt sich abseits der Kamera ab.

    MISS PEREGRINES HOME FOR PECULIAR CHILDREN
    Tim Burton ist in alter Form zurück. Wer wünscht sich nicht Eva Green als Heimleiterin?

    MOANA
    Kleines Mädchen ganz groß. Definitiv einer der besseren Disney Filme.

    MOONLIGHT
    Kann man nicht beschreiben. Muss man gesehen haben. Dank Preisregen eine unglaubliche Erfolgsstory.

    NOCTURNAL ANIMALS
    Nochmals Amy Adams. Tom Ford der neue David Lynch?

    PATERSON
    Ein Film über die kleinen Dinge im Leben und die große Dichtkunst.

    TONI ERDMANN
    Peinlichkeit und große Komik. Ein Meisterwerk.

    UNDER THE SHADOW
    Kluger Grusel in Teheran während des Krieges.

     

  • OSCARS 2017 – Wer setzt sich durch?

    OSCARS 2017 – Wer setzt sich durch?

    Es gibt Kalender die richten sich nach der Sonne und andere nach dem Mond. Der eines Filmfans richtet sich nach einer, nicht minder strahlenden, goldenen Statue, dem OSCAR nämlich. Nach dieser Zeitrechnung ist heute Silvester. Geschlafen wird frühestens Montag früh oder in einem Kinosessel im Gartenbaukino oder im Burg Kino.

    Es wird davor diskutiert und auch danach. Denn in jeder Kategorie gibt es „will win“ und should win“ KandidatInnen. Das trifft auf Casey Affleck und Denzel Washington zu und alle Kategorien, in denen LA LA LAND nominiert ist (das musste jetzt sein). Auch der Auslands-Oscar fällt darunter. Eines scheint im Vorfeld nämlich schon ziemlich klar zu sein: Die Eskapaden der Trump Administration werden Einfluß auf die Entscheidungen haben.

    Schon in den letzten Tagen kam es zu Protesten, nicht auszuschließen, dass dies auch während der Gala zum Thema wird. Meryl Streep wurde eben auf die Liste der LaudatorInnen gesetzt. Bei Bester Film und Beste Regie ist durchaus ein Split möglich.

    Alles Voraussetzungen, dass es in diesem Jahr eine spannende Nacht mit der ein oder andere Überraschung werden wird.